Es rumpelt, als würde Lohengrin mit der Straßenbahn am Ufer der Schelde anlanden wollen. Was machen die nur hinter der Bühne? Karl Böhm am Pult der Wiener Staatsoper brauchte gewiss gute Nerven, um mit der Zartheit des Vorspiels gegenhalten zu können. Er konnte. Böhm war Theater erfahren. Irgendwann hört auch das Rumpeln auf, offenbar in dem Moment, in dem sich der Vorhang hob. 16. Mai 1965. Erster Teil der Doppelpremiere des neuen Lohengrin von Richard Wagner in der Regie seines Urenkels Wieland. Dieser bediente sich großzügig bei seiner eigenen Bayreuther Inszenierung, der berühmten Orgie in Blau und Silber, die es auch offiziell auf Platte geschafft hat. Fotos im Booklet belegen das, wenn auch nur in Schwarzweiß. Die Inszenierung kam wohl nicht nur positiv an. Im Bocklet wird sich um eine eindeutige Aussage mit dem Hinweis darauf gedrückt, dass es sich um eine CD und kein Video handele. Nun gut. In jedem Fall ist auch diesem akustischen Abbild mehr abzugewinnen als nur eine grandiose musikalische Leistung.
Abgesehen von vom Rumpeln am Beginn hört jeder, der einigermaßen vertraut ist mit dem Werk, auch vieles vom dem heraus, was sich auf der Bühne abgespielt haben muss. Es ist eine Spannung zwischen den Akteuren – Sänger, Chor, Musiker und Dirigent -, die nur dann entsteht, wenn alles stimmt. Das Ohr sieht also mit. Eine unabdingbare Voraussetzung dafür, dass sich ein Stück gebührend mitteilt, ist die Verständlichkeit und die Fähigkeit der Mitwirkenden, auch mit dem Text richtig umzugehen. Jedes Wort ist zu verstehen, auch der Chor ist um größtmögliche Deutlichkeit bemüht. Es hätte sich gehört, den Namen des Chorleiters zu nennen. War es der berühmte Wilhelm Pitz, der in Bayreuth wirkte und in den sechziger Jahren gelegentlich auch in Wien tätig war? Einhellig gut kamen seinerzeit die Solisten weg, Böhm selbst schwärte in einem Interview von der „bestmöglichen“ Besetzung der „ganzen Welt“. Dieses Selbstbewusstsein hat sich nach meinem Eindruck nicht in vollem Umfang herüber gerettet in unsere Zeit. Der Mitschnitt ist bei Orfeo in der Reihe Wiener Staatsoper live erschienen, in Mono, akustisch insgesamt sehr präsent (C 862 133 D).
Jess Thomas wirkt auf mich immer etwas steif und holzschnittartig, kann aber durch Jugendlichkeit und seinen unverkennbaren hellen und leichten Tenor punkten. Er muss auf der Bühne großen Eindruck gemacht haben, der sich so auf den Hörer nicht überträgt. Hoch gelobt von der zeitgenössischen Kritik auch die Elsa von Claire Watson, die aus der Distanz von fünfzig Jahren nicht mehr ganz so makellos-rein klingt, sich dafür aber selbst in den großen Ensembles Gehör verschafft. In ihrem Falle ist das eine Leistung. Mich erinnert sie immer an die späte Elisabeth Grümmer. Erst im Brautgemach finden beide ihre Form, Thomas steigert sich sogar noch in der Gralserzählung.
