Archiv des Autors: Geerd Heinsen

Die Königin und der Barbier

 

Erika Köth – Ihre schönsten Aufnahmen, ihre größten Erfolge. Das passt immer. Zumal bei der Köth. Die Zahl ihrer schönsten Aufnahmen ist so umfänglich wie die ihrer größten Erfolge. In der Zusammenstellung der neuen Box aus der hübschen Sängerserie von The Intense Media wird eine klingende Bestandsaufnahme versucht (600210). Zehn CDs, nicht immer randvoll. Da kommt einiges zusammen, auch wenn einiges fehlt. Im Oratorium war sie kaum unterwegs. Also kann es keine Aufnahmen geben. Die größten Lücken der Box werden bei Liedern deutlich. Die Köth war auf diesem Gebiet außerordentlich tüchtig. Es gab etliche Schallplatten. Mit Liederabenden bereiste sie die Welt. Nach eigenen Angaben ist sie die erste Sängerin gewesen, die 1961 bei einer Tournee durch die Sowjetunion Hugo Wolf gesungen hat – in Deutsch. Selbst erinnere ich mich gern an meinen eigenen Liederabend mit der Köth, wobei sie ausschließlich Mozart vortrug. Das war Ende der sechziger Jahre in Jena. Sie machte, was nicht selbstverständlich gewesen ist in Zeiten des Kalten Krieges, gemeinsam mit ihrem treuen Begleiter Günther Weißenborn keinen Bogen um den Ostblock. Man kannte sie gut. Aus dem Westfernsehen, wo sie genau so berühmt war wie Willy Brandt oder die Valente. Sie hatte ihre eigene Show und war gern gesehener Gast im „Blauen Bock“, beim Hessischen Rundfunk. Das Fernsehen war ihr größter Erfolg. Es brachte ihr ein Publikum ein, das in Millionen zu zählen ist und nicht in Tausenden wie in den größten Opernhäusern. Niemand nahm der Köth diese Ausflüge übel. Sie bekannte sich dazu, wie sie aus ihrer Freude an einem guten Tropfen keinen Hehl machte. Den eigenen Weinberg gleich um die Ecke. Ihr ganzes Leben lang blieb sie das Kind aus der Pfalz. Noch zu ihren Lebzeiten wurde eine Straße nach ihr bekannt. Eine Ehre, die sonst nur Toten zukommt.

Immer eine elegante Frau: Erika Köth/The Intense Media

Immer eine elegante Frau: Erika Köth/The Intense Media

In der Box werden diese leichten Seiten angeschlagen, die sie so populär und beliebt machten. Deutsche Volkslieder mit Otto Matzerath, der damals Chefdirigent des Frankfurter Radio-Sinfonieorchesters war, am Klavier von 1956 sollen zuerst genannt werden. Warum? Weil sie das Wesen und die Kunst dieser Sängerin für mich sehr anschaulich, vielleicht gar am anschaulichsten offenbaren. Zunächst fällt diese Virtuosität mit einer unangestrengten Höhe auf, die auch in schwindelerregenden Bereichen immer noch natürlich klingt, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, sich in diesen Lagen auszudrücken und zu kommunizieren. Sie holt die Koloratur mit Leichtigkeit in die menschlichen Niederungen zurück. Jedes Wort ist zu verstehen, kein Vokal, kein Konsonant, kein Komma, kein Punkt gehen unter. Sie kann sogar noch dem Z, mit dem das Lied „Z‘ Lauterbach hab i mein Strumpf verlorn“ beginnt, ein Maß an Ausdruck abgewinnen, den man bei diesem unliebenswürdigsten aller Buchstaben nie vermuten würde.

Als Königin der Nacht bei den Salzburger Festspielen 1960 auf dem Cover einer Arien-CD von Ars

Als Königin der Nacht bei den Salzburger Festspielen 1960 auf dem Cover einer Arien-CD von Ars

Sie singt vom Wort her. Wenn sich Erika Köth an das Studium eines neuen Werkes machte, sagte sie sich zuerst den Text vor. Nicht nur einmal. Sie ergründete ihn für sich. Der Text als Basis. Ein phonetisches Einpauken einer Partie wäre für sie nie in Frage gekommen. Obwohl sie die Originalsprache in der Oper für sinnvoll hielt, blieb ihrer Generation deren ausschließliche Verwendung erspart. Als sie die Königin der Nacht in der Mailänder Scala unter Karajan in Italienisch singen musste, begann sie zuvor, die Sprache zu lernen. Textverständlichkeit macht ihre Darbietungen so glaubhaft und wahrhaftig. Uneingeschränkt gilt dies auch für die Volkslieder, die zudem noch in unterschiedlichen Dialekten gehalten und mit mundartlichen Raffungen und Verkürzungen ganzer Wörter einher gehen. Ihre Gesangslinie strömt schlicht und einfach. Einerseits ist das Begabung und gut gelernt, andererseits kann die Köth Töne in einer Weise zu einer Melodie verbinden, dass nichts Überflüssiges bleibt. Ihr Legato ist vollkommen. Es ist wie ein Konzentrat. Ein leichtes Vibrato, das innere Erregung und Anteilnahme verrät, ist ihr Markenzeichen von Anfang an. Es hat sich mit den Jahren verstärkt und wurde ihr nicht selten als Bibbern angekreidet. Mich stört es nicht. Es macht den Klang der Stimme so unverwechselbar, so dass ich sie immer heraus höre.

Erika Köth: Dieses Buch von Günter Werner aus dem Pfälzer Kunst-Verlag ist noch antiquarisch zu haben

Erika Köth: Dieses Buch von Günter Werner aus dem Pfälzer Kunst-Verlag ist noch antiquarisch zu haben.

Die Zauberflöte dürfte die Oper sein, in der sie am häufigsten aufgetreten ist. Einen Rekord erzielte sie mit 250 Auftritten in München. Generationen dürften dort nur die Köth als Königin gekannt haben, was im Nachhinein so unvorstellbar wie leicht gruselig ist. Immer nur Köth, fünfundzwanzig Jahre lang. Selbst die größte Wertschätzung gefriert vor dieser Statistik. Nach Salzburg hatte sie noch eine Empfehlung von Wilhelm Furtwängler geführt. Mit ihren strahlenden „Hojotoho’s“ war ihm die „Kleine“ als Helmwige bei der Schallplattenaufnahme der Walküre 1954 in Wien aufgefallen. Die Szene findet sich auch in der Box, sie muss nicht aus der Gesamtaufnahme im Regal herausgesucht werden. So wird auf kurzem Weg klar, warum Furtwängler im Schlachtruf der wilden Wotans-Maid auf dem Felsen die Königin der Nacht hörte. Ihre beiden Arien sind in der Sammlung geteilt in live die erste (Salzburg 1959) und Studio die zweite (1955). Es fällt auf, wie perfekt Erika Köth diese Rolle beherrschte. Noch in der Drohung verleiht sie ihr menschliche Züge. Sie keift nicht, sie rührt an. Im Interview mit August Everding in der Sendung Da Capo (ZDF 1988) hat sie lange nach Ende ihrer Karriere die finsteren Seiten der Figur herausgestellt. Gestalten konnte sie die nicht. Ihr Timbre gab das einfach nicht her. Sie ist und bleibt für mich die gute Seele, die Lichtgestalt – die Liu, die Gilda, die Sophie, die Konstanze. Alle Figuren finden sich in der Box mit den anrührendsten Szenen wieder.

Allenfalls war sie kokett. Wie als Zerbinetta, deren Arie „Großmächtige Prinzessin“ sie mit großem Spaß an der Freude hinlegt in einer brillanten Einzelaufnahme mit den Berliner Philharmonikern von 1956 unter Matzerath. Niemand dürfte ihr die Frau Fluth nachmachen, deren Arien „Nun eilt herbei“ sie 1954, begleitet von Wilhelm Schüchter am Pult der Berliner Symphonikern, eingespielt hat. Ein ganz besonderer Fall ist das fesche Ännchen in dieser Sammlung. Joseph Keilberth hatte die Köth für seine berühmte Freischütz-Einspielung von 1958 bestimmt. Sie musste aber aus gesundheitlichen Gründen wieder aussteigen. Lisa Otto sprang ein, ohne sie ersetzen zu können.  Erhalten haben sich zwei Szenen, nämlich “Schelm! Halt fest!“ mit Elisabeth Grümmer als Agathe und die Arie „Kommt ein schlanker Bursch gegangen“. Endlich sind sie wieder zugänglich. Allein deshalb hätte ich mir die Edition zugelegt.

Noch sind nicht alle Aufnahmen mit Erika Köth auf CD erschienen. Sammler schätzen auch ihre Platten.

Noch sind nicht alle Aufnahmen mit Erika Köth auf CD erschienen. Sammler schätzen auch ihre Platten.

Das italienische und französische Fach wird, wie damals in den 1950er Jahren hierzulande üblich, in deutscher Sprache gepflegt. Die sagenumwobene Lucia di Lammermoor der Callas war durch Platte und Gastspiel längst auch in der Bundesrepublik bekannt und hatte den modernen Standard gesetzt, als sich Erika Köth auf die Rolle in München einließ und zwischen Ende 1956 und Oktober 1968 sage und schreibe hundert Mal darin auftrat – mit großem Erfolg. Eine gute halbe Stunde aus dem großen Querschnitt, der 1957 in Berlin unter Wilhelm Schüchter im Studio entstand, lässt den heutigen Zuhörer etwas ratlos zurück, zumal auch Rudolf Schock als Edgardo, Josef Metternich als Enrico und Gottlob Frick als Raimondo das Ihre dazu beitragen, dass aus Lucia eine deutsche Oper wird und stellenweise ein bisschen wie Martha klingt. Besser schneiden für mich die fünf zusammengewürfelten einzelnen Szenen aus Rigoletto ab, was auch darauf zurückzuführen sein dürfte, dass diese Oper von Verdi eine viel stärkere Pflege im deutschsprachigen Raum genoss hatte als die damals noch unbekannte Lucia Eine Episode in der Laufbahn der Köth blieb die Butterfly. Sie hatte die Rolle zwar studiert und sie für sich mehrfach durchgesungen – bis zur Heiserkeit. Ihr war aber bald klar geworden, dass sie sich damit die Stimme in der Mittellage ruinieren würde. Eine kluge Einsicht. Als nichts mehr zu befürchten stand, nämlich 1978, ist sie mit der Arie „Eines Tages seh’n wir“ schnell noch ins Studio gegangen. Das Duett „Mädchen, in deinen Augen liegt ein Zauber“ hat sie sich im Konzert mit Rudolf Schock und dem Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Kurt Eichhorn gegönnt.

Die Köth als Liedsängerin auf einer alten Langspielplatte

Die Köth als Liedsängerin auf einer alten Langspielplatte

Solche Live-Einsprengsel machen sich gut in dieser Sammlung, die weitgehend aus offiziellen Produktionen besteht. Sie sind ganz im Sinne der Sängerin, die in dem bereits zitierten Interview vom „Fluch der Schallplatte“ sprach. Das Publikum wolle es immer genau so perfekt haben wie untern den idealen Bedingungen des Aufnahmestudios, wo ein verunglückter Ton auch wiederholt werden könne. Dabei kann es die Bühnen-Köth noch mit jedem Studio aufnehmen. Missglückt ist da nie etwas. Es ist nur anders. Im Gegensatz zu anderen Kolleginnen ist sie mir vor dem Mikrophon letztlich lieber, weil sie da vielleicht noch mehr wagte als sie es sich auf der Bühne zutraute. Sie war auch eine Gezeichnete. Geschlagen durch die frühe Kinderlähmung, die ihre Spuren hinterlassen hatte, wogegen sie tapfer ankämpfte. Allein vier CDs gehören der Operette. Da bleiben kaum Wünsche offen. FledermausWiener BlutZigeunerbaron (Johann Strauß) Banditenstreiche (Franz von Suppé), Gasparone (Carl Millöcker), CsárdásfürstinVeilchen von Montmartre (Emmerich Kálmán), Vetter aus Dingsda (Eduard Künneke), Schwarzwaldmädel (Leon Jessel) und jede Menge Franz Lehár mit Graf von LuxemburgZarewitschFriederikeLand des Lächelns. Bis auf ein Duett aus dem Veilchen von Montmartre mit Schock stammt alles aus dem Studio. Meist sind es Rundfunkproduktionen, die auch den Weg auf Platte fanden, später auf CD. Sie erreichten große Auflagen, haben zeitweise sogar die bedeutende Operngestalterin in den Schatten gestellt, was ihr nicht Recht sein konnte, woran sie aber nicht unschuldig war.

1-CD Box Hermann PreyWer sich mit Erika Köth beschäftigt, kommt zwangsläufig auf Hermann Prey, dem Intense Media ebenfalls eine neue Box widmet (600205). Beide sind sich im Plattenstudio und auf der Bühne begegnet. Ein Traumpaar waren sie nicht. Rollen gaben das nicht her. Prey ging auch sehr eigene Wege. Ich erinnere mich gern an den Barbier von Sevilla aus dem Münchner Cuvilliés-Theater, der Anfang der 1960er Jahren in Schwarz/Weiß zu bester Sendezeit auf dem Fernsehschirm erschien. Da lebten Wunderlich (Almaviva) und Keilberth noch. Hotter als Basilio im Priestergewand mit spanischer Mütze, so groß wie ein Paddelboot. Prey als Barbier und die Köth als Rosina. Alle, Mitwirkende und Zuschauer, hatten einen Heidenspaß. Ein sehr deutscher Rossini, so deutsch wie die Münchener Lucia. Soweit, so gut. Der in der Erinnerung konservierte Glanz der Inszenierung hat sich in der Veröffentlichung auf DVD ins Mausgraue verflüchtigt. Die Rossini-Renaissance ließ nicht viel davon übrig. Selten fand ich mich in meiner Erinnerung so getäuscht. Und dennoch hat sich diese Produktion, die 1959 entstand (noch zwei Jahre jünger ist ein Querschnitt bei der EMI), tief ins Gedächtnis eingegraben. Szenen finden sich wie in der Köth-Box nun auch bei Prey.

Barbier von Sevilla Münchner Guvilliés-Theater mit Erika Köth und Hermann Prey

Der „Barbier von Sevilla“ im Münchner Guvilliés-Theater mit Erika Köth und Hermann Prey – hier ein Screenshot aus der TV-Produktion, die es bei Deutsche Grammophon auf DVD gibt.

Gerade mal dreißig, stellt er einen eloquenten Barbier vor, mit allen Wassern gewaschen ist, doch stets der Kavalier, dem man seine Börse anvertrauen würde. Er badet in der Partie, ist mir bei aller Zuneigung für die anderen der liebste Akteur, weil er mit seiner Darstellung auch heute noch punkten kann. Prey ist in einem gewissen Sinne zeitlos. Obwohl er wie seine Kollegin Erika auch diese Neigung zur Unterhaltung mit eigener TV-Show in sich trug, bleibt seine Box bis auf eine Operetten-CD, deutlicher der Kunst verpflichtet. Es sind andere Prioritäten gesetzt. In die Breite geht das Angebot bei Liedern: Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Mendelssohn, Grieg – und jede Menge Loewe, den er nicht gestelzt vorträgt sondern ganz natürlich, als würde er ihn befreien. Er holt Loewe in die Gegenwart. Die zwölf Balladen von 1976 mit Karl Engel am Flügel –  beide nahmen bereits 1972 bei Philips eine Loewe-Platte auf – adeln die Sammlung. Ich scheue mich nicht, dies auch vom Liederzyklus Der Kleine Rosengarten nach Versen des viel gescholtenen und umstrittenen Hermann Löns zu sagen: „Über die Heide geht mein Gedenken!“ Ist das je schöner, inniger gesungen worden? Solche Lieder haben auch heute eine Chance, wenn sie mit der gleichen Hingabe wie Schumann vorgetragen werden.

Prey überzeugt, weil er sich ungebremst zu Gefühlen bekennt. So überrumpelt, kommt beim Zuhörer der Gedanke an Kitsch gar nicht erst auf. Nicht weit weg sind die Szenen aus deutschen Opern. Seine besten Aufnahmen sind dabei – die frühen Szenen aus Das Nachtlager von Granada  (Konradin Kreutzer), Der Trompeter von Säkkingen (Victor Nessler), Korngolds Die tote Stadt und Humperdincks Königskinder, zwischen 1956 und 1958 produziert unter Wilhelm Schüchter. Obwohl sich Prey seine jugendliche Stimme bis ins Alter erhalten hat, ist der Anfang echter als der geliftete Ausdruck am Ende der Karriere. Mir haben die in der Edition versammelten Aufnahmen, einschließlich der gemischten Kost wie Carl Orffs Orpheus nach Monteverdi (Bayerischer Rundfunk 1974 unter Kurt Eichhorn), Prey in seiner breit angelegten Begabung wieder sehr nahe gebracht. Diese Vielseitigkeit ist es, die schließlich am stärksten fasziniert. Bei ihm wie bei der Köth.

