Archiv des Autors: Geerd Heinsen

Ein Tenor auf gutem Weg

Vor einigen Jahren, als er in der Arena di Verona als Conte Almaviva Aufsehen erregte, galt der Tenor Francesco Meli noch als reiner Rossini- bzw. Mozartsänger. Inzwischen hat er in kluger Karriereplanung viel Donizetti gesungen und sich über den Duca und Alfredo auch ins Verdifach vorgearbeitet. Wie auch andere italienische Sänger hat er am Opernhaus von Posen einiges ausprobiert, wovon eine CD mit einem Recital zeugt, Live-Aufnahme eines Konzerts aus dem Jahre 2009, das er mit der Filharmonia Poznanska unter Lukasz Borowicz aufgenommen hat und das zur Reihe World Opera Stars gehört.

Das Programm ist kein rein italienisches, sondern beginnt mit der Ouvertüre zu einer Oper Ignacy Feliks Dobrzynskis mit unaussprechbarem und unmerkbarem langem Namen, deren Musik teils düster schwelgend, teils blechtrunken schmetternd ertönt, offensichtlich ein Potpourri der im Werk enthaltenen Melodien und insgesamt recht plakativ. Nach der Tenorarie aus Il Duca d’Alba, die nicht von Donizetti, sondern von Matteo Salvi stammen soll, gibt es noch ein Tanzstück aus Hrabina, also nicht aus der polnischen Nationaloper Halka von Stanislaw Moniuszko , an der nach 1945 kein DDR-Opernhaus vorbei kam. Danach wird es rein italienisch mit Arien von Donizetti und Verdi.

Bereits in „Angelo casto e bel“ zeigt Meli einige seiner Stärken: die leichte Emission und vorzügliche Diktion, das Wissen um die Wichtigkeit der Rezitative und die gute Phrasierung. Die Stimme ist dunkler geworden und auch in der Mittellage sehr präsent. Er trifft perfekt den elegischen Ton der Arie mit einer leichten Andeutung der „lacrima nella voce“. Die acuti werden nicht zu offen gesungen und die Stimme hat eine einheitliche Farbe. Es folgen Arien aus den Donizetti-Opern Elisir, Roberto Devereux und Lucia di Lammermoor, in denen die Geschmeidigkeit der Stimmführung, das schöne Piano und Legato erfreuen können, in der Schluss-Sene der Lucia sind die Schwelltöne bemerkenswert, klingt die Höhe  leider etwas angestrengt – da gab es wohl keine Möglichkeit zur Nachbesserung.

Der Verdi-Teil besteht aus den Tenorarien aus Trovatore, Lombardi, Ballo in maschera und Luisa Miller. Ein Verdi-Sänger war Meli vor vier Jahren noch nicht. „Ah si, ben mio“ wird recht schnell genommen, was der Stimme entgegen kommt, ein zusätzlicher Spitzenton erfreut das Publikum, eine reiche Agogik verfehlt ihre Wirkung nicht. Für den Riccardo hat Meli die Eleganz der Stimmführung, eine leicht abgedunkelte Stimmfarbe und einen winzigen Glottisschlag. Die Partie wird ihm gut liegen. Ebenso der Oronte, den er schwärmerisch und mit einem tollen Spitzenton singt. Rodolfos „Quando le sere“ erfährt nach sehr lyrischem Beginn eine feine Steigerung ins Dramatische.

Auf die weitere Karriere des klugen, behutsam planenden Sängers kann man gespannt sein. herausragend aber ist hier auch die Leitung des versierten Orchesters durch Lukasz Borowicz. In nur kurzer zeit hat sich der junge Pole einen internationalen Namen gemacht und geht zahlreichen Verpflichtungen an den großen Häusern außerhalb seines Heimatlandes nach, so auch in Berlin. Spannend ist aber auch seine Tätigkeit „zu Hause“ beim eigenen Rundfunkorchester in Warschau, wo er durch das breite und für Kenner prachtvolle Repertoire aufgefallen ist. Montemezzi, Donizetti, Weber, Cherubini und deren Opern lassen Fans nicht nur zum Beethoven-Festival im Frühjahr nach Warschau kommen, wenn internationale Stars wie Nelly Miriciou oder Melanie Diener den Auftritten Glanz verleihen und sich die einheimischen Sänger von Rang nicht verstecken müssen. Borowicz hat bietet dieses Geheimnis der spontanen Kommunikation, reißt den Hörer mit, nimmt ihn mit auf die Reise durch die Musik und deren Emotionen – so auch hier auf der Verdi-CD von Franncesco Meli, wo die Einleitungen den idealen Rahmen bilden und wo die beim Tenor angesiedelten Emotionen im gut disponierten Orchester Widerhall finden – selten hat man das Zusammenspiel so kongenial erlebt (PNCD 1405).

Ingrid Wanja

 

Diese oben besprochene CD gbts zur Abwechslung mal bei Amazon Deutschland.

Hier sind darüber hinaus für andere Aufnahmen aus Polen, die es nicht in Deutschland gibt, zwei Adressen von Geschäften in Warschau, die – laut Bogna Kowalska (Deputy Director Polish Radio Symphony Orchestra; Tel. +48 22 645 51 12; Mob. +48 508 011 219) – die Aufnahmen führen und verschicken, es finden sich englischsprachige Hinweise auf den Websites, leider gibt’s immer noch keinen deutschen Vertrieb: www.empik.com undwww.merlinmuzyka.pl. (G. H.)

 

 

Mythos G. G.

Leider gibt es keinen Hinweis darauf, aus welchem Jahr das Cover des Buches Gustaf Gründgens von Thomas Blubacher im Henschel Verlag stammt und welche der zahlreichen Mephisto-Interpretationen auf ihm zu sehen ist, aber es scheint eher einen desillusionierten, gealterten Schauspieler darzustellen als die schillernde, sich im Verlauf der Karriere wandelnde Gestalt aus Goethes Faust,  die man mehr als alle anderen Rollen mit dem großen Schauspieler, Regisseur und Intendanten verbindet.

Das Buch ist sicherlich, wie der Untertitel behauptet, eine Biographie, aber es ist viel mehr und beginnt seltsamer Weise mit dem zunächst rätselhaft erscheinenden Tod Gründgens‘ in einem Hotel in Manila. Es endet mit seinem Aufbruch zu einer Weltreise, die ihm dabei helfen soll, „leben (zu) lernen“, also ein Versäumnis nachzuholen, als es offensichtlich zu spät dazu ist. Die ca. 350 Seiten dazwischen lassen den Leser erfahren, warum der Selbstmord, von dem man wohl ausgehen muss, Konsequenz eines nur überreich erscheinenden Lebens ist.

Darüber hinaus ist das Buch eine, wenn auch auf das künstlerische Leben verengte (aber doch auch einen Spiegel darstellend) Geschichte der letzten Jahre des Kaiserreichs, der Weimarer Republik, der Nazizeit und der Adenauer-Zeit. Auf die ausführliche Geschichte der beiden Familien, aus denen der Künstler stammt, hätte man auch verzichten können, und sie ermüdet zunächst den Leser etwas. Erst im Nachhinein sieht er ein, dass die Wurzeln eines Lebens, auch um lange Zeit zurückverfolgt, aufschlussreich sein können.

Über die reine Biographie hinaus geht zwangsläufig auch die Theatergeschichte, die sich aus ihr erschließen lässt. Das zunächst noch bedauernswerte Image des Schauspielerberufs, die auf Berlin zentrierte Theaterlandschaft, die mit der Niederlage Deutschlands und seiner Aufteilung in Besatzungszonen dezentralisiert wird, die Vielfalt des Berliner Bühnenlebens und seine ökonomische Misere in der Weimarer Republik, die Rivalität zwischen Göring und Goebbels um die Herrschaft über die Theater, über Rundfunk und Film. Dabei ist es interessant zu lesen, wie sich die Belegschaft der ehemaligen preußischen Staatstheater unter Göring relativer Freiheit erfreuen durfte, nicht zuletzt durch das Einwirken seiner Schauspielerin-Ehefrau Emmy Sonnemann. Deren gute Beziehung zu Gründgens, der sie das Gretchen spielen ließ, führte später dazu, daß die Verleihung des ersten Bundesverdienstkreuzes an ihn zu einem Skandal ausartete. Der Leser erfährt einiges darüber, inwieweit ein Schutz von sogenannten Halbjuden, „jüdisch Versippten“ und jüdischen Ehepartnern von „Ariern“ möglich war.  Noch einmal erschreckend anzusehen ist die lange Liste der Künstler, die Deutschland ab 1933 verlassen mussten oder wollten. Einige der persönlichen Feindschaften, die Gründgens pflegte oder die ihm aufgezwungen wurden wie die zu seinem Ex-Schwager Klaus Mann, der ein entstelltes Bild von ihm in seinem Roman „Mephisto“ entwarf, haben durchaus auch politische Wurzeln. Das Thema „Gehen oder Bleiben“, die damit zusammen hängenden Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen, können in diesem Buch natürlich auch nicht fehlen.

Das Buch enthält nicht nur Theatergeschichte und -geschichten, sondern auch eine Darstellung des Wandels in der Aufführungspraxis, des Kampfes, den Gründgens ab den 50er Jahren für das konservative Theater als festliche Veranstaltung gegen das politisierende Hinterfragungstheater und andere Richtungen führte, so mit dem „Düsseldorfer Manifest“. Als weiterer Kontrast wird der zwischen Max Reinhardts sinnenfrohem Theater und dem Dumonts in Düsseldorf mit seinem priesterlichen Anspruch herausgestellt. Es ist außerdem ein „Who is who“ der deutschen Schauspieler, Regisseure und Intendanten. Staunen wird man immer wieder über den Reichtum an schauspielerischen Talenten und an Uraufführungen.