Die Weltspitze, von der Böhm sprach, wird in dieser Aufführung von Christa Ludwig und Walter Berry als Ortrud und Telramund verkörpert – damals noch verheiratet und gern im Doppelpack auftretend. Daran hat auch das halbe Jahrhundert, das darüber verstrichen ist, nichts ändern können. Um ein Bild aus dem Sport zu gebrauchen: Es ist, als hätten beide einen Rekord aufgestellt, der seither nie gebrochen wurde. Berrys Telramund – kernig, stolz, leicht trotzig und töricht, unglücklich und gefährlich erst durch seine verletzte Eitelkeit geworden – ist ein packendes Porträt. Wie er im zweiten Aufzug erneut den Verführungen seiner Gemahlen unterliegt, habe ich selten so überzeugend gehört. Für sich allein genommen, wäre diese Leistung aber doch nur die Hälfte wert. Erst die Ludwig macht die Schleusen. Sie ist hoch erotisch in ihrer Boshaftigkeit, die letztlich persönliches Unglück ist und Ausdruck ihrer eigenen Verletzungen. Der Anruf der alten Götter gelingt ihr auch deshalb so grandios, weil sie ihn als Aufschrei einer gedemütigten Frau gestaltet. Das Publikum ist so hingerissen gewesen, dass es die Aufführung mit spontanem Beifall unterbricht. Beim Erscheinen Gottfrieds kurz vor Schluss – auch das habe ich so noch nie gehört – schreit sie voller Verzweiflung laut auf. Ortrud ist am Ende und wird durch diesen Kunstgriff der Regie zur heimlichen Hauptfigur. Mal gerade mit dreißig Jahren war Martti Talvela als König der Benjamin des Ensembles. Was für eine Stimme – gewaltig im Umfang, dabei wohlklingend, fast zärtlich. Ein sehr menschlicher König. Eberhard Waechter, nobel wie stets, gibt dem Heerrufer Format.
Böhm betont nicht so sehr das Übersinnliche als vielmehr die Dramatik, das Drama. Er scheut nicht davor zurück, die großen Chorszenen und die Zwischenspiele mit Wucht und mächtigem Volumen auszustatten. Sie laufen ab wie ein Film. Das hätte ich so gar nicht erwartet, war eher auf einen leichten, lyrischen Klang eingestellt. Seine eigentliche Leistung aber ist die Geschlossenheit der Aufführung. Die Premiere II zwei Tage später wurde wiederum von Böhm geleitet. Diesmal sangen James King (Lohengrin), Hildegard Hillebrecht (Elsa), Astrid Varnay (Ortrud), Gustav Neidlinger (Telramund) Walter Kreppel (König) und Robert Kerns (Heerrufer).
Rüdiger Winter


Eine andere wichtige Facette ihres Wirkens waren Lieder von Hanns Eisler, die sie auch live bei Auftritten im Ausland vorgetragen hat. Der Komponist selbst schätze ihre Intelligenz, ihre Anmut, aber auch ihre Härte und ihren Ernst. „Dazu kamen echter Fleiß und der Wille, es immer besser zu machen, der gute Ehrgeiz, der vorwärts treibt“, so Eisler über die Arnold. Während das Füchslein als Film überdauert hat, ist ihre Violetta in Verdis La Traviata – das berühmte Gegenstück ihrer langen Karriere – als Ganzes nur in der Erinnerung von Zeitzeugen und in Beschreibungen bewahrt. Es dürfte keinen Mitschnitt geben. Dabei soll sie weniger durch ihre stimmlichen Mittel, die auch begrenzt gewesen sind, als vielmehr durch ihre Ausstrahlung zu einer Wahrhaftigkeit gelangt sein, die das Publikum tief bewegte und erschütterte.
Noch erheblicher macht sich die Abwesenheit geeigneter Sänger in der Einspielung Gergievs bemerkbar. Zwar holt er sich mit René Pape einen idiomatisch sauber singenden Wotan ins Studio, der aber als Figur insgesamt sehr blass und glanzlos bleibt. Der zweite deutsche Import, Stephan Rügamer als Loge ist sogar eine eklatante Fehlbesetzung. Auch hier sind es wieder die Riesen, die am ehesten punkten können. Evgeny Nikitin (Fasolt) und Mikhail Petrenko (Fafner) sind ausgesprochen authentische Raubeine. Der Rest der Besetzung ist ihren Rollen weder idiomatisch noch stimmlich gewachsen. Der Alberich Nikolai Putilins gerät geradezu zu einer Parodie seiner Rolle, an Unverständlichkeit wetteifert er mit den Rheintöchtern Dombrovskaya, Vasileva, und Sergeeva. Die sonst so zuverlässige Ekaterina Gubanova als Fricka singt eben so unschön und tremololastig wie Viktoria Yastrobova (Freia) und Zlata Bulycheva (Erda). Die Freigabe dieser Aufnahme kann auch nur durch des Deutschen nicht Mächtige erfolgt sein. Da können auch Gergievs zugegeben sehr gutes Dirigat und das konzentriert spielende Mariinski Orchester nichts mehr retten, das ist Wagner zum Abgewöhnen!