Rüdiger Winter 

Viva Franco Corelli!

In seinem aktuellen Newsletter der holländischen Franco-Corelli-Gemeinde (FrancoCorelli.nl) weist der Vorsitzende und spiritus rector Réne Seghers auf zwei neue Bücher über den unvergessenen Tenor hin, eines davon vom Stimmenspezialisten Stefan Zucker, unvergesslich durch seinen Film über italienische Sänger und dto. Vorsitzender der amerikanischen Bel Canto Society. Im Folgenden die Details und Links. Über René Seghers haben wir ja vielfach im Zusammenhang mit seinen Veröffentlichungen holländischer Opern berichtet, so über Karel Miry und De Pauw. Nun also ein Auszug aus seinem Newsletter. G. H.

René Seghers: This serves to inform you of two Franco Corelli book releases, one brand new by the inimitable Stefan Zucker, the other a Georgian publication by Manana Homeriki! The latter we provide for free as direct pdf download. We also point your renewed attention to our two downloads, An Ardent Lesson and Guerrini’s Enea.

corelli zuckerStefan Zucker: Franco Corelli and A Revolution in Singing /René Seghers published a rather long review of Stefan Zucker’s first of three volumes dedicated to the genealogy of (mostly Italian) tenor singing from Domenico Donzelli to Plácido Domingo. Stefan Zucker is a household name in the world of opera collectors through his Bel Canto Society, which since (Seghers believes) the late 1980’s provided first videos and then also cd’s and dvd’s of historic telecasts with opera stars of the golden age up to the 1970s. Zucker has also been active as a singer and released at least one LP. Depending on one’s viewpoint, one may dub his singing and writing as either controversial or colorful. When bypassing some heated online discussions on details that unfortunately caught the bulk of attention, the book mostly deals with various aspects of (mainly Italian) tenor singing from Domenico Donzelli up to Plácido Domingo. Most of the singers included are discussed by means of transcripts from his Opera Fanatic broadcasts with Franco Corelli in the 1990s. These interviews on various techniques employed by the tenors included form the core of this book. Interspersed throughout is some more controversial innuendo of the type Zucker is known for. Apart from reviewing the contents of the book, we will also look into those discussions. Apart from my own review, we also published excerpts of various other reviews there. All this can be found in the book reviews section on Franco Corelli.nl. The first of Zucker’s three volumes is finally out, about 24 years after he first contemplated publishing a book on Corelli. Seghers remembers very well that his announcement of such a book on one of the Opera Fanatic broadcasts made him very curious, and it was only after he gave up waiting that he contacted Corelli himself in 1997, which then resulted in his own Corelli biography, Prince of Tenors. Stefan’s Franco Corelli and A Revolution in Singing is directly available from Bel Canto Society here or from Amazon.

corelli book 1Manana Homeriki: Franco Corelli the beautiful voice of 20th century/ Manana Homeriki herself published her Georgian language book in 2011. The language barrier and the unavailability in Europe resulted in me discovering the book only recently. She then provided Seghers with a copy, and I worked on a descriptive review based on her translated index and a summary of the chapters’ contents. The book is compiled from known sources from Marina Boagno to Prince of Tenors, and the books of Buljegin (Russian) and Landini (Italian), with added information that she found online. Intriguing is Homeriki’s personal involvement, which includes a chapter where she explains Corelli’s sensitiveness and his communicative gift from the gospel! Admittedly, I had to adjust to this idea, but in the context of her intentions and her motivation, this actually made sense. Rather than judging different viewpoints from my own cultural background, René Seghers decided to let himself be marveled by what Franco Corelli brought to different parts of the world than Europe or the USA. You can find the review and a free integral pdf version of the book here.

At the end of this newsletter, says René Seghers, he would like to point attention to the only two downloads that FrancoCorelli.nl currently offer. The first one concerns the 2CD length MP3 Download ‘An Ardent Lesson’. It deals with the beginnings of Corelli’s career, when he studied the technique of Arturo Melocchi. In the wake of writing Prince of Tenors, I was given a copy of a voice lesson that Arturo Melocchi gave to the tenor Gastone Limarilli, presumably around 1958. Melocchi teaches Limarilli some vocalizes and the interpretative finesses for ‘Celeste Aida’ and sections of Turandot. Among the latter is the famous passage ‘Ti voglio ardente d’amor’. Most tenors shun the optional high C there, but Corelli always sang it in performance. When Melocchi explains Limarilli how to sing it on stage, Limarilli tells him that he always sings the lower option. Melocchi then exclaims that this is ‘bruta’ (ugly). Even if you don’t speak Italian, you will be able to follow the sections of the lesson because the booklet has the tracks annotated in English. In addition, you find the rehearsed sections in full renditions by Limarilli, as well as by other Melocchi pupils, most notably Mario Del Monaco, Franco Corelli himself, and Melocchi’s last pupil, Robleto Merolla, who also reflects on Melocchi in a bonus track. splicing Franco’s Calaf renditions of the sections rehearsed in as a bonus, you can hear exactly on what anvil his interpretation was forged. ‘An Ardent Lesson’ comes with an elaborate, 34 page pdf booklet. The download is available here.

Franco Corelli als Enea in Guerrinis Oper/401DutchOperas.com

Franco Corelli als Enea in Guerrinis Oper/401DutchOperas.com

Corelli created the roles of Orfeo and Turno in Guerrini´s Enea in 1953. His two World Premiere performances of March 11 and 15 at the Rome opera were unfortunately not recorded. Therefore, no one had even the faintest idea about the music, until Prince of Tenors revealed the existence of a later recording of Guerrini’s Enea, dating back to January 1960. This recording has Renato Gavarini in Corelli’s part of King Turno of the Rutuli. It is this unique recording that we released, hoping to create further insight in Corelli’s early career, especially with respect to those roles that he sang, but that went unrecorded by him. You can find the article with MP3 samples here. Download the complete recording of Enea release here.

Héroique

Schon längst kein Geheimtipp mehr, vor allem seitdem er für den indisponierten Jonas Kaufmann in London als Énée in Berlioz‘ Troyens einsprang (davon gibt es eine Blu-ray), ist der amerikanische Tenor Bryan Hymel, dessen weitgespanntes Repertoire man nur mit Staunen zur Kenntnis nehmen kann. Die Lösung des Rätsels von so beachtlicher Vielseitigkeit liegt in der einerseits fanfarengleichen, sicheren Höhe, verbunden mit der Fähigkeit zur heldischen Attacke. So kann er vom Duca bis zu den dicken Brocken der französischen Oper alles singen, letzteres jetzt anhand einer CD für den ungläubig Staunenden nachprüfbar. Im klugen Booklet äußert sich der Sänger zu den Partien, die heutzutage kaum noch ein Tenor singen kann, einer der Gründe für die mageren Aufführungszahlen, was diese Werke angeht. So hat der Tenor nicht alle Partien bereits auf der Bühne gesungen, die auf der CD vertreten sind, aber doch

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die Mehrzahl davon. Nuancierung und Balance sind dabei die künstlerischen Tugenden, die er erfolgreich anstrebt, obwohl natürlich die stupenden Höhen und das heldische Metall als Erstes ins Ohr fallen.

Die CD beginnt mit der berühmt-berüchtigten Arie des Arnold aus Rossinis Guillaume-Tell-Oper, wie nicht wenige französische Rollen viele Sänger nicht nur wegen der zahlreichen Spitzentöne, sondern auch der hohen Tessitura in Verlegenheit bringend. Hymel meistert das Bravourstück mit perfekter voix mixte und einer geradezu unheimlichen Fermate auf dem Spitzenton. Ein etwas dunkleres, aber immer auch ein Strahlen lässt er dem Preisen der Natur durch Berlioz‘ Damnation de Faust angedeihen, dessen hymnischen Ton er perfekt trifft und für den er einen bemerkenswert langen Atem hat. Grandios ist die Steigerung am Schluss der Arie. In den Lombardi als Oronte bekannt, dessen Arie gern auch in Recitals Eingang findet, ist die französische Fassung als Jérusalem mit einem Gaston bedacht, der einen fulminanten Spitzenton singt und dessen Tiefe ebenfalls angenehm ausgeprägt ist. Er klingt insgesamt etwas weicher als sein italienischer Zwilling. Ebenfalls aus der französischen Fassung einer Verdi-Oper ist die Arie des Henri (in Italien Arrigo) aus den Vêpres Siciliennes, in dem Hymel ein Rezitativ von schöner Nachdenklichkeit, sehr intim klingend, anbietet, auch in der Arie nicht die große tragische vokale Geste wählt und mit einem ungewohnten Spitzenton am Ende überrascht. Natürlich fehlt der Énée nicht, ist mit der großen Arie vor der Abreise nach L’Italie vertreten. In einem schönen, lyrisch gehaltenen ersten Teil wird der Zwiespalt, in dem der Held sich befindet, sehr deutlich, zärtlich klingt „Ah! Quand viendra l’istant“, variationsreich wird la „reine adorée“ besungen.

Des Titels der CD wahrlich würdig ist die Arie des Adoniram aus Gounods Reine de Saba, auch sie von einem langen Spitzenton gekrönt und im zweiten Teil zu lyrisch Geschmeidigem findend. Aus Meyerbeers Africaine gibt es nicht nur die Bravourarie, sondern auch die anschließende Szene mit Chor zu hören, eine farbige mezza voce erfreut ebenso wie das heldische „Ah, marchons“, nämlich dem Tode entgegen. Opernhäuser, die den Komponisten würdigen wollen, sollten sich diese Stimme nicht entgehen lassen. Lange auf einem Atem wird die Arie des Jean aus Massenets Hérodiade gesungen, lange Phrasen strahlen eine große Ruhe aus, machtvoll wird le Seigneur angerufen. Ernest Reyer, der ohne das Wissen um den Ring an einer Nibelungenoper arbeitete, steuert die Arie des Sigurd bei. Interessant sind die Bläserbegleitung und der dunkle Orchesterklang für die Waldszene im 2. Akt („Salut splendeur du Jour“). Emile Zola zählt zu den Librettisten von Bruneaus L’Attaque du moulin, in dieser recht wagnernahen Musik kann die Stimme ihre ganze Fülle entfalten. Den Abschluss bildet die Arie des Gaspard aus Rabauds Rolande et le mauvais garcon, aus der der Sänger eine leidenschaftlich Hymne auf „l’amour“ gewählt hat,“ j’aime“ in vielen Variationen singt und den Hörer staunen lässt, wieviel schöne, aber unbekannte Musik es zu entdecken gibt. Das Prague Philharmonia (Orchestra) hat in Emmanuel Villaume einen Dirigenten gefunden, der sie stilsicher durch das wenig vertraute Repertoire führt (Warner Classics 0825646179503).

Ingrid Wanja

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Ganz und gar ungewöhnlich die Ouvertüre: Tschaikowsky hat die Stimmen in die Bläser gelegt und führt mit fast bizarren Linien in ein fernes Reich, in das Frankreich des guten Königs René. Man muss gleichsam durch ein Tor schreiten, bevor sich im wahrsten Sinn des Wortes ein Garten auftut, in welchem der König seine Tochter Iolanta, geschützt von ihren Begleiterinnen, ohne das Wissen um ihre Blindheit aufwachsen lässt. Ebenso durchschreitet der Hörer ein Tor und tritt in einen Garten, auf den und er sich freilich einlassen muss. Ebenso wie auf die handlungsarme Geschichte und die wiegenden und sich verwebenden Gesänge von Iolanta und ihren Mädchen. Die Geschichte, die Tschaikowskys Bruder nach einem dänischen Schauspiel für die Bühne adaptierte, lässt sich natürlich tiefenpsychologisch als Prozess des Erwachsenwerdens (starker Symbolgehalt kommt den roten und weißen Rosen im Garten zu), der Abkapselung vom Vater und des Verlusts der kindlichen Unschuld deute, darin nicht unähnlich der Mascha im Nussknacker, der am gleichen Abend wie Tschaikowskys letzte Oper in St. Petersburg uraufgeführt wurde. Mich hat Iolanta erst in einer Aufführung in Kiew fasziniert, die so wirkte, als haben alle Damen des Ensembles Blumen gefaltet und genäht und die Bühne damit rundum aufgerüscht, die aber in ihrer Naivität eine rührende Wahrhaftigkeit entfaltete.

Anna Netrebko sang die Iolanta erstmals 2009 im Festspiel Baden-Baden, wo sie Mariusz Trelinski in eine Inszenierung bettete, die natürlich ungleich ambitionierter war (und in der Netrebko dieser Tage an der Met auftritt). Netrebkos Einsatz für Iolanta, die sie anschließend auch mehrfach in konzertanten Aufführungen in Salzburg, Amsterdam oder Barcelona sang, wobei im November 2012 in Essen der DG-Mitschnitt entstand, ist – wie im Fall der Giovanna d‘ Arco – nicht hoch genug zu veranschlagen. Gleich in ihrem ersten Arioso, in dem Iolanta trotz aller Behütetheit doch eine ungewisse Sehnsucht offenbart, zeigt Netrebko, wie fabelhaft ihr die Partie liegt; eigentlich ist die Stimme inzwischen schon zu mütterlich, reif und schwer für die Iolanta, dafür wartet sie mit einer machtvoll strömenden, dunkel glänzenden Mittellage und fülliger Tiefe und eleganten Linien auf.

Das Märchen ist schön: Die Ritter Robert und Vaudémont geraten in den verbotenen Garten. Iolantas künftiger Bräutigam Robert hat sich inzwischen in eine andere verliebt und beschwört die Flammen der Liebe, was Alexej Markov mit solidem, etwas zu väterlich klingendem Verdi-Bariton gelingt, während Vaudémont eher von verborgenen Schönheit schwärmt. Vaudémont trifft auf Iolanta und verliebt sich auf Anhieb in sie. Sergey Skorokhodov ist kein Beczala (der die Partie in Baden-Baden gesungen hatte), ist eher leidenschaftlicher Draufgänger als schwärmerischer Lyriker, passt aber gut zu Netrebko und beider Duett gerät ausgezeichnet. Vaudémont entgeht nur dem Tod, den der König jedem angedroht hat, der Iolanta auf ihre Blindheit hinweist, wenn die Prinzessin nach der geplanten Operation durch den maurischen Arzt sehend wird. Ist es medizinisches Wunder oder Können oder schlichtweg die Macht der Liebe – auf jeden Fall gewinnt Iolanta ihr Augenlicht, worauf alle die Kraft der Schöpfung preisen. Iolanta wird immer ein Mauerblümchendasein fristen, daran rüttelt auch die von Emmanuel Villaume umsichtig einstudierte Aufführung und Aufnahme nichts. Durchweg gut die Besetzung: Vitalij Kowaljow ist mit seinem expansiven und ausdrucksvollen Bass ausgezeichnet als König René, Monika Bohinec charakteristisch als Amme Martha und Lucas Meachem kann gewiss mehr, als er in der Szene des Ibn-Hakia zeigen kann (DG 2 CD 479 3969).

