Archiv des Autors: Geerd Heinsen

Ein neues Image für Bach

Gemeinsam wollen sie der Internationalen Bachakademie Stuttgart (IBA)  behutsam ein neues Image verpassen. Mit dem neuen Akademieleiter Hans-Christoph Rademann und seinem Intendanten Gernot Rehrl sprach Hanns-Horst Bauer über Kultur, Wirtschaft und ein Wechselbad der Gefühle.

Ein Jahr ist es nun her, dass Sie die 1981 von Helmuth Rilling gegründete Internationale Bachakademie Stuttgart übernommen haben. Wie haben Sie sich „eingelebt“? Rademann: Ich bin schon etwas erstaunt, wie schnell dieses erste Jahr in Stuttgart vergangen ist. Das hat sicher mit den vielfältigen Aufgaben zu tun, die hier auf uns zugekommen sind. Das war für mich ein richtiger Sprint. Rehrl: Ich habe wieder einmal, trotz meiner fast 25-jährigen Erfahrung im Kulturmanagement, lernen müssen, dass Veränderungsprozesse einfach Zeit brauchen. Da ich ein ungeduldiger Mensch bin, dachte ich, so manches ließe sich schneller entwickeln. Aber es scheint uns zumindest geglückt zu sein, das klassische Bildungsbürger-Publikum, das bereits da war, mitzunehmen und zugleich neue Besucherschichten  anzusprechen.

Internationale Bachakademie Stuttgart:  Gernot Rehrl (links) u. Hans-Christoph Rademann/  Foto Boris Schmalenberger

Internationale Bachakademie Stuttgart: Gernot Rehrl (links) u. Hans-Christoph Rademann/ Foto Boris Schmalenberger

Wie haben Sie die nicht ganz einfache Übergangssituation, in der Helmuth Rilling sich bei der Wahl seines Nachfolgers übergangen und verletzt gefühlt hatte, gemeistert? Rademann: Auch wenn wir beide damit gar nichts zu tun hatten, war ich doch sehr erschrocken und gleichzeitig innerlich berührt. Aber ich habe mir dann klar gemacht, dass ich mir mit dem reichen Erfahrungsschatz, den ich mitbringe, keine Sorgen um die neue Aufgabe machen muss.  Rehrl: Mich haben die Querelen im Vorfeld kaum belastet, weil meine Aufgabenstellung in der Zukunft lag, nämlich für die Bachakademie eine neue Ära einzuleiten. Es waren jedoch  für uns beide die hohe Schule der Diplomatie und eine hohe Sensibilität im zwischenmenschlichen Bereich gefragt. Ganz sicher hat dann bei der offiziellen Amtsübergabe die Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck mit zu einem harmonisch geglückten Übergang beigetragen.

Internationale Bachakademie Stuttgart: Hans-Christoph Rademann / Foto Hanns-Horst Bauer

Internationale Bachakademie Stuttgart: Hans-Christoph Rademann / Foto Hanns-Horst Bauer

Was hat Sie an Stuttgart und an den Führungspositionen bei der renommierten Bachakademie gereizt? Rademann: Als man mich gefragt hat, ob ich die Nachfolge von Helmuth Rilling antreten wolle, habe ich mich zunächst schon etwas gewundert, war dann aber doch der Meinung, dass sich die Findungskommission schon etwas dabei gedacht haben dürfte. Zunächst befand ich mich dann in einem Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite war mir schon klar, dass es eine enorme Herausforderung für mich sein würde, in die großen Fußstapfen eines Helmuth Rillings zu treten. Andererseits habe ich die wunderbaren Chancen und Möglichkeiten dieses Amts gesehen, wobei mich hier das Umfeld, das Zusammenspiel von Kultur und Wirtschaft, ganz besonders gereizt hat. Außerdem brauche ich Herausforderungen. Und das ist eine, an der ich ganz sicher weiter wachsen kann.  Rehrl: Solchen Herausforderungen habe ich mich in meinem beruflichen Leben ganz bewusst immer wieder gerne gestellt. Dabei ging es mir darum, etwas zu gestalten, besser: etwas umzugestalten. Hier in Stuttgart, das beim Ranking der Kulturstädte Deutschlands immerhin Platz 1 einnimmt, hat mich vor allem gereizt, eine Institution wie die Bachakademie publikums- und gesellschaftsgerecht in eine gute neue Zeit zu führen. Spannend ist für mich dabei die Vielfalt der Aufgaben: Musikfestival, die Ensembles, Abonnement-Reihen, der Akademie-Gedanke und schließlich das Sponsoring sowie Fundraising.

Internationale Bachakademie Stuttgart: Gernot Rehrl/ Foto Hanns-Horst Bauer

Internationale Bachakademie Stuttgart: Gernot Rehrl/ Foto Hanns-Horst Bauer

Wie wichtig sind Sponsoren und Mäzene für Ihre Arbeit? Rehrl: Wenn man bedenkt, dass wir die Bachakademie mit gut 70 Prozent Eigenleistung betreiben, dann ist das schon beachtlich. Diese Zahl in einer Zeit zu halten, in der wir wissen, dass sich das Publikum nicht gerade vergrößert, dürfte nicht einfach sein. Sponsoren für die Kultur zu finden, ist heute nicht leicht, da sie sich gerne auch anderweitig positionieren. Wir haben zwar durchaus neue Sponsoren, müssen aber leider auch beobachten, wie andere sich umorientieren. Rademann: Viele Sponsoren und Mäzene halten uns die Treue, manche engagieren sich sogar noch stärker als vorher. Dafür sind wir sehr dankbar. Ich würde mir natürlich wünschen, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es bei der finanziellen Unterstützung nicht um Personen gehen sollte. Im Vordergrund müsste die Institution, der Inhalt und die Idee, die dahinter steckt, stehen. Die Gesellschaft mag sich rasant wandeln, aber ob sich der Mensch als Individuum in der Hinsicht wandelt, dass ihm Werte plötzlich egal sind, sodass er sie über Bord wirft, das bezweifle ich. Da ist die Arbeit der Bachakademie mit dem Leitsatz „Es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit“ enorm wichtig. Wenn wir hier die größten musikalischen Kunstwerke des Abendlandes mit Johann Sebastian Bach im Mittelpunkt präsentieren, kann das nie etwas an Aktualität einbüßen. So erfüllen wir auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe.

Was hat Sie beide hier in Stuttgart zusammengeführt? Rehrl: Wir kennen uns bereits seit 1998, als ich beim Bayerischen Rundfunk Manager des Rundfunkchors war und man mir Hans-Christoph Rademann als Chordirigenten empfohlen hatte. Nahezu 15 Jahre später haben wir uns in Berlin wiedergetroffen.

Internationale Bachakadiemie: Hans-Christoph Rademann an der Tür zur Bachakademie/Foto Hanns-Horst Bauer

Internationale Bachakadiemie: Hans-Christoph Rademann an der Tür zur Bachakademie/Foto Hanns-Horst Bauer

Wie wollen Sie die Bachakademie in eine neue Zukunft führen?  Rehrl: An die Akademie werden heute ganz andere Anforderungen gestellt als bei ihrer Gründung. Wir wollen uns mit der weltweit einzigartigen Marke „Bach“ kreativ auseinandersetzen. Rademann: In unserem ersten Jahr haben wir sehr viele Dinge weitergeführt, sind aber gerade dabei zu überlegen, ob wir nicht doch noch stärker auf Veränderung und Erneuerung setzen sollten. In den letzten Jahren haben sich Markt und Konzertbetrieb, aber auch die Vorstellungen des Publikums und die Ansprüche an eine Interpretation vehement verändert. Gerade im Bereich der Barockmusik haben sich bahnbrechende Entwicklungen vollzogen, die keine Launen, keine Moden sind, sondern etwas mit dem Erkenntnisstand zu tun haben. Die Bachakademie war, das ist unser Eindruck, so etwas wie ein abgeschlossener Zirkel. Den wollen wir öffnen.

Internationale Bachakademie Stuttgart: Hans-Christoph Rademann/ Foto Holger Schneider

Internationale Bachakademie Stuttgart: Hans-Christoph Rademann/ Foto Holger Schneider

Mit welchen Schlüsseln? Rehrl: Das läuft über neue programmatische Ansätze, vor allem aber über Projekte. Beispielsweise über unser großes Tanzprojekt „BACHBEWEGT!“, das gerade bei jungen Menschen sehr gut ankommt. Dabei bewegt die Musik des Thomaskantors nicht nur die Herzen, sondern auch die Körper. Nicht nur die der teilnehmenden Schüler, sondern generationenübergreifend auch die  ihrer Freunde, Eltern, Großeltern und Verwandten. Oder das Projekt „Trimum“, eine interreligiöse Begegnung zwischen Christen, Juden und Muslimen sowie das Junge Stuttgarter Bachensemble (JSB) mit Teilnehmern aus aller Welt. Rademann: Ich glaube daneben aber auch weiterhin an die Macht der Konzerte als eine Form der Musikvermittlung, die durchaus Zukunft hat. Deshalb bemühe ich mich  darum, jeden einzelnen Besucher auch wirklich zu erreichen. Jeder soll emotional von der Musik ergriffen werden, denn Musik ist ein Therapeutikum, das sogar heilende Wirkungen entfalten kann. Dafür sensibilisiere ich ganz bewusst  Chor und Orchester, die eine psychologische Verbindung zum Publikum herstellen sollten. So versuche ich eine große Authentizität herzustellen.

Und wie sehen die Veränderungen bei den Ensembles der Bachakademie aus? Rademann: Unsere exzellente Gächinger Kantorei habe ich als Chorspezialist in den letzten Monaten schon sehr stark qualitativ verändert und werde sie noch weiter verändern, was Homogenität und Intonation betrifft. Sie soll eine entscheidende Rolle im Kreis der weltbesten Chöre spielen. Rehrl: Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir uns auf dem Markt anders positionieren. Rademann: Aber ich fühle mich da überhaupt nicht unter Druck und will niemand nacheifern. Die Bachakademie soll in Zukunft ein international bedeutendes Kompetenzzentrum sein für die Musik der verschiedensten Epochen. Natürlich mit dem Schwerpunkt Johann Sebastian Bach, dessen Musik uns in Schwingungen versetzt,  die uns frei und lebendig macht.

Internationale Bachakademie Stuttgart: Hans-Christoph Rademann (links) u. Gernot Rehrl/ Foto Hanns-Horst Bauer

Internationale Bachakademie Stuttgart: Hans-Christoph Rademann (links) u. Gernot Rehrl/ Foto Hanns-Horst Bauer

Was haben Sie mit dem bestens etablierten Musikfest Stuttgart, das jedes Jahr Ende August/Anfang September stattfindet, vor? Rademann: Wir sind derzeit bemüht, die Politik dafür zu sensibilisieren, dass das Musikfest Stuttgart kein Aktionismus der Bachakademie ist, sondern dass es ein großes überregionales Festival für Stadt und Land sein soll. Das kann es nicht zum Nulltarif geben.

Und was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre? Rehrl: Dass sich die Akademie zeitgemäß aufstellt und damit attraktiv und interessant ist. Rademann: Eine Bachakademie mit weltweiter Ausstrahlung, von Politik und Wirtschaft tatkräftig unterstützt und ein Publikum, das voll hinter uns steht.

 

CD Schütz, Psalmen Davids, Rademann-001Biographien: Hans-Christoph Rademann wurde 1965 in Dresden geboren und studierte an der dortigen Musikhochschule Chor- und Orchesterdirigieren. Bereits während seines Studiums gründete er den Dresdner Kammerchor. Von 1999 bis 2004 leitete er als Chefdirigent den NDR Chor. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Alte Musik, insbesondere die Erschließung unbekannter Schätze der sächsischen Musikgeschichte. 2000 erhielt er den Ruf zum Professor für Chorleitung an die Hochschule für Musik »Carl Maria von Weber« in Dresden.  Seit 2007 ist Hans-Christoph Rademann Chefdirigent des RIAS Kammerchors. 2010 wurde er Intendant des von ihm gegründeten Musikfests Erzgebirge. Im August 2013 übernahm Rademann von Helmuth Rilling die Leitung der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Für seine Verdienste um das Dresdner Musikleben erhielt er im Juli dieses Jahres den Kunstpreis der Stadt Dresden. Seine zahlreichen CD-Aufnahmen wurden mehrfach mit  Preisen ausgezeichnet. Mit Kammerchor und Barockorchester Dresden realisierte er aktuell für den Stuttgarter Carus Verlag die erste Heinrich-Schütz-Gesamtaufnahme, zuletzt veröffentlicht die Psalmen Davids (Vol.8) und die Auferstehungshistorie (Vol.9). Bei harmonia mundi France ist soeben seine Maßstab setzende Aufnahme des Magnificats von C.P.E. Bach erschienen.

CD Bach, C.Ph.E. Magnificat, Rademann-001Gernot Rehrl wurde 1955 in Bamberg geboren. Nach seinen Studien im Fach Violine und Dirigieren an der Musikhochschule Würzburg ging er 1988 ins Orchestermanagement nach Wien. 1990 wurde er Leiter des künstlerischen Betriebsbüros der Münchner Philharmoniker und leitete danach die weltweite Konzerttätigkeit des Windsbacher Knabenchors. 1997 wechselte Rehrl zum Bayerischen Rundfunk und übernahm dort zunächst das Management des BR-Chors  und ab 2000 des Münchner Rundfunkorchesters. 2009 wurde Gernot Rehrl Intendant der Rundfunkorchester und –chöre GmbH Berlin (ROC), 2013 schließlich Intendant der Internationalen Bachakademie.

Licia Albanese

 

Die langjährige Sopransäule der Metropolitan Opera New York, Licia Albanese (eigentlich Felicia Albanese), starb am 15. August 2014 in New York/Manhattan im Alter von 105 Jahren. Sie wurde am 22. Juli 1909 in Bari geboren und bei Giuseppina Baldassare-Tedeschgi ausgebildet.  Sie verließ 1939 Italien nach ihrem Bühnendebüt als Madama Butterfly am Teatro Lirico Mailand und Auftritten in regionalen Theatern, nahm 1940 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an, heiratete 1945 Jahr den Finanzmann und Vorsitzenden der amerikanischen  staatlichen Rennorganisation Joseph Grimma und wurde zu einem Synonym des damaligen Met-Standards, als sie im alten wie im neuen Haus mehr als 400 Aufführungen vor allem das lyrische Fach mit Ausflügen ins schwerere wie Madama Butterfly (mehr als 300 mal), Mimì oder Tosca sang. Aber auch die San Francisco Opera profitierte von Ihrer Anwesenheit – sie sang dort von 1941 – 1961 in mehr als 120 Aufführungen.