Gesamtdeutsch auch das Aufgebot an namhaften Sängern. Gottlob Frick, nach dem Zweiten Weltkrieg am musikalischen Wiederaufbau in Dresden aktiv beteiligt, kam nach langer Abwesenheit für Philipp II. im Carlos zurück an die Elbe. Er ist der einzige Westimport in der Aufnahme mit Hanne-Lore Kuhse als Elisabeth, Sigrid Kehl als Eboli, Martin Ritzmann in der Titelrolle und Dan Jordachescu als Posa. Nicht nur wegen der deutschen Version ist das fürwahr keine italienische Interpretation. Mehr Schiller als Verdi. Und doch gehen von dieser Aufnahme eine Innigkeit und ein Tiefgang aus, die sehr berühren und dem Werk trotz des Zusammenschnitts auf diese Szenenfolge, einen starken inneren Zusammenhalt geben. Das trifft so in Teilen auch für die Macht des Schicksals zu, in der auch Frick als Pater Guardian noch einmal kurz in Erscheinung tritt. Den Löwenanteil dieser Plattenstunde – denn es handelte sich ursprünglich um Vinyl mit derart begrenzter Kapazität – bestreiten Grace Bumbry als Leonora, Nicolai Gedda als Alvaro, Hermann Prey als Carlos und – man höre und staune – Helga Dernesch als Preziosilla. Wer genau hinhört, fragt sich noch heute, wie diese Sängerin kaum zwei Jahre später bei Karajan die Brünnhilde im Nibelungen-Ring würde bewältigen können. Dem Rataplan fehlt jeglicher Peng.
Die Besetzung ist hier schon stärker auf Prominenz abgestellt und nicht mehr nur auf Passgenauigkeit. Sie ist nahe an der Fehlbesetzung. Bei Aida (Ingrid Bjoner) und La Traviata (Anneliese Rothenberger) stehen verkaufsfördernde Aspekte durch populäre Namen schließlich gänzlich im Vordergrund. Am besten schneiden die Tenöre Ludovic Spiess als Radames und Anton de Ridder als Alfred ab. Schade, dass von der Amneris fast nichts übrig geblieben ist. Gisela Schröter, die in dieser Rolle auf der Bühne der Berliner Staatsoper ein Ereignis war, hat auf der Platte lediglich ein paar Einwürfe. Besser kommen Karl-Heinz Stryczek als Amonasro und Wolfgang Anheisser als Germont mit Duetten bzw. Arien weg. Durchweg interessanter sind die Besetzungen der Nebenrollen, beispielsweise des Ramphis und des Doktor Grenvil durch Siegfried Vogel, der auch als Sparafucile im Rigoletto auftaucht, leider nicht in der gespenstischen nächtlichen Szene mit dem Hofnarr, den Ingvar Wixel mit großer Eindringlichkeit versieht. Er gefällt mir am allerbesten, weil er der Rolle eine schlichte Würde gibt und ohne Übertreibung und ohne Weltschmerz auskommt. Robert Ilosfalvy dem Herzog, bleibt die deutsche Übersetzung im Halse stecken. Mit technischer Routine und gut gelernter Gestaltungskraft rettet sich die Rothenberger über die Klippen der Gilda, für die sie zu alt ist. Annelies Burmeister, der beliebte Berliner Mezzo, ist im Quartett als Maddalena (in der Besetzungsliste des Booklets unvermittelt als Maddalene geführt!) wohltuend stilvoll und unverkennbar zu vernehmen.