Zeitlebens musste Gustaf Gründgens mit der Angst umgehen können, dass ihm aus seiner Homosexualität Misshelligkeiten erwachsen könnten, denn diese war bis 1969 selbst zwischen einvernehmlich handelnden Erwachsenen unter Strafe gestellt. Zwei Heiraten (Erika Mann und Marianne Hoppe) und eine Adoption (des Lebenspartners Peter Gründgens-Gorski) änderten kaum etwas an der Bedrohung, zu der das sündenfrohe Berliner Nachtleben der Weimarer Zeit in einem sonderbaren Kontrast steht. Inwieweit der Intendant sich junge Schauspieler und damit Abhängige gefügig machte, kann nur vermutet werden, ebenso die „Schuld“ seines letzten Geliebten an seinem Selbstmord. Kaum anzuzweifeln ist jedoch, dass die Erpressbarkeit den Charakter zumindest mit geformt hat und manches Unverständliche und Launenhafte zumindest teilweise erklären mag.

Das Buch bietet eine Überfülle von Zeitzeugenaussagen, Kritiken, einen höchst umfangreichen kritischen Apparat und kann den Anspruch auf wissenschaftlichen Wert erheben, auch weil die Lebensgeschichte Gründgens‘ stets verflochten bleibt mit der Geschichte seiner Zeit. Diese führt ihn nach der Ausbildung in Düsseldorf nach Halberstadt, Kiel, Hamburg, Berlin und lässt ihn als Schauspieler, Regisseur (auch an der Scala, in Wien, Salzburg, Florenz) und Generalintendant arbeiten, führt ihn in ein Arbeitslager des NKWD, aus dem ihm Ernst Busch, dem er selbst geholfen hatte, heraus holt, dann wieder nach Düsseldorf und schließlich nach Hamburg. Dass er nach einem so reichen Leben meint, er müsse lernen zu leben, zeigt die Tragik des Gustaf Gründgens, der dem Leser nach der letzten Seite des Buchs eher bemitleidens- als beneidenswert erscheint.

Ingrid Wanja   

 

Thomas Blubacher: Gustaf Gründgens, Biographie, 432 Seiten, 54 s/w Abbildungen, Hardcover, Henschel Verlag, Leipzig  ISBN 978-3-89487-702-6

       

Das Militär und die Frauen…

. ..in Nicola Alaimo’s Belisario and Joyce El-Khouri ’s Antonina we gor an ideal pairing, bis resonant Sicilian bari tone wonderfully complemented by the silky perfection of her sound, and by the Callas- like way she shaped her lines I lang to see and hear her perform again. If this performance is anything to go by, Opera Rara’s Cd will make an incontrovertible case for this austere but prophetically Verdian work.‘ (The Independent, 29 October 2012)

When Patric Schmid and Don White conceived Opera Rara more than 40 years ago , one of their first aims was to establish a Donizetti collection, to which they would add a recording each year. Over the years, Opera Rara’s repertoire has expanded to include a broad range of 19th century French and Italian composers, but Donizetti has remained at its heart and Belisario marks the twenty – second complete opera by Donizetti that Opera Rara has recorded.

Generally acknowledged to be one of Donizetti’s finest achievements, Belisario dates from the high watermark of Donizetti’s maturity .It received its premiere in 1836 (the year after the debut of Maria Stuarda in Milan and Lucia di Lammermoor in Naples) and proved a triumph on stages throughout the 19th century. Opera Rara recorded the work, in the studio, last October and this was immediately followed with a concert performance at London’s Barbican Hall.As Rupert Christiansen commented in the The Telegraph: Donizetti’s Belisario proved a revelation´.                                     Written just before Lucia di Lammermoor (and containing a similar sextet) , it s a muscular, martial melodrama about a Byzantine general whose honour is besmirched by a scheming wife.‘

The matching of Sir Mark Elder conducting the BBC Symphony Orchest ra and BBC Singers with a cast of young and up – and – coming singers including Nicola Alaimo , Joyce El-Koury  (making her recording debut as Antonina) and Russell Thomas,  reinforces Opera Rara’s commitment to working with young talent as well as the art form ’s established names.

 

Nicola Alaimo  (Belisario); Joyce El-Khoury  (Antonina); Camilla Roberts (Irene); Alastair  Miles  (Giustiniano); Peter Hoare  (Eutropio); Russell Thomas  (Alamiro); Julia Sporsen  (Eudora); Darren Jeffery  (Centurion); Edward  Price  (Eusebio); Michael  Bundy  (Ottario); BBC Symphony Orchestra & BBC Singers; Sir Mark Elder, Conductor, 2 CDs Opera Rara ORC49

 

Terje Stensvold

 

Der norwegische Bariton Terje Stensvold, gern gesehener Gast an der Oper Frankfurt, feiert am Donnerstag, dem 10. Oktober 2013, in Melbourne – wo er gerade den Wotan in Wagners Der Ring des Nibelungen probt – seinen 70. Geburtstag. Auch in Frankfurt war der Sänger zuletzt als Wotan erfolgreich und glänzte zudem in der bei OehmsClassics erschienenen CD- bzw. DVD-Produktion des von Sebastian Weigle dirigierten Frankfurter Ring (Regie: Vera Nemirova, das Foto oben/Rittershaus/Oper Frankfurt zeigt ihn als Wotan ).

Terje Stensvold/Oper Frankfurt

Terje Stensvold/Oper Frankfurt

Terje Stensvold gilt international als äußerst begehrter Interpret des Göttervaters, den er neben seinen Frankfurter Auftritten auch unter Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper und der Mailänder Scala sang. Außerdem gestaltete er diese Partie u.a. in Stockholm, Helsinki, Dresden, Leipzig, Wien (Staatsoper) und Berlin (Deutsche Oper, zudem Die Walküre konzertant mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle). Für Siegfried wurde er auch an der Bayerischen Staatsoper und bei den London Proms verpflichtet. Ende 2013 kommt ein neuer Ring in Melbourne hinzu. Der Bariton gastiert seit dem Jahr 2000 regelmäßig in Frankfurt, wo er sich mit Der fliegende Holländer als Wagner-Interpret vorstellte. Weitere Engagements für diese Oper führen ihn 2012/13 nach Zürich und Amsterdam. In Frankfurt gab er zudem Jochanaan (Salome), Balstrode (Peter Grimes), Alfio und Tonio (Cavalleria rusticana / I Pagliacci), Dr. Schön und Jack the Ripper (Lulu), Don Pizarro (Fidelio) sowie Barak (Die Frau ohne Schatten). Als tragende Kraft an Den Norske Opera in Oslo interpretierte Terje Stensvold über 80 Partien. 2008 wurde er vom norwegischen König zum Ritter 1. Klasse des St. Olav Ordens ernannt. (Holger Engelhardt/Presse Oper Frankfurt)

 

Danica Mastilovic

 

Danica Mastilovic feierte am 7. November 2013 ihren 80. Geburtstag! Ihre Lieblingspartie war zweifellos die Elektra in Strauss‘ gleichnamiger Oper (Foto oben/Oper Frankfurt)). In nahezu 200 Vorstellungen hat Danica Mastilovic diese nicht nur stimmlich, sondern auch körperlich kraftraubende Titelpartie mit überwältigendem Erfolg gesungen.

Danica Mastilovic/Oper Frankfurt

Danica Mastilovic/Oper Frankfurt

Die gebürtige Jugoslawin studierte an der Musikakademie in Belgrad Gesang und wurde anschließend 1959 von Georg Solti an die Oper Frankfurt engagiert. Der damalige Erste Kapellmeister Wolfgang Rennert entdeckte sie in Belgrad – auf der Suche nach jungen Sängern für das neue Ensemble der Oper Frankfurt. Ohne Deutschkenntnisse und Studienabschluss ist sie zum Vorsingen nach Frankfurt gekommen und hat daraufhin vom Intendanten Harry Buckwitz einen Vertrag für drei Jahre bekommen. Sie debütierte als Tosca. Bei der Vorbereitung ihrer neuen Partien stand ihr vor allem der österreichische Studienleiter Hans Hasel zur Seite. Später eroberte sie alle wesentlichen Partien des jugendlich-dramatischen Fachs – von Desdemona in Verdis Otello bis zur Aida. 1960 gastierte sie erstmals als Tosca an der Wiener Staatsoper. Als Leonore in Beethovens Fidelio und Abigaille in Verdis Nabucco war sie in Chicago, Zürich, Verona und Buenos Aires zu hören. Daneben gastierte sie u.a. an der New Yorker Metropolitan Opera, an der Mailänder Scala sowie an den Opernhäusern von München, Hamburg und Berlin. Als Puccinis Turandot hat sie an 28 Opernhäusern weltweit gesungen. Unter Christoph von Dohnányi wechselte sie ins hochdramatische Fach und sang u.a. Partien wie die

Färbersfrau in Strauss‘ Die Frau ohne Schatten sowie von Wagner die Ortrud im Lohengrin, Senta in Der fliegende Holländer, Kundry in Parisfal, Isolde in Tristan und Isolde und Brünnhilde in Der Ring des Nibelungen. Unter Michael Gielen schloss sich die Partie der Küsterin in Janačéks Jenufa an. Als Alte Burya war sie in der Jenufa-Inszenierung von Adolf Dresen noch 1995 und 1997 zu erleben.

1983 wurde sie an der Oper Frankfurt mit dem Kammersängerinnen-Titel ausgezeichnet. Von den großen Rollen hat sie sich gegen Ende ihrer Laufbahn nach und nach verabschiedet und hat den Schwerpunkt ihres Repertoires mehr auf Charakterrollen verlegt. Mit der Partie der Amme in Tschaikowskis Eugen Onegin in der Saison 1998/99 ging für Danica Mastilovic ihre Zeit als festes Ensemblemitglied der Oper Frankfurt nach 40 Jahren zu Ende. Darüber hinaus jedoch blieb die noch immer im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen lebende Künstlerin dem Haus als Gast weiterhin verbunden. Die Oper Frankfurt gratuliert Danica

Und noch einmal als Turandot in Frankfurt/OR

Und noch einmal als Turandot in Frankfurt/OR

Mastilovic, einer der bedeutendsten Sängerpersönlichkeiten der Frankfurter Operngeschichte, herzlich zu ihrem 80. Geburtstag. (Holger Engelhardt/Presse Oper Frankfurt/M).