Licia Albanese als Manon an der Met//Bridge Puglia USA

Licia Albanese als Manon an der Met//Bridge Puglia USA

Es war ihre permanente Verfügbarkeit, die ihr einen Namen der Zuverlässigkeit und des hohen Standards sicherte und die sie immer wieder auch kurzfristig einspringen ließen, so für die Bayreuther Aufnahme des Lohengrin bei Reldec/Decca. Obwohl sie auch an Häusern wie Covent Garden und großen Bühnen Amerikas sang, war sie doch eine Met-Sängerin, und ihre Aufführungen der Violetta, Butterfly oder Mimì waren Legion – sie war beste „Met-Ware“ und stand für die damaligen Qualitäten des Hauses. Die Langlebigkeit ihrer gutsitzenden, hellen und höhenbetonten Sopranstimme war ebenfalls legendär: Noch 1985 gab sie die alternde Diva Heidi Schiller in Sondheims Musical Follies mit den New Yorker Philharmonikern. 1966 hatte sie sich von der Met zurückgezogen, trat aber dort regelmäßig noch in den Galas auf und sang mit bestsitzender Stimme den „Star spangled Banner“. Ihre offizielle musikalische Hinterlassenschaft ist nicht sehr umfangreich (La Bohème und eine Live-Manon von der Met/CBS/Naxos und einige LPs/CBS/Naxos), aber ihre inoffiziellen Livemitschnitte gibt es reichlich, an ihr kommt kein Sammler vorbei. Im Folgenden eine biographische Wertschätzung der Sängerin von David Patmore in Naxos´ unersetzlicher Reihe von Künstlerbiographien. G. H.

 

Licia Albanese an der Met/Melancon/Wiki

Licia Albanese  als Butterfly, Foto oben als Violetta, beide an der Met/Melancon/Wiki

In 1940 Albanese made her début at the Metropolitan Opera, New York, as Butterfly and achieved immediate success: she was to reprise this rôle on seventy-two occasions at the Metropolitan. She stayed with the company for twenty-six years, until in 1966, insulted by what she considered a derisory contractual offer by manager Rudolf Bing, she returned the document unsigned. At the Metropolitan Albanese sang a total of 427 performances of seventeen rôles in sixteen operas, establishing herself as one of her generation’s pre-eminent interpreters of Violetta/La traviata, and excelling as Manon/Manon Lescaut in addition to Butterfly. Other parts which she sang with the company included Nedda/Pagliacci, Marguerite/Faust, Susanna/Le nozze di Figaro, Donna Anna/Don Giovanni, Giorgetta/Il Tabarro, Tosca, Micaela, and Lauretta. She also sang regularly with the San Francisco Opera, whose music director Gaetano Merola she greatly admired, giving 120 performances of twenty-two rôles between 1941 and 1951.

Licia Albanese als Tosca an der Met/Roger Gross

Licia Albanese als Tosca an der Met/Roger Gross

The high esteem in which Albanese was held in America may be judged by the fact that it was she whom Toscanini invited to sing Mimì in the fiftieth anniversary broadcast of La Bohème, the first performance of which he had conducted in Turin in 1896. So successful was this that the maestro asked Albanese to sing Violetta in his subsequent broadcast of La traviata, also in 1946. Both these productions were afterwards released commercially on disc. Albanese made her Chicago début in 1941 as Micaela and went on to sing as a distinguished guest in Baltimore, Cincinatti, Philadelphia, San Antonio and St Louis. In 1951 she returned to La Scala, as Butterfly, which she also sang in the same year at Rio de Janeiro. She retired from the stage in 1970, but remained a force in opera in America through her teaching and the Albanese Puccini Foundation, which annually awards substantial cash grants to young opera singers.

Licia Albanese wird 1995 von Präsident Clinton die Medal of Artistic Award der USA überreicht/Bridge Puglia UA

Licia Albanese wird 1995 von Präsident Clinton die Medal of Artistic Award der USA überreicht/Bridge Puglia UA

Albanese’s voice in her early career had a most appealing freshness and innocence, as may be heard in her 1938 recording of La Bohème (Mimì) with Gigli, and in the excerpts from the 1937 Covent Garden production of Turandot (Liù) with Eva Turner, conducted by Barbirolli. Later her voice filled out, while retaining its range, flexibility and beauty of tone: her 1954 recording ofManon Lescaut, opposite Jussi Björling, is a fine example of her mature art. Other recordings of note are the studio recording of Carmen (Micaela) conducted by Fritz Reiner, and a live recording of La rondine (Magda) from 1960. Albanese possessed a strong dramatic instinct and sought to make her performances as fresh as possible, giving them considerable dramatic edge as well as musical warmth.

David Patmore (A–Z of Singers)/ Naxos Rights International Ltd..

 

Licia Albanese als Desdemona in San Francisco/SFO

Licia Albanese als Desdemona in San Francisco/SFO

Ein Live-Interview von 1988 mit Licia Albanese findet sich auf der website von Bruce Duffie This interview was recorded on the telephone on February 26, 1988.  A portion was published in The Massenet Newsletter in July, 1989, and other sections were used (along with recordings) on WNIB in 1998.  It was fully transcribed, re-edited and posted on this website in 2012. To see a full list (with links) of interviews which have been transcribed and posted on this website, click here.   Award – winning broadcaster Bruce Duffie was with WNIB, Classical 97 in Chicago from 1975 until its final moment as a classical station in February of 2001.  His interviews have also appeared in various magazines and journals since 1980, and he now continues his broadcast series on WNUR-FM, as well as on Contemporary Classical Internet Radio. You are invited to visit his website for more information about his work, including selected transcripts of other interviews, plus a full list of his guests. You may also send him E-Mail with comments, questions and suggestions.

Intelligent und karrierebewusst

Meistens tritt das Ehe- und Sängerpaar Daniela Dessì und Fabio Armiliato gemeinsam vor die Öffentlichkeit, wie viele CDs und DVDs bezeugen können. Nun ist ein handliches Büchlein mit dem Titel Appassionata dem Sopran allein gewidmet, und wie so oft in Italien ist der Verfasser Mario Dal Bello zugleich Autor, Fan und Freund, der in einer Reihe von Interviews den Leser Einblicke in den Karriereverlauf, die künstlerischen und privaten Ansichten der Sängerin gewinnen lässt. Schnell gewöhnt sich der Leser an die Häufung von Adjektiven wie sincera, raffinata, sensibele, oft noch mit einem –issima verstärkt, und mag ihnen nach Beendigung der Lektüre nicht einmal widersprechen, denn Daniela Dessì erweist sich bei ihren Aussagen tatsächlich als all das und als intelligente Gestalterin ihrer Karriere noch dazu. So natürlich wie das Landleben in Gussago bei Brescia, das die beiden Genueser zu schätzen scheinen, äußert sich die Künstlerin über ihre Herkunft, Kindheit, Entdeckung der Musik und der eigenen Stimme, die sie bereits als Siebzehnjährige ihren ersten Opernauftritt haben lässt. Aus dem Mezzosopran wird ein Sopran; vom Barock über die neapolitanische Schule, Rossini, Mozart führt der Weg zu Verdi, der künstlerisch gesehen der marito, und Puccini, der l’amante ist. Erst nach 25 Jahren Karriere hat La Dessì ihre erste Norma gesungen, kürzlich Turandot und Santuzza, und Lady Macbeth ist in Vorbereitung.

Treffend weiss der Sopran die unterschiedlichen Arbeitsweisen der berühmten Dirigenten zu charakterisieren, mit denen sie zu tun hatte. Dass sie allerdings Karajan in Ostberlin getroffen haben soll, erscheint recht unwahrscheinlich, anders als der Bericht von dem stundenlangen Musizieren gemeinsam mit dem Maestro. Kürzer geraten die Ausführungen über die Regisseure, und Geheimnisse, wie die die ihr Di Stefano über die Callas anvertraute, werden natürlich nicht gelüftet. Domingo und Pavarotti geben Anlass für nett Anekdotisches.

„Pensare prima di cantare“ bewahrte die Stimme davor, überstrapaziert und in Krisen getrieben zu werden, für fast vergessene Komponisten wie Zandonai wird von der kritisch das Musikleben kommentierenden Sängerin eine Lanze gebrochen. Die Besonderheiten des japanischen Publikums finden ebenso Beachtung wie Ausflüge in´s Cross Over.

Natürlich ist eines der wichtigsten Themen die Ehe mit Fabio Armiliato, auch er bereits einmal verheiratet und mit einem Kind aus erster Ehe. Die Organisation des Familienlebens zweier Sänger, die Frage nach Für und Wider von Liebesszenen auf der Bühne mit fremdem oder vertrautem Partner, all das wird in sympathischer, schlichter und überzeugender Weise diskutiert. Ein ganzes Kapitel ist der Beziehung zu Suora Rosalina gewidmet und ihrer gemeinsamen Arbeit für eine Gruppe suchtgefährdeter Jugendlicher, die Daniela Dessì durch Musik auf den rechten Weg zu bringen versucht.

Der Folge von Interviews schließt sich eine Biographie der Sängerin an. Das Buch wird vervollständigt durch eine so umfangreiche wie sorgfältig gemachte Diskographie und einen Fotoblock mit vielen noch nie veröffentlichten Aufnahmen. Ein ähnliches, jedoch Fabio Armiliato gewidmetes Buch könnte man nur begrüßen.

Ingrid Wanja  

 

Mario Dal Bello: Appassionata – Incontro con il soprano Daniela Dessì, 75 Seiten, Paoline Editore, ISBN 978 88 315 4446 7  

Maurizio Graziani

 

Der italienische Tenor Maurizio Graziani ist im Alter von 60 Jahren in seiner Heimatstadt Macerata am 30. 07.2014 gestorben. Graziani war vor allem als Belcanto-Sänger bekannt, der sich aktiv für die öffentliche Verbreitung des Repertoires einsetzte.  Graziani studierte am Rossini-Konservatorium in Pesaro bei Carlo Bergonzi, Franco Corelli und Rina Filippini. Außerdem nahm er Unterricht bei dem bekannten Opernsänger Mario del Monaco. Während seiner rund 50 Jahre langen aktiven Karriere feierte er auch international große Erfolge. Neben regelmäßigen Auftritten in der Arena di Verona, dem Teatro Grande Brescia und dem Bellini in Catania war er auch in Japan, Australien und den USA zu hören. Bekannt war er außerdem für seine Nebentätigkeit, in der er ein Uhrengeschäft in Macerata führte.

Maurizio Graziani/OBA

Maurizio Graziani/OBA

Dazu auch die sehr persönliche Würdigung von Fernando Pallochini in La Rucola/Notizie de Macerata: L’amicizia con Maurizio Graziani è nata nei lontani anni ’70, quando il sottoscritto faceva l’agente di commercio nel settore dell’orologeria e dell’argenteria e il padre di Maurizio gestiva in viale Trieste, a Macerata, un negozio di articoli da regalo. Fu Maurizio, provetto orologiaio, ad allargare l’attività al settore dei preziosi e dell’orologeria. Era piacevolissimo parlare con lui di tanti argomenti, nacque una amicizia e una stima reciproca che mai si è interrotta, anche se ultimamente i nostri incontri erano divenuti rari. Un giorno, con timidezza, mi disse che stava studiando canto. Era stato contagiato dalla vicinanza dello Sferisterio! Inizialmente lo preparò il Maestro Silvano Pietrosi per poi passare al Conservatorio Rossini di Pesaro seguito dal Maestro Emma Raggi Valentini e all’Accademia Lirica Mozarteum di Salisburgo. E’ stato anche allievo dei Sesto Bruscantini, Gianni Raimondi, Giuseppe Di Stefano, Carlo Bergonzi e Franco Corelli. Non aveva una “vocetta”, come alcuni hanno insinuato, ma dopo averlo ascoltato dal vivo e su registrazioni abbiamo scritto più volte di una voce chiara, limpida, che arrivava agli acuti con facilità: era bravo Maurizio! E il successo gli è arrivato da ogni parte del mondo, con platee amplissime dove riceveva l’applauso corale di 5000 persone e anche presso le ristrette cerchie degli ospiti di regnanti. Ha cantato ovunque (Macerata, Novara, Alessandria, Livorno, Pisa, Ferrara, S. Severo, Cremona, Piacenza, Trapani, Modena, Verona, Catania, Cosenza, Brescia, Palermo, Pavia, Bergamo, Trieste, Sassari, Venezia, Bologna, Firenze, Roma, Torino, Genova, Ravenna, Atene, Helsinki, Londra, Freiburg, Bonn, Buenos Aires, S. Paolo, Brasilia, Tokyo, Kyoto, Osaka, Nara, Sapporo, Nagoya, Palm Beach, Oslo, Baltimora, Avenches, Graz, Vienna, Madrid, Amburgo, Seoul, Dublino, San Gallo, Sofia e Lipsia, solo per citare alcune città), forte di un repertorio assai vasto (“L’Amico Fritz”, “Gianni Schicchi”, “La Traviata”, “Nabucco”, “Rigoletto”, “Tosca”, “Madama Butterfly”, “Macbeth”, “Carmen”, “Cavalleria Rusticana”, “Pagliacci”, “I due Foscari”, “Il Trovatore”, “Il Guarany”, “Manon Lescaut”, “Adriana Lecouvreur”, “La Bohème”, “La Fanciulla del West”, Andrea Chénier”, “Stiffelio”, “Simon Boccanegra”, “Fedora”, “Turandot”, “Un ballo in maschera”, “Luisa Miller”, “La forza del destino”, “I Masnadieri”, “Norma” e nei Requiem di Verdi e Mozart) e sempre nei ruoli da protagonista. Inutilmente abbiamo provato a riportarlo allo Sferisterio, addirittura ci fu chi gli richiese un… provino! Naturalmente rifiutò quella che considerava, giustamente dato che era ben conosciuto da chi lo voleva “provare”, una umiliazione. Un anno arrivammo persino a organizzargli una cena, presenti il Sindaco Meschini e gentile consorte e tanti amici del mondo culturale maceratese, e lo chef Amoroso, che allora gestiva un ristorante in via Roma, inventò per l’occasione un piatto tanto speciale quanto prelibato: gli gnocchetti alla Graziani. Ma non ci fu verso di riportarlo allo Sferisterio. Nonostante ciò è stato presente quando, insieme con alcuni amici della lirica, organizzammo un incontro presso il salone dell’Hotel Claudiani per parlare dello Sferisterio, nel periodo in cui questo era in piena crisi di presenze e di incassi, una serata con interventi di prestigiosi personaggi, ricca di suggerimenti. Alla fine mi si avvicinò, ci abbracciammo e mi disse: “Fernando, è inutile quanto fate, ho sperato ma questa sera pur con la presenza di persone di grande portata, nessuno degli Amministratori cittadini è intervenuto a parlare”. Amava lo Sferisterio, da maceratese e da tenore. Oggi un male improvviso ci ha privato del nostro amico e della sua bella voce. Senza dubbio ci mancherà Maurizio. Fernando Pallocchini