Rolf Fath

 

 

 

Back in the Limelight

Was für ein pralles Program findet sich auf der website der Operetta Archives von Nan und Michael D. Miller in Culver City. Die Broadway-Hits der frühen Jahre des letzten Jahrhunderts erklingen neu, wiedererweckt in verschiedenen Dokumenten in moderner Interpretation und fabelhafter Dokumentation. Für den Sammler und Liebhaber der Broadway-Szene ein Fest.Und ein wichtiges Stück Sozialgeschichte ist dies auch.

musicals operetta archive 4Das beginnt mit Back in the Limelight mit Piano Selections (Adam Aceto und Patrick Johnson; DA 1018) mit so wunderbaren Stücken wie „A lonely Romeo“ von Franklin und Hood Bowers, Half a King von Englander, „Song of the Flame“ (irre!) von Gershwin und Stothart und viele mehr. Piano Reductions, also Klavier-Reduktionen, waren ungemein beliebt und wurden in den Kneipen, den Bars und zu Hause am Klavier gespielt. Klavier-Arrangements der Hits sollte man vielleicht besser sagen. Die Bearbeitungen trugen entscheidend auch zur Verbreitung und zum Erfolg der Bühnenshows bei. Interessant sind bei dieser und anderen CDs der Serie für mich die Übergangskomponisten wie Ludwig Englander, der wie Victor Herbert aus Europa kam und die gut gelernte Wiener und andere Operette mitbrachte und sie dann modifizierte und ins Amerikanische übersetzte. Englander, hier mit Half a King vertreten, kam um 1880 nach New York und premierte bereits 1886 seinen Half a King – eine komische Oper über einen Bandenchef, der eine adoptierte Tochter an den Sohn eines französischen Grafen verheiraten und viel Geld kassieren will, damals ein großer Hit. Balfes Bohemian Girl grüßt. Die beiden erwähnten Herren am Klavier schaffen Flottes und Atmosphäre.

musicals operetta archive 3Mehr oder weniger das Gleiche, zumindest ähnlich, bietet Broadway tuned up, Orchestral selections aus frühen Bühnenmusicals, zum Teil dieselben Titel wie „A lonely Romeo“, nun mit der Band. Und da finden sich ab 1910 die uns bekannteren Namen wie Jerome Kern mit seinem „Nobody Home“ von 1915 oder „Head over Heels“ von 1918 (dto.). Aber eben auch von Louis Hirsch das flotte „O ´Brian Girl“ von 1921, „Oh my dear“ 1918, Rudolf Friml mit „The Blue Kitten“ von 1913 oder Manuel Klein mit „The Auto Race 1907“ – auch diese Übergangskomponisten aus Europa, die eine mehr oder weniger bedeutende Karriere in Amerikas Musikwelt machten. Neben dem sehr erfolgreichen Kern war es auch der Tscheche Robert Friml, der mit Rose-Marie bis heute überlebt hat. Sein erster großer Erfolg gelang ihm mit The Firefly von 1912. The Blue Kitten ist die muskalische Version des Stückes Le Chasseur de Chez Maxim´s von Mirande und Quinson, dessen Verarbeitung zu einem Bühnenstück Anstoß erregte (man war noch sehr prüde zu der Zeit), aber als musikalische Komödie von Friml einen enormen Erfolg hatte (OA 1923).

musicals operetta archive 1Fascinating Night (OA 1012) ist das erste von zwei Volumes mit Stücken aus den frühen Tagen des Musikalischen Unterhaltungs-Theaters und vereint, wieder, vieles Unbekanntes von Bekannten oder weniger Bekannten. Überraschend ist der Song „Argentine“ aus Caroline 1912 von Künneke in der Bearbeitung von Alfred Goodman, ein flotter Feger! Oder es gibt das köstliche „My Pirate Lad“y von Sigmund Romberg.  Oder „I like the boys“ aus Sybil von Victor Jacobi, einem ungarischen Komponisten, der damit einen Riesenhit landete. Überhaupt findet sich wieder diese Übergangszeit der Operette vom Alten Kontinent auf dem Wege zum Musical in den USA, die mit den Namen wie Paul Rubens, Aladar Rényi, Romberg, Leo Fall (The Lady in red), Fritz Kreisler (Apple Blossom, bis heute zumindest bekannt), Herman Darewski, Armand Vecsey und vielen anderen verbunden ist. Hier wie auch auf der zweiten CD dazu, City of Dreams (OA 1013), finden sich die europäischen Urgroßväter der späteren Dauerbrenner am Broadway. Ihre Namen sind weitgehend verschollen – Anselm Goetz, Jean Briquet, Jean Schwartz, Henry Bérenyi, Milton Schwarzwald und viele andere bilden mit ihren Kompositionen für New Yorks Theater Strip das Fundament einer sich immer stärker entwickelnden Unterhaltungsindustrie. Der Stummfilm lernte gerade laufen, und das Musiktheater mit den vielen billigen Sitzen war das Zentrum der Unterhaltung, nicht nur der Up-Town-Bürger und -Oberschicht, sondern auch der vielen Neuankömmlinge, die der neuen Sprache nicht oder nur wenig mächtig waren. Die oft auch derben, meist handslungsmäßig simpel gestrickten Musikshows überbrückten diesen Graben der mangelnden Verständigung. Einwanderer lebten in ethnischen Gruppen und Stadtteilen zusammen und kannten heimische Operetten und musikalische Unterhaltung oder auch Vaudeville von zu Hause. Die Übergangskompositionen ins populäre Schmissig-Musicalhafte bahnten sich allmählich ihren Weg und ließen die eher sentimentalen, konventionellen Operettenlieder hinter sich, aber das kam erst in den Zwanzigern.

musicals operetta archive 2Faszinierend finde ich auch die vielen Bearbeitungen. So etwa „Clo-Clo“ ganz frech nach Léhars Lustiger Witwe von 1925 in einer Bearbeitung von Graham und Furber oder „The last Rose of Summer“ aus The Cabaret Girl von Jerome Kern 1922, wo Populäres zu einem Hit wieder verarbeitet wird. Spannend. Die Präsentation dieser beiden letzteren CDs wird von Sänger-Solisten getragen. Auf Fascinating Night hört man Robin De Leon und Julie Wright, Sopran, sowie Peter Halverson, Bariton. City of Dreams wird von Robin Farnsley und Julie Wright sowie erneut von Peter Halvarson bestritten. In beiden Fällen begleitet Victoria Kirsch schmissig am Klavier und unterstützt diese hochinteressanten Ausgaben – die ja auch einen Blick auf die Ursprungsländer der eingewanderten Komponisten zulassen. Was diese hier vorgestellten CDs besonders auszeichnet sind die Artikel zu den Werken/Stücken von Michael Miller (in Broadway tuned up auch ein Aufsatz des Pianisten Adam Aceto), angereichert mit Posters der Uraufführungen. Vitale Details wie Lebensdaten und vor allem zu den Aufführungen selbst (Casts etc.) finden sich hier zu einem Kompendium über das frühe amerikanische Musiktheater zusammen, das der Alten Welt soviel verdankt und sich in der Neuen auf faszinierende Weise selbstständig und unabhägig macht. Was für ein Spaß!

Geerd Heinsen

(www.OperettaFoundation.org)

operetta foundation 1

Majestätisch

Die wohl bekannteste, aufregendste, einfach unverwechselbare, unbestritten einzigartige Sängerin aus Polen ist Ewa Podleś, einer der wenigen echten Contraalte und eine uneitle, ganz ihrer Kunst ergebene Sängerin dazu. Im Juni 2014 gab sie in Posen einen Arienabend, den es zum Glück nun auf CD gibt. La Podleś wurde zunächst als Rossini-Sängerin bekannt und hoch geschätzt, inzwischen hat sich ihr Repertoire längst erweitert, bleibt aber hörbar immer im Rahmen des der Stimme Möglichen.  Auch auf der rund eine Stunde dauernden CD ist der Komponist aus Pesaro, wo sie viel sang, vertreten, mit der hoch virtuosen Arie des Ciro „Ciro infelice“ aus Ciro in Babilonia und mit Isabellas „Cruda sorte“ aus L’Italiana in Algeri, wahrscheinlich als Zugabe zu dem sowieso schon reichhaltigen Programm. Wer allerdings als Ouvertüre zu Aureliano in Palmira ihm nicht vertraute Musik zu hören gedenkt, wird sich sofort an Il Barbiere di Siviglia erinnert fühlen. Ewa Podles singt die beiden Rossini-Arien mit der von ihr gewohnten Farbenpracht des Timbres, mit schön ausgeformten Phrasen, dem Rezitativ die Bedeutung zugestehend, die es erwarten kann, mit mühelosen Intervallsprüngen und mit extrem tiefen Tönen, die der reine Irrsinn zu sein scheinen. Sogar die Höhen behalten die Mezzofarbe der Stimme bei. Auch bei ihrer Isabella kann man den schön gerundeten Ton bewundern, Geläufigkeit und Präzision und die immer weich bleibende Stimme.

Lukasz Borowicz/Koncert Polskiej Orkiestry Radiowej (próba) lutoslawski.org.pl

Lukasz Borowicz/Koncert Polskiej Orkiestry Radiowej (próba)/ lutoslawski.org.pl

Das Programm beginnt mit der Ouvertüre zu Glucks Iphigénie en Aulide im Arrangement von Richard Wagner, und bereits hier beweist das Philharmonische Orchester Posen unter Łukasz Borowicz, dass es nicht nur stilsicher die Solistin zu begleiten weiß. Unter seiner Hand schwingt sich das Posener Orchester zu großer Form empor, zeigt Brio ebenso wie eine bewundernswert aufgefächerte Dynamik, lässt den Witz in der Musik ebenso aufblitzen wie es die tragisch-grandiosen Formen des pathosreichen Ausdrucks befördert – mit Borowicz hat man einen der ganz wichtigen Hoffnungsträger in der internationalen Dirigentenlandschaft vor sich (demnächst wird Glucks Iphigénie en Tauride von ihm auf CD erscheinen). Man wünscht vor allem seinen in Polen doch reichlich anzutreffenden Aufnahmen (so auch die vom Beethoven-Fest in Warschau) eine gute Verbreitung auch im westlichen Ausland.

Natürlich darf in diesem Recital die Klage des Orpheus nicht fehlen, in der das sonore, edle Timbre besonders zur Geltung kommt, das tiefe Register nicht zu brustig klingt. Brio und Eleganz, allerdings keine Jungenhaftigkeit lässt die Sängerin dem Orsini aus Donizettis Lucrezia Borgia zuteil werden mit einer bewundernswerten Variation im zweiten Teil. Düster dräuend klingt in schöner Schwermut und farbig auch in der mezza voce die Arie aus Prokofievs Kantate Alexander Newski. Die ideale Besetzung ist La Podleś für Ponchiellis Cieca, der sie ungewohnte Vollmundigkeit, Gefühl und Fülle wie selten eine Sängerin gibt. Einen virtuosen Schluss verleiht die Stimme Azcenas „Stride la vampa“, bei strenger Beachtung der Agogik. Humorvoll charakterisierend gelingt die Arie aus Massenets Cendrillon, ehe Isabella zu Wort kommt. Das Zwischenspiel aus Cavalleria Rusticana ließ zuvor die Sängerin Atem schöpfen, eher mit Dezenz als mit üppigem Gefühl dargebracht (DUX 1134).

Ingrid Wanja

http://www.podles.pl// http://www.lukaszborowicz.com/

Labelwechsel zum Jubiläum

Nach Aufnahmen bei Sony und Decca begeht der Marcelo Alvarez jetzt sein 20jähriges Bühnenjubiläum bei Delos (Delos DE 3472), für die er im April 2014 mit dem St. Petersburg State Symphony Orchestra unter Constantine Orbelian ins St. Petersburger Studio ging. Ein Schelm, wer dabei denkt, eine Karriere müsse anders aussehen. Die Auswahl der Arien von Giordano über Leoncavallo, Mascagni, Puccini bis zu Gomes, Cilea, Massenet, Halévy und Zandonai beinhaltet zahlreiche Raritäten, die den Mitte der 2000er Jahre

sanft vollzogenen Wechsel von den lyrischen Partien der Anfängerjahre zu den lirico spinto-Partien dokumentieren soll. Für die dramatischen Partien fehlen Alvarez‘ edlem Tenor meinem Empfinden nach ein Quäntchen kernig zupackender Machismo und eine geschärftere Attacke, doch auf dieser CD singt er durchgehend mit der schönen Rundung und Biegsamkeit seines wohligen Timbres, das er sich trotz kleiner Sprünge in der Lasur bewart hat, mit angemessener Leidenschaft und sich nach oben gut öffnender Glut. Allerdings erhalten die Figuren, darunter Leoncavallos 1896 uraufgeführter Chatterton, sein Rodolfo aus der im folgenden Jahr, also ein Jahr nach Puccinis Oper, uraufgeführten La Bohème, oder der Milio aus der Zaza von 1900, kein Gesicht; selbst der Canio, den Alvarez sich zusammen mit Turiddu für das kommende Frühjahr an der Met vorgenommen hat, wo er 1998 mit dem inzwischen mehr als 170 mal gesungenen Alfredo debütiert und auch Manrico, Cavaradossi, Radames und Andrea Chénier gesungen hat, wirkt etwas phlegmatisch. Rasch kommt da auch etwas Langeweile auf. Schön liegt Alvarez das durch Caruso und Gigli berühmt gewordene „Quando nascesti tu“ aus Lo Schiavo des Brasilianers Gomes, innig im feinen Pianozauber und gefühlvollen Vortrag. Eléazars „Rachel, quand du seigneur“ aus Halévys La juive, auch Rodrigues „O Souverain“ aus Massenets Le Cid, lassen an die wunderbar gelungen Aubade aus Lalos Le Roi d‘ Ys denken, die er einst für Sony eingespielt hat. Der Maurizio klingt angestrengt, Zandonais Romeo trotz des leidenschaftlichen Aufschwungs prosaisch.

R. F.

Lebensbilder

Sind nicht weniger als 120 Jahre Wiener Staatsoper mit im Spiel, muss es sich um Lesenswertes handeln. Hat jemand wie Christian Thielemann das Vorwort zu einem Musikerbuch geschrieben, verdient es Aufmerksamkeit. Ist gar eine einzige Familie mit dieser ehrenwerten Institution verbunden, kann man etwas ganz Besonderes erwarten, nämlich geradezu eine Dynastie, derer der Bartolomeys, die den Wiener Philharmonikern einen Klarinettisten, zwei Geiger und einen Cellisten gaben, welcher das Buch mit dem Harnoncourt-Ausspruch „Was zählt, ist der Augenblick“ als Titel geschrieben hat. Dass sich die Familie selbst als eine Art Dynastie betrachtet, erkennt man an der Wiederkehr des Vornamens Franz, dem der Verfasser eine I, eine II oder eine III, er selbst, zugeordnet hat, wenn auch ohne den Punkt hinter der römischen Zahl, den Königshäuser für sich beanspruchen. Zwischen den einzelnen „Aufzügen“, wie die Kapitel genannt werden, oder innerhalb derselben, befinden sich ein Exkurs und ein Intermezzo. Eine Coda, auch hier bleibt der Autor „musikalisch“, bildet vor den üblichen Danksagungen und dem Anhang den Abschluss.

batholomey amaltheaIm Vorwort bekennt Thielemann, wie wichtig für den Erfolg des Dirigenten das Orchester ist, das er vor sich hat, dass die Wiener ihn immer ganz besonders inspirieren. Der Vorstand der Wiener Philharmoniker, Clemens Hellsberg, betont, dass eine solche Musikerdynastie prägend wirkt, zugleich ein Stück Lokalgeschichte darstellt. Der erste Aufzug ist Franz I gewidmet, der zunächst noch Bartolomej, da böhmischer Herkunft, heißt und der als Philharmoniker Ende des 19. Jahrhunderts an vielen Uraufführungen am Opernhaus beteiligt ist. Bei der Schilderung seines Werdegangs wie durchweg schlägt Franz III einen durchaus feierlichen Ton an, sich der Bedeutung seiner Familie offensichtlich bewusst seiend und sich mit ihr wie mit dem Institut, dem sie dient, eng verbunden fühlend. Die „Aufzüge“ werden in kurze Abschnitte mit prägnanten Überschriften eingeteilt, was das Lesen erleichtert und spannender macht. Nicht zu trennen vom Orchester sind die Dirigenten, von denen Franz I Hans Richter, Richard Strauss und Gustav Mahler, Franz II Furtwängler, Toscanini und Knappertsbusch, der Autor selbst Karajan, Bernstein und Kleiber erlebte und im Verlauf der Aufzeichnungen vieles zu berichten weiß. Viele Fotos, die auch die Freundschaft zu vielen berühmten Künstlern unter Beweis stellen, sind eine Zierde des Buchs, selbst der Taktstocksammlung von Franz III wird diese Ehre zuteil. Besonders interessant ist die Verknüpfung zwischen musikalischem und politischem Leben, so der Kampf der Tschechen um eine nationale Kultur und der Widerstand der Deutschnationalen dagegen. Aber auch der Versuch der kaiserlichen Familie, die Volksgruppen miteinander zu versöhnen, bleibt nicht unerwähnt. Drei Opernhäuser in Prag sind noch heute Zeichen dieser bewegten Zeit. Interessant sind wie nebenbei gemachte Bemerkungen wie die, dass der Name des Dirigenten erst in jüngerer Zeit auf dem Besetzungszettel der Wiener Oper auftauchte oder dass die Opern Wagners lange Zeit hindurch wesentlich gekürzt wurden, um das Publikum nicht zu überfordern. Anhand des Tristan-Vorspiels versucht der Verfasser die Besonderheit des „Wiener Klangs“ zu erläutern (im Intermezzo), seine Mitwirkung in verschiedenen Kammermusik-Ensembles wird beschrieben, sein Lehrer besonders gewürdigt.