Und als ehemals West-Berliner Operngänger schließe ich mich den Glückwünschen sehr herzlich an – Frau Mastilovic habe ich an manchen und sehr eindruckvollen Abenden an der Deutschen Oper Berlin gesehen, machtvoll und hochkompetent, mit ebenso weitreichender dramatischer Sopranstimme als Elektra, Turandot u. a. – was für eine nachhaltige Künstlerin war sie doch. Ihresgleichen gibt es nicht mehr! G. H.

Kraftvoller Nachkriegs-Verdi

 

Zum 50. Todesjahr, 1951, unternahm die italienische Rundfunkanstalt RAI einen absoluten Mammutklimmzug in Sachen Verdi-Würdigung – mit Recht, bestritt doch der große Sohn Italiens Dreiviertel des Spielplans in Italien und sicher die Hälfte weltweit. Bereits am 25. Juni 1950 (!) ging es bei der RAI Roma mit dem Ernani los, ein Vorab-Schuss. denn erst am 16. Januar 1951 folgte der Nabucco, ebenfalls in Rom, das gegenüber Mailands sieben nun acht Opern Verdis in Live-Konzerten beisteuerte, dazu kamen zwei aus Turin und eines (Attila) aus dem Fenice in Venedig in der Übernahme durch die Mailänder Rundfunkanstalt – neunzehn Opern im Ganzen, keine kleine Tat, und doch fehlten manche aus dem Verdi-Kanon, einige frühe vor allem (bizarrerweise gibt es  den Oberto und Aroldo, aber nicht den Stiffelio), und namentlich die Bearbeitungen/ Doubletten, die originalen französischen Fassungen, sowie keine Vespri Siciliani oder Macbeth! Eigenartig – manche Opern wurde nicht gespielt, aber die zuletzt genannten gelangten wenig später an die Scala oder ans Maggio Musical Fiorentino.

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Verpflichtet wurden für diese Live-Konzerte in samstag-abendlicher Sendung durch die RAI die bewährten und bekannten Vorkriegs-Kräfte wie Maria Caniglia, Giacomo Lauri-Volpi oder Ebe Stignani ebenso wie aber auch die hoffnungsvollen jungen, also Carlo Bergonzi, Antonietta Stella, Rolando Panerai oder Graziella Sciutti, auch die berühmten, die bald Exklusivverträge mit den internationalen Plattenfirmen bekamen wie Giulietta Simionato (Decca), Renata Tebaldi (dto.), Rosanna Carteri (EMI) oder Mario Del Monaco (Decca). Um manche machte die RAi unerklärlicherweise und vielleicht aus Termingründen einen Bogen, etwa Giuseppe Di Stefano (vielleicht Gagenforderungen damals schon?) oder Gina Cigna, die ja noch sang und eine berühmte Größe der Kriegszeit gewesen war. Manche der hier beschäftigten Künstler sind nur durch diese Konzerte in Erinnerung geblieben, denn die RAi war damals mit der Staats-Plattenfirma Cetra verbandelt, die die meisten dieser Übertragungen, ebenso wie andere Opernaufführungen des staatlichen und auf vier Regionalstationen verteilten Rundfunks, als LPs herausbrachte und damit einen Grundstock für italienische Nachkriegs-Opernkultur legte und an die berühmten Voce-del-Padrone der späteren EMI anknüpfte , die diese vor dem Krieg weitgehend mit der Scala Mailand eingespielt hatte (so die Sabajno-Aufnahmen).

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Die Geschichte der Firma Cetra ist eine zutiefst italienische und bizarre. Die Cetra stammt aus den Dreißigern und ist die Nachfolgefirma der Rundfunk-verbundenen EIAR, bei der auf dicken Schellacks zum Beispiel die Norma mit der Cigna herausgekommen war. Nach dem Krieg entstand unter anfänglich amerikanischer Hoheit die Cetra neu und als eigenes italienisches Label mit der römischen Wölfin auf grünem Etikett als Markenzeichen. Maria Callas nahm hier ihre ersten Bellini- und Wagner-Arien auf, die ihren Namen in alle Welt trugen, Renata Tebaldi ihren ersten Andrea Chénier, Franco Corelli seine erste Aida. Und bald vermittelte die Cetra ein Spiegelbild der jungen Generation der italienischen Nachkriegs-Sänger, wenn man mal von der lückenfüllenden Mitwirkung von  Maria Caniglia  und ihrer Altersgenossen absieht, die in den großen veristischen Partien nicht zu entbehren waren. Aber Namen wie Maria Vitale, Aldo Bertocchi, Elena Nicolai, Dora Gatta, Miriam Pirazzini oder Tommaso  Soley wären ohne dieses  Medium kaum erhalten geblieben, Giulio Neri  ebensowenig wie Alda Noni oder Miti Truccato Pace (wenngleich  letztere  nochmals  als Cenerentola-Schwester in Glyndebourne/EMI eine internationale Karriere machte und sich Namen wie Mirto Picchi u. a. doch auf Dokumenten der Callas erhalten haben). Mit dem Einbruch der internationalen Firmen in die künstlerischen Fleischtöpfe Italiens war es mit der Cetra vorbei. Die EMI mit ihrer Legge/Callas/Di Stefano-Offensive, die Decca mit der Exklusivbindung der Tebaldi und Del Monacos „verdarben “ den Markt, später zogen die Philips mit einer wenig erfolgreichen Initiative einer Kooperation mit dem San Carlo in Neapel (Stella, Mancini, Poggi) und die  Deutsche Grammophon mit der Scala  nach. Das war der Todesstoß für die alte Cetra, die an die Fonit verkauft wurde, was nicht von langer  Dauer war. Dann übernahm die RAI die Firma (ein bemerkenswerter Zug kapitalistischer Unternehmenspolitik für eine staatliche Anstalt), danach gab es einen Kooperationsvertrag mit der deutschen Vertriebsfirma  Mondo  Musica  (die wohl  immer noch gegen die Cetra prozessiert, weil diese angeblich ihre Rundfunkaufnahmen weiterverkaufte).  Die Fonit  (Cetra)  machte sich nochmals  einen Namen  durch  die Übernahmen  von Live-Aufnahmen aus Pesaro und andernorts mit dem Label ltalia, das verschiedene Firmen vertrieben . Zuletzt hat der Mediengigant Warner Nuova Fonit (Cetra) übernommen und bietet sie als Warner Fonit auf dem Markt an.

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Als Produkte der Warner ltalia hätte man erwarten können, dass alle diese Aufnahmen international und auch in Deutschland angeboten werden, aber dem ist m. W. nicht so: Länderbegrenzung heißt das Geheimwort. Im Verdi-Jahr sieht  sich der Medienriese außerstande, deutsche Opernfans mit allen und nicht nur neun zu versorgen, die es nun verramscht und auch nicht durchweg zu kaufen gibt. Nur wenige Einzelimporteure wagen es, diesen Import­-Boykott zu umgehen. Fans sei Amazon (in Teilen nur als teurer Import für bis zu 40 Euros) und Bongiovanni in Bologna empfohlen, die im Rahmen der  EG  zollfrei und preiswert liefern, auch nach Deutschland (bei Amazon nachgeschaut wird die Aida mit Corelli gerade von der Firma  music-musik-musique angeboten, für rund 43 Euros!).

verdigiorno

 

Denn habenswert sind viele Aufnahmen dieser Verdi-Kollektion allemal und beispielsetzend, agogisch und Lust machend. Der Klang dieser x-fach wie­deraufgelegten Serie ist, 2000 angeblich neugefiltert und aufbereitet, den älteren Ausgaben nicht überlegen. Mir ist er gelegentlich zu scharf, zu sehr durch den Equalizer gejagt und – wie bei den blauen und schwarzen Callas-Aufnahmen der EMI – zu unindividuell ausgerichtet, zu sehr in einer Klangformel abgestrickt. Aber die Höhen sind passabel, durchhörbar, das Rauschen ist beseitigt. Mir wollen die ältere braune und die blaue Serie dunkler, voller, stimmenfreundlicher und vor allem auch besser ausgestattet erscheinen. Die neue Serie mit abenteuerlichem, original-grellbuntem Covers kann über den stupiden Einheitsaufsatz in allen Ausgaben nicht hinwegtäuschen. Nichts zu den Aufnahmen und den Künstlern, nichts zu den Werken, nichts vor allem zu den zum Teil barbarischen Strichen in der Musik, denn zimperlich war man damals nicht. „Tradition ist Schlamperei“, sagte Gustav Mahler an der Wiener Oper, und das gilt auch hier, wo „traditionelle “ Schnitte das Geschehen bestimmen. Es fehlen manchmal ganze Szenen, dacapi  etc,  Ballette immer. Der gesangliche Stand der Dinge ist robust, nicht zu oft von Fi­nesse geprägt und in vielem noch dem faschistischen Gesangsideal der Vorkriegszeit verbunden, wo man Verdi wie Puccini sang (eine gewagte These, gewiss).Aber man findet die berühmte italianità, dieses robuste und verloren gegangene Idiom der italienischen Provinz – eben das eigentliche Herzblut der italienischen Oper.

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Warum einen Artikel machen über diese Aufnahmen? Weil sie zum einen den Nachkriegsstand Italiens in puncto Gesang festhalten und insofern historische Dokumente sind. Und weil sich hier doch die Jungen versammeln, die entweder Karriere, oder solche, die aus vielen Gründen (die Callas oder Tebaldi und ihr alle verdrängender Ruhm war sicher einer) keine gemacht haben. Denn nicht nur Leyla Gencer (die hier noch nicht auftritt, die aber auch nur durch die Cetra ihren großen  Namen bewahrt hat) litt unter dem Schatten von M. C. und unter der zunehmenden Internationali­sierung der hereinströmenden Amerikaner. Nur wenige der hier versammelten Nachkriegscrews haben nachweislich Auslandsauftritte gehabt – es ist schon ein Wunder von der Mancini Dokumente aus Amsterdam, Dublin (!) oder Philadelphia zu finden; die Pariser oder angeblich Bayreuther/Stuttgarter Engagements der Vitale liegen in tiefem Dunkel. Immerhin ist Silveri in Edinburgh oder London belegt, nicht immer an ersten Häusern (so bei der Stoll-Company).