Wie auf dem Blog von Concertodautunno zu lessen ist: Nato a Macerata, inizia giovanissimo i suoi studi musicali con il M° Silvano Pietrosi; successivamente si iscrive al Conservatorio “Gioacchino Rossini” di Pesaro dove inizia lo studio del canto con il M° Sig.ra Emma Raggi Valentini. Inoltre ha frequentato l’Accademia Lirica di Osimo e l’Accademia Lirica Mozarteum di Salisburgo. Ha perfezionato i suoi studi con i maestri: Arrigo Pola, Ettore Campogalliani, Antonio Tonini, Paride Venturi, Sesto Bruscantini, Gianni Raimondi, Giuseppe Di Stefano, Carlo Bergonzi, Franco Corelli. Dal 1989 ad oggi ha cantato nelle città di: Macerata, Novara, Alessandria, Livorno, Pisa, Ferrara, S. Severo, Cremona, Piacenza, Trapani, Modena, Verona, Catania, Cosenza, Brescia, Palermo, Pavia, Bergamo, Trieste, Sassari, Venezia, Bologna, Firenze, Roma, Torino, Genova, Ravenna, Atene, Helsinki, Londra, Freiburg, Bonn, Buenos Aires, S. Paolo, Brasilia, Tokyo, Kyoto, Osaka, Nara, Sapporo, Nagoya, Palm Beach, Oslo, Baltimora, Avenches, Graz, Vienna, Madrid, Amburgo, Seoul, Dublino, San Gallo, Sofia, Lipsia, ecc., nelle opere “L’Amico Fritz”, “Gianni Schicchi”, “La Traviata”, “Nabucco”, “Rigoletto”, “Tosca”, “Madama Butterfly”, “Macbeth”, “Carmen”, “Cavalleria Rusticana”, “Pagliacci”, “I due Foscari”, “Il Trovatore”, “Il Guarany”, “Manon Lescaut”, “Adriana Lecouvreur”, “La Bohème”, “La Fanciulla del West”, Andrea Chénier”, “Stiffelio”, “Simon Boccanegra”, “Fedora”, “Turandot”, “Un ballo in maschera”, “Luisa Miller”, “La forza del destino”, “I Masnadieri”, “Norma” e nei Requiem di Verdi e Mozart. Ha collaborato nelle varie rappresentazioni con i Maestri: Nello Santi, Massimo De Bernart, Maurizio Arena, Angelo Campori, John Neschling, Angelo Cavallaro, Anton Guadagno, Donato Renzetti, Andrea Licata, Viatoslav Sutej, Piergiorgio Moranti. Nel 2004 è stato Calaf nella produzione di Turandot del Teatro Coccia di Novara..

Cristina Deutekom

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Dazu schreibt Wikipedia: Cristina Deutekom, also known as Christine Deutekom and Christina Deutekom (28 August 1931 – 7 August 2014) was a Dutch coloratura soprano opera singer. She sang with all the leading tenors of her time, including Carlo Bergonzi, José Carreras, Franco Corelli, Plácido Domingo, Nicolai Gedda, Alfredo Kraus, Luciano Pavarotti, and Richard Tucker.

Deutekom was born in 1931 in Amsterdam as Christine (Stientje) Engel. After some smaller roles, her breakthrough came in 1963, portraying the Queen of the Night in Mozart’s Zauberflöte  at the Dutch National Opera. She then sang the same role at all major European opera houses and also at the Metropolitan Opera in New York in 1968. In 1974 she opened the Met season as Elena in I vespri siciliani alongside Plácido Domingo.

Besides the Queen of the Night, her Mozart roles included Donna Anna in Don Giovanni, Fiordiligi in Così fan tutte and Vitellia in La clemenza di Tito. She sang the great bel canto roles, specifically in Rossini’s Armida, inBellini’s Norma and I puritani, and in Donizetti’s Lucia di Lammermoor. She went on to the great dramatic Verdi roles including Abigaile in Nabucco, Lady Macbeth, Leonora in Il trovatore, Amelia in Un ballo in maschera, and Elena in I vespri siciliani. Other roles which were captured in commercial recordings include Giselda in I Lombardi and Odabella in Attila (alle Philips). Finally, she sang the title role in Puccini’s Turandot. Deutekom’s stage career ended in 1986, when she suffered a heart attack. She turned to giving master classes internationally.

She made a return in November 1996 at the Concertgebouw Operafeest, at the age of 65 singing the Bolero from I vespri siciliani and Anna Elisa’s aria Liebe, du Himmel auf Erden from the operetta Paganini, reportedly „bringing the house down“. As of 2001, she was a guest teacher at the Royal Conservatory of The Hague, but after suffering a stroke in 2004, she retired from public life. She married Jaap Deutekom, a boxer, in 1952 and they had a daughter, Irma Deutekom, in 1955. She died on 7 August 2014 after a fall in her home.

 

Repertoire: Beethoven: Fidelio (Marzelline); Bellini: Bianca e Fernando (Bianca); Cherubini: Médée (Medea); Händel: Alcina (Alcina); Rossini: Mosè in Egitto (Sinaide); Saint-Saëns: Henry VIII (Catherine de Aragon);  Strauss, R: Der Rosenkavalier (Marianne Leitmetzerin);  Verdi: Alzira (Alzira), I masnadieri (Amalia), Rigoletto (Gilda), Simon Boccanegra (Amelia/Maria); Wagner: Götterdämmerung (Woglinde), Das Rheingold (Woglinde), Die Walküre (Walküre)

Honors:  Knight in the order of Orange-Nassau, 1974,  Singer of the year, Milan, 1974; Singer of the year, Milan, 1973; Premio Romeo e Juliet, Verona, 1972; Rigoletto d’Oro, Mantua, 1973 Monteverdi d’Oro, Venice, 1972; Palco Scenico d’Oro, Mantua, 1971; Grand Prix du Disque of the Académie Charles Cros, Paris, 1968;  Arena d’Oro, Verona, 1976

Foto oben: Volksrant.nl

„Halbe Sachen gibt es für mich nicht!“

Im August wird er 72 und steht immer noch als Coach und Tänzer auf der Bühne: Egon Madsen, einer der ganz Großen der internationalen Ballettszene, der mit zu John Crankos Stuttgarter „Ballettwunder“ beigetragen hat. Jetzt hat er auch noch die Sprechbühne für sich entdeckt. Im Theaterhaus Stuttgart tauscht er mit Gitte (Hænning) Love Letters aus.  Mit Hanns-Horst Bauer unterhielt er sich dort über Charisma, positives Denken und das Arbeiten im Alter.

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Herr Madsen, wer Sie beim turbulenten „Celebration“-Flashmob von Gauthier Dance in einem großen Stuttgarter Kaufhaus in Aktion gesehen hat, fragt sich unwillkürlich, wo nimmt der Mann diese umwerfende und mitreißende Power her. In dem Moment, wo es ernst wird, wo der Vorhang aufgeht, da bekomme ich automatisch einen Energieschub, um hundertprozentig auf der Bühne stehen zu können. Halbe Sachen gibt es für mich nicht.

Dieser Energieschub kann aber doch nicht alles sein? Sicher nicht. Ganz entscheidend ist auch, dass ich ein sehr positiv denkender Mensch bin. „Ich bin heute müde“ oder „Ich habe keine Lust“, das gibt es für mich nicht. Ich gebe immer alles, was ich habe, und das mit Spaß und Freude, denn wenn man ein Publikum hat, das einen schätzt und liebt, dann muss man ihm auch etwas zurückgeben.

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Was gibt Ihnen diese Kraft? Woher nehmen Sie Ihre positive Einstellung? Das ist etwas, was ich eigentlich immer schon gehabt habe, das ist mir angeboren. Ich komme aus einer ganz einfachen Schuster-Familie, und wir hatten untereinander immer einen sehr guten Kontakt. Prägend für mich war wohl vor allem meine Mutter, eine kleine rundliche Frau mit viel Witz und Humor, die immer positiv eingestellt war. Dieses Charisma habe ich dann im Verlauf meines Lebens immer weiter entwickelt.

Sie hatten also, den Eindruck gewinnt man, eine glückliche Kindheit und konnten sich frei entfalten. Wie kamen Sie denn zum Tanz? Die Begeisterung dafür hatte ich wohl schon von klein auf. Ich hatte immer das innere Bedürfnis, tanzen müssen. Wenn´s Musik im Radio gab, dann habe ich mich dazu bewegt. In der Schule habe ich zwar im Chor mitgesungen, und das sogar sehr gut, aber hingezogen hat es mich eher zum Theater. Kein Wunder also, dass Freunde meinen Eltern empfohlen haben, diesen Drang zu unterstützen. Deshalb haben sie mich, als ich neun war, in die Ballettschule von Thea Jolles in Aarhus geschickt, wo man festgestellt hat, dass ich sehr talentiert bin. So stand ich mit Zehn bereits auf der Bühne und bin mit dem Kinderballett auch groß auf Tournee gegangen.

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Trotzdem sind Sie später von der Ballettschule des Königlich Dänischen Balletts abgelehnt worden. Wie sind Sie damit, eigentlich erfolgsgewohnt, fertiggeworden? Ich bin immerhin unter die letzten 25 von 250 Bewerbern gekommen. Über die Ablehnung war ich aber eigentlich sehr froh, denn da hat mich bereits  die strenge Aufnahme-Prozedur unheimlich genervt. Die Atmosphäre dort hat mir überhaupt nicht gefallen.

Als Sie gerade mal 18 Jahre alt waren, hat der leider so früh verstorbene John Cranko Sie nach Stuttgart geholt. Wie haben Sie sich da gefühlt? Das war merkwürdig und spannend zugleich, denn Cranko hat mich ohne Vortanzen engagiert. So stand ich plötzlich mit einem Koffer und meinem Teddybär in Stuttgart.

Und waren bereits ein Jahr später Solotänzer beim Stuttgarter Ballett, das Sie zusammen mit Marcia Haydée, Birgit Keil, Richard Cragun und anderen Tänzern ganz entscheidend mitgeprägt und so das legendäre Stuttgarter „Ballettwunder“ bewirkt haben. Was hat es denn mit diesem Wunder auf sich? Ganz entscheidend dafür war sicher die sehr gute, ja geradezu familiäre Arbeitsatmosphäre in der Kompanie. Die Harmonie war unheimlich stark. So etwas gibt es heute wohl kaum mehr. Das Stuttgarter „Ballettwunder“ gibt es auch nur einmal. So etwas kann man nicht nachmachen.

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Sind die „Initialen R.B.M.E.“ mit  Brahms´ zweitem Klavierkonzert, die Cranko für Sie, Ricky, Marcia und Birgit choreographiert hat, also tatsächlich ein Freundschafts-Ballett? Ja, zweifellos. Wir haben uns immer sehr gut verstanden. Und Cranko hat uns in diesem Ballett nachgezeichnet, wie wir wirklich waren. Deshalb ist es heute für andere Tänzer eine große Herausforderung, die „Initialen“ nachzutanzen.

Sie wurden als Stars im In- und Ausland groß gefeiert. Gab es da kein Konkurrenzdenken untereinander? Nein, eigentlich nicht, denn wir Vier waren ja so verschieden. Birgit mit ihrem wunderschönen Körper stand für die lange Linie, Marcia für Romantik, Dramatik und Komik, Ricky war stärker, größer und muskulöser als ich, und ich war ein bisschen feiner neben ihm.

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Welche Bedeutung hatte Cranko für Sie ganz persönlich? John war für mich als sehr junger Tänzer so etwas wie eine Vaterfigur. Ich war damals, heute wohl nicht  mehr, ein  ruhiger, zurückhaltender, fast schon scheuer Mensch und habe auch nicht sehr viel geredet. Er hat mich unbewusst erzogen und mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben.

Und für Ihre tänzerische Entwicklung, für Ihre Karriere? Er hat uns die Rollen ganz individuell auf den Körper choreographiert, für unsere ganz persönliche Ausstrahlung. So hatten wir die tolle Möglichkeit, uns mit jeder Rolle wirklich identifizieren zu können.

Ihre großen Rollen haben Sie mit wechselnden Partnerinnen getanzt. Ist es nicht schwierig, sich immer wieder auf neue Star-Ballerinen einstellen zu müssen? Da muss man in kürzester Zeit versuchen, die Partnerin kennenzulernen und zu spüren, wie man mit ihr umgehen, wie man sie anfassen muss. Probleme hatte ich dabei eigentlich nie.

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Im Gespräch: Egon Madsen/Foto Hanns-Horst Bauer

Wirklich nie? Bei keinem einzigen großen Pas de deux? Nun, jede Partnerin bringt ein anderes Gewicht mit. Deshalb musste ich, der ich ja eher schmal war, zunächst Muskeln aufbauen. Ich erinnere mich an eine meiner frühen Aufführungen, als ich Marcia von hinten hinaus auf die Bühne tragen musste. Aber das ging bei mir nicht. Wir sind damals mehr zu Fuß gelaufen als sie in der Luft war. Daran musste ich arbeiten.

Im Fitness-Studio, wie es die Tänzer heute zum Teil machen? Nein, bei uns war der Körper, wie er war. Ich musste ganz einfach  Pas de deux-Arbeit leistet. Ich mache noch heute täglich meine Bodenübungen und Stretchings. Zu Hause in Italien jogge ich mit meiner Frau am Strand. Dazu kommt ein spezielles Yoga und ein bisschen Krafttraining. Wenn man älter wird, muss man einfach etwas für seinen Körper tun.

Für ältere Tänzer ab 40 haben Sie sich beim Nederlands Dance Theater III  in Den Haag  engagiert. Was hat Sie  daran gereizt?  Da hatte ich die Möglichkeit zu zeigen, was man als Tänzer und Charakterdarsteller auch nach 35 noch auf der Bühne leisten kann.

Die meisten Tänzer beenden ihre Laufbahn  in der Regel in diesem Alter und werden dann vielleicht Ballettmeister oder Direktor. Wie kommt es, dass Sie mit bald 70 immer noch aktiv auf der Bühne stehen? Das ist keine Frage des Alters, sondern des Körperbaus und der inneren Einstellung.  Ich habe vermutlich einen anderen Körper als die meisten. Dadurch dass meine Knochen sehr fein und unglaublich flexibel sind, kann ich mich länger auf der Bühne halten. Von kleineren Knie-oder Rückenproblemen mal abgesehen, hatte ich eigentlich nie ernsthafte Schwierigkeiten mit meiner Gesundheit.