Die Geschichte von Franz II ist wesentlich durch die Nazizeit geprägt. In diesem Kapitel finden sich interessante Mitteilungen über Entlassungen (12) wegen der jüdischen Herkunft, Gefährdung wegen des „Jüdisch Versipptseins“, über eine Rede Furtwänglers mit Spitzen gegen die Nazis, über Mitwirkungen bei Filmen, über die Bombardierung der Staatsoper noch am 12.3.1945. Der „Exkurs“ in diesem Kapitel widmet sich der Entnazifizierung von Franz II, ein heikles Kapitel, das zeigt, wie unvollkommen dieser Prozess auch in Österreich verlief. Mit Karajan, der kurz nach dem Krieg nicht öffentlich auftreten darf, werden Aufnahmen produziert, Franz II wird schließlich sogar Mitglied des Verwaltungsausschusses, später Direktor der Wiener Symphoniker, die ausführlich gewürdigt werden. Triumphe und Konflikte mit Karajan erlebt bereits Franz III mit, der 1965 zum ersten Mal bei den Wienern spielt. Die Konkurrenz zu den Berlinern ist ein Thema, das Löwenkopfcello des Verfassers, Familie und Schule und viele, viele Anekdoten, bereits Gemeinbesitz der Opernfreunde oder auch ganz neu.

Von Wettbewerben, Probespielen und Probejahren erfährt der Leser viel Wissenswertes, von der Vermittlerrolle der Solostreicher und Stimmführer zwischen Orchester und Dirigent, von den Cello-Soli in bekannten Opern wie Tosca und Don Carlo. Hat man das Buch gelesen. Ist man um viele Kenntnisse reicher, hat aber auch, was vielleicht noch wichtiger ist, einen Einblick

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in das Atmosphärische der Wiener Musikkultur gewonnen („Was zählt, ist der Augenblick“: Die Bartolomeys. 120 Jahre an der Wiener Staatsoper; Amalthea Verlag; ISBN 978 3 85002 798 4)

 

Ingrid Wanja

Volkstümliches

Ein Klassiker der Moderne, ein in den ersten Jahrzehnten nach seinem Erscheinen zum Kultbuch avancierter Roman, an dem kein Jugendlicher einst vorbeiging, ist Salingers Der Fänger im Roggen. Darin zitiert Salinger die Zeile When a body meet a body coming through de rye („Trifft eine Jemand einen Jemand, der durch den Roggen gelaufen kommt“) aus dem Gedicht Comin‘ Thro‘ the Rye von Robert Burns, den er damit einem internationalen Publikum in Erinnerung rief. In seiner schottischen Heimat hingegen genießt der Dichter (1759-1796) – neben Walter Scott – als Sammler und Bewahrer schottischer Volksweisen, Legen und Märchen eine bis heute ungebrochene, geradezu kultische Verehrung. Burns eigene Gedichte und Lieder wiederum singen sich, wie echte Volkslieder, quasi wie von selbst, was die Ausgabe der 2003 erstmals veröffentlichten Complete Songs auf 12 CDs bei Linn Records, an der um die 80 Sänger und Instrumentalisten mitgewirkt haben, deutlich zeigt. Durch die Besetzung mit „unverbildeten“ Stimmen mit wenig oder keinem Vibrato und deren ungekünstelter Herangehensweise ergibt sich ein herber, aber auch natürlich schwingender Zugang ohne romantisierenden Zuckerguss, stellt sich eine bewegende, schlicht naive Einfachheit und klare Aussage ein, insbesondere bei den Sängern Rod Paterson und Tony Cuffe. Unterstrichen wird dies durch die Begleitung mit Fiedel, Gitarre oder Zither; einige der Sänger, etwa Ian Benzie, Janet Russell, Christine Kyyd und Tony Cuffe, spielen selbst auch Gitarre, alle treffen den „richtigen“ Ton aus rhythmisch tänzerischer Bewegtheit, klarer Diktion und direkter Kommunikation mit dem Zuhörer. Die Naturschilderungen, Beschreibungen der Highlands und anderer schottischer Orte, Balladen und Romanzen, der Gefühlsüberfluss und die Träumereien und Hoffnungen, aber auch politischen Lieder wurden ab 1780 in Salons und Gesellschaften gesungen und bewundert. Lieder und Musiken, von denen wir uns gut vorstellen können, dass sie in den von Jane Austen oder später den Brontës geschilderten Gesellschaften erklangen. Die vorliegenden vier CDs  (CKD 801, 802, 803, 804) geben einen hinreichenden, schließlich den Hörer wirklich erschöpfenden Einblick in eine Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die bis ins 20. Jahrhundert Beachtung fand, etwa bei Ralph Vaughan Williams, der sich selbst mit der Sammlung und Veröffentlichung englischer Volkslieder beschäftigte und meinte, „there can be no ore original genius than Burns…“

mahler damrau telosNur wenige Jahre nach Burns Tod kam in Deutschland Clemens Brentanos und Achim von Armins Sammlung von Volksliedtexten unter dem Titel Des Knaben Wunderhorn heraus. Die Wunderhorn-Welt regte Gustav Mahler zu einem Großteil seiner Lied-Vertonungen an und ist in der ersten Sinfonie oder Mahlers eigenen Texten zu den Liedern einen fahrenden Gesellen zu spüren. Nach Texten Aus des Knaben Wunderhorn entstanden zunächst neun Klavierlieder, dann von 1892-1898 zwölf Gesänge für Singstimme und Orchester, zu denen ursprünglich auch Urlicht und Es sungen drei Engel gehörten, die Mahler, nachdem sie Eingang in die zweite bzw. dritte Sinfonie gefunden hatten, durch Revelge und Der Tambourg‘ sell ersetzte. Zudem schuf er auch für diese zweite Folge eine Fassung für Singstimme und Klavier. Die von Hänssler vertriebene telos-Ausgabe bringt auf zwei CDs (PH14018) erstmals alle Wunderhorn-Lieder mit Klavier (auch Urlicht und Es sungen drei Engel), worin der wesentliche Vorteil gegenüber anderen prominenten Aufnahmen liegt. Aufgeteilt  zwischen der leuchtend natürlichen Diana Damrau und dem beweglichen Iván Paley erklingen die von Stephan Matthias Lademann sehr nachdrücklich begleiteten Lieder, fünf davon als Duett-Aufnahmen, in ungewohnter Abfolge.

Norddeutsche Figuralchor Brahms MDGEin Spezialist fürs Magyarische war Johannes Brahms, der sich in seiner Wahlheimat Wien gerne Zigeunerkapellen anhörte. Als Gegenstück zu den Ungarischen Tänzen entstanden Ende der 1880er Jahre seine Bearbeitung der auf originalen ungarischen Volksliedern basierenden Zigeunerlieder, die erstmals bei einem bürgerlichen Kaffeekränzchen befreundeter Familien erklangen. Die Zigeunerlieder sind – neben den Liebeslieder-Walzern – der bekannteste der sechs Zyklen für Vokalquartett und Klavier von Brahms, die obwohl ursprünglich fürs häusliche Musizieren, für gesellige Runden und private Rahmen bestimmt, bald auch von kleinen Chorbesetzungen übernommen wurden. Im März 2014 widmete sich der Norddeutsche Figuralchor unter Leitung seines Gründers Jörg Straube zusammen mit dem Pianisten Markus Bellheim fünf der Zyklen (also ohne die Liebeslieder-Walzer): Zigeunerlieder op. 103, dazu die sechs Quartette op. 112 von 1891, zu denen quasi als Zugabe vier weitere Zigeunerlieder gehören, sowie aus den frühen 1860er Jahren Drei Quartette op. 31, Quartette op. 64 und Quartette op. 92 (Dabringhaus und Grimm MDG 947 1867-8. Dreisprachiges Beiheft, alle Liedtexte). Der 1999 für seine Aufnahme der Geistlichen Chorwerke von Brahms mit dem Echo-Preis ausgezeichnete Chor  lässt trotz großer Besetzung die intime Musizierlust, die Brahms vorgeschwebt haben mag, spüren

 Rolf Fath

Nicht überzeugend

„Ein Dichter, der die Dinge nur halb ausspräche und mir ermöglichte, meine eigene Klangpoesie zur Dichtung zu fügen – der Gestalten schüfe, die an keine Zeitlichkeit gebunden sind – der die Szenen nicht eindeutig festlegte und mir die Freiheit ließe, noch mehr Künstler zu sein als er und sein Werk zu vervollkommnen. Er bräuchte keine Angst zu haben“, schreibt Claude Debussy nach seinen ersten Wagner-Erlebnissen, „Ich würde nicht in die Verirrungen des théâtre lyrique verfallen, wo die Musik sich unverschämt vordrängt, wo die Dichtung durch die schwere musikalische Rüstung an die Wand gedrängt und erdrückt wird. In der Oper wird zu viel gesungen. …. Man müsste mehr Unterschiede im Ausdruck machen. Manchmal ist es notwendig, grau in grau zu malen….“ In seiner Beschreibung eines musikalischen Theaters nach seinem Gusto unterstreicht Debussy nachdrücklich die Bedeutung der Dichtung für seine Musik. Anregungen bezog er zunächst von Baudelaire. Die noch ganz im Banne Wagners entstandenen 5 Poèmes de Charles Baudelaire zeigen „eine Sparsamkeit der Ausdrucksmittel“, die, so Heinrich Strobel, „auf künftige Lieder deutet. Nirgends herrscht der Zwang der zyklischen Form. Die Musik wächst aus der Dichtung heraus“. Dies gilt ebenso für die Lieder auf Texte von Verlaine, dessen Gedichte Debussy von den 4 Chansons de jeunesse über die beiden Bände der Fêtes galantes bis zu den Ariettes oubliées begleiten, aber ebenso auf alle Dichtungen, seien sie von de Musset, de Banville oder Mallarmé .

Immer noch maßstäblich: die Debussy-Mélodies-Sammlung bei EMI (und man hofft, dass Warner diese wieder herausbring)

Immer noch maßstäblich: die Debussy-Mélodies-Sammlung bei EMI (und man hofft, dass Warner diese wieder herausbring)

Die vier CDs Claude Debussy Intégrale des Mélodies bei Ligia (Lidi 0201285-14) regen zur neuerlichen Beschäftigung mit Debussys Liedern an, die zwischen 1876 (Nuits d‘ étoiles) und 1915 entstanden, als Debussy mit dem ungemein traurigen Noël des enfants qui n‘ ont plus de maison auf seinen eigenen Text sozusagen die Stimme versagte. Im Sommer 2012 trafen sich fünf Sänger im Musée Labenche in Brive-la-Gaillarde und nahmen sich dieser Lieder an. Die Sopranistinnen Liliana Faraon und Magali Léger, die Mezzosopranistin Marie-Ange Todorovich, der Tenor Gilles Ragon und der Bariton Francois Le Roux treten, zusammen mit Jean-Louis Hageuenauer an Debussys Blüthner-Flügel, dabei in die Fußstapfen der von Dalton Baldwin begleiteten Elly Ameling, Mady Mesplé, Michèle Command, Frederica von Stade und Gérard Souzay auf der EMI-Aufnahme von 1980. Im Gegensatz zu jener Einspielung ist die Bezeichnung Intégrale des Mélodies diesmal angebracht: die Box enthält bei einer Spieldauer von rund 5 Stunden 101 Titel, 42 mehr als die Vorgänger-Aufnahme, darunter unterschiedliche Versionen einzelner Lieder (auch unterschiedlichen Sängern zugeteilt) sowie 14 Ersteinspielungen. Dazu ein dickes Beiheft: also eine musikwissenschaftliche Glanzleistung. Künstlerisch wird man dabei nicht so glücklich, egal ob man Vergleiche mit der EMI-Einspielung oder zahlreichen Einzelaufnahmen anstellt. Die Fünf singen ein schönes, sensibles und auf der Musik schwebendes Französisch und werden von Haguenauer, dem spiritus rector des Unterfangens, ausgezeichnet begleitet, doch die Qualität der Stimmen dämpft das Vergnügen beträchtlich: Gilles Ragon, u. a. mit Fêtes galantes I und der Zweiten Fassung der Ariettes oubliées, klingt einfach dumpf, reizlos und abgesungen, François Le Roux, einst eine erste Adresse auf diesem Gebiet, steht ihm kaum nach. Trotz glitzernder Koloraturen und Höhen lässt uns Liliana Faraon wehmütig zum schlichteren Ausdruck der Elly Ameling zurückkehren, Marie-Ange Todorovich verdanken wir zahlreiche prägnante Bühnenfiguren, und auch bei diesen Liedern (u. a. Chansons de Bilitis und Trois mélodies sur des poèmes de Paul Verlaine) trumpft sie mit szenischem Raffinement auf, doch die Stimme ist inzwischen ein leidiges Instrument, so dass einzig Magali Léger auf der vokalen Habenseite bleibt.

Rolf Fath

Erda aus Down Under

Vor sechs Jahren debütierte die australische Mezzosopranistin Deborah Humble mit großem Erfolg als Erda im Rheingold in Claus Guths Produktion des Ring des Nibelungen an der Hamburgischen Staatsoper. Seitdem war sie in zahlreichen weiteren Partien an ihrem Hamburger Stammhaus zu erleben und gab in ihrem Heimatland wichtige Rollendebüts wie beispielsweise als Amneris in Aida. Am 22. und 24. Januar 2015 war sie als Erda im Rheingold wieder in einem neuen Ring-Zyklus zu hören, dieses Mal konzertant mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra unter der musikalischen Leitung von Jaap van Zweden in Vorstellungen, die für eine spätere Veröffentlichung bei Naxos aufgezeichnet wurden. Im Interview mit William Ohlsson für operalounge.de spricht Deborah Humble unter anderem über ihre Zeit im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, ihre Liebe zur Musik Richard Wagners und ihre spannenden Zukunftspläne.

Bezaubernde Deborah Humble/Foto Andrew Keshan

Bezaubernde Deborah Humble/Foto Christian Tiger

Ende Januar waren Sie erneut in Ihrer bisher wohl wichtigsten Partie, der Erda in Wagners Rheingold zu hören, diesmal in Hong Kong. Welche Anforderungen bringt diese Rolle mit sich und welche Entwicklung hat Ihre Erda über die Jahre seit Ihrem Debüt durchlaufen? Man denkt bei den Partien aus Wagners Ring eher an lange, schwierige Rollen wie etwa Brünnhilde, Wotan oder Siegfried, die enorme Ausdauer erfordern. Erda ist da ganz anders. Sie spielt eine zentrale Rolle im Zyklus, allerdings steht sie nur für eine sehr kurze Zeit auf der Bühne. Was sie zu sagen hat, ist von entscheidender Bedeutung für die Handlung. Die Warnung im vierten Bild ist eine der Szenen des Ring, auf die das Publikum regelrecht wartet. Die große Herausforderung dieser Partie liegt in ihrer Kürze – man muss einen effektvollen und bleibenden Eindruck in weniger als fünf Minuten machen und hat nicht die Chance, sich erstmal an die Bühne zu gewöhnen, keine Zeit zum Aufwärmen. Wagner bringt im Moment ihres Auftritts plötzlich jegliche Handlung zum Erliegen. Sowohl die Aufmerksamkeit der Zuschauer, als auch die der Charaktere richtet sich ausschließlich darauf, was Erda zu sagen hat. Ich habe keine andere Rolle in meinem Repertoire, die derart effektvoll ist, wenn man sie gut singt. Meine Erda ist heute im Gegensatz zu vor sechs Jahren viel reifer, sie hat sich sehr entwickelt. Mit den Jahren und meiner stimmlichen wie persönlichen Entwicklung hat die Partie eine ganze Bandbreite an musikalischen Nuancen und viel Ausdruckskraft hinzugewonnen. Jeder Dirigent und Regisseur vermitteln neue Einblicke in eine Rolle, jede Vorstellung vertieft die Interpretation einer Partie. Eine Herausforderung des Ring-Zyklus in Hong Kong war es, dass es sich um konzertante Vorstellungen handelte, die für Naxos aufgenommen wurden.