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Von den 19 übertragenen Opern wurden damals „offiziell“ 14 als LPs herausgegeben:  La Traviata, (mit Lina Pagliughi, nicht die mit der Callas, die kam nach der Gioconda später und verstellte ihr zu ihrem Ärger die geplante EMI-Aufnahme, die dann an die Stella ging), Aroldo (Vitale), Giovanna d’Arco (Tebaldi) und I due Foscari erschienen gar nicht oder nur bei Live-Firmen wesentlich später, die Foscari  kamen erstmals als CD bei Nuova Era und später bei der Fonit  Cetra selbst heraus,  die Masnadieri sind m. W.  bis heute nicht aufgetaucht. Die Warner Fonit hat dann im Rahmen ihrer wohlgemeinten Verdi-Hommage ihre LP­-Aufnahmen und die Foscari in ihrer Serie auf den Markt gebracht, immer noch fehlen „offiziell“ Aroldo und Masnadieri, dafür  gibt es nun die „andere“ Aida (mit Mancini und ohne Corelli) als Überraschung, denn die war damals nur als LP herausgekommen und ist seitdem nicht mehr erschienen .

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Es macht nicht viel Sinn, alle Aufnahmen zu besprechen, die ja Sammlern immer schon bekannt waren und deren lack of glamour bei jüngeren Opernfans (in der Netrebko/Fleming/Di Donato-Folge) nur die Augenbrauen hebt. Ich will mich auf fünf beschränken, denn sie sind entweder repräsentativ oder ragen aus den vielen anderen heraus, die durchaus mit Einzel-Schönheiten aufwarten können – so ein prachtvoller Giuseppe Taddei als Rigoletto, eine satt-pralle Maria Vitale und er­neut Taddei im Ballo, die bezaubernde Lina Pagliughi , Renato Capecchi und der umwerfende Sesto Bruscantini im Giorno di regno, Carlo Tagliabue und Carlo Bergonzi in der Forza (wobei es bizarrerweise zweimal Forza von der Cetra gibt, die andere ist mit der Guerrini und dem plärrenden Poggi und kursierte als Querschnitt bei Saga und anderen Kleinfirmen, nun hat sie die tüchtige Preiser). Bekannt sind ja auch solche Aufnahmen wie der Nabucco mit der bemerkenswerten Caterina Mancini und dem für mich enorm erotischen Paolo Silveri, erneut die Mancini und Rolando Panerai in der Battaglia, die Mancini und Gino Penno (auch Giasone zur Callas-Studioaufnahme der Medea und ein unterrepräsentierter Sänger jener Zeit) im Attila.

Caterina Mancini/HeiB

Caterina Mancini/HeiB

 

Die von mir viel genannte und stets favorisierte Caterina Mancini war eine der Gesangs-Säulen jener Zeit, ähnlich wie die etwas ältere Maria Vitale – eine robuste, nicht unbedingt elegante, aber dafür unendlich leistungsfähige Stimme, um die sich heute jedes Haus reißen würde. Sie verfügt über ein unverkennbares, individuelles Timbre und eine unleugbare spinto-Stimme, die sie zur Abigaille ebenso befähigt wie zur Aida oder Leonora (beiden). Sie ist der Star auf der hinzugewonnen Aida  der War­ner Fonit, die von Vittorio Guis markanter, männlicher Leitung profitiert (der die besagten skandalösen Schnitte duldet), und die in der auftrumpfenden Giulietta Simionato und in Rolando Panerai sowie Giulio Neri, sehr viel weniger in dem für mich gemeinen Mario Filipeschi, kraftvolle Partner hat. Sie verfügt über beseelte Töne ebenso wie über entschlossene, und der Nil hört ihr C ohne jede Klage!

Die Mancini ist auch die Leonora auf dem diskutablen Trovatore, der an dem geriatrischen Manrico des Veteranen Giacomo Lauri-Volpi leidet (noch eben neben der Callas ausgebuht in Neapel im selben Stück) und neben Miriam Pirazzinis „kullernder“, gewöhnungsbedürftiger Azucena nur noch als Kuriosum Graziella Sciutti als Inès aufzuweisen hat (sie sang auch den Gemmy im  amputierten Taddei-Tell der Cetra/RAI) .

Maria Vitale/HeiB

Maria Vitale/HeiB

 

Überwältigend ist auch Maria Vitale, eine besondere italienische Sängerin in der falschen Zeit, denn heute wäre sie ein Weltstar, damals sang sie auch in Paris und international, ohne Spuren (und mehr als 3 Fotos) zu hinterlassen. Eine 10 LP-Box bei der Fonit Cetra erinnert an ihre große Kunst. Sie sang Milhaud ebenso wie Strawinsky oder Monteverdi, eine Norma ebenso wie eine Aida, war die erste Rossini-Elisabetta in moderner Zeit (als RAI-Hommage an die Krönung der britischen Monarchin, ehemals Melodram) und auf der Cetra (neben einer bemerkenswerten Vestale ) der Hit in den Due Foscari sowie  in den Lombardi (was für eine Eröffnungsarie, das muss man einfach hören). Sie durchmisst die Charaktere mit geschmackvollem Pathos, mit einer schonungslosen Attacke (unterstützt von manchen Glottis wie ihre spätere Kollegin Caballé, der sie in der Stimme frappierend ähnelt). Mit entschlossenem Einsatz wirft sie sich in die Rollen, dass der Laser stockt. Diese Unschuld, diese Unverstelltheit – das ist es, was Oper ausmacht! „Identifikation“ würde man heute sagen, und die findet man bei der Vitale ebenso wie bei der jüngeren Cerquetti oder den anderen Kollegen jener Jahre. Bei den Foscari freut man sich über Carlo Bergonzis jugendlichen Einsatz und über Gian Giacomo Guelfis stoische Darstellung des alten Foscari, während Carlo Maria Giulini am Pult der Mailänder RAi Spannendes schafft – sehr empfehlenswert ebenso wie die fulminanten Lombardi, die keine andere Aufnahme dieses Werkes wieder so packend, so direkt wiedergegeben hat. Wieder ist hier die Vitale am Wirken (und das Gebet der Giselda setzt Maßstäbe), dazu kommt eher ein Mittelfeld an Sängern, aber alle sind unter Manno Wolf-Ferrari  (Sohn des Komponisten) in vollem Saft, Mario Petri als schurkischer Pagano nicht zu vergessen.

Paolo Silveri vor seinem Porträt als Don Giovanni, eine seiner berühmterssen Partien/HeiB

Paolo Silveri vor seinem Porträt als Don Giovanni, eine seiner berühmtesten Partien/HeiB

 

Und schließlich ist da meine Lieblingsaufnahme aus dem Cetra-Konvolut, der wunderbare Simon Boccanegra. Francesco Molinari-Pradelli leitet elegant die Kräfte aus Rom. (Was für ein Chor! Das fand auch wenig später Furtwängler für seinen Ring,  bei EMI später, ebendort.) Inder Titelrolle beeindruckt Paolo Silveri (Nabucco und Posa in weiteren Verdi-Aufnahmen), ein Sänger mit einem eigenartig körnigen Timbre, sehr sexy, sehr ausdrucksvoll natürlich mit erster Diktion und einem eigenen Pathos in der sofort wiedererkennbaren Stimme, ein Vorläufer Brusons ebenso wie Rameys, aber wesentlich persönlicher und mit mehr „Gesicht“ auf der Stimme. Das besitzen auch die übrigen. Nie hat Antonietta Stella wieder so erfüllt, so leidenschaftlich gesungen, und wer sie als kühl­-anonym von späteren DG-/EMI-Aufnahmen in Erinnerung hat, wird über ihre Amelia staunen. Carlo Bergonzi sang hier zum ersten Mal als Tenor nach einem Studium als Bariton, und seine schöne dunkle Grundierung gibt dem Adorno enorme Standfestigkeit. Mario Petri  ist ein erzener Fels in der Brandung als Fiesco, Walter Monachesi  ein fies-idealer Paolo; der Rest und der Chor eine kompakte Folie für dieses unendlich anrührende Drama um Vater und Tochter. Viva Verdi – die Schätze der RAl­-Cetra um das Verdi-Jubiläum 1951 sind nicht zu verachten.

Geerd Heinsen

 

verdiaidamancini

 

Noch etwas: Unerlässlich für die Kenntnis der RAI-Aufnahmen ist das hochkompetente und leider vergriffene Buch des absoluten Papstes der italienischen Opernszene, Giorgio Gualerzi, und Carlo Marinelli Roscioni: 50 anni di opera lirica alla RAI 1931 – 1980 im Verlag Audiolibri/ERI Milano 1981; im Antiquariat gibt’s manchmal noch dies gesuchte Kompendium aller RAI-Opernaufnahmen in der genannten Zeit, dazu mit einem exzellenten Register. Unverzichtbar und Staunen machend, wer damals alles bei der RAI gesungen hat (auch an deutschen Künstlern) und was für ein breites, ungemein rares  Repertoire die RAI eingespielt hat, unglaublich.