Das Buch zum Tänzer Egon Madsen im Henschel verlag

Das Buch zum Tänzer Egon Madsen im Henschel Verlag, bereits in operalounge.de bei Erscheinen besprochen

Im Augenblick arbeiten Sie als Company Coach bei Gauthier Dance im Stuttgarter Theaterhaus, wo Sie mit Christian Spucks „Don Q.“ zusammen mit Eric Gauthier auch einen großen Triumph als Tänzer feiern konnten. Woher kommt Ihre Begeisterung und Ihr Engagement für diese junge Truppe? Gauthier Dance ist eine ganz wunderbare Sache und ich bin dem Leiter des Theaterhauses, Werner Schretzmeier, dafür sehr dankbar. Dort zu arbeiten, ist einfach ein Genuss. So hat Stuttgart zwei Ballettkompanien mit unterschiedlicher Zielsetzung.

Welchen Stellenwert kann denn das Ballett, der Tanz ganz allgemein in unserer Gesellschaft einnehmen? Sicher einen sehr wichtigen, durchaus auch gesellschaftskritischen, denn Tanz braucht keine Sprache, sondern nur Bewegung, kann also weltweit überall verstanden werden.

Aber da müssen zum Teil doch auch Vorurteile abgebaut werden? Ja, zum Beispiel immer noch, was den Beruf des männlichen Tänzers angeht. Zu sagen, das sei kein Beruf für einen Mann, ist absoluter Quatsch. Tanzen ist Hochleistungssport!

Egon Madsen mit Gitte Hænnig bei "Love Letters" in Stuttgart"/Foto Regina Brockes

Egon Madsen mit Gitte Hænnig bei „Love Letters“ in Stuttgart“/Foto Regina Brockes/Theaterhaus

 

Jetzt machen Sie zusammen mit Gitte Hænning auch noch Theater. Was reizte Sie daran? Schauspieler war ich ja eigentlich schon immer, beim Tanzen wie auch privat. Meine Person ist immer in Action. Und Werner Schretzmeier, der Leiter des Stuttgarter Theaterhauses, wollte schon immer mal ein Stück mit mir machen. Wir wussten anfangs nur nicht, was und mit wem. Schließlich kamen wir auf A.R. Gurneys „Love Letters“ und auf Gitte, die im Theaterhaus 2007 bereits zusammen mit Wencke Myhre und Siw Malmkvist aufgetreten war. Natürlich kannte ich Gittes großen Schlagererfolg „Ich will ´nen Cowboy als Mann“, aber persönlich hatte ich sie nie vorher getroffen. So wurden es also zwei Dänen, was vor allem deshalb sehr reizvoll ist, weil unser Akzent die Sache sehr charmant und locker macht. Bei unserem ersten Treffen haben wir übrigens erstaunt festgestellt, dass sie in Aarhus geboren ist und ich dort aufgewachsen bin. Wir sind uns aber nie begegnet. Und das Stück „Love Letters“ berührt mich sehr, ich habe gemerkt, dass in diesen Liebesbriefen sehr viel von mir ganz persönlich steckt. Meine Frau und ich haben unsere Liebesbriefe bis heute aufbewahrt.

Ein Blick zurück:"Schwanensee" 1972 - zum Foto aus dem nachstehend genannten Buch schreibt die Autorin: "Bildtext im Buch: "Von Verehrern verfolgt: der blonde Prinz in John Crankos ´Schwanensee´/ Schwanensee, hier 1972" © Leslie E.Spatt (Egon Madsen, Ein Tanzleben S.58)

Ein Blick zurück:“Schwanensee“ 1972 – zum Foto aus dem nachstehend genannten Buch schreibt die Autorin: „Von Verehrern verfolgt: der blonde Prinz in John Crankos ´Schwanensee´, hier 1972“ © Leslie E.Spatt (Egon Madsen, Ein Tanzleben S.58)

Was kommt nach dem Stück? Werden Sie auch wieder als Tänzer auf der Bühne stehen? Ja, da ist schon etwas ganz konkret  für´s  kommende Jahr in Planung, wenn das Theaterhaus 30 wird: Eine Produktion nach einer Idee von mir, bei der ich auch Regie führen werde. Das wird etwas ganz Persönliches mit fünf verschiedenen Choreographen und fünf Tänzern über 40, 60 und 70, so eine Art eine Generationengeschichte, bei der ich natürlich auch selbst auf der Bühne stehen werde.

 

Biographie: Egon Madsen wurde am 24.August 1942 in Ringe auf der dänischen Ostsee-Insel Fünen als Sohn einer Schusterfamilie geboren. Bühnenerfahrungen sammelte er zunächst mit dem Kinderballett von Aarhus und fand danach sein erstes festes Engagement beim Tivoli-Pantomimentheater in Kopenhagen. 1961 holte ihn Choreograph und Ballettdirektor John Cranko nach Stuttgart, wo er bereits nach einem Jahr als Solist auftrat. Hier schrieb er Ballettgeschichte und trug mit zum Entstehen des legendären Stuttgarter „Ballettwunders“ bei. Er kreierte Rollen, die ihm Cranko auf den Körper choreographierte: Paris in Romeo und Julia, Joker in Strawinskys Jeu de cartes, Lenski in Onegin, Gremio in Der Widerspenstigen Zähmung, Prinz Siegfried im Schwanensee oder Don José in Carmen. Auch andere berühmte Choreographen arbeiteten mit ihm zusammen. 1981 verließ Madsen Stuttgart und arbeitete als Ballettdirektor zunächst in Frankfurt, dann in Stockholm und schließlich in Florenz. 1990 kehrte er als Ballettmeister und stellvertretender Ballettdirektor mit Marcia Haydée an der Spitze nach Stuttgart zurück. 1996 ging er als Erster Ballettmeister nach Leipzig und 1999 nach Amsterdam zum Nederlands Dance Theater III für Tänzer ab 40, dessen Leitung er ein Jahr später übernahm und bis zu dessen Auflösung 2007 innehatte. Seit 2009 ist er Company Coach von Gauthier Dance im Stuttgarter Theaterhaus. Für sein Lebenswerk erhielt er 2011 den Deutschen Tanzpreis. Egon Madsen lebt mit seiner Frau Lucia Isenring, mit der zusammen er in Stuttgart getanzt hat, in Italien. Anlässlich seines 70.Geburtstags erschien im Henschel Verlag eine von Dagmar Ellen Fischer verfasste Biographie: Egon Madsen, Ein Tanzleben (Henschel Verlag  ISBN 978-3-89487-729-3). H.-H. B 

 

Fotos Egon Madsen: Hanns-Horst Bauer

Foto Gitte Hænning und Egon Madsen: Regina Brocke/Theaterhaus Stuttgart

Celibidache, Lehmann, Cluytens und Bernstein

Vor die Aufgabe gestellt, Einspielungen unterschiedlicher Dirigenten summarisch zu besprechen, sucht man gerne nach einem gemeinsamen Nenner. Selten wird er in der künstlerischen Gestaltung zu finden sein, dafür sind die Pult-Maestri in der Regel zu individuell. Verbindungslinien lassen sich eher en detail ziehen: Repertoirevorlieben, Klangideal u.a. An dieser Stelle bietet sich ein ganz äußerliches Faktum als roter Faden an. Sowohl Sergiu Celibidache als auch André Cluytens, Fritz Lehmann und Leonard Bernstein haben die Berliner Philharmoniker geleitet, auch wenn das bei den hier vorstellten Aufnahmen nicht überall dokumentiert ist.

Hinzuweisen ist auch auf die klanglich ausserordentlichen Aufnahmen Celibidaches beu audite, wie bereits in operalounge.de besprochen

Hinzuweisen ist auch auf die klanglich außerordentlichen Aufnahmen Celibidaches bei audite, wie bereits in operalounge.de besprochen

Sergiu Celibidache war bekanntermaßen, i.G. zu seinem Antipoden Herbert von Karajan, welcher ihn nach dem Tode Wilhelm Furtwänglers bei der Besetzung des philharmonischen Chefpostens überrundete), strikt gegen Studioproduktionen und  die kommerzielle Verwertung von Konzertmitschnitten, da er einzig die Wirkung des „hic ed nunc“ gelten ließ. Rundfunkaufnahmen ließ er hingegen in etwas inkonsequenter Weise zu. Nach seinem Tod 1996 wurden – mit Zustimmung von Sohn Serge – die meisten seiner Konzerte mit den Münchner Philharmonikern (Celibidaches letzte Chefposition) von EMI ausgewertet, während sich die DG an die Archivbestände des Süddeutschen Rundfunks heranpirschte (hier wirkte der Dirigent zwischen 1972 und 1977). Aus dem Ausland waren schon zuvor diverse Mitschnitte zugänglich, so die kompletten Brahms-Sinfonien mit dem Mailänder RAI-Orchester vom Ende der 50er Jahre.

Die „Erste“ von Brahms gibt es nun auch in einer Konzertaufzeichnung mit den Wiener Symphonikern von 1952 (auf dem hauseigenen WS-Label). Dieses Jahr markiert in der Karriere von Sergiu Celibidache einen Wendepunkt, wurde ihm eine leichte, unterschwellige Pulteitelkeit von seinem Lehrer Heinz Tiessen mit gestrengem Nachdruck ausgetrieben. Die Wiener Aufführung vom 30.Oktober lässt keine Extravaganzen spüren und schon gar nicht die später oft kritisierten Zeitlupentempi. Brahms‘ Musik klingt vorwärts drängend, frisch und dramatisch impulsiv. Editorisch irritiert allerdings, dass nicht das komplette Konzert (es enthielt noch Franz Liszts „Les Préludes“ und das 2.Klavierkonzert von Maurice Ravel mit Robert Casadesus) veröffentlicht wurde. Das holte dann später Orfeo nach. Da das VÖ-Datum September 2013 noch nicht solange zurückliegt, darf in diesem Zusammenhang an die audite-Kassette „Celibidache – The Berlin Recordings 1945-1957“ (13 CDs, Berliner Philharmoniker, RSO Berlin) erinnert werden, welche ein hochinteressantes Programm mit vielen unbekannten Werken offeriert, bei welchen der Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert liegt.

cluytensIn dieser Anthologie befindet sich auch eine Aufnahme von Georges Bizets herrlich jugendfrischer C-Dur-Sinfonie, mit welcher zu André Cluytens übergeleitet werden kann. Dessen Interpretation entstand im gleichen Jahr 1953, nimmt sich im Adagio ganze 2 Minuten mehr Zeit, ist im Finale hingegen um 40 Sekunden rascher. Aber das sind natürlich keine wirklich qualitativen Kriterien. Die Lockerheit und Quirligkeit der Musik sind hier wie dort stimmig eingefangen. Obwohl Cluytens um 1960 mit den Berliner Philharmonikern sämtliche Sinfonien Ludwig van Beethovens erarbeitete und ab 1955 äußerst erfolgreich in Bayreuth wirkte, gilt er doch als besonders kompetenter Sachwalter für die französische Musik. Dem trägt eine 4-CD-Kollektion mit Einspielungen aus den frühen 50er Jahren bei Documents Rechnung (es handelt sich bereits um eine Wiederauflage). Das über weite Strecken zarte Requiem von Gabriel Fauré erfährt unter Cluytens‘ Händen eine eminent sublime Darstellung, bei der Sinfonie César Francks und der selten zu hörenden „Symphonie sur un chant montagnard francais“ von Vincent d’Indy (den Klavierpart hat Aldo Ciccolini inne) setzt es freilich so manche Prankenhiebe. Selbstverständlich sind auch Claude Debussy („La Boite à joujoux“) und Maurice Ravel (beide „Daphnis“-Suiten, „Tombeau de Couperin“) berücksichtigt. Trotz Mono-Klangbild klingen alle Werke räumlich und rauschhaft. Mit dem 2. Klavierkonzert von Beethoven (Solomon, Philharmonia Orchestra) und Mozarts Konzert Nr. 24, welches ganz besonders auch von Clara Haskils natürlichem Anschlag lebt (das Orchestre National de France begleitet bei diesem öffentlichen Konzert) wird zu Beginn ein „klassischer“ Akzent gesetzt. Das Mozart-Werk ist übrigens auch in einer weiteren Cluytens-Edition von Documents zu finden, einer firmen-typischen 10-CD-Kollektion, welche jüngeren Datums ist, hier allerdings nicht zur Besprechung ansteht.

fritz lehmannZu den Karrierestationen von Fritz Lehmann (1904-1956) gehören Kleinstädte wie Hildesheim und Bad Pyrmont. Sein Studium absolvierte der gebürtige Mannheimer u.a. in Göttingen, wo er 1934 die Händel-Festspiele ins Leben rief und nach dem Kriege nochmals leitete. Seine Vertrautheit mit barockem Repertoire dokumentiert u.a. eine Bach‘sche Matthäus-Passion (1949, mit dem ganz jungen Dietrich Fischer-Dieskau, Elfride Trötschel, Helmut Krebs  u.a.) oder auch das Weihnachtsoratorium dieses Komponisten (Gunthild Weber, Sieglinde Wagner, Helmut Krebs, Heinz Rehfuß – Dirigatübernahme bei den letzten Kantaten: Günther Arndt). Auf Magdalen lernt man den Dirigenten mit Franz Schubert („Unvollendete“) und Beethoven (Leonore III, 2. Sinfonie) kennen. Unter seiner Stabführung spielen die Berliner Philharmoniker mit vibrierender Emotion und großer Klangintensität. Gültige Interpretationen, an die rechtens erinnert wird.

Bernstein beethovenBei den „Berlinern“ war auch Leonard Bernstein gelegentlich zu Gast, selten allerdings, zumal sich die rechte Chemie zwischen ihm und dem Orchester nicht recht einstellen wollte (anders als bei den Kollegen in Wien). Anzuzeigen ist seine erste Einspielung von Beethovens „Missa solemnis“ (1962). Mit den Concertgebouw-Musikern hat er das Werk 16 Jahre später nochmals aufgenommen (Edda Moser, Hanna Schwarz, René Kollo, Kurt Moll). Die von Alto neu herausgebrachte Produktion mit dem New York Philharmonic, voll und präsent im Klang, zeigt einmal mehr, dass Beethoven dem Gigantismus eines Gustav Mahler durchaus nahe steht. Und seine Neigung, die menschliche Stimme seiner Inspiration auf mitunter fast „inhumane“ Weise dienstbar zu machen, wird hier ebenso evident wie bei der Fidelio-Leonore. In der Messe haben sich die hohen Frauenstimmen, Solo wie Chor, oft über lange Strecken im Bereich des hohen „C“ anzusiedeln, eine tour de force, für welche der Westminster Choir wie auch die mit einem leuchtendem Sopran aufwartende Eileen Farrell (einmal bewältigt sie souverän auch das “Des“) nicht hoch genug gepriesen werden können. Von den anderen Solisten macht Kim Borg mit seinem voluminösen Bass noch besonderen Eindruck, während Richard Lewis bei aller Kultur des Singens mitunter etwas weichlich klingt. Carol Smith gibt ihren Alt-Part mit angenehmer Wärme. Das Beethoven‘sche Gipfelpanorama ist natürlich eine Herausforderung für den Ekstatiker Bernstein. Er bietet eine pathosgesättigte, aber auch klangdifferenzierte und rhythmisch enorm prägnante Interpretation.