Deborah Humble im Melbourne-"Ring" als Erda/Foto Jeff Busby/AO

Deborah Humble im Melbourne-„Ring“ als Erda/Foto Jeff Busby/AO/Humble

Als Erda gaben Sie vor sechs Jahren Ihr Wagner-Debüt, und zwar gleich in einer Neuproduktion an einem der wichtigsten deutschen Opernhäuser, in Claus Guths neuem Ring an der Hamburgischen Staatsoper. Ein solches Debüt ist sicher nichts für schwache Nerven… Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, bin ich dankbar für einen gewissen Grad an Naivität und sogar Ignoranz. Als Neuankömmling in Deutschland und der hiesigen Opernlandschaft hatte ich keine Ahnung, wie groß die internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung bei einer Neuproduktion von Wagners Ring-Zyklus sein würde. Wenn ich vorher gewusst hätte, welch ein riesiges Projekt das in den vier Jahren werden sollte, wäre ich sicher viel nervöser gewesen. Damals war ich derart damit beschäftigt, neue Rollen einzustudieren, mich an meine neue Heimat anzupassen und Deutsch zu lernen, dass das nur eine von vielen enormen Herausforderungen war. Ich war so aufgeregt, als ich plötzlich mit den besten Wagnersängern der Welt auf der Bühne stand: Deborah Polaski, Sir John Tomlinson, Falk Struckmann, Albert Dohmen. Es war, als ob man jeden Tag durchgängig Gesangsunterricht gehabt hätte, die gesamte Probenphase über. Letztendlich habe ich fünf Rollen in jedem der Ring-Zyklen gesungen und auf CD für Oehms eingespielt. Diese Produktion hat meine gesamte Karriere stark beeinflusst. Der internationale Erfolg damals hat zu vielen spannenden Angeboten geführt und mir eine Karriere als freischaffende Sängerin ermöglicht.

Deborah Humble: als Erda mit Albert Dohmen im "Ring" an der Hamburgischen Staatsoper/Foto Monika Rittershaus/Humble

Deborah Humble: als Erda mit Albert Dohmen im „Ring“ an der Hamburgischen Staatsoper/Foto Monika Rittershaus/Humble

War von Anfang an klar, dass Ihre Stimme für Wagner geeignet ist? Wie definieren Sie eine „Wagnerstimme“? Ich hörte schon immer von vielen Seiten, dass ich eine große Stimme hätte und „sicher eines Tages Wagner singen“ würde. Eine große Stimme ist sicherlich nötig in diesem Repertoire, und große Orchestermassen zu übertönen war nie ein Problem für mich. Eine gute plazierte Stimme mit vielen Resonanzen ist wichtig, genauso wie die Fähigkeit, zu wissen, wann man sich zurückhalten und seine Kräfte schonen muss. Wie einer meiner Lehrer mir richtigerweise sagte: „Man muss nicht laut singen, sondern klug.“ Wagner erfordert außerdem oft zarten Gesang und Stimmschönheit. Auch ist es elementar, den Text vollständig zu verstehen und zu verinnerlichen. Das ist wohl die größte Herausforderung für ausländische Sänger. Wagners Sprache, die Verwendung von Konsonanten, Alliterationen und Subtexte zu erlernen beziehungsweise zu verstehen sind große Aufgaben. Als Musikerin, die auch intellektuelle Herausforderungen wie geschichtliche, psychologische und politische Aspekte gerne näher erforscht, ist dieses Repertoire eine faszinierende Quelle, aus der man immer wieder viel lernt.

Deborah Humble a.s Amneris an der Australian Opera Melbourne/Foto Jeff Busby/Humble

Deborah Humble als Amneris an der Australian Opera Melbourne/Foto Jeff Busby/Humble

Als ich 26 war, habe ich in London Simone Young vorgesungen, und zwar Erdas Warnung aus dem Rheingold. Ich hatte das Stück nicht einmal zu Ende gesungen, als sie mir sagte, dass ich Wagner erstmal für ein Jahrzehnt ruhen lassen und in sechs Monaten mit einem passenderen Repertoire noch einmal wiederkommen sollte. Ich habe damals auf ihren Rat gehört und es war tatsächlich fast genau 10 Jahre später, dass ich als Erda in Hamburg debütierte. Junge Sänger denken oft, dass man sich beeilen sollte, um bestimmte Ziele zu erreichen. Terje Stensvold, der 2013 den Wotan im Melbourne-Ring sang, war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt und hat mir erzählt, dass er seine erste große Wagnerrolle erst mit über 50 gesungen hat. Die Stimme frisch und gesund zu halten ist das größte Geschenk, das wir Sänger uns selbst machen können, wenn wir eine lange Karriere haben wollen.

Deborah Humble a.s Amneris an der Australian Opera Melbourne/Foto Jeff Busby/Humble

Deborah Humble als Amneris an der Australian Opera Melbourne/Foto Jeff Busby/Humble

In Australien standen Sie im Wagnerjahr 2013 als Erda und Waltraute in allen vier Teilen eines vielbeachteten Ring in Melbourne auf der Bühne. Was können Sie über diese Produktion berichten? Die größte Herausforderung des Ring in Melbourne war sicherlich, dass er innerhalb von wenigen Monaten geschmiedet wurde. Normalerweise ist es ein Prozess von drei oder vier Jahren, bis ein neuer Ring-Zyklus komplett aufgeführt werden kann. Wir hatten circa fünf Monate Proben, bevor wir drei komplette Zyklen (und ein Zyklus, der als Generalprobe öffentlich aufgeführt wurde) auf die Bühne brachten. Ich war die Einzige aus dem Ensemble, die in allen vier Teilen auftrat und es war recht anstrengend, 16 Vorstellungen in 35 Tagen zu singen. Die Produktion hatte, was gewisse Elemente anbelangt, einen gewissen australischen „Touch“, war insgesamt szenisch recht karg, zurückgenommen und hat die Musik sprechen lassen. Wie fast immer bei einem neuen Ring löste die Inszenierung einige Kontroversen aus. Wagner-Fans sind gebildet, leidenschaftlich und fällen meist ein strenges Urteil über das, was sie sehen und hören. Einen Ring-Zyklus zu besuchen, ist eine große Investition, sowohl finanziell als auch zeitlich. Es ist deshalb nur logisch, dass die Zuschauer dann auch etwas zu sagen haben wollen. Die intellektuellen und künstlerischen Debatten im Foyer machen aber wirklich Spaß. In Australien waren die Tickets für den Ring (die 2.500 Dollar aufwärts kosteten) übrigens innerhalb von 72 Stunden ausverkauft!

Welche Entwicklung hat Ihre Stimme in den letzten Jahren durchlaufen und und welche neuen Rollen wollen Sie sich in Zukunft erarbeiten? Gibt es bestimmte Wunschpartien? Meine Stimme hat sich in den letzten drei oder vier Jahren in die Höhe entwickelt und ist dramatischer geworden. Mir hat sich damit ein neues Repertoire eröffnet, das vorher nicht möglich war. Das Schöne daran, ein dramatischer Mezzosopran zu sein, ist, dass ich merke, wie sich die Stimme immer weiter entwickelt und dabei das beste noch kommen wird. Partien, die ich unbedingt singen möchte, sind im Wagner-Repertoire Fricka, Brangäne, Venus und Kundry. Was Verdi-Partien anbelangt Azucena und Eboli. Dann wären da noch Rollen wie Dalila, Herodias und später einmal Klytämnestra.

Deborah Humble als Ulrika/"Un ballo in Maschera"/Humble

Deborah Humble als Ulrica/“Un ballo in maschera“/Humble

Welche Rolle spielt das Lied in Ihrer Karriere? In Sydney und Melbourne haben Sie 2014 überaus erfolgreiche Liederabende gegeben… Wenn man als junger Sänger ständig neue Opern-Partien lernen muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, spielt das Lied meist eine Nebenrolle. Ich habe mich sehr gefreut, als ich letztes Jahr, nach dem großen Erfolg im Melbourne-Ring gefragt wurde, ob ich eine Serie von Liederabenden mit dem Titel „Große australische Wagnersänger singen Lieder“ mitgestalten wolle. Ein ziemlich hochtrabender Titel! Ich habe zwei komplett deutsche Programme mit Liedern von Wagner und Brahms vorgetragen und tolle Kritiken bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Das Lied ist eine ganz andere Kunstform als die Oper, alles ist viel intimer und man hat, verglichen mit der Oper, mehr Kontakt mit dem Publikum. Liederabende finden in einem viel intimeren Rahmen als Opernvorstellungen statt und man hat auch deshalb die Möglichkeit, eine Geschichte auf viel persönlichere Art und Weise zu erzählen. Der Text ist beim Lied elementar wichtig. Man muss die Welt, von der man singt, regelrecht in sich aufnehmen. In Australien sind Liederabende vielleicht eine größere Herausforderung als anderswo, weil das Publikum wenig Live-Erfahrungen mit dieser Kunstform hat und manche Nuancen im Text nicht versteht, wenn nicht auf Englisch gesungen wird. Es ist dann umso wichtiger, den Text mit Ausdruckskraft und vielen stimmlichen Farben zu vermitteln. Abgesehen von den Liederabenden in Australien habe ich letztes Jahr in Wellington in Neuseeland meine ersten Wesendonck-Lieder mit Orchester gesungen, auch das war eine tolle Erfahrung.

Arbeiten Sie weiterhin mit einem Gesangslehrer an Ihrer Technik? Ich arbeite nach wie vor mit einem Gesangslehrer in Hamburg, vor allem, wenn ich neue Partien einstudiere. Es ist wichtig, kontinuierlich an der Stimmtechnik zu arbeiten, da die Stimme wächst, sich verändert. Außerdem ist es wichtig, jemanden zu haben, dessen Urteil man wirklich vertraut, da es manchmal trügerisch ist, wie man sich selbst hört. Ich arbeite mit verschiedenen Repetitoren in Deutschland, Italien und Australien, die sich auf bestimmte Sprachen und Repertoirerichtungen spezialisiert haben. Stimmliche Entwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess und eine stetige Herausforderung, die mir Spaß macht – man hört nie auf zu lernen!

Deborah Humble/Foto Andrew Keshan

Deborah Humble/Foto Andrew Keshan

In Ihrer Freizeit schreiben Sie an einem Reiseblog und Beiträge für das australische Onlinemagazin „Classic Melbourne“. Wie kam es zu diesem Hobby? Abgesehen von der Musik habe ich viele Interessen, aber es kann schwer sein, sich Hobbys wirklich zu widmen, wenn man immer unterwegs ist. In Australien bin ich bin mit viel Sport und an der frischen Luft aufgewachsen. Ich liebe Sportarten wie Tennis, Segeln, Wandern, Schwimmen oder Kayak fahren. Alles, was mit dem Meer oder den Bergen zu tun hat, mache ich sehr gerne. Wenn man so viel Zeit im Theater verbringt, ohne Fenster oder frische Luft, ist es umso wichtiger, ab und zu raus in die Natur zu gehen und so den Kopf frei zu bekommen! Ich werde dann oft gefragt, ob ich keine Angst habe, mich zu erkälten, aber ich bin der Überzeugung, dass es wichtig ist, ein normales, ausgewogenes Leben zu führen und auch Zeit mit Freunden, die nichts mit der Opernwelt zu tun haben zu verbringen. So verliert man den Bezug zur Realität nicht. Es gibt nichts Langweiligeres, als ständig über Gesang zu reden! In den letzten drei Jahren war ich fast ständig weg von zu Hause, und ich dachte, dass Schreiben etwas sei, das man überall machen kann. Ich habe eine Ausbildung zur Reise- und Fotojournalistin begonnen, um meine Fähigkeiten abseits des Gesangs weiterzuentwickeln. Ich reise viel sowohl aus persönlichen, als auch aus beruflichen Gründen. Das Reisen ist eine meiner Leidenschaften. Ich wollte deshalb über ein paar meiner Abenteuer in einem Blog berichten und mir wurde gesagt, dass ich gute Geschichten schreiben würde! In Zukunft würde ich gerne weiter auch im Kunst- und Musikjournalismus tätig sein. Zur Zeit schreibe ich eine Kolumne für die Webseite Classic Melbourne.

Und was steht 2015 auf Ihrem Terminkalender? Auch 2015 wird mein Auftrittskalender vom deutschen Repertoire dominiert sein. Ich habe gerade Mahlers 3. Symphonie in Australien gesungen, was ich rundum genossen habe. Mahlers 8. werde ich 2015 zum ersten Mal in Singapur, im Esplanade Theatre interpretieren. Diesen Monat kommt die oben erwähnte Erda im Rheingold mit den Philharmonikern von Hong Kong, als Auftakt eines neuen Ring-Zyklus, der auch für Naxos aufgenommen werden wird. Die Erda in Siegfried werde ich in den USA in der Symphony Hall von Boston singen. Außerdem werde ich in einem konzertanten Parsifal in Birmingham zu hören sein und als Judith in Herzog Blaubarts Burg nach Melbourne zurückkehren. In Deutschland werde ich ich beim Festival „Britannia in Bamberg“ Elgars Sea Pictures interpretieren. William Ohlsson

www.deborahhumble.com

 

Deborah Humble/Foto Andrew Keshan

Deborah Humble/Foto wie oben Andrew Keshan

Warum?

Geradezu unstillbar muss der Drang Plácido Domingos sein, sich unermüdlich auf dem Gebiet der Oper zu betätigen, sei es als Sänger, Tenor oder Bariton, als Intendant, Lehrer, als Begründer eines Gesangswettbewerbs oder als Dirigent, und da scheint es nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, welche Qualität das dabei entstehende Produkt hat. Wäre es anders, hätte der Künstler sich nicht auf ein Unternehmen wie die Aufnahme von Puccinis Manon Lescaut  mit dem Tenor Andrea Bocelli als Des Grieux eingelassen. An der Seite von Ana Maria Martinez und mit vielen jungen Sängern des Centre de la Comunitat Valenciana Plácido Domingo in den kleinen Rollen gibt der Sänger eine peinliche Probe seines Könnens und der desolaten Verfassung seiner Stimme ab. Dem Dirigenten Domingo kann man keinen Vorwurf machen, denn das Orquestra de la Comunitat Valenciana spielt unter seiner Leitung frisch und spritzig, wie es die junge, elegante Partitur verdient, und der Meister weiß auch die lyrisch-emphatischen Teile voll auszukosten.

Ana Maria Martinez, die augenblicklich vor allem in Amerika singt und bei Puccini zu Hause ist, hinterlässt als Manon einen zwiespältigen Eindruck. Die Stimme hat den mädchenhaften Klang von einst verloren, klingt in den besseren Passagen, so des ersten und des ersten Teils des zweiten Akts, fraulich, warm und reich an Farben. Die Leichtfertigkeit des jungen Mädchens ist kaum zu vernehmen, am ehesten noch in ihrer Canzone, und in „In quelle trine morbide“ ist auch il canto morbido, in den schlechteren Passagen hört sich der Sopran bereits matronenhaft an, im vierten Akt ist er entschieden überfordert, und die Höhen klingen scharf. Bruder Lescaut findet in Javier Arrey einen viril klingenden Bariton, der nur im Piano etwas nasal klingt und in der Höhe nicht ganz frei erscheint, insgesamt aber eine ordentliche Besetzung ist. Der übliche Geronte mit Altherrenbass, was hier ja nicht unrecht ist, tritt mit Maurizio Muraro in Erscheinung. Etwas schüchtern, mit hübschem Mezzotimbre singt Mariam Battistelli den Musico.

Der erste Eindruck vom Tenor Bocellis ist der eines Reibeisens, die Stimme ist dunkel, die Höhen werden gestemmt, Legato und großzügige Phrasierung sind nicht zu vernehmen, viele Phrasen, die andere Tenöre auf einem Atem singen, werden gnadenlos zerhackt, „Nell‘ occhio tuo profondo io leggo il mio destin‘“ ist eines der vielen Beispiele dafür.  Die gesamte Partie wird nicht gestaltet, sondern das reine Bemühen um ihre technische Bewältigung steht im Vordergrund. Das führt zwangsläufig auch zu einer hölzern und hart wirkenden Monotonie. Dagegen ist sogar der nicht besonders stimmschöne Edmondo von Matthew Pena ein vokaler Lichtblick. Die Decca hat ihrem Star Domingo, dem sie sicherlich viel zu verdanken hat, mit dieser Aufnahme keinen Gefallen getan- und den Sängern auch nicht (Decca 478 7490).