 

Wiederaufgelegt bei Warner Fonit:

Aida (Mancini) 8573 83010-2 Un Ballo in Maschera 8573 8264-2, La  Battaglia  di  Legnano 8573 82649-2, Ernani 8573 83515-2, Falstaff 8573 82650-2, La Forza del Destino 8573 82652-2, I due  Foscari 8573 83515-2 Un  Giorno  di  Regno  8573 82664-2, I Lombardi  8573  82654-2, Luisa Miller 8573 82645-2, Nabucco 8573 82646-2 Oberto  (übernommen  von ltalia 1977) 83984 29181-2, Otello 8573 82653-2, Rigoletto 8573 82647-2, Simon  Boccanegra  8573 82648-2, II Trovatore 8573 82662-2 (von denen gerade einige – neun – bei Amazon für 10. 99 Euros verramscht werden)

(Somit fehlen aus den alten Cetra-LP-Übernahmen die Traviata/Pagliughi (bei Amazon in Teilen herunterzuladen), Attila/Guelfi Im Download bei Amazon, Giovanna d’Arco/Tebaldi (jetzt Opera d´Oro) sowie Aroldo/Vitale (jetzt Preiser oder Line.)

Lückenschluss im Donizetti-Fach

Die jüngste Veröffentlichung von  Opera Rara betrifft in der Tat eine Rarität, denn Donizettis Tragedia lirica CATERINA CORNARO, in der ersten Fassung uraufgeführt 1844 in Neapel, lag bisher noch in keiner einzigen Studioaufnahme vor. In den 1970er Jahren hatte das Werk eine Blüte an   diversen Bühnen und in Konzertsälen Italiens, Großbritanniens und den USA. Die Titelpartie lag dabei fest in den Kehlen der Sopranistinnen Leyla Gencer und Montserrat Caballé, nach einer längeren Pause in der Rezeptionsgeschichte des Werkes wagte sich erst im Jahre 1995 Denia Mazzola beim Donizetti Festival in Bergamo an diese anspruchsvolle Aufgabe.

In der neuen Einspielung, die bereits Ende 2011 in London produziert wurde, ist Carmen Giannattasio zu hören und hinterlässt – nach ihrer Parisina von 2009 und Bellinis Imogene ein Jahr später beim selben Label – erneut einen zwiespältigen Eindruck. Die Stimme ist kein wirklicher Ausnahmesopran und inzwischen stören die grellen Spitzennoten der Sängerin doch erheblich. Der melancholisch umflorte dunkle Ton kann in den schmerzlichen Kavatinen und Romanzen („Vieni, o tu“) überzeugen, in Cabaletten zeigt sich, dass sie keine wirkliche Virtuosa ist. Als Gerardo, ihr Bräutigam in spe (doch wird die Hochzeit von Caterinas Vater Andrea aus staatspolitischen Gründen verhindert), lässt Colin Lee einen jugendlich-lyrischen Tenor hören. Der Klang bleibt auch in der Höhe angenehm, sieht  man von einem etwas gequält klingenden Spitzenton in seiner Arie „Morte, morte!“ ab.  Sehr überzeugend klingt er im Duett mit Lusignano, König von Zypern, den Caterina ehelichen soll, durch die starke Empfindung in seinem Vortrag. Diesen vermeintlichen Widersacher, der sich schließlich als Gerardos Verbündeter entpuppt, singt Troy Cook mit dunklem virilem Bariton und imposanter Verve in der Arie „Da che sposa Caterina“. Im schnellen Schlussteil ihres Duettes erweisen sich Lee und Cook als eloquente und gebührend auftrumpfende Sänger. Der Bass Vuyani Mlinde als Mocenigo, Mitglied des Zehnerrats in Venedig, fällt etwas ab – weniger wegen des grimmigen Timbres, sondern wegen der flachen Tiefe.

Natürlich haben der Sopran und der Tenor mehrere Duette – angefangen vom Hochzeitsgesang im Prolog und dem folgenden dramatischen Zwiegesang mit dem Entschluss, gemeinsam zu fliehen, bis zum Versöhnungsduett des 1. Aktes. Die Stimmen von Giannattasio und Lee mischen sich dabei sehr harmonisch. Und sie dominieren auch die beiden Finalensembles, in denen der Dirigent David Perry mit dem BBC Symphony Orchestra das Tempo straff anzieht und damit starken Effekt macht. Klangvoll und mit Brio singen die BBC Singers unter ihrem Leiter Renato Balsadonna. Stets willkommen sind eingespielte Alternativ-Varianten – in diesem Fall das Finale des 2. Aktes aus der zweiten Fassung (Parma/1845). Wie stets bei Opera Rara ist dies eine luxuriöse Ausgabe mit dickem, reich illustriertem Booklet, nur leider nicht in der schmucken Kartonschachtel, sondern – etwas bescheidener – im Schuber. – Bernd Hoppe –

 

Gaetano Donizetti: Caterina Cornaro (Giannattasio, Lee, Cook, Mlinde; BBC Singers, BBC Symphony Orchestra, David Parry) 3 CD Opera Rara ORC 48

 

 

 

 

Gomes´“Joana de Flandres“

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Nach 142 Jahren wurde Joana de Flandres, die zweite Oper des brasilianischen Nationalkomponisten Antônio Carlos Gomes, „wieder gefunden“ und auf die Opernbühne von Rio de Janeiro zurückgebracht. Unwidersprochen wird Gomes für den größten (unter den zugegebenermaßen nicht sehr zahlreichen) brasilianischen Opernkomponisten gehalten, und auch wenn sein Werk von neun Opern in der Quantität begrenzt sein mag, so ist es doch wegen seiner dramatischen Kraft und vor allem wegen des nationalen Prestiges bedeutend. Zu seinen Erfolgen gehören die Opern Guarany, namentlich Fosca, Maria Tudor, Salvator Rosa und Lo Schiavo.

Der junge Antonio Gomes zur Zeit der Komposition/HeiB

Der junge Antônio Gomes zur Zeit der Komposition/HeiB

Gomes wurde 1836 in der brasilianischen Provinz Campinas geboren, im Inneren des Staates San Paolo. Er war eines von 25 Kindern von Manuel José Gomes, Dirigent des städtischen Orchesters, bei dem er seine Musikstudien begann. Im Alter von 24 Jahren übersiedelte er nach Rio de Janeiro, um seine Ausbildung am dortigen Konservatorium zu vervollständigen. Hier komponierte er auch seine beiden ersten Opern, A noite de Castello und Joana de Flandres. Letztere brachte ihm ein Stipendium des Kaisers Dom Pedro II. ein, um am berühmten Konservatorium von Mailand zu studieren – dem Mekka der italienischen und europäischen Opernausbildung, das viele herausragende Komponisten hervorgebracht hat, darunter eben auch viele Ausländer, die in ihre Heimatländer zurückkehrten und dort gefeierte Nationalkomponisten wurden – Gomes und der Armenier Tschukadian (Arshak II) sind die bedeutendsten davon. Im Jahre 1866 erhielt Gomes in Mailand den Abschlusstitel eines maestro compositore, und vier Jahre später hatte seine Oper Il Guarany an der Scala in Mailand Erfolg. Gomes war angekommen und ein renommierter Komponist von Rang, dessen Fosca selbst Verdi das Fürchten lehrte…

Der Dirigent und Musikwissenschaftler Fabio Gomes de Oliveira /HeiB

Der Dirigent und Musikwissenschaftler Fabio Gomes de Oliveira /HeiB

Von dieser Zeit an vollzog sich seine musikalische Karriere ausschließlich in Italien, mit Ausnahme seiner letzten Oper Lo Schiavo, die er nach seiner Rückkehr nach Brasilien zu Ehren der Prinzessin Isabel, die sich für die Abschaffung der Sklaverei eingesetzt hatte, schrieb. Seine Rückkehr in die nunmehr republikanische Heimat brachte ihm Probleme, besonders wegen der Förderung, die er ehemals durch die kaiserliche Familie erfahren hatte – und das gleichzeitig mit der Ausrufung der Republik. Carlo Gomes entfernte sich aus dem politischen Zentrum Brasiliens und verlegte sein Leben in den nördlichen Landesteil, wo er zum Direktor des Konservatoriums von Belém ernannt wurde. Er starb im Jahre 1896 und gilt heute als der größte Sohn seines Landes, nach dem Münzen und Geldscheine geprägt wurden. Dennoch haben seine Opern kaum noch europäischen Widerhall – von Zeit zu Zeit finden sich einzelne Werke, so der Guarany (wie in Bonn mit Domingo) oder eine Fosca (zuletzt in Wexford) oder Salvator Rosa; die Oper von Sofia gab einige Werke in den 80ern mit so großen Namen wie Krassimira Stoyanova, aber allein schon der CD-Kauf seiner Aufnahmen gestaltet sich schwierig und ist eigentlich nur in Brasilien möglich, wo es eine kurze Renaissance seiner Opern mit sauren Stimmen in den 60er Jahren gab. Erst kürzlich kam der Mitschnitt des Salvator Rosa aus Braunschweig bei Oehms heraus, zwei weitere gibt es bei Dynamic (Martina Franca) und Regis (Dorset), Il Guarany ist in der Bonner Produktion bei Sony erschienen – das ist nicht viel.