Christoph Zimmermann

 

Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 1 c-Moll, opus 68. Wiener Symphoniker: Sergiu Celibidache (1952) (WS 002)

André Cluytens – Noble Maitre de Musique (Documents 233113)

Fritz Lehmann dirigiert Schubert und Beethoven (Magdalen 8020)

Beethoven: Missa solemnis (Eileen Farrell, Carol Smith, Richard Lewis, Kim Borg, Westminster Choir, New York Philharmonic: Leonard Bernstein) (alto 1240)

Carlo Bergonzi

 

Carlo Bergonzi  ist tot (* 13. Juli 1924 in VidalenzoItalien; † 25. Juli 2014 in Mailand). Er begann seine Bühnenkarriere nach Studium am Konservatorium „Arrigo Boito“ in Parma als Bariton und debütierte 1948 am Theater in Lecce in der Rolle des Figaro in Rossinis Oper Il Barbiere di Siviglia. Obwohl er in der Folge weitere Bariton-Rollen übernahm (u.a. Rigoletto), schulte er 1950/51 auf das Tenorfach um und trat am 12. Januar 1951 in Bari erstmals als Titelheld in Giordanos Oper Andrea Chénier auf. In weiterer Folge entwickelte er sich zu einem der führenden lirico-spinto-Tenöre des 20. Jahrhunderts. Bergonzi trat mit großem Erfolg auf allen bedeutenden Opernbühnen der Welt auf. Besondere Erfolge erzielte er an der Metropolitan Opera in New York City (Antrittsrolle: Radames), wo er über 25 Jahre zu den führenden Tenören gehörte. Auch in der Arena di Verona sang er in 21 Spielzeiten seine wichtigsten Partien. Wenn er auch beim breiten Publikum etwas im Schatten seiner Kollegen Franco CorelliGiuseppe Di StefanoMario Del Monaco und später Luciano Pavarotti stand, wurde er in der Fachwelt umso mehr geschätzt. Der englische Gesangsfachmann John Steane in seinem Werk The Grand Tradition und Jürgen Kesting in Die großen Sänger sehen in ihm, besonders wegen seiner überragenden Gesangstechnik, einen der wichtigsten Tenöre nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zentrum von Carlo Bergonzis Repertoire standen vor allem die Werke Verdis. Dieser Tatsache verdankt er neben vielen anderen Ehrungen zwei bedeutende Preise den Verdi d’oro  (1972, Associazione „Amici di Verdi“) und im Jahre 2000 den Gramophone’s Lifetime Achievement Award mit der Begründung: Größter Verdi-Tenor des 20. Jahrhunderts. Bergonzi starb am 25. Juli 2014 im Alter von 90 Jahren in Mailand. Wikipedia

Goldene Zeiten: Carlo Bergonzi, Eve Queler, Licia Albanese und Aprile Millo/Foto Queler

Goldene Zeiten: Carlo Bergonzi, Eve Queler, Licia Albanese und Aprile Millo at the Columbus Club/Foto Queler

Die Dirigentin und langjährige künstlerische Freundin Bergonzis, Eve Queler, schickte uns ihre (nachfolgenden) Gedanken zum Tode des Tenors, der so viel mit ihr in New York gesungen hatte. Upon learning the news of the death of Carlo Bergonzi: My musical life was so greatly enriched by meeting and working with Carlo Bergonzi. What an open smiling, cooperative individual he was. His great voice was a part of his personality, always up. 1977 we did Edgar with Bergonzi in the title role (and Scotto), which was recorded for CBS – we only needed on correction take, so perfect was the concert.

Carlo Bergonzi/OBA

Carlo Bergonzi/opera chic

Our next concert together was October 20, 1981, Verdi’s I Due Foscari with Marguerita Castro-Alberty and Renato Bruson. A few years later we had (1986) Verdi’s I Lombardi all Prima Crociata with Aprile Millo and Paul Plishka. We repeated that performance in the same year at the Academy of Music in Philadelphia. In these performances as in everything I did with Opera Orchestra of New York, it was my policy to combine the Carnegie cast with the cover cast as often as possible to allow the young singers to have a sense of what it feels like to sing a duet with a super star and sometimes to hang out a little bit or listen to some words of wisdom, or the excellent diction as employed by Bergonzi.

Bergonzi und Scotto beim Carnegie-Hall-Konzert von Puccinis "Edgar" unter Eve Queler/Foto OONY

Bergonzi und Scotto beim Carnegie-Hall-Konzert von Puccinis „Edgar“ unter Eve Queler/Foto OONY

Carlo was superb in sharing with the young singers, in fact he told me he loved working with them. This was different from other star tenors with whom I worked. We presented him in a recital at Carnegie Hall accompanied by Vincenzo Scalera, one in April 1994 and the other in Aprile 1996. To celebrate the occasion,Robert Wagenfeld, Board member of Opera Orchestra of New York threw a splendid dinner for Bergonzi at the Columbus Club in New York City. Photos from this occasion include Licia Albanese, Aprile Millo, Bob Wagenfeld, myself and Renata Scotto. We made one more attempt to work together. I offered Carlo a concert of Arias which would feature the final scene of Otello, which I had heard him sing so very movingly with piano accompaniment at a concert featuring the winners of the Licia Albanese Puccini competition.

Der junge Carlo Bergonzi als Rodolfo/OBA

Der junge Carlo Bergonzi als Rodolfo/Amici del´Opera

Carlo responded that he wanted to do the entire opera. I tried counter offers but he was adamant that he wanted to whole opera. I was uneasy to conduct my first Otello ever anywhere at Carnegie Hall in spite of the fact that everything I did at Carnegie Hall was my first time with that opera .Fortunately, I was invited to conducted several performances of Otello in Toluca, Mexico. I brought the cover cast for these two performances. Several of the singers singing smaller parts also sang at Carnegie Hall. The night of the performance, Carlo was not in good voice. There was huge pressure as in the sold out house in Box 1 were his colleagues,Domingo, Pavarotti and Carreras who had come to New York for this event. Bergonzi tried valiantly and sang the first two acts, then had to bow out.

 

 

 

Ugo Benelli

 

Spätestens die Italienischen Romanzen im zweiten großen Veröffentlichungsschub von Deccas „Most wanted recitals“ (dazu der Beitrag in operalounge.de) machen noch einmal auf den italienischen Tenor des Zwischenfachs, Ugo Benelli, aufmerksam, der wie seine Kollegen Alva, Valetti oder Monti jene Sparte bediente, das heute so gut wie ausgestorben ist, den tenore di grazia, Rossinis oder Bellinis Ideal, aber eben auch fähig, größer zu singen, der aber eben immer bei seinem „Leisten“ blieb und durch Süße des unverkennbar individuellen Tons und unerhörte Technik der bestsitzenden Stimme sich auszeichnete. Der flämische Journalist Jan Neckers, selber Musik- und Stimmenkenner par excellence und Autor vieler Publikationen zu diesem Thema, hat uns liebenswürdigerweise sein Gespräch von 2011 mit Benelli bei Opera Nostalgia überlassen und dem seine eigenen Erinnerungen an den Tenor vorangestellt. Geerd Heinsen

Ugo Benelli: Tonio in "La Figlia del Regimento" an der Scala/Benelli

Ugo Benelli: Tonio in „La Figlia del Reggimento“ an der Scala/Benelli

Like most people in those days before internet and with only Opera Magazine widely available in Europe I had not heard of Ugo Benelli until the moment Decca made public its recordings of  La Cenerantola (with Simionato) and Il Barbiere di Siviglia (with Berganza, Corena, Ghiaurov and Ausensi – also unknown unless one collected zarzuela LP’s which rarely left Spain in the fifties and sixties). All at once it seemed there was a new Rossini tenor star in heaven and one who did not only have style and coloratura facility. There was the sweetness of Monti as well and a very good top; in short this was a more attractive voice than Luigi Alva who somewhat monopolized the role of Almaviva. Moreover at Decca some producers had discovered that a really complete recording without the usual cuts was quite a selling argument for their sets so that they would supersede (together with their superior sound) the  Callas or De los Angeles recordings of the same operas. Therefore producer Eric Smith and conductor Silvio Varviso (who nevertheless resorted to barbarous cuts in a Norma recording a few years later) went for the full score and re-instated „Cessa di più resistere in the second act of Barbiere, brilliantly sung by Benelli. From that moment on Benelli became the best tenore di grazia of his generation; a worthy successor to his great predecessors in the twenties and thirties: Roberto D’Alessio, Giovanni Manurita, Luigi Fort, Nino Ederle. Nevertheless Benelli had two big problems; one was called Corelli, Bergonzi, Price, Cossotto, Del Monaco, Tucker, Caballé etc. The great Verdi and Puccini hits could still be easily cast on the world’s big stages as there were still the voices to sing them while “The New Golden Age of Singing” was on between 1945 and 1975 and the interest in belcanto operas was not overwhelming. The second problem was that the real Rossini renaissance started only at the end of the seventies and many of the official recordings would only appear ten years later at the moment Benelli had already a full career behind him, transferring to interesting comprimari roles.

Ugo Benelli: "L´ajo del Imbarrazzo"/Rai/Benelli/Benelli

Ugo Benelli: „L´ajo del Imbarrazzo“/Rai/Benelli

Personally I heard the tenor for the first time in early 1968. Flemish public radio organized several opera concerts a year, mostly with less than stellar singers (and it is a cliché but a true one: singers like Antonioli, Amadeo, Novelli, La Macchia, Vicentini, De Osma, Berini, Marchica, Maccianti, Mariotti etc. would indeed be stars nowadays). So it came as a small surprise there would be a concert with a big name we knew from records like Benelli while Enzo Dara too already had a fine reputation and Giovanna Santelli would never be known outside a small circle of collectors. The concert took place in the formidable big auditorium Studio 4 of Flemish Radio at the Flageyplein in Elsene-Brussel. There was only one small disillusion: the announced “Suzel buon di” for which Benelli’s voice was so well suited was replaced by a far more common Elisir duet. Benelli in the flesh was as good as on his recordings. His “Una furtiva lagrima” was the best I ever heard, sung meltingly beautiful and the house rightfully came down. As every young belcanto lover I was somewhat conceited and though I always attended those concerts I sometimes neglected to record them (and discovered a few years later at the producer’s untimely death that a barbarian had ordered them to be wiped as “tape was not cheap”). With the Benelli concert I did not take a risk and I have proof of his performance. Somewhat later I once again was lucky enough to attend a radio concert, recorded at the Ghent Opera on the 27th of April 1968. It was a Rossini gala concert with Benelli, Alfredo Mariotti (with whom he had recorded Don Pasquale), Cecilia Fusco and Oralia Dominguez. I vividly remember his ding ding utterances in the amusing finale of the first act of L’Italiana and the lovely sheen of the voice when he repeated the main theme in that marvellous under recorded “Dal tuo stellato soglio” from Mosé.

Ugo Benelli: "La Cenerentola"/Benelli

Ugo Benelli: „La Cenerentola“/Benelli

The last time I heard him was at a performance of Don Pasquale at De Munt in 1973. The voice had maybe lost a little bit of its beauty though it was still extremely fine but there was some new strength as well.  He capped the cabaletta to the “Povero Ernesto !with a clear high C and what a pity it is he was not allowed to record that part of the score on his DG recording of 1964. In the seventies he was several times on TV and we could watch him in complete performances of Il capello di paglia di Firenze and L’Italiana in Algeri, both shot in colour in 1975 and 1976. By 1983 he decided to switch to comprimari roles and sang Dr. Cajus at De Munt, though the voice had still a lot to offer. Witness the live recordings circulating among collectors of his concerts with popular Italian songs at Wexford in 1983 or Aix in 1985.Some years ago I wrote a review of his delightful performance on the Deutsche Gramophon Don Pasquale recording and I compared him with that star of today: Juan Diego Floréz. I could only conclude that in my opinion Benelli was born too soon as he was in no way less gifted than the Peruvian tenor. Indeed, as I heard both in the flesh, I still think Benelli had the slightly more beautiful voice and it is a shame Decca or other labels didn’t offer him more recording opportunities so that nowadays he is somewhat unjustly forgotten. Recently I got a mail from “un vecchio tenore” to thank me for my review.  That’s when I got the idea to ask Mr. Benelli for an interview and he was glad to concede it. Nowadays Ugo Benelli still lives in his beloved Genova; in an apartment with a fine sight on the Mediterranean. Every year he presents an operatic concert in his birth place and he teaches. Those who want to contact him will find all necessary information on his website ugobenelli.comJan Neckers

Ugo Benelli: begeisterter Motorradfahrer/Benelli

Ugo Benelli: begeisterter Motorradfahrer/Benelli

Und nun das Interview: Please, tell us something about your youth in Genova. I was born on the 20th of January of 1935 in the beautiful port city. My grandfather and my parents made hats for ladies and I helped when growing up. War time was terrible for my family. After Italy surrendered to the Allies in 1943 my father was captured by the Germans and taken to Germany. He was there for more than two years until he finally came back: out of 150 prisoners only seven returned; all others had starved. It is said our name derives from Ben-Eli (son of God). Maybe we are from Jewish extraction. Anyway, my mother with two children, Ugo six and Paolo two and an old grandfather, stayed in Genova under threat of continuous air attacks. The worst raid was by the RAF which razed almost the whole of the city. After the war I had a very normal life: going to school, studying…not too much and spending my free time in the nearby church oratory playing football, table-tennis and playing jokes on other boys. Once as a boy scout I couldn’t resist pissing into the hat of a boy I disliked. I was somewhat unpredictable but I received punishment when I deserved it.

Ugo Benelli: "La Cenerentola" mit Sesto Bruscantini in der RAI-Verfilmung von 1963/Benelli

Ugo Benelli: „La Cenerentola“ mit Sesto Bruscantini in der RAI-Verfilmung von 1963/Benelli

When did music come into your life? It was always there. My grandfather had a gramophone with many records to create a pleasant atmosphere in the workshop. I remember Caruso’s Vesti la giubba” and No Pagliaccio non son”, Pertile’s Oh Lola and Mamma quell vino”, Martinelli’s Che gelida and Celeste Aida”, Stracciari’s “Di Provenza and Pari siamo”, Ruffo’s Cortigiani”. All in all more than one hundred records. Moreover my aunt played the piano in the house. When she got married I started to have lessons though I was not too enthusiastic being ten years old. And then there was the movie house. I saw movies with Gigli, Lugo, Tagliavini, Becchi and Gobbi and loved their songs. As a tenor I would often sing songs from their movies like “Vieni, c’è una strada nel bosco”, Mamma”, “ Funiculi, funicula”,Vento, vento”, “Malinconia”,”Santa Lucia”, Musica Proibita”. Before it was bombed out I never visited the Carlo Felice opera house but soon after the war I attended two performances with my mother when I was twelve. The theatre was slightly restored. There were no boxes anymore but red curtains covered the walls. I remember a Traviata with Tebaldi, Prandelli, Capecchi and Elisir with Tagliavini, Taddei and Alda Noni.