Die Zeit der guten alten Opernquerschnitte, die auch einen speziellen Bildungsansatz darstellten, ist vorbei, selbst der Name verschwindet. Im Duden ist das Wort nicht zu finden, bei Wkipedia schon – was gut ist. Sie haben zwar das Genre Oper sehr populär gemacht, sind aber auch Zerrbilder der Werke. Nicht immer war die Auswahl glücklich, wurde auch in der Verkürzung das Stück als Ganzes erkennbar. Es wurde der Eindruck vermittelt, als bestehe eine Oper nur aus Highlights, wie das die Verdi-Box suggeriert. Alban Bergs Wozzeck, ebenfalls eine Eterna-Produktion, die jetzt bei Brilliant neu aufgelegt wurde (94699), ist als traditioneller Querschnitt gar nicht denkbar. Die Auswahl, die der Komponist als Bruchstücke für Gesang getroffen hat, sind etwas anderes, fast schon ein eigenständiges Werk. Jedenfalls ist die Aufnahme für mich eine der besten in der immer umfänglicher werdenden Diskographie des Werkes. Sie ist ein Mitschnitt aus Leipzig von 1973 – für DDR-Verhältnisse relativ selten. In der Regel wurde im Studio aufgenommen, was mehr Sicherheit versprach. Hier also eine konzertante Aufführung, die insofern gegen das Werk spricht, das die Aktion der Bühne braucht. Wenigstens ist live auch schon etwas. Die aufregende Gisela Schröter, die im Aida-Querschnitt so kurz wegkommt, ist als Marie das Ereignis schlechthin. Ihr Unglück ist das Unglück der Welt. Ich hatte die Aufnahme lange nicht gehört und komme nun nicht davon los. Das von der Schröter und Herbert Kegel am Pult vorgegeben Niveau verteilt sich über das ganze Ensemble. Alle Mitwirkenden sind vielleicht deshalb so überzeugend, weil sie sich mit aller Kraft auf die Aufgabe werfen. Wozzeck ist kein Belcanto, da muss nicht jeder Ton sitzen, es gelten andere Maßstäbe. Theo Adam macht die grauenhaften Ängste Wozzeck sehr glaubhaft, auch wenn er hier und da einen Schuss Vornehmheit beimischt. Dann klingt sein gehetzter Soldat, als stamme er aus einer großbürgerlichen Familie und habe gerade sein Abitur abgelegt. So ist das oft bei ihm. Horst Hiestermann ist ein schriller Hauptmann, Reiner Goldberg ein aufgeblasener Tambourmajor.
Etwas unvermittelt sind bei Brilliant in einer Doppel-CD-Box das Italienische Liederbuch und Mörike-Lieder von Hugo Wolf zusammengesteckt (94705). Das Liederbuch mit der mädchenhaften Christiane Oelze, die ihren Wolf im Meisterkurs bei Elisabeth Schwarzkopf gut gelernt hat, leidet unter dem Tenorpart von Hans Peter Blochwitz, der nur noch über die Reste seines einst hellen und jugendlichen Tenors verfügt. Über diese Klippen kann auch gestalterische Delikatesse nicht hinwegtäuschen, die er noch reichlich einsetzen kann. Siegfried Lorenz, der sich mit Norman Shetler am Klavier des Mörike annahm, bringt sich als vorzüglicher Stilist in Erinnerung – mit gelegentlichem Hang zu Übertreibungen. Während das Liederbuch 2002 eingespielt wurde, stammen die Mörike-Lieder gleichfalls aus dem Eterna-Nachlass der DDR, aufgenommen 1984 in der Lukaskirche Dresden, einem berühmten Aufnahmeort.
Gemischt ist auch die Herkunft der drei Messen von Anton Bruckner und des Te Deum in der Fassung von 1884 bei Brilliant (94669). Die Messe Nr. 1 mit dem Tenor Daniel Sans und dem Bariton Christof Fischesser, dem Chamber Choir of Europa sowie der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter Nicol Matt beginnt wunderbar leicht und federnd, behält diese Durchsichtigkeit selbst in den Steigerungen des ganzen Apparates. Beim Hören der verbleibenden Werke ist mir wieder bewusst geworden, was für ein vorzüglicher Dirigent der 2001 in Leipzig gestorbene Heinz Rögner gewesen ist. Er hat eine Hand für Bruckner, bringt die Ruhe für seine Musik mit und die Fähigkeit, die Spannung über die Klippen in den ausladenden Sätzen zu halten. Rögner hat auch etliche Sinfonien von Bruckner eingespielt, die eben erst wieder auf den Markt zurückgekehrt sind und ein dankbares Publikum finden werden. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Gemeinsam mit Rögner wirken in der 3. Messe und im Te Deum Solisten, die in der DDR beliebt waren: Magdaléna Hojóssyová (Sopran), Rosemarie Lang (Alt), Peter-Jürgen Schmidt (Tenor) und Hermann Christian Polster (Bass). Die 2. Messe ist bekanntlich für Chor und Blasorchester gesetzt und schon deshalb anfällig für Langeweile, die bei Rögner aber nicht aufkommt. Einmal mehr erweist sich der Rundfunkchor Berlin seiner Meisterschaft. Es spielt das Berliner Rundfunk-Sinfonieorchester, dessen Chef Rögner von 1973 bis 1993 gewesen ist.