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Ziel der Wünsche: die Mailänder Scala/Wiki

Ziel der Wünsche: die Mailänder Scala/Wiki

Der Belcanto-Spezialist Alex Weatherson schreibt dazu:Erstaunlich ist, dass Gomes` Komposition Einflüsse seiner europäischen Kollegen zeigt, obwohl er noch nicht in Europa gewesen war. Der Plot der Joanna de Flandres ist ganz eindeutig dem Nabucco nachempfunden – dieser war erstmals in Brasilien am 18.11.1848 am Teatro Sao Paolo de Alcantara aufgeführt worden und liegt damit ein wenig zu früh, als dass Gomes ihn gesehen hätte, aber er kannte ganz sicher den Klavierauszug; und das Teatro Lirico Fluminense in Rio (wo Joanna und A noite do castello uraufgeführt wurden) brachte Verdis Macbeth bereits am 25.3.1852 – diese Oper hat Gomes ganz sicher gesehen (und sein Librettist de Mendonca war von schottischer Abstammung!). Ganz sicher spielte Verdi in der formativen musikalischen Ausbildung Gomes´ eine große Rolle, aber es gab noch einen anderen Komponisten von Bedeutung für ihn – Giovanni Pacini, dessen Einfluss leicht in der Joana de Flandres zu entdecken ist. Zwei Partituren Pacinis waren vor der Entstehung der Joana nach Brasilien geschickt worden: L’alleanza war eine Kantate, die für den Geburtstag des Kaisers Dom Pedro von Brasilien von der Kaiserin Teresa Cristina (einer ehemaligen Schülerin Pacinis in Neapel) in Auftrag gegeben worden war und die in Rio am 1.9.1851 aufgeführt wurde. Die zweite von 1862 fiel in die Entstehungszeit der Joanna und war eine frühe Version von Pacinis Nicolo de‘ Lapi, Dom Pedro zwar zugeeignet, aber nicht aufgeführt. Diese umfangreiche melodramatische Oper weist einen eingekerkerten abtrünnigen Vater, eine tragische Tochter und weiteres bekanntes Personal auf. Und da der Kaiser sowohl als Patron wie auch persönlich an Gomes interessiert war, kann es keinen Zweifel geben, dass Gomes dieses Manuskript studierte (das immer noch in Rio liegt). Ich denke, dies ist eine der entscheidenden Informationen für die Genesis der Joana de Flandres.“

Zeitgenössische Karikatur von Gomes/HeiB

Zeitgenössische Karikatur von Gomes/HeiB

Zurück ins Jahr 2005 zur Aufführung im Teatro Alfa in Rio. Das Orchester bestand aus nur 45 Instrumenten und war eigens für diese Neuproduktion 2005 zusammengestellt worden. Natürlich konnte es nicht ein Niveau wie ein festes, ständig gemeinsam arbeitendes Orchester erreichen. Aber unter der Führung von Fabio Gomes de Oliveira sorgte es für Ausgewogenheit zwischen Bühne und Podium. Das Solistenensemble hatte sich der Musik angemessen angenommen, die voluminöse Stimmen mit viel Dramatik verlangt. Nicht alle Sänger repräsentierten diesen Stimmtyp, aber mit Sensibilität, angenehmen Stimmfarben und korrekten Interpretationen bewältigten sie die technischen Schwierigkeiten der Partitur – namentlich der Bass Savio Sperandio in der Partie des Grafen Balduin, der Sopran Marcia Guimares (Margarida) und der Tenor Fernando Portari (Raul). Die Sopranistin Julianne Daud war die Titelsängerin, der Bariton Paulo Szot als der Adlige Huberto de Courtray sowie der Tenor Sergio Wintraub in der kleinen Rolle des Burg vervollständigten das Ensemble. Anständig war auch die Teilnahme des Chores, auch dieser extra für diese Produktion zusammen gestellt. Auch die optische Seite von Chris Daud/Renato Scripilliti/Wagner Freire war mehr als ansprechend – konservativ und das Drama tragend. Nach den Vorstellungen in Rio begann die Oper ihren Zug über 14 Bühnen der großen brasilianischen Städte, so dass alle Opernfans der Nation etwas davon hatten.

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Juliana Daud in der Titelrolle neben dem Tenor Fernando Portari/Raul in der Aufführung 2005/HeiB

Juliana Daud in der Titelrolle neben dem Tenor Fernando Portari/Raul in der Aufführung 2005/HeiB

Die Handlung der Oper in portugiesischer Sprache spielt in Flandern zur Zeit der Kreuzzüge im Mittelalter. Balduin, Graf von Flandern, gilt als vermisst im Heiligen Land. Während seiner Abwesenheit übernimmt seine Tochter Joanna die Herrschaft und verliebt sich in den Troubadour Raul de Mauléon, mit dem sie eine verzehrende Liebe zehn Jahre lang verbindet, was eine Revolte der Adligen unter dem Kommando des Ritters Huberto de Courtray verursacht. Da sie sicher ist, dass ihr Vater verstorben ist, beschließt sie, Raul zu heiraten und ihm die Krone Flanderns zu übergeben. Während der Krönung erscheint plötzlich Balduin; obwohl sie den Vater erkennt, erklärt sie ihn zum Betrüger, um Krone und Geliebten nicht zu verlieren. Der Graf, von seiner anderen Tochter Margarida wieder erkannt, wird ins Gefängnis geworfen. Joanna sucht ihren Vater im Kerker auf – wenn er sich retten will, soll er sich als Betrüger be- kennen und damit auf den Thron von Flandern verzichten. Beraten von seiner Tochter Margarida, weist der Graf das Ansinnen zurück. Raul hat Gewissensbisse und rät Joanna, den Vater nicht zum Tode zu verurteilen, aber sie hört nicht auf ihn. An der Spitze des Volkes steht Huberto dem Grafen Balduin im entscheidenden Moment bei, sich die Krone zurück zu erobern. Allgemeiner Tumult entsteht. Joanna versucht ihren Vater zu erstechen, da fällt ihr Raul in den Arm und tötet sie mit demselben Messer, an- schließend sich selber, womit das Drama sein Ende findet. Geerd Heinsen

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Gomes „Joanna de Flandres“ – Paulo Szot/Huberto mit Chor 1995/HeiB

Joana de Flandres: Drama lirico von Antônio Carlos Gomes; Libretto von Salvador de Mendonca
Uraufführung am 15. September 1863 am Teatro Lirico Fluminense von Rio de Janeiro
Personen: Joana de Flandres – Spinto-Sopran, Raul de Manleon – Tenor, Margarida de Flandres (Joannas Schwester) – Sopran, Huberto de Courtray – Bariton, Conde Balduino (Vater der Schwestern) – Bass, Burg (Vertrauter) – Tenor; Höflinge, Kriegsvolk, Volk Ort/Zeit: Flandern im Jahre 1225.

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(Mein Dank geht in erster Linie an den überaus hilfsbereiten und liebenswürdigen Dirigenten Fabio Gomes de Oliveira, der mir das Material gab und mir mit weiteren Informationen ganz selbstlos half, nachdem mich Thomas Lindner auf zwei Clips aus der Aufführung in Rio bei Youtube aufmerksam gemacht hatte. Weiters danke ich Ingrid Wanja und Marcelo Castronuovo für ihre Übersetzungshilfen. Mein Artikel bezieht sich auf die Einleitung des Dirigenten im Programmheft der Aufführung 2005 und u.a. auf die Rezension von Norberto Modena zur Aufführung 2005 im  italienischen Opera sowie auf zahlreiche Einträge im Netz. Und natürlich danke ich Alex Weatherson für seine ebenso klugen wie weiterführenden Beobachtungen auf Grund seines immensen Wissens. G. H.)

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Eine vollständige Auflistung der bisherigen Beiträge findet sich auf dieser Serie hier.

Vive la Voix Francaise

 

Die gegenwärtige Kommerzialisierung des Operngesangs hat dazu begetragen die Gesangsstile zu standardisieren – ohne auf die unterschiedlichen Bedingungen der verschiedenen Sprachen Rücksicht zu nehmen. Eine französische Schule des Gesangs, die bis ungefähr 1972 existierte, ist einem globaleren, universellen Gesangsstil gewichen und zieht den Verlust einer nationalen Schule nach sich. Dieses neue Buch (David Grandis: The Voice of France bei MJW Fédition) untersucht die Vokaltechniken, französische Diktion und Deklamation und führt diese Elemente zusammen um einen Französischen Gesangsstil zu definieren. Verschiedene berühmte französische Sänger der Nachkriegsepoche diskutieren diese Themen und ihr Ausbildung innerhalb der R.T.L.N. (der legendären Réunion des Théâtres Lyriques Nationaux). Dieses Buch will Sängern, Stimmcoaches, Operndirektoren, Dirigenten und dem Publikum einen Leitfaden an die Hand geben um zu verstehen, was in nur wenigen Generationen verloren gegangen ist und wie es zurückgewonnen werden kann.

Dazu finden sich in dem ungemein interessanten und verdienstvollen Buch Interviews mit Gabriel Bacquier, Jane Berbié, Charles Burles, Michel Cadiou, Odette Chaynes, Renée Doria, Andrée Esposito, Albert Lance, Georges Liccioni, Francois Loup, Roland Mancini, Claudine Martinet, Robert Massard, Mady Mesplé, Suzanne Sarrocca, Michel Sénéchal und José van Dam.

David Grandis, der Autor, verfolgt eine  internationale Dirigentenkarriere. Sein Buch hier basiert auf seiner Dissertation im Fach Dirigieren an der Universität von Wisconsin-Madison. Er hat an verschiedenen Institutionen dirigiert: der Baltimore Opera, an der Opéra National de Lyon und mit vielen Orchestern in den USA und Europa. Gegenwärtig ist er musikalischer Direktor der Virginia Chamber Opera und dem William and Mary Symphony College Orchestra.

Dieses Buch ist ebenfalls in einer französischen Ausgabe erschienen, der eminente Musikwissenschaftler und Journalist Roger Pines schrieb das Vorwort. (MJW/G. H.)

 

David Grandis: The Voice of France (The Golden Age of the R. T. L. N.) mit einem Vorwort von Roger Pines, 261 Seiten, Abbildungen/Fotos, Index, Tabellen, MJW Fédition Paris ISBN979-10-90590-16-8, www.mjw-fedition.com

Spas Wenkoff

 

Dresden, am 12. Oktober 1975. Premiere im Großen Haus, heute Schauspielhaus, damals auch Spielstätte der Staatsoper. Eine mit Spannung erwartete Premiere steht an, Richard Wagner, Tristan und Isolde, am Pult der Staatskapelle Marek Janowski, Regie Harry Kupfer (Foto oben/Döhring).

Als Tristan gibt ein Sänger sein Debüt, mit dieser Wahnsinnspartie in Dresden, von dem man schon gehört hatte, und man hatte auch gehört, dass es nicht so einfach gewesen sei, überhaupt einen Sänger zu finden, der einmal den musikalischen, zum anderen den darstellerischen Ansprüchen des Dirigenten und des Regisseurs entsprechen würde.