Ingrid Wanja

Anna de Cavalieri

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„Ganz persönlich“:   In unserer Serie über weitgehend vergessene Sänger erinnern wir an uns wichtige Personen, die oft nur wenige oder keine Spuren hinterlassen haben, die aber für ihre Zeit und für den Fortbestand von Oper und Konzert so immens wichtig gewesen sind. Es waren und sind ja nicht allein die Stars, die die Oper am Laufen halten, sondern die Sänger der Nebenrollen und Komparsen, auch die Provinzsänger, die Diven und Heroen aus den kleineren Orten, wo Musik eine ganz andere Rolle spielte als hochgehypt in den großen Städten. Vor allem vor dem Krieg, aber auch in den Fünfzigern und Sechzigern hatte allein in Deutschland jedes der 36 und mehr Theater seine eigene Primadonna, seinen Haustenor und  langlebigen Bariton, die von der Operette bis zu Mozart und Wagner alles sangen. Das macht Oper aus. Nicht (oder nicht nur) die Auftritte der umjubelten Stars.

„Ah si la liberté“ ist eine jener unvergesslichen Arien aus Armide, die mir als Dauerohrwurm im Kopf hängen blieb, als ich neulich meinen Gluck-Bestand durchforstete. Viele haben diese Arie gesungen, natürlich Frida Leider unvergleichlich, aber eben auch Anna De Cavalieri auf der RAI-Aufnahme von 1958 unter Mario Rossi, der sich wie wenige andere italienischen Kollegen auch um das französiche Fach kümmerte. Die Cavalieri – sie wäre im Juli 2016 neunzig geworden – ist hier in Bestform zu hören, lockend aber auch kühl, versprechend aber auch definitiv, fraulich und doch auch amorph – viele Aspekte dieser schillernden Figur sind in ihrer Stimme auf der Aufnahme (Fiori FI-1040) abzuhören – was für eine Bandbreite hatte diese Sängerin, die eigentlich aus Amerika kam und für lange Zeit das Nachkriegsitalien mit ihrer aufregenden Sopranstimme ungemeiner Leistungsfähigkeit beherrschte. Ihre Hinterlassenschaft ist beeindruckend – aber eben „nur“ im Livebereich, ob nun als Elena in Boitos Mefistofele, als Loreley Catalanis, ob in Opern von Verdi (namentlich im Trovatore mit Labo`) oder Respighi (2 x Lucrezia), sogar als Bellinis Imogene ist sie von der RAI überliefert, wenngleich ihre Stärke wohl auch im zeitgenössischen Opernfach lag.  Deshalb ist es uns ein Bedürfnis, angesichts der reichlicher Dokumente bei Fiori, Myto oder Bongiovanni, an diese bedeutende Interpretin zu erinnern.

Anna De Cavalieri als Maddalena neben Mario Del Monaco/ "Andrea Chénier"/ operaclick

Anna De Cavalieri als Maddalena neben Mario Del Monaco/ „Andrea Chénier“/ operaclick

Kenntnisreichen Opernfans ist der Name der bedeutenden Sopranistin der Nachkriegszeit, Anna de Cavalieri, natürlich ein Begriff. Die amerikanische Sängerin (24 Juli 1926 – 29 August 2012) mit dem italienischen Künstlernamen lebte – hochbetagt – in Lugano. Sie war viele Jahre mit dem amerikanischen Bariton Fred Rogosin verheiratet. In den Fünfzigern und Sechzigern zählte sie wie Clara Petrella oder Caterina Mancini, Mafalda Favero und auch Anita Cerquetti und anderen zum italienischen Standard und nahm besonders viel bei der Radio-Gruppe der RAI auf. Ihre Stimme vergisst man nicht. Ihr herbe-veristisches Timbre ist ein ganz persönliches und expressiv-gestaltendes, wie man auf den vielen Rundfunkaufnahmen hören kann, die bei den verschiedenen Live-Firmen herausgekommen sind – immer noch gibt es viele unveröffentlichte. Ihr Repertoire war enorm und spannte sich vom Barock bis in die Moderne. Und es ist kein Geheimnis, dass wir, die Macher von operalounge.de dieser Stimme noch immer verfallen sind. Umso größer ist die Freude, dieser großen Künstlerin noch einmal in einem Interview zu begegnen, dass Gabriele Bucchi für OperaClick Italien gemacht hat und dass uns diese großzügiger Weise zur Verfügung gestellt haben. Danke an die italienischen Kollegen! Ingrid Wanja war wieder so freundlich, den Text ins Deutsche zu übersetzen. G. H.

Anna de Cavalieri als Tosca/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Tosca/isoldes-liebestod.net

Anna de‘ Cavalieri empfängt mich an einem wolkenreichen Nachmittag kurz vor ihrem Tod in ihrer schönen, wenige Schritte vom Luganer See entfernten Wohnung. Guten Tag, Signora, ich danke Ihnen dafür, dass Sie mir dieses Treffen zugesagt haben. Wollen wir mit dem Beginn Ihrer Karriere anfangen?   Ich heiße Anne MacKnight und bin in Aurora (Ilinois) geboren. Meine erste Gesangslehrerin hieß Gladys Gilderoy Scott, die der wichtigste Mezzosopran in der englischen Theatergruppe „Moody-Manners Opera Group“ war. Nach zwei Jahren Studium an der Universität von Illinois bin ich nach New York übergesiedelt, um Musik an der Julliard School zu studieren. Ich war noch sehr jung, gerade 18 geworden, aber sie haben mich aufgenommen, weil sie spürten, dass meine Stimme ein gutes Potential hatte. Ich habe auch ein Stipendium bekommen, so dass ich damit fünf Jahre lang studieren konnte.

War es zu dieser Zeit, dass Sie mit 21 Jahren für die Bohème mit Toscaini engagiert wurden? Ja. Während der Studien an der Juilliard berichtete mir Maestro Willfred Pelletier, der die Opernaufführungen der Schule leitete das Toscanini eine neue Stimme für die Partie der Musetta  in Bohème suche. Man hatte ihn dafür gewonnen, die Oper für NBC zu dirigieren. Also hat Pelletier mir gesagt: „McKnight“ (er nannte mich immer mit dem Nachnamen) „Morgen gehst du zu Toscanini! Kennst du die Arie der Musetta?“ Ich antwortete ihm: “Nein, ich kenne sie nicht, ich singe Aida und Tosca!“ Und er: “McKnight, morgen gehst du zu Toscanini und singst ihm die Arie vor, verstanden?“ So ging ich also zu Toscanini.

Anna de Cavalieri/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri/isoldes-liebestod.net

Als ich in den zum Vorsingen bestimmten Saal eintrat, sah ich eine Reihe leerer Stühle und erkannte eine damals bekannte Sopranistin, Virginia McWatters, die zu dieser Zeit Zerbinetta am City Center sang, eine wundervolle Stimme! Ich war die Letzte beim Vorsingen dieses Morgens. Ich setzte mich in ihre Nähe und die McWatters fragte mich, ob wir unsere Reihenfolge in der audizione tauschen könnten. Sie war davon überzeugt, dass sie die Rolle bekommen würde, wenn sie als letzte sänge. Ich sagte ja, weil ich meinte, dass ich nichts zu verlieren hätte. Ich hatte bereits alle meine Unterrichtsstunden am Morgen und sogar das Mittagessen verloren, was mich am meisten ärgerte (sie lacht). Es öffnet sich die Tür der Garderobe und der Sohn Toscaninis, Walter, ruft mich auf… Toscanini hatte keinen Pianisten, er selbst begleitete die Sänger! Im Raum, dem berühmten Studio 8H (in ganz Amerika bekannt als das „Studio von Toscanini“) war ein großer Spiegel, in dem ich Walter sah, der mit dem Vizepräsidenten der NBC, Samuel Chotzinoff sprach. Letzterer zündete sich eine Zigarette an, und kaum hatte ich mit „Quando me’n vo“ begonnnen, fiel ihm die Zigarette aus dem Mund… Da habe ich mir gesagt: „Geh, Anna, das wars.“  Am Ende sagte Toscanini zu mir: „Ihr Italienisch ist sehr seltsam“ ( in Italienisch). Dann ist Walter gekommen und hat mich gefragt: “Kennen Sie die Rolle der Musetta?“ Und ich:“Nooo“ (mit amerikanischem Akzent). „Also lernen Sie sie schnell.“ Normalerweise lernte ich eine Partie in einem Monat. (…) Drei Mal in der Woche ging ich zu Toscanini, die anderen Tage zum Erlernen der Aussprache. Der Maestro brachte mir die Rolle bei, begleitete mich stets auf dem Klavier. Aber wir verstanden einander nicht. Er sprach fast kein einziges Wort Englisch, und ich sprach nicht Italienisch. Vielleicht konnte ich gerade einmal „Spaghetti“ sagen oder ähnliches. Aber das war nicht so schlimm, denn Walter machte den Dolmetscher. Ich erinnere mich daran, dass Toscanini wollte, dass ich das Lachen der Musetta als exakten Gesang anlegte, alle Noten und im vorgeschriebenen Tempo. (…)

Anna de Cavalieri als Norma/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Norma/isoldes-liebestod.net

Nach der Bohème rief Walter Toscanini mich an, der Meister wolle mich für die Aufnahme von Beethovens Neunter, die wir dann auch gemacht haben. Nachdem ich die Juilliard School beendet hatte, riet mir Toscanini, mich in Italien bei einem seiner Asistenten zu perfektionieren. Davon hatte er fünf, von denen ich drei kennen lernte: Pais, Colombini, Votto. Ich ging also zu Giuseppe Pais, der damals nicht mehr dirigierte (Votto war ja völlig überlastet). Im Sommer 1948 kam ich nach Como, und jeden Tag nahm ich den Bus nach Fermo, um mit Pais in dessen Sommerfrische zu studieren. Er war sehr streng und bemerkte auch den kleinsten Fehler. Auch mein Mann arbeitete mit ihm. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn die Eingangsphrase von Padre Germont („Madamigella Valery“) habe wiederholen hören, es war nie gut genug. Wie bei Toscanini!

Eines Tages hielt in Como ein Rolls Royce neben mir: Walter Toscanini. Jetzt erzähle ich Ihnen einen Vorfall, den niemand kennt. Walter sagte mir dann, dass Toscanini eine Sopranistin suche, die mit ihm in Busseto Lady Macbeth singen sollte. Ich hatte sie bereits studiert und fühlte mich in der Rolle gut. Also fuhr ich zu ihm nach Mailand in die Via Durini, um vorzusingen. Er nannte mir die Daten von Busseto, aber leider war ich da bereits in Bergamo für einige Vorstellungen von Figaro mit Gavazzeni engagiert. Ich nicht in der Lage, eine Vertragsstrafe wegen Vertragsbruch zu zahlen und Gavazzeni abzusagen. Toscanini wurde sehr wütend, und wie Sie wissen, hat er nie mehr eine Oper im Theater dirigieren wollen. Heute bereue ich, nicht zugesagt zu haben. Und leider kam ich später nie zur Lady. Aber ich habe oft die Nachtwandlerszene gesungen, zum Beispiel bei den Concerti Martini e Rossi. Da haben Sie oft gesungen?  Sieben Mal. Und jedes Konzert umfasste vier Arien.

Anna de Cavalieri als Isolde/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Isolde/isoldes-liebestod.net

Wie ging es mit Ihrer Karriere in Italien weiter? In der Nachkriegszeit waren viele Amerikaner nach Italien gekommen, um sich wie ich zu perfektionieren und sich einen Namen zu machen. Viele junge Italiener hatten wegen des Kriegs nicht studieren können. Die Theater waren schwer beschädigt und deswegen oft noch geschlossen. Oper spielte man vor allem im Sommer auf der Piazza. Ich erinnere mich daran, dass in Lugo oder Pistoia meine Garderobe ein Wäschegeschäft war, während der Tenor und der Bariton sich beim Frisör und beim Fleischer umzogen. ..

Erinnern Sie sich an Ihr Debüt in Italien? Ja, natürlich, es war eine Aida, in Pesaro 1949. Ich wurde mit 25 000  Lire für eine Vorstellung bezahlt. Das war schon viel! Es gab praktisch keine Proben, und oft lernte man die Kollegen erst auf der Bühne kennen.  Nach der Premiere kam der Impresario zu mir und sagte: „Brava! Sind Sie morgen für eine weitere Vorstellung frei?“ Damals war das so. Ich hoffte auf weitere 25 000Lire, stattdessen gab er mir nur 5 000 Lire (der Preis für ein Doppelzimmer und Vollpension im Hotel): also zwei mal Aida für 30 000 Lire, alles inbegriffen. Bei der Premiere debütierte mit mir Aldo Protti als Amonasro in blendender Form. Im dritten Akt, nachdem er gesungen hatte „Dei faraoni tu sei la schiava“ wollte das Publikum ein Bis um jede Preis und ließ es nicht zu, dass die Vorstellung weiter ging. Also musste ich mich wieder erheben und ein zweites Mal zu Boden werfen lassen.. Ah ah!

Anna de Cavalieri als Fedora/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Fedora/isoldes-liebestod.net

Nach Aida habe ich oft die Gioconda gesungen. In Parma bekam ich für meine Verkörperung dieser Rolle sogar eine Art Oscar. Von dieser Gioconda gibt es aus Neapel eine Live-Aufnahme mit Barbieri und Di Stefano?  Ja, die habe ich gehört. Leider ist die Tonqualität nicht gut. Ich habe schöne Erinnerungen an die Barbieri, mit ihr gab es immer etwas zu lachen. Eine große Stimme und großartige Frau!

Wie bereiteten Sie ihre Rollen vor? Maestro Pais hatte mit mir vier oder fünf Partien einstudiert, die ich für das Vorsingen bereit hielt. Es waren Aida, Tosca, Chénier, Gioconda und Trovatore. Ich lernte neue Partien recht schnell, in etwa einem Monat.  Die Loreley habe ich in meinen ersten Karrierejahren oft gesungen. Ich kann sagen, dass in diesen Jahren Loreley in Italien gleichgesetzt wurde mit Anna de‘ Cavalieri. Ich habe sie in Lucca und auch in den Caracalla Thermen mit Bergonzi gesungen, und natürlich für die RAI.

Wann beschlossen Sie, Ihren Namen zu italianisieren? Zu Beginn meiner Karriere in Italien. McKnight war für das Italien von 1948 zu schwierig. Das erklärt, warum ich mit Toscanini als McKnight erscheine, in Italien aber als De‘ Cavalieri.. Als ich nach New York in das City Center für einige Toscas, für Aida, Don Giovanni (Donna Elvira) und Cavalleria zurückgekehrt bin, habe ich meinen eigentlichen Namen wieder angenommen. Ich war davon überzeugt, dass ich meine Karriere in den USA fortführen könnte. Erster Irrtum von so vielen…

Sprechen wir über Ihr Repertoire. Bedenkt man die relative Kürze meiner Karriere (ungefähr zwanzig Jahre, weil ich 1946 debütiert habe und mich 1967 von der Bühne zurück gezogen habe), habe ich doch einiges an Opern gesungen, mindestens an die fünfzig. Die häufigste Partie war die Tosca. Außer Rondine und Gianni Schicchi  (in Amerika), habe ich in Italien Manon Lescaut ( in San Remo) und Turandot gegeben. Aber die Rolle, die ich auf jeden Fall singen wollte, war die Minnie, für die ich mir schöne Kostüme hatte anfertigen lassen. Aber ich konnte sie nie zeigen, denn wenn man mir die Partie anbot, war ich bereits anderweitig engagiert oder war schwanger.

Anna de Cavalieri als Gioconda/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Gioconda/isoldes-liebestod.net

In jenen Jahren reisten Sänger oft mit ihren eigenen Kostümen. Vor allem, wenn man die üblichen Mode-Maße sprengte wie ich. Man ließ sich die Kostüme für jene Rollen anfertigen, die man am häufigsten sang. Einmal, 1961, war ich in Rio de Janeiro für eine Turandot und fragte nach, welche Opern sie noch im Repertoire hätten. An den folgenden Tagen gab man Tosca mit der Mancini und Tagliavini. Die Mancini wurde krank und ich sollte sie ersetzen. Nun hatte ich aber kein Kostüm dafür mit dabei, lediglich eins für die Turandot. Ich musste also eine blonde Perücke tragen und normale Kostüme, die mir nicht gut standen. Aber die Kritiker meinten, ich wäre die schönste Tosca, die man in den letzten Jahren erlebt habe, mit oder ohne Kostüm (lacht).