Fast zwanzig Jahre später nahm sich der Dirigent Arnold Schoenbergs Gurrelieder vor, jene monströse Kantate nach einer Novelle von Jens Peter Jacobson. Sie ist nun ebenfalls im Katalog von Brilliant Classics eingegangen (94724). Die Rundfunkchöre Berlin und Leipzig werden durch den Prager Männerchor verstärkt. Verstärkung holte sich auch die Dresdner Philharmonie vom Rundfunk-Sinfonie-Orchester aus Leipzig. Der gewaltige Apparat kommt nur selten in Gänze zum Einsatz, Kegel betont zudem die intimen Seiten. Eva-Maria Bundschuh, als Isolde gefeiert, gibt die Tove, Rosemarie Lang die Waldtaube, Manfred Jung, der Bayreuther Siegfried bei Patrice Chéreau, den Waldemar, Ulrik Cold – in Kegels Leipziger Parsifal der Gurnemanz – den Bauer. Als Erzähler wurde kein Geringerer als Gert Westphal engagiert, der einen merkwürdig altmodischen Zug in die ansonsten sehr diesseitige Aufnahme einbringt. Informationen über die Trackabfolge, die bei diesem Werk zwingend ist, muss man sich im Internet auf der Seite des Labels zusammensuchen. Das ist zu wenig.
Die meisten Texte stammen von Friedrich Rückert, einer von Schiller. Das vielleicht interessanteste Stück der CD ist An den Baum Daphne – eine Art Epilog zu der Oper Daphne. Strauss verwendet hier textliches und musikalisches Material aus der Oper, der Chor entstand allerdings erst Jahre später und ist nicht für eine gleichzeitige Aufführung gedacht. Das ungewöhnlich umfangreiche und höchst kompetent von Boris Kehrmann zusammengestellte Booklet gibt dem Hörer eine Fülle an wertvollen Informationen, die zum besseren Verständnis der Werke nicht unerheblich beitragen. Alle Liebhaber der Strauss’schen Opern sei diese CD wärmstens empfohlen, denn es sind bisher weitgehend unbekannte Facetten des Komponisten zu entdecken. Für mich persönlich die wichtigste und interessanteste Strauss-CD seit langem!
Das Sujet böte genügend Gelegenheiten, der Salome ähnlich erotisches Irrlichtern und Schwüle zu entwickeln, aber trotz aller flirrenden Streicherfiguren und der insgesamt raffinierten Instrumentierung breitet sich Langeweile aus. Strauss gelingt es nicht, während des knapp einstündigen Werkes auch nur einen markanten musikalischen Einfall zu präsentieren. Bedauerlich, und erstaunlich für einen Komponisten, dem die Einfälle vorher und nachher nur so zuflogen. Zwei Füller machen die CD interessant: die (instrumentale) Liebesszene aus Feuersnot und als Rarität das op.1 des zwölfjährigen Strauss, seinen dem bierbrauenden Onkel gewidmeten Festmarsch. Zumindest als Schließung einer Repertoire-Lücke ist die CD durchaus empfehlenswert.
Die obige Wiederauflage der Lustigen Weiber ist eine gute Gelegenheit, auf eine weitere aus dem Opern-Programm der Brilliant Classics aufmerksam zu machen – die musikalisch bedeutende Euryanthe von Weber unter Marek Janowsky, einst Flagschiff der EMI und nun hier. Wenn man sagt „musikalisch bedeutend“ dann gilt das für die instrumentale und chorische Seite, denn Janowski zaubert hier einen – von ihm gerne geleugneten – deutschen Klang fast Furtwänglerscher Farbe, dunkel und geheimnisvoll, Cello-/Bratschen-betont im repertoire-bewussten Klangkörper der Staatskapelle Dresden, die auch die Kooperation der EMI mit der DDR-Firma Eterna belegt, bei deren beider Firmen diese Aufnahme zeitgleich erschien, ein Ost-West-Projekt des sich erwärmenden Kalten Krieges (1974). Janowski schafft Klangwunder und bietet einen farbenreichen Weber mit herrlichen Aufschwüngen und durchaus abgründigen Momenten.