Am Ende dieser Premiere war klar, diesen Sänger gibt es, es ist der bulgarische Tenor Spas Wenkoff, von dem später zu erfahren ist, dass er diese Partie längst studiert hatte, ohne wissen zu können, dass es einmal dazu kommen würde. Es heißt, er habe in einem Antiquariat einen Klavierauszug gefunden, in russischer Sprache dazu.

Und welch Glücksfall war diese Besetzung. Von tragischer Intensität Theo Adam als zutiefst verletzter König Marke, die so starke Sängerdarstellerin Ingeborg Zobel als Isolde und eben Spas Wenkoff als Tristan, kein Trompeter, ein Sänger. Keine so gerne als Charaktergesang bezeichneten, gepressten Deklamationen der fiebernden Visionen des Sterbenden im dritten Aufzug, nein, selbst hier beseelter Gesang. Und wer dabei war wird es nicht vergessen haben, jenes todestrunkene Liebesduett, von Kupfer so eindringlich ins Bild gesetzt, als seien Tristan und Isolde längst dem Leben und der Welt abhanden gekommen, und man vernimmt das Echo einer großen Sehnsucht von diesen zu Statuen ihrer eigenen Grabsteine gewordenen Figuren auf Erden nicht einzulösender Vision.

So außergewöhnlich die Karriere dieses Sängers, so außergewöhnlich ist sein Weg, von dem er später, in einem Erinnerungsbuch, sagen wird, alles sei Zufall gewesen. Eigentlich war Spas Wenkoff aus Weliko Tirnowo, auch Tarnowo, in Bulgarien, wo er am 23. September 1928 geboren wurde, Jurist und arbeitete als Rechtsanwalt. Er brachte sich das Geigenspiel selbst bei, spielte Operetten im Orchester eines Liebhabertheaters und sprang ein als Operettentenor.

Dann ließ er seine Stimme ausbilden und kam zum ersten Mal nach Dresden, um vom dienstältesten Tenor der Staatsoper, Johannes Kemter, zu lernen. In seiner Heimat macht er Karriere als Operettentenor, dann als Opernsänger in Russe, am zweitgrößten Opernhaus Bulgariens. 1965 kommt er in die DDR, wo man angewiesen war auf Sängernachwuchs, vornehmlich aus Bulgarien oder Rumänien. Erste Station ist Döbeln, dann Magdeburg und Halle, und 1975 der Durchbruch in Dresden.

Sicher war nicht alles Zufall im Leben von Spas Wenkoff, aber der weltberühmte „Einspringer“ sollte er bleiben. Wien, Staatsoper, 16. Oktober 1982, Reiner Goldberg aus Dresden steht als Tannhäuser auf der Bühne. Schon im ersten Akt sind an diesem Abend Probleme nicht zu überhören. Spas Wenkoff ist da, er springt ein, im wahrsten Sinne des Wortes, mitten im ersten Akt, die Wiener jubeln. Im November, drei Jahre später, Wenkoff probiert an der Staatsoper in Berlin Tristan und Isolde, ein Hilferuf aus Wien, Gerd Brenneis ist erkrankt, wer singt am Abend in Die Walküre den Siegmund? Am Abend weichen in Wien die „Winterstürme dem Wonnemond“, der geht hell auf, und die Wiener sind aus dem Häuschen, denn wieder hat Spas Wenkoff als Einspringer einen Abend gerettet.

Nach einer außergewöhnlichen Sängerkarriere, nicht nur im Wagnerfach, auch als Verdis Otello, Beethovens Florestan in Fidelio oder Max in Webers Freischütz, etlichen Ehrungen und Auszeichnungen, Kammersänger der DDR und Österreichs, zog sich Spas Wenkoff zurück nach Bad Ischl. Heute hätte er seinen 85. Geburtstag gefeiert, leider ist er nach schwerer Krankheit am 12. August dieses Jahres verstorben. „Dir töne Lob! Die Wunder sein´n gepriesen.“ aus Tannhäuser setzte die Familie als Motto über die Traueranzeige für Spas Wenkoff.

Boris Gruhl

 

Zum Weiterlesen/-Hören-/Sehen:

Spas Wenkoff – Alles war Zufall, von Peter M. Schneider, BS-Verlag Rostock 2008

CDs: Ars Vivendi: Arien und Szenen von Wagner, Staatskapelle Berlin, Dirigent Hein Fricke (VEB Eterna)

Mytho: Tristan und Isolde, 1976, Bayreuth, live, Dirigent Carlos Kleiber

DVD:

Deutsche Grammophon: Tannhäuser, Bayreuth, Mitschnitt 1978

Donizettis „Duc d’Albe“ zum Zweiten

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Bis vor kurzem vom Pech verfolgt war die erste, die französische Fassung von Donizettis Oper Le Duc d’Albe, nun hat sie eine wegen des Schlusses problematische Rehabilitierung durch die Aufführung in Antwerpen und Gent und die daraus entstandene CD erfahren. Zu Donizettis Lebzeiten blieb das Werk unvollendet, wohl weil bereits während des Entstehungsprozesses die für die Hélène vorgesehene Sängerin die Partie ablehnte und sich der Komponist einem anderen Werk zuwandte. Später erarbeitete sein Schüler Matteo Salvi  eine italienische Fassung, von der nur die Tenorarie, die angeblich nicht einmal von Donizetti ist, im Gedächtnis der Musikwelt blieb.

Nicht gerade förderlich für den Erfolg der Oper war auch die Tatsache, das Verdi den von Scribe stammenden Stoff aufgriff und daraus erst Les vêpres siciliennes, später I vespri siciliani gestaltete. Mit Donizetti im wesentlichen gemeinsam hat Verdis Oper den ersten Akt mit den das Volk demütigenden Besatzern und die große Szene zwischen Vater und Sohn, in der Alba bzw. Montfort dem Sohn das Wort „Vater“ durch die drohende Hinrichtung der Freunde abpresst. Danach driften die beiden Opern wieder auseinander. Während bei Verdi die Hochzeit durch den unversöhnlichen Procida in ein allgemeines Gemetzel verwandelt wird, dem Bariton, Tenor und Sopran zum Opfer fallen, wirft sich Henri vor den Vater, den Hélène erdolchen will, und rettet ihn um den Preis des eigenen  Lebens. Herzog Alba, der Vater, segelt neuen Aufgaben entgegen, die Verschwörer bleiben mit der Leiche Henris trauernd zurück.  Für den relativen Erfolg in Italien war für Verdis Oper nicht zuletzt wichtig, dass sich das Geschehen in Italien abspielt, während die Donizettis in Brüssel angesiedelt ist.

Natürlich hat es Versuche gegeben, den Duc d’Albe für die Bühne zu retten, so durch die Konkurrentin Ricordis, die Verlegerin Giovannina Lucca. Sie ist die Urheberin der oben erwähnten italienischen Fassung, von der die Ergänzungen durch Salvi  wenig Donizetti-getreu, weil von niedrigem Niveau, sind. 1959 gab es einen erneuten Rettungsversuch durch Thomas Schippers beim Festival dei due Mondi in Spoleto. (Dazu auch der Artikel von Alex Weatherson in unserer  Rubrik History/Die vergessene Oper/19.)

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Aviel Cahn, Intendant der Vlaamse Opera, meinte, wie wenig Salvis Ergänzungen Donizetti gerecht wurden. Er beauftragte deshalb den Komponisten Giovanni Battistelli, ohne den Versuch einer Nachahmung Donizettis die fehlenden Teile, besonders den vierten Akt, mit seiner eigenständigen Musik von ca 18 Minuten auszustatten. Diese, sofort als Fremdkörper erkennbar, will dem Hörer kein bruchloses Werk vortäuschen. Das Verdienst des Labels Dynamic aus Genua ist es, den Mitschnitt aus dem Jahre 2012 jetzt veröffentlicht zu haben. (Wobei die Radioübertragung den vielleicht virileren und markanteren Tenor Marc Laho als Henri aus der Alternativbesetzung bot, aber 15 Minuten Musik unterdrückte.)

Es scheint beinahe so, als habe Verdi Donizettis Duca gekannt und sich inspirieren lassen, wie die Sinfonia im zögernden Schreitrhythmus vermuten lässt. Ansonsten ist nur der Alba einer Stimme anvertraut, die auch den Montfort singen könnte, das Liebespaar ist von wesentlich zarterem Stimmzuschnitt, wie bei Donizetti nicht anders zu vermuten. Der Vlaamse Opera ist es hoch anzurechnen, dass sie bei der Verpflichtung der Sänger nicht knauserig war, und nur so lässt sich natürlich ein vergessenes Werk „retten“. Auch setzen sich Chor (Yannis Pouspourikas) und Orchester (Paolo Carignani) mit Elan für das Werk ein, die Sänger gleichermaßen engagiert für die pöbelnde Soldateska wie die Rebellen („Vive la guerre“) und besonders ergreifend in dem requiemartigen Schluß von Battistelli. Das Orchester erfült perfekt seinen Part als zuverlässige Begleitung.

Mit Georges Petean hat man einen erstklassigen Bariton für den Alba gefunden, der die Bösewichtfarben genau so hat, wie er mit breitem Farbspektrum, toller Höhe wie zuverlässiger Tiefe die sehnsuchtsvolle Arie wie die rasante Cabaletta zu meistern versteht. Ein Höhepunkt der Oper ist sein Duett mit dem Sohn. Für diesen hat Ismael Jordi ein helles Donizetti-Timbre, eine prägnante Diktion und viel Empfindsamkeit für „Oui, longtemps.“ oder die berühmte Arie, die hier mit „Anges des cieux“ beginnt. Auch den dramatischen Aufschwung in Donizetti-Grenzen  für „Enfant de la Belgique“ beherrscht er.