Ugo Benelli: Falsacappa in "Les Bandits" in Genf/Benelli

Ugo Benelli: Falsacappa in „Les Bandits“ in Genf/Benelli

When did you start singing seriously? I loved singing in church, at school and at home. When I was eighteen a lady living next door was very impressed and took me to her singing teacher. At the time I had just taken a job as an accountant and my father was not happy with a singing career. But my mother encouraged me and I started studying seriously. I studied with Pietro Magenta, a private teacher who in reality was a very famous lawyer. His father had been an ambassador to the Court of Saint-Petersburg. Magenta was passionate about singing and he was a very good teacher who had several talented pupils like Giuseppe Campora, Rosetta Noli, Ottavio Garaventa, Piero Di Palma, Fabio Giongo etc. I didn’t have to pay for his lessons and we pupils only contributed a slight sum for the rent of the studio and the electricity. When Magenta was happy with our progress he would offer us a delightful evening meal with fine French wines. I studied with him for three years and then I won a competition organized by La Scala and entered Scuola Perfezionamento Artisti Lirici (I Cadetti della Scala). The main teacher was maestro Giulio Confalonieri though I followed courses as well with maestro Ettore Campogalliani and Maestro Russo. A good knowledge of solfège was required and all teachers provided severe vocal and stage training. And smoking was definitely not allowed. Maestro Confalonieri at La Scala was one of the most experienced musicologists in the world and I learnt ornamentation with him. At the time ornamentation had to be legato. Only afterwards Claudio Abbado – very fond of Teresa Berganza’s Spanish style –  would allow staccato ornamentation which became somewhat obligatory for all singers. Maybe in another twenty years a new conductor will go back and ask legato once again. But I also learned from older singers as I loved to listen to their recordings of Ecco ridente il cielo and Se il mio nome”. Giovanni Manurita’s was technically perfect though somewhat old-fashioned. I particularly studied Roberto D’Alessio’s recording of Il Barbiere as I loved his voice, his style and his cadenze. When I auditioned in Florence singing Ecco ridente”, D’Alessio was in the board of examiners which I didn’t’  know. He jumped out of his chair exclaiming “you have studied my recording !”. I got the contract.

Ugo Benelli: Zigarettenpause/Benelli

Ugo Benelli: Zigarettenpause/Benelli

What’s your take on vocal technique? First and most important; you need to study and continue to study. I studied SIX years. I’d like to quote Verdi who said (on composing): “let’s return to the ancients and it will mean progress”. He or she who cannot breathe properly will never learn properly how to sing. I know that Bergonzi for instance did more breathing than vocal exercises. Therefore an aspiring singer has to do long exercises on how to breathe with the nose. Even during actually singing, try to breathe with your nose and don’t hurry: do it calmly. Sesto Bruscantini, a great friend who taught me a lot on stage deportment, advised me to tie a belt under the diaphragm so that I would be sure the breath would leave as low as possible. Take care. At the outset of my career everything went smoothly. I had a natural voice but after a few problems it started to lower. I bought a professional recorder and my wife played some chords on the piano. I repeated them and after each vocalise I listened and repeated the right notes and again and again till I had it right. Ferruccio Tagliavini used the same method; hours and hours at the piano looking for the right and beautiful sound. Paolo Montarsolo used to say that one should sing like one sleeps: only the diaphragm and the breath are important while the rest of the body should be completely relaxed.

Ugo Benelli: "L´Italiana in Algeri" mit Teresa Berganza an der Scala/Benelli

Ugo Benelli: „L´Italiana in Algeri“ mit Teresa Berganza an der Scala/Benelli

When did you make your début and how did the career take off from then onwards? My début was in Montevideo in 1958. I sang Arlecchino in Salieri’s Arlecchinata and I was very afraid. The following year I sang in Barbiere in Cincinatti. In 1960 I made my début at the Liceu of Barcelona with Falstaff. In those days you had to prove your worth and were not immediately asked in famous theatres. In 1962 I sang for the first time in Palermo and the year afterwards I was at the Regio in Parma with Falstaff. That year too I made my début with Sonnambula in “la mia seconda patria”;  Ireland. At the festival of Wexford where I would often return I started with La Finta Giardiniera in ´65. In 1966 I sang for the first time in your country: Cosi fan tutte at De Munt. One year later I had the greatest triumph of my career when I sang Nemorino at Glyndebourne. The following year was maybe the most important as I had débuts at the Venice Fenice with I Quatro Rusteghi, the San Carlo with Elisir and finally at La Scala with La Pietra del Paragone. In 69 I sang I Quatro at the Rome Opera, Don Giovanni at Dallas and that same year I substituted for Luciano Pavarotti in La Figlia del Reggimento at La Scala: a great success. Finally our own Carlo Felice engaged me for the same opera. Important dates are my opening of La Scala with L’Italiana in 1973 and my début at Covent Garden the year afterwards in Don Pasquale. That severe critic Harold Rosenthal wrote I was the best Ernesto he ever heard, on a par with the famous Schipa-recording.

Ugo Benelli: Die Scala bei den Wiener Festwochen 1973 mit "La Cenerentola"/Benelli

Ugo Benelli: Die Scala bei den Wiener Festwochen 1973 mit „La Cenerentola“/Benelli

Wasn’t it difficult to have a career and a personal life as well? Well, it was not easy. I got married with Angela Maria on October 23rd of 1961. This year will be the 50th anniversary of our marriage. Our children are Roberto and Nicoletta. He is a biologist who does cancer research and has three little Benelli’s: Miriam, Sara and Stefano. Nicoletta has a beautiful daughter, Roberta, who goes to university. But as a singer I was often far from home, far more than I would have liked. Sometimes when I came home the children were somewhat afraid of me and it took me several days to conquer them again. Angela often left the children for a few days with their grannies so that she could stay with me.

Ugo Benelli: mit Tenor-Kollegen Chris Merritt/Neckers/Benelli

Ugo Benelli: mit Tenor-Kollege Chris Merritt/Neckers/Benelli

How was your recording career? In 1963 I started with that famous Decca Cenerentola with Giulietta Simionato, Paolo Montarsolo, Sesto Bruscantini and Giovanni Foiani. The following year I recorded Barbiere  conducted by Varviso. It was producer Erik Smith who engaged me for the Decca recordings. Erik and I became very close friends so that I had my son baptized Roberto Paolo Erik. I never signed an exclusivity contract though once we discussed it. But the Rossini renaissance was very far off in those days so that I never got to record other operas. That same 1964 I recorded Don Pasquale for Deutsche Grammophon, now re-issued on CD though it is a pity the cabaletta was cut. One year afterwards Karajan asked me to sing Beppe in his famous Pagliacci with Bergonzi and Taddei.

Ugo Benelli: Probenpause bei der "Figaro"-Einspielung unter Zubin Mehta bei Sony/Benelli

Ugo Benelli: Probenpause bei der „Figaro“-Einspielung unter Zubin Mehta bei Sony/Benelli

By the way, there is still a story going around that soprano Joan Carlyle substituted at the last moment for somebody else but this is not true. She was there from the first rehearsal. I repeated the same role for Decca two years later with McCracken and Lorengar. In 1968 I recorded my only solo album for Decca together with Lydia Marimpietra: romantic songs by Rossini and Bellini. The pianist on that album is a certain Enrico Fabbro, in reality Erik Smith. I never was required to record an operatic album. Then I had to wait till 1975 for the famous television performance of Il capello di paglia di Firenze and one year later I finally did L’Italiana in Algeri with the young Lucia Valentini-Terrani as Luigi Alva still sang Lindoro in the 1963 Decca recording. And there are many recordings of my comprimari roles in lesser known operas, especially on the Bongiovanni label.

Ugo Benelli: mit Tenor-Kollegen Chris Merritt/Neckers/Benelli

Ugo Benelli: mit Tenor-Kollege Chris Merritt/Neckers/Benelli

How come Alva was somewhat preferred to you at La Scala? Do not forget Alva is eight years older than me. So he reached La Scala several years before me and he started his career contemporaneously with Panerai, Bruscantini etc. He was already a star when I came at La Scala and he took precedence. Nevertheless I had the big opportunity to be the “first choice” as Lindoro in L’Italiana in Algeri and I had the honour of opening the La Scala season in 1973 which is a dream for every singer. Abbado had chosen me. At La Scala I was paid 1.000.000 lire a night (something like $ 1500 at the time).

Ugo Benelli: als Podestà in "La Finta Giardinera" bei den Salzburger Festspielen/Benelli

Ugo Benelli: als Podestà in „La Finta Giardinera“ bei den Salzburger Festspielen/Benelli

Did you ever perform with the Metropolitan Company? During the sixties I auditioned for Rudolf Bing and his European representative in Europe Roberto Bauer. My audition  went very well and they proposed me to sing Don Giovanni and Madama Butterfly. The first role I could do but no way I would wreck my voice as a “tenore di grazia”  on the second role, so I declined the offer. Mind you, it was not a question of decibels. My voice always projected well and it rang more beautiful in a big than in a small house. In 1973 I had a difficult choice. Schuyler Chapin was now general manager and Levine the principal conductor and they asked me for their own production of L’ Italiana in Algeri. As the performance dates clashed with the La Scala rehearsals for the same opera I had to refuse. Thirteen years later Levine and producer Jean-Pierre Ponelle asked me for 4 performances as Don Basilio in Le Nozze. It was the same evening Thomas Hampson made his début as the count and José van Dam, Kathleen Battle, Paolo Montarsolo and Elisabeth Söderström and Frederica von Stade too were in the cast.

Ugo Benelli:"La Cenerentola" mit Frederica von Stade in Los Angeles/Benelli

Ugo Benelli:“La Cenerentola“ mit Frederica von Stade in Los Angeles/Benelli

What were your favourite roles and where did you draw a line? I loved to sing La Fille du Régiment and I sang more than 40 performances of it. I especially remember my performances with Mirella Freni and at La Scala I sang with her in two performances, substituting for Pavarotti who was ill. At the time we still sang it in Italian though it was the French performing edition which included the aria “Pour me raprocher de Marie” (= Per viver vicino a Maria). I also sang the role at the Teatro Regio in Turin, the Teatro Comunale in Bologna and the Liceu in Barcelona. Another favourite was Le Comte Ory which I sang for the first time in 1968. At the time only Michel Sénéchal and myself covered the role and I took part in many productions; in French too with Erede conducting and Ponelle directing. And another fine role was Ernesto in Don Pasquale.

What were the heaviest roles you attempted? In 1961 I sang Des Grieux in Massenet’s Manon at Cincinnatti Summer Opera with Mary Costa and Nicola Moscona. A foolish thing to do at that time but I was too young and too involved. Later on I often sang Nadir in Les Pêcheurs de perles; in Italian and in French; the latter one at the Teatro Petruzelli in Bari in 1982. I was asked to sing Werther by the Teatro Sociale di Como but I declined. I knew Tito Schipa sang the role but I thought it could be dangerous even to sing only one performance. I never tried to force my voice and the natural evolution made it possible to sing more roles of a “tenore lirico”. So I sang in Linda di Chamonix. Maybe I should have dropped my Rossini roles at that moment and go for the Duca or Arturo as Trieste asked me to sing I Puritani.

Ugo Benelli: La Vescia in "Il Campanello" in Triest/Benelli

Ugo Benelli: La Vescia in „Il Campanello“ in Triest/Benelli

When did you decide to change from primo to secondo uomo? In 1982 I was in Glyndebourne singing Il Barbiere and L’amour des trois oranges. Before I left George Christie asked me to come back next year to sing Basilio during Glyndebourne’s 50th jubilee. At first I was very disappointed to become a second tenor but my wife asked me to reconsider as I was approaching my fifties. Thanks to this decision my career went on for 23 years more.

Isn’t it a pity you didn’t make more records? Yes it is. My first agent however was very possessive and I decided to manage my own career. Maybe not the best solution. I have several great live tapes of my performances and I hope some of them will appear on record.

What’s your opinion of your rivals and successors? Luigi Alva had a very fine voice; pure class. One should not forget Pietro Botazzo who sang so easily. Then there was Renzo Casselato who had a very beautiful voice; somewhat like a very young Gigli. At the time some people would ask my opinion on my own voice and I would say:” Well, I’ve got a little of the qualities of those three colleagues !”

Ugi Benelli: Inaugurazione della stagione concertistica/ di Santa Cecilia GIULIETTA E ROMEO Direttore Georges Ptrêtre/ U. Benelli, B.M. Casoni, G. Pretre e signora, il presidente della repubblica Leone e signora leone/Benelli

Ugi Benelli: Inaugurazione della stagione concertistica/ di Santa Cecilia GIULIETTA E ROMEO Direttore Georges Ptrêtre/ U. Benelli, B.M. Casoni, G. Prètre e signora, il presidente della repubblica Leone e signora leone/Benelli

Later on there was Rockwell Blake. He was very strong in staccato notes (the machine gun sound/Neckers) though his voice was not commonly called beautiful but he was a great professional. Nowadays one hears that Blake’s method is the way to sing Rossini. But I still think that in ten, twenty years singers will return to more legato in florid singing like my maestro Giulio Confalonieri wanted it. After Blake came Bruce Ford; a great tenor. The sound was more rounded and he had a very long breath and was a great technician. During a recording I handed over my sceptre, symbolically spoken of course.

Jan Neckers, historicus, columnist bij " 't Palieterke " en "De Kerjeuze Mecheleir" als figurant in "De laatste opstand"

Jan Neckers, historicus, columnist bij “ ‚t Palieterke “ en „De Kerjeuze Mecheleir“ als figurant in „De laatste opstand“/Mechelen Blogt

And of course there is now Juan Diego Floréz. I first heard him in Wexford when he sang in L’Etoile du Nord by Meyerbeer. I immediately understood here was a tenor with great potential. I told him he should only apply himself to mezza-voce and to smoothly going from forte to piano. Much later he sang in Genova and I went to his dressing-room. When he saw me the first thing he said was: “You heard, Maestro ? I can now do it !”. I heard him in La Donna del Lago. Unbelievable. When ascending and descending a phrase with his acrobatic agility he can even smoothly sing a note in the descending part when the breath with other singers runs out. This makes him unique. (Jan Neckers)

Eine Diskographie gibt es hier.