Ich habe als lirico spinto begonnen, habe aber oft auch das dramatische Fach gesungen. In Konzerten gab ich auch Auszüge aus der Walküre (Sieglinde) und besonders Isolde (in Italienisch). Turandot ist eine kurze Partie, aber sehr schwierig und gefährlich, weil dauernd im hohen Register. Das ist nichts für Anfänger.

In Ihrem Repertoire finden wir überraschenderweise auch einige Partien des Belcanto wie die Imogene in Il Pirata bei der RAI 1958 (neuerdings wieder auf dem Markt) und auch die Norma. Norma habe ich zum ersten Mal 1963 am Teatro La Pergola in Florenz mit Anna Maria Rota (Adalgisa) und Gastone Limarilli (Pollione) unter dem Dirigat von Wolf Ferrari gesungen und sie auch in Frankreich wiederholt. Es ist eine sehr schwierige, aber doch faszinierende Partie. Für Konzerte hatte ich auch einige Partien des 18.Jahrhunderts parat, zum Beispiel Alceste  und Armida/e von Gluck, aber sie passten nicht besonders gut zu meiner Stimme. Alceste hört man ja fast immer von einem Mezzosopran, weil die Tessitura für einen Sopran zu tief liegt. Aber aus Freude darüber, eine so edle Musik singen zu dürfen, habe ich sie mit dem größten Respekt davor gegeben. Armide habe wir Französisch für die RAI in Turin unter dem Dirigat des großen Mario Rossi 1958 aufgenommen (und auch die gibt es auf dem Markt).

Sie hatten auch etliche Opern des 20 Jahrhunderts im Repertoire, darunter Cyrano de Bergerac und La Legenda di Sakuntala von Franco Alfano. Kannten Sie den Komponisten persönlich? Ja, ich habe Alfano persönlich gekannt. Er suchte mich nach dem ersten Konzert von Martini e Rossi in San Remo auf und wollte, dass ich die Rolle der Roxane 1954 an der Scala (die ich dann auch sang) verkörpere. Er bestand darauf. Ich ging für eine Woche zu ihm nach San Remo, um die Rolle mit ihm zu erarbeiten. Er war ein eindrucksvoller Mann, zugänglich und sympathisch.

Anna de Cavalieri als Roxana/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Roxana/isoldes-liebestod.net

Die Titelpartie im Cyrano an der Scala sang Ramon Vinay, ein anderer Sänger Toscaninis. Er war ein schöner Mann, groß und stark. Ein Jammer, dass sie ihm für die Partie diese Nase angeklebt hatten. Welche Ausnahmemusikalität, was für ein wunderbarer Schauspieler! Ich erinnere mich daran, dass er vor dem Singen immer zwei Flaschen Coca Cola trank. Jeder hat so seine Methoden…

Vorhin haben wir gemeinsam Ihre bemerkenswerte Interpretation von „Du bist der Lenz“ aus der Walküre gehört (Konzert Martini e Rossi vom 13. Januar 1958), wo Sie auf Deutsch singen. Wagner auf Deutsch zu singen war selbst im Konzert in diesen Jahren ungewöhnlich, nein? Genau genommen habe ich auch die Isolde, allerdings in Italienisch, in Catania gesungen. Aber in Konzerten sang ich Wagner immer im Original, sei es „Du bist der Lenz“, sei es die Schlussszene aus der Götterdämmerung. Das war für mich nicht schwierig. An der Juilliard School hatten wir Deutsch und Französisch singen gelernt. Gegen Ende meiner Karriere kamen viele Angebote für Wagnerpartien in Deutschland, aber mein Mann war Jude, und die Erinnerung an den Krieg und die grauenhaften Vorfälle waren  noch zu lebendig. Deshalb habe ich nicht zugesagt. Vielleicht war das ein Fehler, denn bei Wagner fühlte ich mich wohl, sei es vom vokalen, sei es vom szenischen Standpunkt her.

Sie haben zwei Rollen von Strauss gesungen, Ariadne (für die RAI unter der Leitung von Peter Maag) und die Marschallin. An der New York City Opera gab ich 1952 zum ersten Mal die Tosca, was nicht gut lief. Der Regisseur hatte seltsame Vorstellungen, und ich konnte damit nichts anfangen. Sie haben mich rausgeworfen! Dann sang ich die Marschallin auf Deutsch, und sie war ein Triumph. In New York hatte ich auch dafür ein Vorsingen bei Bing um 10 Uhr morgens (!), mit „Casta diva“ und der Arie der Abigaille. Leider zog sich Bing aus Gesundheitsgründen vom Management zurück und wurde durch einen neuen Intendanten ersetzt. Addio amerikanische Träume…

Anna de Cavalieri als Loreley/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Loreley/isoldes-liebestod.net

Kommen wir zu den Kollegen, mit denen Sie gearbeitet haben. Da gibt es einen Mefistofele in Verona 1954, in dem Sie Elena und Maria Callas die Margherita sind; Di Stefano war Faust und Rossi Lemeni Mefistofele. Ich und die Callas haben uns während dieser Vorstellungen nicht oft gesehen, wir sangen ja in verschiedenen Akten. Ich hatte jedoch Gelegenheit, sie einige Male im normalen Leben zu erleben, besonders am Anfang ihrer Karriere, weil wir beide oft an den selben Provinztheatern auftraten. Einmal, so erinnere ich mich, sah ich die Callas in einem Restaurant in Brescia eine Riesenportion an Pasta, Fleisch, Dessert und Wein vertilgen und danach auf wunderbare Weise die Aida singen. Mein Mann und ich fragten uns, wie sie das mit all dem Zeug im Magen schaffte. Vor kurzem kam man zu mir, damit ich mich in einem Interview über die Callas äußere, aber ich hatte da nicht viel dem hinzuzufügen, was bereits vielfach gesagt wurde. An Meneghini habe ich eine lebhafte Erinnerungen. Er war überaus freundlich und machte oft Komplimente in der Garderobe. Und schickte immer Weihnachtsgrüße.

Ich bewunderte Mario del Monaco sehr. Ein wahrer gentiluomo. Wir traten oft gemeinsam in Andrea Chénier auf. Er war ein großartiger Chénier! Die Vorstellungen, die wir gemeinsam 1954 in Neapel unter Maestro Serafin machten, gehören zu den schönsten Erinnerungen meiner Karriere. Als wir am Schluss einer Vorstellung auf den Karren stiegen, umarmte er mich und sagte zu mir: „Die Hälfte meines Erfolges heute Abend habe ich dir zu verdanken“. Chénier habe ich auch mit Franco Corelli in Enghien Les Bains in Frankreich gemacht. Corelli hatte keine Stimmgabel in der Garderobe, und wenn er sich einsang, kam er zu mir und fragte:“ Bis zu welchem Ton bin ich gekommen?“ „Re bemolle“ , und er war zufrieden. Auch mit  Di Stefano bin ich viel aufgetreten. Der war weniger diszipliniert und recht chaotisch. Ich erinnere mich, dass er in San Remo  nicht zu den Proben kam, weil er im Kasino spielte…

Anna de Cavalieri als Trovatore-Leonore neben Mario Filipeschi/www.mariofilipeschi.com

Anna de Cavalieri als Trovatore-Leonore neben Mario Filipeschi/www.mariofilipeschi.com

Mit Lauri Volpi habe ich ein Konzert Martini e Rossi bestritten. Er war ein älterer Künstler, aber noch immer attraktiv und besaß eine Riesenstimme. Zunächst war er etwas pikiert, weil er mit einer Unbekannten zusammen auftreten sollte, aber dann sehr freundlich. Ich erinnere mich an einen Streit zwischen ihm und Serafin. Während einer Probe schlugen sie auf einander ein und rechtfertigten sich, als sie unsere erstaunten Blicke sahen, damit, sie seien alte Schulkameraden. Was für Schläge! Aber sie blieben für immer Freunde.

Ich erinnere mich an Ebe Stignani, eine sehr sympathische Künstlerin, mit der zu arbeiten ein Vergnügen war. Ich habe auch eine aufregende Sängerin gekannt, die sich Casazza nannte (Elvira Casazza, Mezzo-Sopran, Ferrara 1887 – Mailand 1965), sie kam nach einer Aida, um mir Komplimente zu machen und sagte mir eine schöne Karriere voraus. Damals wusste ich nicht, wer sie war, aber sie war oft mit Toscanini aufgetreten, als dieser Maestro an der Scala war. In Catania sang ich mit Gino Bechi in Guglielmo Tell. Eine außergewöhnliche Stimme. Seine Garderobe quoll zudem von  Medikamente und Flüssigkeiten über. Ehe er auf die Bühne ging, spritzte er sich das ganze Zeug in die Kehle und klang dann göttlich. Ich bin auch mit Tito Gobbi in Torre del Lago aufgetreten, in Tosca. Gobbi war etwas distanziert, ein sehr selbstsicherer Mann. Und ich habe eine wunderschöne Erinnerung an Ettore Bastianini und habe geweint, als ich von seinem Tod hörte… Ach, wie viele meiner Kollegen gibt es nicht mehr. Einmal sang ich Tosca in Modena und mich suchte ein (noch sehr schlanker) Luciano Pavarotti auf. Er schenkte mir seine signierte Photographie und meinte, er würde gern mit mir singen. Dazu kam es nicht – ich hörte auf, und er begann seine Karriere. Schade!

Sprechen wir etwas von den Dirigenten, mit denen Sie oft gearbeitet haben. Sie haben Serafin zitiert, der im Ruf stand, ein großer Stimmenversteher  zu sein. Ich kann es kaum ausdrücken, wie sehr ich diesen Mann bewunderte. Das erste Mal war ich seine Aida in der Arena Flegrea. Ich erinnere mich genau, dass er mich nach dem Vorsingen unterhakte und sagte: „Diese Stimme muss geführt werden.“ So fuhr ich mit meinem Mann in die Villa des Maestro in der Nähe von Florenz. Er studierte andere Partien auch mit ihm, so Gioconda, Trovatore, Chénier, Tosca. Serafin bestand darauf, dass der Gesang ausdrucksvoll geriet, dass man die Worte verstand: Für ihn gab es kein „reicht so…“. Er reiste immer mit seiner Schweizer Wirtschafterin Rosina, die für ihn kochte, auch im Hotel. Serafin aß nie mit den anderen zusammen.

Anna de Cavalieri als Alceste/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Alceste/isoldes-liebestod.net

Ich habe auch gute Erinnerungen an Mario Rossi, einen sehr feinen Musiker. Leider habe ich wenig mit Gavazzeni gearbeitet. Aber ich kann mich daran erinnern, dass er unzählige Male mit mir und der anderen Soprankollegin die Briefszene im Figaro probierte. Zunächst erschien uns das übergenau, aber dann begriff ich, dass wir eine außergewöhnliche Lektion in Interpretation erhalten hatten.

War die Atmosphäre in den Provinztheatern anders als am San Carlo und an der Scala? Außergewöhnlich, vielleicht noch warmherziger als in den großen Theatern. Es wurden Blumen mitgebracht, aber die aus dem eigenen Garten. Die Leute kamen eine Stunde vor Beginn ins Theater und brachten Essen und Trinkbares mit. Sie haben oft auf Freilichtbühnen gesungen: Verona, Caracalla, Arena Flegrea di Napoli. Erfordert das größere Anstrengungen und nicht allgemein verbreitete Begabungen eines Sängers? Was soll ich da sagen. Ich hatte eine kraftvolle Stimme und für mich machte es keinen großen Unterschied. Natürlich herrscht in den geschlossenen Theatern eine größere Konzentration. Ich erinnere mich, dass man mir einmal nach einer Turandot in Messina als Kompliment sagten, man habe mich bis nach Reggio Calabria gehört. Das hat mich natürlich gefreut! Die Claque war eine heimliche, aber unerbittliche Tatsache in den Theatern dieser Jahre… Und ob…Kaum war man am Bahnhof angelangt, waren sie auch schon da und forderten sofort Geld. Sie brachten Blumen, die sie wer weiß wo erworben oder besser gestohlen hatten…Das war nicht schön, und ich möchte nicht darüber reden…

Anna de Cavalieri als Aida/isoldes-liebestod.net

Anna de Cavalieri als Aida/isoldes-liebestod.net

Darf ich Sie nach den Gründen für Ihren vorzeitigen Rückzug aus der Karriere fragen?  Eines Tages hat mein Mann mir gesagt, er sei es müde, der „Signor de’Cavalieri“ zu sein. Von einem Tag auf den anderen machte ich Schluss und wollte von Musik nichts mehr wissen. Ich hörte nicht einmal mehr Radio. 1975 gründete mein Mann zusammen mit einem seiner Musikerfreunde einen gemischten Chor von ca. vierzig Personen hier in Lugano. Eines Abends bat er mich die Mezzosoprane, die etwas matter klangen, zu unterstützen. Er brauchte mich, und nun war ich es, die helfen konnte. 23 Jahre lang habe ich in seinem “Coro laureato“ Musik von Bach, Händel, Monteverdi, Bloch und sogar Bob Dylan gesungen! Ich entdeckte eine neue Welt in der Chormusik und neue Freunde unter den Sängern. Indem ich meinem Mann Fred half, wurde ich von der tiefen Traurigkeit, in die ich nach meinem Rücktritt gefallen war, geheilt. Und welche Rolle hat Ihr Mann Fred Rogosin in Ihrer Karriere gespielt? Er wusste alles über Musik. Er hatte zwei Doktortitel der Harvard Universität, als Bariton war er fünf Jahre lang Solist der Truppe „Glee Harvard Cluv“ gewesenund oft am Klavier Leonard Bernstein begleitet, mit dem er eng befreundet war. Fred war ein richtiger Techniker, mit einem außergewöhnlichen musikalischen Wissen. Eine Zeitlang studierte habe ich bei ihm Vokaltechnik. Er war immer an meiner Seite, beriet mich und verteidigte mich. Er war auch auch mein Manager. Er hat buchstäblich einen Teil seines Lebens meiner Karriere geopfert.

Wollen Sie ein paar Worte an die jungen Sänger von heute richten? An die Sänger im allgemeinen, junge und weniger junge: Zu meiner Zeit gab es die Regel „ sieben Jahre Studium und dann auf die Bühne“. Das heißt sieben Jahre regulären Unterrichts: Technik, Atem, Intonation, Musikalität, Interpretation. Wenn die Gesangstechnik den Künstler trägt, dann kann er die Sterne erreichen! In bocca al lupo!

Besonderer Dank geht an Susanna Toffaloni vom italienischen Website-Opernmagazins Operaclick.com und  Gabriele Bucchi, die uns die Übernahme dieses Interview gestatteten! Ein Besuch ebendort lohnt sich und gibt viele Einblicke in das italienische und internationale Opernleben. Grazie Signori! G. H.

 

Ingrid Wanja übersetzt tapfer und unverzagt aus dem Italienischen für uns - Danke Ingrid!

Ingrid Wanja übersetzt tapfer und unverzagt aus dem Italienischen für uns – Danke Ingrid!

Und im Anschluss noch eine Biographie von der schönen website der Freunde von Isoldes Liebestod: Cavalieri, Anna de, Sopran, * 1926; die Künstlerin war Amerikanerin, ihr eigentlicher Name war Anne McKnight. Sie erhielt ihre Ausbildung in den USA, kam aber in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nach Italien und hatte an den dortigen großen Opernbühnen bedeutende Erfolge; 1953 sang sie am Teatro San Carlo Neapel die Titelrolle in »Turandot« von Busoni, 1956 die Titelpartie in Glucks »Alceste« und wirkte dort 1959 in der Uraufführung der Oper »Pantea« mit. 1954 sang sie an der Mailänder Scala die Rossana in »Cyrano de Bergerac« von Alfano, 1958 die Elena in »Mefistofele« von Boito. 1955 gastierte sie auch an der Oper von Rom in Alfanos »Cyrano de Bergerac«, 1960 als Titelfigur in »Lucrezia« von O. Respighi, 1955 bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla in der Titelrolle von Catalanis Oper »Loreley«, 1954 bei den Festspielen in der Arena von Verona als Aida und als Elena in »Mefistofele«, 1957 am Teatro Regio von Parma. 1960 gastierte sie in ihrer amerikanischen Heimat unter ihrem eigentlichen Namen Anne McKnight an der New York City Centre Opera als Marschallin im »Rosenkavalier«. 1961 hörte man sie an der Oper von Rio de Janeiro als Turandot und als Tosca in den beiden Puccini-Opern gleichen Namens. Ihre größten Erfolge hatte sie jedoch in Italien. Dort sang sie 1960 an der Oper von Rom, 1962 in Turin, 1963 am Teatro Grande von Brescia die Mathilde in Rossinis »Wilhelm Tell«. Sie trat u.a. in Piacenza (1961 als Turandot von Puccini), Rovigo, Cremona (1964 als Fedora von Giordano) und noch 1968 in Padua (als Tosca) auf, 1962 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1964 am Opernhaus von Toulouse als Norma. In Europa wie in Nordamerika hatte sie nicht zuletzt auch als Konzertsängerin eine bedeutende Karriere.

(Mit Dank an Sandro Wilhelm, dem die Seite bei Isoldes-liebestod.net gewidmet ist und der seit vielen Jahren der große Champion für Anna de Cavalieri war, ihm verdanke ich auch ein wirklich schönes signiertes Foto von ihr für meine Diven-Wand! Foto oben isoldes-liebestod.net. G. H.)

Bestürzende Diktion…

Die DVD A Recital with Renée Fleming bei der DG hält einen Auftritt der amerikanischen Sopranistin im Wiener Musikverein vom Dezember 2012 fest (102 196). „Vienna at the Turn of the 20th Century“ ist das Motto des Programms, bei dem die Diva von Maciej Pikulski am Flügel inspirierend begleitet wird. Die Liedauswahl vereint fünf Komponisten, beginnend mit Fünf Liedern auf Gedichte von Goethe für Singstimme und Klavier von Hugo Wolf, komponiert 1888. Sogleich im ersten fällt die bestürzend mangelhafte Artikulation der Sängerin auf – ein Mangel, der sich leider fast durch das gesamte Programm zieht. Natürlich gibt es einzelne wunderbare Spitzentöne (so in „Die Spröde“), aber sie fallen heraus aus dem vokalen Gesangsbild. Melancholische Lieder, wo sie die Stimme nachsinnend strömen lassen kann („Die Bekehrte“), gelingen ihr besser. Es folgen Mahlers Rückert-Lieder aus den Jahren 1901/02, die wenige Jahre später in Wien uraufgeführt wurden, in diesem Programm also einen besonderen Stellenwert einnehmen. Hier ist die Intonation nicht immer sicher, steht die Demonstration stimmlicher Qualitäten vor dem Ausdruck. Und der gekünstelte Vortrag bei einigen Titeln („Blicke mir nicht in die Lieder“) stört ebenso wie das oft herzige Lächeln ins  Publikum. Zwei Stücke von Schönberg – „Erwartung“ und „Jane Grey“ – sind ebenso selten zu hören wie Zemlinskys Fünf Lieder nach Richard Dehmel, die 1907 entstanden. Die Sopranistin hat schon frühzeitig eine Affinität zur Klassischen Moderne gezeigt, und so meistert sie auch die beiden Schönberg-Kompositionen überzeugend mit einmal flirrenden, dann herb expressiven Klängen. Zu solchen findet sie auch bei Zemlinsky, riskiert dabei gelegentlich grelle Spitzentöne („Ansturm“), vermag aber gleichermaßen mit träumerischen Gespinsten („Letzte Bitte“) zu betören. Die Lieder von Korngold am Schluss sind ebenfalls Raritäten in den gängigen Konzertprogrammen. Mich überzeugt die Sopranistin hier am meisten – mit dem sinnlichen Klang und der luxuriösen Höhe im „Sterbelied“, dem innigen, emphatischen Ausdruck in „Was du mir bist“, dem nostalgischen Charme in „Frag mich oft“. Die ungewöhnliche Titelauswahl gibt der DVD durchaus ihre Besonderheit, spricht auch für den Mut und das Engagement der Sängerin, sich für unbekanntes Terrain im Liedrepertoire einzusetzen.

Wie stets bei ihren Liederabenden ist die Solistin, von glamouröser  Erscheinung und in wechselnden extravaganten Roben, freizügig mit den Zugaben – von der unvermeidlichen Strauss’chen „Zueignung“ bis zum häufig gewählten und wie stets hinreißenden „Summertime“ aus Gershwins Oper Porgy and Bess. Dazwischen gibt es Mariettas Arie „Glück, das mir verblieb“ aus Korngolds Die tote Stadt in einer Wiedergabe nahe der Vollkommenheit und eine Referenz an das Wiener Publikum mit dem schwelgerischen „I’m in love with Vienna“ aus dem Strauß-Arrangement The Great Waltz.

Bernd Hoppe

 

 

Ernest Reyers „Sigurd“

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Obwohl im späten 19. Jahrhundert die Opern Sigurd und Salâmmbô beträchtlichen Ruf in Frankreich und einigen Ländern genossen, ist ihr Komponist, Ernest Reyer, heute kaum noch bekannt – nur wenige Aufführungen lassen sich für seine beiden populärsten Werke nach dem letzten Krieg nachweisen, in jüngster Zeit Sâlammbô in Marseille und davor Sigurd in Montpellier und Marseille (in derselben Produktion, immerhin mit Francoise Pollet und anderen ersten Sängern, darunter Chris Merritt), im Oktober 2013 in Genf und sogar in Erfurt am 30. Januar 2015 pp. (s. unten), das ist einen Artikel wert.

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Die schöne Rose Caron als Brunehilde

Zu Reyers „Sigurd“: Die schöne Rose Caron als Brunehilde/J. Mucci

Für den Unterhalt arbeitete Reyer (1. Dezember 1823 in Marseille; † 15. Januar 1909 in Le Lavandou) als Musikkritiker, in erster Linie für das renommierte Journal des Débats. In dieser Eigenschaft war er in der Lage, seinen Landsleuten Bizet und Saint-Saens, aber auch manchen anderen, Ermutigungen zuzusprechen; aber niemals im engen Sinne eines Chauvinisten. Er war zum Beispiel einer der ersten Wagner-Enthusiasten, als er zu einem so frühen Zeitpunkt wie 1851 eine glühende Besprechung zu einer Tannhäuser-Vorstellung schrieb, die er in Wiesbaden gesehen hatte. Reyer trat auch durch seine positive Haltung zu Verdi hervor (im sehr nationalen Frankreich damals keine Selbstverständlichkeit). Er war bei der Aida-Premiere in Kairo dabei und sah in Verdi den großen musikalischen Neuerer. Dies fand er später im Otello erfüllt, den er dafür pries, das „mit Entschlossenheit jeder konventionelle Effekt zugunsten der dramatischen Wahrheit geopfert“ worden sei.

Urauffüngsszene des 2. Aktes/HeiB

Zu Reyers „Sigurd“: Uraufführungsszene des 2. Aktes/HeiB

Internationaler Ruhm wurde Reyer mit der Brüsseler Premiere des Sigurd zuteil (Brüssel hatte damals meistens die Nase vorn vor der schwerfälligen Pariser Opéra, die sich nicht an Neues herantraute – also sah man ganze Züge voll mit Pariser Opernfans nach Brüssel abdampfen, sehr zum chagrin der Opéra). Sigurd ist eine Oper in vier Akten und sieben Szenen auf ein Libretto des Erfolgsgespanns du Locle (Verdis Librettist für Don Carlos) und Blau. Wie auch Wagners Götterdämmerung basiert diese Oper auf einer Mischung aus nordischen Heldensagen und dem epischen Gedicht des Nibelungenliedes. Aber beide Opern (und im Wagners Fall spricht man ja besser von einem Zyklus) wurden unabhängig von einander konzipiert; und obwohl sie gleichermaßen ihren Brennpunkt in der tragischen Beziehung Brunehilde/Brünnhilde-Sigurd/Siegfried haben (neben einigen kleineren Gemeinsamkeiten wie der Bruderpakt zwischen Sigurd/Siegfried und Gunther und das Aufwecken der in Schlaf versenkten Heldin auf dem Feuerberg), so differieren sie gleichwohl in ihrem generellen Ansatz.

Ernest Reyer um 1870/Wiki

Zu Reyers „Sigurd“: Ernest Reyer um 1870/Wiki

Von Reyers Oper kann man sagen, dass sie weniger kosmisch und eher im Meyerbeerschen Sinne historisch lokalisierbar ist als Wagners Werk. Der Plot in Sigurd behält in seinem Kern den Kampf der Burgunder gegen die eindringenden Hunnen unter Attila bei (womit die Oper beginnt) und vermeidet jede Erwähnung eines Nibelungenschatzes oder den Sturz der Götter. Hagen ist bei Reyer wenig mehr als der oberste Hofberater des Königs; und es ist eher Uta, Hilda Amme, die eine Brangäne-ähnliche Rolle übernimmt, indem sie den präparierten Kelch ersinnt, der den Helden willenlos macht und zum Opfer der Intrige.

Der Tenor Paul Franz als Sigurd/J. Mucci

Zu Reyers „Sigurd“: Der Tenor Paul Franz als Sigurd/J. Mucci

Die Musik des Sigurd ist unbedingt dem französischen Idiom der Grand Opéra entnommen, so vor allem, wenn man zum Beispiel dem großen – von Trompeten begleiteten – deklamatorischen Eintritt Sigurds zuhört (Beginn A1) oder an die Szene im 2. Akt denkt, wenn sich Sigurd seinen Weg zum feuerumkränzten Felsen der schlafenden Brunehilde erkämpft und sein Aushalten gegen überirdische Wesen zu einer schamlosen Entschuldigung für das obligatorische Ballett wird, de rigeur für eine französische Grand Opéra jener Jahre.

"Sigurd": Titelblatt des Klavierauzugs bei Druout/OBA

„Sigurd“: Titelblatt des Klavierauzugs bei Druout/OBA

Trotz seiner Bewunderung für Wagner und dessen Musik vernachlässigte Reyer die Verwendung eine Leitmotivs im strengen Sinn und strebt stattdessen nach breiten, eindrucksvollen orchestralen und dramatischen Effekten. der hauptsächliche musikalische Einfluss dagegen ist bei Berlioz zu suchen. Schon die Partie des Sigurd, mit ihrer Verbindung von hehrem Heldentum und zarten Lyrismen ruft Erinnerung an den Enée in Berlioz´Troyens in Erinnerung.

Der Tenor Gresse als Sigurd/J. Mucci

Zu Reyers „Sigurd“: Der Tenor Gresse als Sigurd/J. Mucci

Sigurd wurde nach seiner Erstaufführung 1884 in Brüssel, dann in London im selben Jahr in einer (damals üblichen) italienischen Übersetzung und erst 1885 an der Pariser Opéra aufgeführt. Einer der Hauptgründe für für den überragenden Erfolg in Brüssel und Paris war die dramatische Präsenz und der Gesang der über alle Maßen attraktiven Sopranistin Rose Caron in der Partie der Brunehilde. Noch eine Kollegin lernte diese schwere Rolle für ihr Debüt an der Opéra: Jeanne Hattó, die als die Verkörperung der Brunehilde ihrer Zeit galt, wie später als der Sâlammbô desselben Komponisten.

Sigurd hatte auch eine amerikanische Premiere 1891 am French Opera House von New Orleans und wurde danach 1891 in Philadelphia gegeben (und dabei sehr

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wenig vorteilhaft mit Wagner Werk verglichen – ein Urteil, das bis heute anhält und das sowohl unhistorisch ist wie auch falsch fundiert, denn die französische Operntradition ist eine zutiefst andere als die Wagners und seinen Vorläufern in der deutschen Romantik). In New York ist bis heute die Oper nie in ihrer Gänze aufgeführt worden.

Jeanne Hatto als Reyers Brunehilde im Sigurd/OBA

Zu Reyers „Sigurd“: Jeanne Hatto als Reyers Brunehilde im „Sigurd“/OBA

Reyers letztes Werk war die Sâlammbô nach der romantischen Novelle von Flaubert über das antike Karthago. Auch diese Oper hatte ihre Premiere in Brüssel mit der bereits erwähnten Rose Caron (1890), die erste französische Premiere gab es 1892, die erste amerikanische 1901 an der Met in einer illustren Besetzung (Breval, Journet und Scotti). Reyer war, wie Fotos zeigen, ein scheuer, ernsthafter Mann, der jegliche Publizität fürchtete. Er starb am 15. Januar 1909 in Lavandou, wo er seit dem Erfolg des Sigurd wohnte. Geerd Heinsen

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Zum Inhalt: Der Burgunderkönig Gunther hört von der auf einem Felsen gebannten und durch einen Zauber geschützten Brunehilde und beschließt, sie zu befreien und zu ehelichen. Dasselbe Ziel hat auch Sigurd, der deshalb gekommen ist, um Gunther zum Zweikampf aufzufordern. Gunthers Schwester Hilda liebt Sigurd insgeheim und lässt ihm einen Vergessenstrank verabreichen. Dadurch betäubt, erklärt Sigurd sich bereit, Brunehilde für Gunther zu gewinnen. Es gelingt ihm, den Zauber zu brechen und Brunehilde zu Gunther zu bringen. Zum Lohn soll er die Hand Hildas erhalten. Obwohl Gunther gegenüber Brunehilde beteuert, dass er der Held war, der sie befreite, ahnt diese, dass Sigurd verzaubert worden sein muss. Nachdem der Betrug aufgedeckt wurde, töten Gunther und Hagen Sigurd. (Theater Erfurt)

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(Die Illustrationen stammen zum Teil von der wirklich hervorragenden Webseite von J. Mucci, der in Englisch eine ganz vorzügliche Analyse der Oper und ihrer Genesis erbringt, Danke!)

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In Marseille steht im Park oberhalb des Wasserfalls das Denkmal Ernest Reyers/Winter

Zu Reyers „Sigurd“: In Marseille steht im Park oberhalb des Wasserfalls das Denkmal Ernest Reyers/Winter

Die Auführungen in Erfurt:Premiere Fr, 30. Januar 2015, 19.30 Uhr, Großes Haus, Weitere Aufführungen So, 15.02. l Sa, 28.02. l Sa, 07.03. l So, 22.03.2015; Stab: Joana Mallwitz (Musikalische Leitung); Guy Montavon (Inszenierung); Maurizio Balò (Ausstattung); Frauke Langer (Kostüme); Florian Hahn (Licht); Andreas Ketelhut (Chor);Arne Langer (Dramaturgie) / Marc Heller * (Sigurd, ein fränkischer Held); Kartal Karagedik (Gunther, König der Burgunden), Vazgen Ghazaryan (Hagen, Krieger, Gunthers Gefährt), Juri Batukov (Ein Priester Odins), Máté Sólyom-Nagy (Ein Barde), Ilia Papandreou (Brunehilde), Marisca Mulder (Hilda, Gunthers Schwester), Katja Bildt (Uta, Hildas Amme); Sigurd im Radio Die Premierenvorstellung der Oper ist am 31. Januar 2015 ab 20.15 Uhr im MDR Figaro zu hören. Die Rundfunkaufzeichnung erfolgte mit Deutschlandradio Kultur.

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Zu Reyers „Sigurd“: César Vezzani als Sigurd/HeiB

Ernest Reyer: Sigurd – Tragische Oper in vier Akten und sieben Szenen, Libretto von Camille du Locle und Alfred Blau, Sigurd – Tenor, Brunehilde – dramatischer Sopran, Gunther – Bass, Hagen – Bass, Oberpriester Odins – Bass, Hilda, Gunters Schwester – lyrischer Sopran, Uta, Hildas Amme – Mezzsopran, Priester, Barden, Gefolge, Geister. Die Handlung spielt im Palast Gunters, König von Burgund, am Rhein und auf Island, in legendärer Zeit.

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Gesamtaufnahme (mit leichten Strichen) Chant du Monde (vergriffen/mit Esposito, Massard, Chauvet, Guiot; Rosenthal, ORTF); Auszüge auf Vogue (1 LP/CD Malibran Records) und Vega (2 LP) (mit Cymia, Botiaux, Bianco; Etcheverry); Schellack-Dokumente historischer Sänger in Reyer/Sigurd bietet eine wunderbare CD von Malibran Music MR 576; Foto unten: der Tenor Gustave Botiaux als Sigurd/Vega

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Eine vollständige Auflistung der bisherigen Beiträge findet sich auf dieser Serie hier.