Emmanuel & Schmitt

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Der Franzose Maurice Emmanuel, der von 1862 bis 1938 lebte, ist einer der großen Unbekannten unter solch Zeitgenossen wie Debussy, Ravel, Dukas oder Roussell. Bevor es ihn zum Komponieren zog, machte er sich als Lehrer und Musikwissenschaftler einen Namen. Zu seinen Schülern gehören Messiaen und Dutilleux, zu seinen Schriften eine bedeutende Analyse von Debussys Pelléas und die monumentale Musikgeschichte Histoire de la langue musicale. Er schrieb in der Mehrzahl Kammermusik und nur sechs größer dimensionierte Werke, darunter drei Opern.

Alle beziehen sich auf antike Dramen: Amphitryon nach Plautus (1936), Prométhée enchaîné (1916-18) und Salamine, beide nach Aischylos. Diese Anfang der 20er Jahre begonnene, aber erst 1929 an der Pariser Opera uraufgeführte Tragédie lyrique nach der Tragödie Die Perser ist jetzt erstmals auf CD veröffentlicht worden, in einer attraktiven Rundfunkproduktion aus dem Jahr 1958. Hintergrund der Oper ist der Untergang der persischen Flotte in der Seeschlacht von Salamis, Thema der Krieg und seine schrecklichen Auswirkungen auf das Volk, den König Xerxes und seine Familie. Die nur gut eine Stunde dauernde Oper, die in drei nahtlos ineinander übergehende Akte unterteilt ist, besitzt Größe und dramatische Dichte. Von der stürmischen, martialischen Ouvertüre bis zum finalen Klagegesang entwickelt das Stück eine hoch artifizielle, faszinierende Spannung. Es ist das Nebeneinander von Orchesterwucht und partiell sparsamer, dennoch raffinierter Instrumentierung, von Rezitation, Parlando und expressivem Gesang, die Salamine so aufregend macht.

"Salamine": Flore Wend singt die Reine Atossa/Voix des arts

„Salamine“: Flore Wend singt die Reine Atossa/Voix des arts, dort auch ein weiterer ausführlichger Artikel zum Komponisten

Die historische RTF-Aufnahme von 1958 aus den Archiv des nationalen INA (Institut Audiovisel) punktet mit stilsicheren Solisten, die alle im französischen Repertoire bewandert und deshalb idiomatische Vermittler der bei frankophilen Vokalwerken so wichtigen subtilen Ton-/Wortverschmelzung sind. Jeder von ihnen hat einen großen Auftritt: Lucien Lovano spricht den Monolog des Chorführers wunderbar klangvoll und prononciert; der Traumerzählung der Königin Atossa verleiht die Schweizerin Flore Wend mit klarem, schlankem Sopran expressive Energie; Bernard Demigny erfüllt die lange Erzählung des Boten durch seine differenzierte vokale Gestaltung mit Leben; Jean Giraudeau gibt der inneren Zerrissenheit des Xerxés mit hellem lyrischem, dabei substanzreichem Tenor markantes Profil. Großes Gewicht kommt dem teils kommentierenden, teils aktiv ins Geschehen eingreifende Chor zu: eine vielseitige Aufgabe, die der französische Rundfunkchor überlegen bewältigt. Mit Tony Aubin steht ein erfahrener Kapellmeister am Pult des mit strahlenden Blechbläsern glänzenden RTF-Orchesters, der einen starken Sinn für die Effekte der Musik hat und sie konturenscharf und mit leidenschaftlichem Zugriff dirigiert. Ein zusätzlicher Gewinn ist das zweisprachige Begleitbooklet, das sich durch einen äußerst informativen Artikel zu Komponisten und Werk auszeichnet.

schmitt antoineThematisch passend, weil auch in die Antike führend, ist die Orchestersuite Antoine et Cléopâtre von Emmanuels Kollegen Florent Schmitt (1870 – 1958), die schon vor einiger Zeit bei timpani erschienen ist. Das in üppigsten Klangfarben schillernde Tongemälde nach dem Drama von Shakespeare wird von Jacquer Mercier und dem famosen Orchestre national de Lorraine in allen Valeurs ausgeleuchtet und ebenso kompetent dargeboten, wie die kürzlich hier besprochene Aufnahme von Schmitts Ballett Le Petit Elfe Ferme-l’Œil durch das gleiche Team. Ergänzt wird die Suite durch die zweisätzigen Mirages: La tristesse de Pan, eine  impressionistisch funkelnde Reminiszenz an Debussys Hirtengott und La tragique chevauchée nach Byrons Mazeppa, das mit stampfenden Rhythmen plastisch in Musik umgesetzte Bild einer daherstürmenden Reiterstaffel. Karin Coper

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Maurice Emmanuel: Salamine; mit Flore Wend (Atossa), Bernard Demigny (le Messager), Jean Giraudeau (Xerxés), Joseph Peyron (Un dignitaire de la Cour) André Vessières (L’ombre de Darius), Lucien Lovano (le Coryphée); Orchestre radio-symphonique et Choeurs (René Alix) de la RTF; Leitung: Tony Aubin; solstice SOCD 301

Florent Schmitt: Antoine et Cléopâtre, Mirages; Orchestre national de Lorraine, Leitung Jacques Mercier; timpani, 1C1133

Abbildung oben: Wilhelm von Kaulbach, La bataille de Salamine, 1868, Neue Pinakothek, Munich

Bisherige Beiträge in unserer Serie Die vergessene Oper finden Sie hier

Lorin Maazel

 

Manche Menschen kann man sich aus der Konzertlandschaft einfach nicht wegdenken. Der Dirigent Lorin Maazel ist so ein Mensch. Er war ein großartiger Dirigent, ein empathischer Künstler und ein Urgestein der deutschen Klassikszene. Nun ist er im Alter von 84 Jahren am 13. Juli 2014 in Castleton/Virginia an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Da bleibt einzig und allein die Musik. Glücklicherweise hinterlässt Maazel ein reiches Oeuvre an wunderbaren Aufnahmen. Unvergesslich sind seine Interpretationen von Tondichtungen aus der Feder von Richard Strauss, die Einspielungen verschiedener Dvorák-Sinfonien, ausdrucksvolle Alben mit Werken von Bartók, Rimsky-Korssakoff und Rachmaninoff. Das Album „Sentimento“, das Maazel 2002 mit dem Tenor Andrea Bocelli und dem London Symphony Orchestra aufgenommen hat, wurde zu einem der erfolgreichsten Klassikalben aller Zeiten.

Lorin Maazel/Cantan ellas

Lorin Maazel/Cantan ellas

Nach einer Jugend als Wunderkind zeigte Lorin Maazel sich an vielem interessiert – er studierte Mathematik, Philosophie und Sprachen, spielte leidenschaftlich Tischtennis und schrieb Kurzgeschichten. Der Liebe zur Musik blieb er treu. Am Dirigentenpult fühlte er sich zuhause, das konnte man spüren – er wurde einer der bekanntesten, erfolgreichsten und beliebtesten Dirigenten der Welt. Für Maazel war dabei vor allem eines wichtig: „Der Musiker muss sich wohl fühlen, so dass er weiß, wo er ist und was von ihm erwartet wird, und sich auf die Schönheit der Töne konzentrieren kann.“ Er war Generalmusikdirektor der Deutschen Oper und der Wiener Staatsoper, Chefdirigent des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, der New Yorker Philharmoniker und zuletzt der Münchner Philharmoniker: Über 150 renommierte Orchester hat Lorin Maazel im Laufe seines bewegten Lebens dirigiert, mehr als 300 Alben mit klassischer Musik aufgenommen. Wo auch immer Lorin Maazel am Pult stand, füllte er die musikalischen Partituren mit leidenschaftlichem Leben und spornte die Klangkörper zu höchster Ausdruckskraft an. Universal

Dazu die Biographie von der website seiner Familie:  The world-renowned conductor, composer, and mentor, Maestro Lorin Maazel, devoted more than 75 years of his life to music making. A second-generation American, born in Paris on March 6, 1930, Lorin Maazel began violin lessons at age five and conducting lessons at age seven. He studied with Vladimir Bakaleinikoff, and appeared publicly for the first time at age eight. Between ages nine and fifteen, he conducted most of the major American orchestras, including the NBC Symphony at the invitation of Arturo Toscanini. In the course of his decades-long career, Maestro Maazel conducted more than 150 orchestras in no fewer than 5,000 opera and concert performances. He has made more than 300 recordings, including symphonic cycles of complete orchestral works by Beethoven, Brahms, Debussy, Mahler, Schubert, Tchaikovsky, Rachmaninoff, and Richard Strauss, winning ten Grands Prix du Disques.

Maazel was also a highly regarded composer, with a wide-ranging catalog of works written primarily over the last 15 years. His first opera, 1984, based on George Orwell’s literary masterpiece, had its world premiere at the Royal Opera House, Covent Garden and a sold-out revival at La Scala, Milan. During his career, Maestro Maazel served as Artistic Director of the Deutsche Oper Berlin and General Manager of the Vienna State Opera, as Music Director of the Radio Symphony of Berlin, the Symphony Orchestra of the Bavarian Radio, the Pittsburgh Symphony, the Cleveland Orchestra, the Munich Philharmonic, and the New York Philharmonic.  In the last year, he maintained an active conducting schedule, leading 111 concerts in 2013 alone, from Oman to Munich. A true citizen of the world, fluent in seven languages, Maestro Maazel led orchestras and performances around the globe. He viewed music as a bridge-builder. During his career, he worked in East Berlin and the former Soviet Union. In February 2008, he and the New York Philharmonic visited Pyongyang, North Korea, to perform a concert broadcast on North Korean state television, airing live internationally. “I have always believed that the arts, per se, and their exponents, artists, have a broader role to play in the public arena. But it must be totally apolitical, nonpartisan, and free of issue-specific agendas. It is a role of the highest possible order; bringing peoples and their cultures together on common ground, where the roots of peaceful interchange can imperceptibly but irrevocably take hold,” he wrote in the Wall Street Journal in 2008.

In addition to conducting and composing, Maestro Maazel was an avid reader and lover of literature, a student of philosophy, astronomy, and math, a film buff, and fierce ping-pong player. He wrote short fiction, watched his fair share of tennis (rare was the U.S. Open he didn’t catch on TV) and listened for pleasure to all kinds of music, especially Tony Bennett. Maestro Maazel was also an ardent fan of technology and engaged with tens of thousands of fans through his blog, Facebook, and Twitter.  With his wife, Dietlinde Turban Maazel, he founded the Castleton Festival in 2009 and has held annual summer performances and training seminars since then at state-of-the-art venues they built on his Virginia farm. Knowing the value of mentoring he himself benefited from as a youth, Maestro Maazel established the Castleton Festival with a mission: it would be a “vista-opener,” in his words, an opportunity to nurture young musicians through mentoring and performing, to draw audiences to performances showcasing young talent, and to bring fresh energy to classical music alongside established artists such as Denyce Graves and Sir James Galway.

The Castleton Festival is Maestro Maazel’s legacy.  As the music soared, he rejoiced in seeing young players, singers, and conductors be transported to unimagined realms. Addressing the audience at the June 28, 2014 opening night of the Castleton Festival, Maestro Maazel described working with the young orchestra and singers as a “more than a labor of love – a labor of joy.”

 

http://www.maestromaazel.com/        https://de.wikipedia.org/wiki/Lorin_Maazel

Titanen-Ausgabe

Wilhelm Furtwängler (1886 – 1954) gilt als der bedeutendste deutsche Dirigent des 20. Jahrhunderts. Seine Aufnahmen haben Maßstäbe gesetzt. Doch die Arbeit in den Studios hat ihm vor allem wegen der Unterbrechungen für Korrekturen nie behagt. Umso wertvoller sind deshalb die Live-Mitschnitte von Konzerten und insbesondere von Opern. Die hier vorgelegte Kollektion unternimmt erstmals den Versuch, alle erhalten gebliebenen Tonaufnahmen der von  Furtwängler geleiteten Opernaufführungen in Komplettfassungen oder Ausschnitten zu dokumentieren (Intense Media 600168 Furtwängler 41CD Box).

Im Zentrum stehen dabei jene vier Abende im März/April 1950, als die Mailänder Scala als erstes Opernhaus der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg Wagners Ring-Zyklus auf die Bühne brachte. Ergänzt wird diese legendäre Interpretation Furtwänglers durch seine Wagner-Dirigate in London, Wien, Nürnberg und Bayreuth sowie insbesondere durch Tristan und Isolde vom Oktober 1947 aus dem Berliner Admiralspalast, wo Frida Leider, einst Furtwänglers gefeierte Brünnhilde, Regie führte.

Die eigentliche Heimat für den Operndirigenten wurde ab 1948 jedoch Salzburg. Von Fidelio aus diesem Jahr existieren leider nur Fragmente, dafür konnte aber die grandiose Aufführung von 1950 (mit Flagstad und Patzak) mühevoll restauriert werden. Ebenfalls von 1950 stammt der erste Don Giovanni (mit Gobbi), dem im Jahr darauf Die Zauberflöte folgte. Es war die erste Operninszenierung in der inzwischen berühmt gewordenen Felsenreitschule.

Musikkritiker beschrieben Furtwängler als Interpreten, der „durch eine rätselhafte, über das Klanglich-Musikalische hinausgreifende Kraft der Intuition“ zu wirken vermochte. Die Live-Aufnahmen dieser Box machen es zum Erlebnis. DER RING DES NIBELUNGEN, TANNHÄUSER, TRISTAN UND ISOLDE, LOHENGRIN, DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG, FIDELIO, DIE ZAUBERFLÖTE, DIE HOCHZEIT DES FIGARO,DON GIOVANNI, ORFEO ED EURIDICE, OTELLO, DER FREISChÜTZ.

Die Presse schrieb: Furtwängler mit großartigen Opern-Live-Events / Der legendäre Ring“aus der Mailänder Scala / Berlin 1947: Der erste Nachkriegs-Tristan / Tannhäuser in  Wien, Meistersinger in Nürnberg / Die Opern-Gesamtaufnahmen aus Salzburg

 

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Festspieldokument und Verdi-Ehrung

Zu den Initiativen der Salzburger Festspiele im Verdi-Jahr 2013 gehörte neben einer Neuinszenierung seines Don Carlos auch eine konzertante Aufführung des Frühwerkes Giovanna d’Arco. Bei der DG ist nun der Live-Mitschnitt aus der Felsenreitschule auf zwei CD mit einem mehrsprachigen Booklet erschienen. Auf den Spielplänen der Opernhäuser ist das Stück eine Rarität – dies der eine Grund für das starke Publikumsinteresse. Der zweite war die hochkarätige Besetzung, in der alle Protagonisten ihre Rollendebüts gaben. Mit der Titelpartie hat sich Anna Netrebko  eine neue Verdi-Heroine erarbeitet, die der Trovatore-Leonora im Herbst desselben Jahres an der Berliner Staatsoper vorausging und quasi eine Vorbereitung dafür darstellte. Die Stimme ist nun reifer und nachgedunkelt, besitzt aber große Autorität, die bereits im ersten Rezitativ zu bemerken ist. Die folgende Kavatine, „Sempre all’alba“, formt sie mit Inbrunst, Emphase und Entschlossenheit. Diese Aspekte finden sich auch im rhythmisch drängenden, rasanten Finalduett des Prologo mit Carlo, „Son guerriera“, wieder. Die pastorale Romanze der Titelheldin im 1. Akt, „O fatidica foresta“, malt sie träumerisch und visionär, räumt ihr eine angemessene Stellung als lyrische Insel im Werk ein. Im Duett mit Carlo schwingt sich die  Stimme kantabel und hymnisch auf; neben ihr steigert sich auch der Tenor zu einer seiner besten Szenen. Mit großer Innigkeit singt sie das Duett mit ihrem Vater im letzten Akt, das stilistisch in der Nähe der Luisa Miller steht, deren Titelrolle möglicherweise nicht mehr auf der Wunschliste der Sopranistin steht, nachdem sie bereits die Lady Macbeth in ihr Repertoire aufgenommen hat. Insgesamt ist Netrebko mehr die emanzipiert-kriegerische denn die verletzliche Jungfrau und setzt damit einen Gegenentwurf zu Erminia Frezzolini, die die Partie 1845 an der Scala kreiert hatte und eher eine lyrisch-zarte Stimme besaß.

In der Referenzaufnahme von Verdis Dramma lirico mit Montserrat Caballé unter James Levine bei der EMI von 1973 hatte Plácido Domingo die Tenorpartie des Carlo VII, König von Frankreich, gesungen. Hier nun gibt er Giovannas Vater Giacomo, also die Baritonrolle und eroberte sich damit eine weitere Figur in diesem Fach. Er beginnt bei „Gelo, terror m’invade“ mit gequältem, knarzigem und tremolierendem Ton, was sich bei „Franco son io“ im 1. Akt – trotz einiger gefälliger Momente in der oberen Mittellage – fortsetzt. Gänzlich scheitert er an der Romanze im 2. Akt, weil die Stimme nicht mehr in der Lage ist, eine Kantilene zu formen, brüchig und verbraucht klingt. Für seine stretta-artige Passage im Finale III fehlen ihm Kraft und Aplomb – ein bedenklicher Auftritt, der vom Festspielpublikum dennoch heftig bejubelt wird.

Den Tenor singt nun Francesco Meli, der vor Jahren in lyrischen Rossini-Partien beim Festival in Pesaro positiv auffiel, aber schnell ins dramatischere spinto-Fach wechselte, was der Stimme ihren Schmelz genommen hat. Seine Auftrittsszene „Sotto una quercia parvemi“ klingt unruhig und lässt in der Höhe bereits arg gestresste Töne hören. Der folgenden Cabaletta „Pondo è letal“ mangelt es an Souveränität und Mühelosigkeit im Vortrag. Seine lyrische Romanze im letzten Akt gelingt ihm wegen ihrer bequemen Lage ansprechend. In der kleineren Partie des Talbot, Oberbefehlshaber der englischen Armee, hinterlässt der junge Bass Roberto Tagliavini, auf dem Weg nach oben, erneut einen sehr vorteilhaften Eindruck.

Mit aufgewühltem Streicher-Tremolo eröffnet Paolo Carignani mit dem Münchner Rundfunkorchester den Prologo und steigert diese Erregung mit heftigen fortissimo-Schlägen des gesamten Orchesters. Der Dirigent sorgt stets für Spannung, gibt Verdis Komposition aus seinen „Galeerenjahren“ stürmischen Drang, rhythmische Brisanz, Brio und kantables Ausschwingen. Vielfach beschäftigt ist der Chor mit patriotischen Gesängen (so gleich im Prologo das „Maledetti cui spinge rea voglia“ oder die Einleitung zum 2. Akt, „Dal cielo a noi chi viene“), und der Philharmonia Chor Wien/Einstudierung: Walter Zeh hat dafür den großen Atem und die drängende Emphase.

Bernd Hoppe

 

Giuseppe Verdi: Giovanna d’Arco mit Netrebko, Domingo, Meli, Dunz,, R. Tagliavini; Philharmonia Chor Wien, Münchner Rundfunkorchester, Paolo Carignani;  DG 479 2712

 

 

 

 

 

 

 

Julius Rudel

 

Julius Rudel starb am 27. Juni 2014 – ein Leuchtturm im amerikanischen Opernleben, langjähriger Leiter der New York City Opera und deren Garant für hohe Qualität, Dirigent von außerordentlichem Rang und weit vor James Levine von mitreißender Verde. Er war phantasievoll in seinem Repertoire und Entdecker/Steigbügelhalter für eine Menge von vor allem jungen Sängern, die durch ihn zu Weltruhm gelangten – so Placido Domingo oder Berverly Sills, die ohne ihn ihre komentenhafte Karriere nicht gemacht hätten. Aber er förderte auch eine Legion von exzellenten Mittelklassesängern wie Elaine Bonazzi, Susan Belling und vielen mehr. Mit seinem Tod geht ein weiterer Künstler, der entscheidend das musikalische Gesicht der USA zu einer immensen Identität gewandelt und der durch seine zahlreichen Einspielungen (darunter Mefistofele mit Samuel Ramey bei EMI oder die mehr oder weniger originale Ariadne bei VAI mit der Sills und Saunders) unser Bewusstsein von Oper geprägt hat. Im nachfolgenden ein Auszug aus einem Nachruf bei Naxos. G. H.

Julius Rudel: 1976 mit Beverly Sills/Manon und Dirigentin Sarah Caldwell and der City Opera/The well tempered Ear

Julius Rudel: 1976 mit Beverly Sills/Manon und Dirigentin Sarah Caldwell and der City Opera/The well tempered Ear

 

Julius Rudel

Born in Vienna on 6 March 1921, Julius Rudel received his earliest musical instruction in his native city, where he also pursued advanced study at the Academy of Music. At the age of seventeen he emigrated to the United States and enrolled in the Mannes School of Music in New York. His long association with the New York City Opera began when he joined the company as a rehearsal pianist in 1943. He made his conducting début in 1944 with Johann Strauss’ Gypsy Baron. In 1957 Rudel was appointed Music Director of the City Center Opera, which in time developed into one of the best and most enterprising companies in the United States. In 1979 he left his post at the New York City Opera to extend his symphonic activities in the United States and across Europe. He became music director of the Buffalo Philharmonic, a position he held until 1994, and forged a special link with the Orchestra of St Luke’s, a collaboration which has led to a continuing series of recordings. In addition to his orchestral and opera conducting, Julius Rudel has served as an important musical administrator in a variety of venues. He directed the opening seasons of Washington’s Kennedy Center as its first music director and was also the first music director of the Wolf Trap Festival. Other posts he has held include music directorships of the Cincinnati May Festival, the Caramoor Festival and music adviser to the Opera Company of Philadelphia. He now continues to work with many of the world’s finest opera companies including the Metropolitan in New York, Teatro Colón in Buenos Aires, Lyric Opera of Chicago, Opera Bastille in Paris, Royal Opera in Copenhagen, Berlin’s Deutsche Oper and the Stadttheater in Berne, Switzerland. He has won a Grammy Award and seven Grammy nominations, and his many opera recordings include Massenet’s Manon and Cendrillon, Boito’sMefistofele, Verdi’s Rigoletto, Bellini’s I puritani, Weill’s Silverlake and Last in the Star, Bomarzo, and Handel’s Giulio Cesare, which won the Schwann Award for Best Opera Recording.He has also made several filmed videos with such international artists as Kiri te Kanawa, Eva Marton, and Frederica von Stade. Julius Rudel was made a Chevalier des Arts et Lettres by France and has been decorated by the governments of Austria, Germany, and Israel. He has also received a variety of honorary doctorates from universities and colleges in the United States.

 

Dazu auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Rudel

Foto oben: Julius Rudel: ca. 1970 bei der Probe des NYCO-Orchesters/deceptive cadence/Rudel

Tüchtig und verfügbar

 

Nicht einmal der kluge Opera Groves widmet dem italienischen Tenor Gianni Poggi mehr als 13 Zeilen Eintrag (von Elizabeth Forbes), was die ungeliebte Situation dieses ebenso tüchtigen wie wenig attraktiven Tenors widerspiegelt. Er stand in den Fünfzigern neben buchstäblich jeder Sopranistin auf den Brettern Italiens und machte kurze Ausflüge ins Ausland, so nach London, aber eigentlich zählte er zu den No-Names.

Gianni Poggi: Künstlerpostkarte/OBA

Gianni Poggi: Künstlerpostkarte/OBA

Er war tüchtig, aber nicht wirklich berühmt. Er sang die großen Tenorpartien von Verdi, Ponchielli, Leoncavallo  und Puccini, aber sein hartes, flaches Timbre und seine früh einsetzende Korpulenz, verbunden mit nicht gerade mimischer Brillanz, ließen ihn stets einen Tenor der dritten Reihe sein, trotz seiner Allgegenwärtigkeit. Im Grunde genommen ist  er durch die vielen, vielen Livemitschnitte und die relativ großen Anzahl von Philips-, Cetra- und DG-Aufnahmen heute bekannter außerhalb Italiens als damals. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Decca genötigt sieht, seine beiden (einzigen?) Recitals bei ihr, italienische Canzoni (als Italian Songs und Italian Melodies/480 8170), im Rahmen ihrer geschätzten Remake-Serie „Most wanted recitals“ zu veröffentlichen. Ob nun Poggi most wanted ist? Sehr zweifelhaft. Aber gerade auf diesen beiden Wiederveröffentlichungen (erstmals auf CD) hört man Poggi in Bestform (mehr als auf seinen beiden Decca-Gesamtaufnahmen), ohne Drücker, ohne diesen sonst auch ziemlich gemeinen trocken Ton der fahlen, gequetschten Höhe.

poggi deccaHier singt er frei heraus, hat sogar schöne Momente und macht viel aus dem Wort der zum Teil bezaubernden, schlichten Lieder, die das italienische Lebensgefühl  des 19. Jahrhunderts widerspiegeln. Dauerbrenner wie „Torna a Surriento“ oder natürlich „O sole mio“ haben alle Tenöre aufgenommen, aber Poggis robuste Wiedergabe von 1953 (mono) erinnert an Weinflaschen im Bastrock, an bunte Märkte mit Kopftüchern und Zoccoli, an überfüllte Touristen-Tavernen und eben an das angeblich so fröhliche Italien der Nachkriegszeit, wie es sich die Amis, Engländer und vor allem Deutschen erträumten, wenn sie die heimgenommene Chiantiflaschen  in ihren Partykellern bei  einer tropfenden Kerze erinnerungsvoll betrachteten. Poggi erfüllt alle diese nostalgischen Gefühle, und dafür wurden die beiden 25er ja auch aufgenommen.

Gianni Poggi: Enze neben Cerquettis Gioconda in Florenz/OBA

Gianni Poggi: Enze neben Cerquettis Gioconda in Florenz/OBA

Gianni Poggi wurde 1921 (oder 1922) in Piacenza geboren und starb ebendort 1989. Er studierte in Mailand und machte 1947 in Palermo sein Debüt als Rodolfo (und hat etwas sehr Sizilianisches im ganzen an sich). Sein Scala- Debüt kam 1948, und danach waren ihm Italiens Bühnen offen, einschließlich Rom und Florenz, wo er die Titelrolle im italienischen Don Sebastiano/Donizetti 1955 sang (Cetra). Er machte – wie der anglolastige Groves sich beeilt anzumerken – sein Londoner Debüt (nicht in Covent Garden ,sondern im Prince´s Theatre) 1960 als Duca. Sein Repertoire umfasste das klassische wie Edgardo, Enzo (mit der Cerquetti), Fernando, Riccardo (Ballo), Alfredo, Boitos Faust, Maurizio (Adriana Lecouvreur), Turiddu, Canio oder Cavaradossi. Und auch der Groves merkt an, dass die Stimme zwar kraftvoll war, aber doch im Ton zu Härte und Fahlheit neigte. Eine Aussage, die sich beim Anhören seiner offiziellen Aufnahmen bestätigt. Poggi schaffte es aber durchaus nicht nur nach London (da ist Groves wirklich zu mager in den Angaben). Er sang mit Erfolg viel an der Metropolitan Opera New York in den großen Partien seines Fachs mit illiustren Kollegen der Zeit, er sang in Wien, (laut Wikipedia) an der Berliner Staatsoper und Monte-Carlo, auch Lohengrin in Italienisch in Verona 1949 und Piacenza 1963. 1969 zog er sich von der Bühne mit Boitos Faust/Mefistofele zurück.

Gianni Poggi: Cavaradossi in Bari/OBA

Gianni Poggi: Cavaradossi in Bari/OBA

Denn erstaunlicherweise gibt es manche Industrieaufnahmen mit ihm, was angesichts von z. B.  Raimondi oder Limarilli verwundert – beide haben entschieden schönere Stimmen und wurden so gut wie gar nicht von der Plattenindustrie berücksichtigt. Mit Poggi gibt’s eine Tosca mit der Stella bei Philips. Ebendort auch Cav (mit der späten, aber immer noch fulminanten Mancini – nicht als CD wiederaufgelegt, was schade ist) & Pag (Foto oben im Ausschnitt), eine Bohème (dto. Stella); bei Cetra erschienen die Callas-Gioconda und eine frühe Tosca mit der Guerrini. Eine Lucia mit Dolores Wilson trieb sich bei Urania herum (sicher amerikanische mitgenommene  Raubkunst von der RAI). Decca nahm die Traviata mit der Tebaldi mit ihm auf und auch die wirklich fürchterliche, korrupte Favorita mit der Simionato (eine der gemeinsten Einspielungen aller Zeiten). Die Deutsche Grammophon versuchte die Callas-Scala-Erfolge der EMI zu simulieren, als sie ihre späte Scala-Verdi-Serie auflegte: Ballo mit Poggi und Stella.

Gianni Poggi: Die tüchtige Firma Bongiovanni hat ein Arienrecital von ihm im programm

Gianni Poggi: Die Firma Bongiovanni hat ein Arienrecital von ihm im Programm

Und schließlich gibt es, dto. DG, eine noch spätere Bohème mit der jungen Scotto 1961 unter Votto. Und live? Tosca mit Stella unter Mitropoulos an der Met, Bohème unter Schippers, Gioconda mit Milanov – live gibt es zu viel, um es hier aufzuzählen.

So kommt den der solide mittelklassige Gianni Poggi noch einmal bei Decca zu Ehren, vielleicht mit seinen schönsten, druckfreiestren und gelöstesten Aufnahmen stimmungsvoller italienischer Lieder: „Non t´odio no!“ Geerd Heinsen