Hélène, die Tochter des von Alba hingerichteten Grafen Egmont, ist Rachel Harnisch mit süß-melancholischem Sopran bereits in Mimi-Nähe, weich fließenden Kantilenen, sicher über dem Ensemble schwebend und sehr deliziös in „Ton ombre“. Angemessen besetzt sind auch die kleineren Partien, so mit markanter Tiefe der Vertraute Hélènes, Daniel, den Igor Bakan singt, oder der Albas/Sandoval, dem der Bassist Vladimir Baykov die ebenfalls passende Stimme verleiht.

Dem Werk, das man von Anfang bis zum Battistelli-Ende mit Interesse und Freude hört, sollten zumindest für konzertante Aufführungen die Tore der Opernhäuser geöffnet werden. Lothar Herbst

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Donizetti: Le Duc d’Albe mit Rachel Harnisch – Hélène, Georges Petean – Le Duc d’Albe, Ismael Jordi – Henri, Igor Bakan – Daniel, Vladimir Baykov – Sandoval  u. a. Chor und Orchester der Vlaams Opera, Dirigent – Paolo Carignani, 2 CD Dynamic CDS 7665/1-2: Foto oben Donizettis „Duc d´Albe“ in Brüssel/Szene/ Foto Annemie Augustijns

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Eine vollständige Auflistung der bisherigen Beiträge findet sich auf dieser Serie hier.

Pier-Louis Dietschs „Vaisseau fantôme“

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Über die Hintergründe zur Oper von Pierre-Louis Dietschs Oper Le Vaisseau fantôme führten ist hier an derer Stelle bereits berichtet worden – die Herren Dratwicki und Roesler taten dies im Programmheft zur konzertanten deutschen Erstaufführung im Juni 2013 im Konzerthaus, und ihre Texte finden sich bei der Vergessenen Oper.

Bereits im Vorfeld gab es zwei Aufführungen des Werkes in Versailles und Wien durch Marc Minkowski, der ebendort den Dietsch und die Urfassung des Fliegenden Holländers von 1841 auch für naive einspielte, konzertant mitgeschnitten. Und nach dem packenden Abend in Berlin muss ich sagen, dass es ein Jammer ist, dass eben dieser Abend nicht für eine CD gewählt wurde – die Solisten in Berlin waren einfach alle besser und zufriedenstellender. Da beginnt mit Enrique Mazzolas  stürmischer,. werkgerechterer Leitung und vor allem mit dem wirklich fabelhaften Orchester der Deutschen Oper, eben ein hochrangiges Opernorchester und kein Mehrzweckkörper wie Minkowskis Musiciens du Louvre Grenoble, und auch der dortige Chor aus Lettland war dem schlagkräftigen, sonoren Chor der deutschen Oper weit unterlegen. Mazzola holte einfach alles aus der Musik heraus, die dann plötzlich nicht epigonal und billig klang. Man hörte gewiss viel Donizetti (Lucie de lammermoor und andere Werke hatten gerade in Paris Karriere gemacht), man hörte auch Barockes von Lully, aber man hörte eben auch Verdi, man hörte Rigoletto, Traviata und ganz sicher vieles aus dem Umkreis, dazu Boieldieus Dame blanche merhfach – ein bunter Reigen von Bekanntem in einem Strauss des Eigenen. Namentlich auch die zahlreichen Chöre ließen auf Dietschs Kirchentätigkeit rückschließen.

Die stimmliche Besetzung ließ keine Wünsche offen – so stringent hab ich außer beim Attila darauf selten eine Oper gehört. Vor allem die zentrale Partie der Minna (später Senta) war im Gegensatz zu Minkowski exakt mit einem durchsetzungsfreudigen und hellem Sopran besetz. Die originale Laure Cinti-Damore war ein solche heller Sopran gewesen und sang die Marguérite in den Huguenots, kein mulschiger, dunkler und sehr unidiomatischer wie der von Sally Mathews in Wien und Versailles und leider auch auf der CD bei naive. Laura Aikin machte als Minna (später Senta) ihre Sache toll, ich hätte nicht gedacht, dass sie soviel power aufbieten kann, um die wirklich höllische Soloszene und das Duett im 3. Akt zu meistern. Ich klatschte mir die Hände wund. Der junge Josef Wagner war als Troil (Holländer) ein absoluter Gewinn, wunderbares Material, gutes Technik und eine sonore, herrliche Stimme – das wird was. Yosep Kang überraschte mit hellen, fast heldischen Töne als Erik mit guter Stimmführung, Magnus, Scriften (eingeschobene Charaktere, die nicht bei Wagner vorkommen) waren mit Jean-Francois Borras und Seth Carico bestens vertreten. Und über Papa Barlow (Daland) freute ich mich besonders, denn ich liebe den eleganten Nicholas Cavallier sehr und erinnere mich an viele Abende mit ihm in Frankreich – ein wirklich guter und zudem idiomatischer Sänger. Aber die anderen (einschlißlich des Chores) brauchten sich sprachlich nicht verstecken – die Diktion war wirklich impeccable. So also erlebte man einen fast rauschhaften Opernabend im Konzert, eine Fülle an musikalischen und musikhistorischen Informationen – das hört man nicht oft. Zum Wagner-Jahr hatte sich die Deutsche Oper (neben dem nicht ganz so urigen Ur-Holländer 1841) wirklich was gegönnt, bravo! Geerd Heinsen#+.

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Zum Werk: Als Richard Wagner am 17. September 1839 in Paris ankommt, widmet er sich einer einzigen Aufgabe: ein Werk für die Opéra zu schreiben. Das wäre – so dachte er – Start und zugleich Erfolgsgarantie für seine Karriere als Opernkomponist, ist doch Frankreichs Hauptstadt für einen Opernkomponisten der Tempel, in dem die Werke für die Nachwelt aufgehoben werden. In diesen 40er-Jahren haben sich die Muster von Meyerbeer und Halévy fest verankert als ästhetisches Modell, das den Eklektizismus feiert [auf der Mitte zwischen französischer Deklamation und italienischer Virtuosität], und Donizetti regiert als Meister auf allen Bühnen in Paris [Anna Bolena triumphiert im Théâtre-Italien, La favorite in der Opéra, La Fille de Régiment in der Opéra-Comique und Lucie de Lammermoor – in Französisch – im Odéon]. In dieser Umgebung vollendet Wagner Rienzi und nimmt – angeregt durch die Lektüre einer Novelle von Heinrich Heine, die er 1838 in Riga entdeckt hatte – die Komposition des Fliegenden Holländer in Angriff. Man weiß heute, dass zwei Chöre und die berühmte Ballade der Senta einige Monate vor dem eigentlichen Beginn der Arbeit am Holländer komponiert wurden. Aber es ist ganz klar, dass die Partitur in ihrer Gesamtheit an Paris gerichtet ist. Leider wird Léon Pillet, der gerade im Sommer 1840 auf den Posten des Direktors der Opéra kam, die Hoffnungen Wagners gleich zunichte machen. Ganz darauf bedacht, alles richtig zu machen, hat er vielleicht eine Zeitlang daran gedacht, den jungen Komponisten mit einem der „Akte“ zu beauftragen, den laut Pflichtenheft ein ausländischer Komponist schreiben durfte, doch hat er diese Zusage schnell zurückgezogen und ihm nur vorgeschlagen, die „Idee“ zu kaufen, die er ansprechend fand. Weil er dringend Geld benötigte, verkauft Wagner am 2. Juli 1841 der neuen Direktion der Opéra seinen Stoff. Genau handelte es sich um die Zusammenfassung eines Librettos nach der Legende des Fliegenden Holländer in gebrochenem Französisch. Man liest gelegentlich, Wagner habe die Idee zu dem Libretto während der stürmischen Fahrt gewonnen, die ihn nach Frankreich brachte. Einige Monate zuvor hatte er diese gleiche Zusammenfassung [die vielleicht mit der Hilfe von Heinrich Heine entstand] dem Librettisten Eugène Scribe gezeigt, in der Hoffnung, seine Unterstützung zu gewinnen, doch daraus wurde nichts.

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Le Vaisseau fantôme ou Le maudit des mers von Pierre-Louis Dietsch: Bald nachdem die Wagnersche Zusammenfassung im Sommer 1841 in die Hände von Paul Foucher und Henri Révoil gelangt war, nahm sie die Form eines französischen Librettos an, das jedoch mit neuen Quellen angereichert wurde: The Pirate von Walter Scott, Schriften von James Fennimore Cooper und vor allem The Phantom Ship von Frederick Marryat [das 1839 unter dem Titel Vaisseau fantôme ins Französische übertragen worden war]. Nachdem das Libretto durch Foucher in Verse gefasst war, wurde es dem Komponisten Pierre-Louis Dietsch übergeben. Die verpasste Gelegenheit eines Auftretens von Richard Wagner auf der Pariser Opernbühne [die erste einer langen Reihe] führte also zu zwei unterschiedlichen Werken: Le Vaisseau fantôme von Dietsch, uraufgeführt an der Pariser Opéra am 9. November 1842, und Der fliegende Holländer uraufgeführt in Dresden am 2. Januar 1843.

Saal des Théâtre Italien, ca 1840/HeiB

Saal des Théâtre Italien, ca 1840/Wikipedia

Dass Dietsch Wagner vorgezogen wurde beim Auftrag der französischen Oper, ist vor allem der großen Freundschaft zwischen ihm und Léon Pillet geschuldet. Als dieser für den Posten des Direktors der Académie royale de musique nominiert wurde, folgte Dietsch – bis dahin Kontrabassist im Orchester des Théâtre-Italien – unmittelbar Halévy als Chordirektor an der Opéra. Der Protégé des Direktors ist jedoch kein unbeschriebenes Blatt: Auch wenn er das Conservatoire durchlief [er studierte Komposition bei Rejcha und erhielt das Diplom „premier prix“ für Kontrabass 1830], handelt es sich um einen Schüler von Alexandre Choron, dessen Tradition er nun weiterführte. Als Kapellmeister von Saint-Eustache in den 1830er-Jahren und Kirchenkomponist veröffentlichte er – ein Jahr vor der Uraufführung des Vaisseau fantôme – sein „Répertoire des maîtrises et chapelles“ [„Sammlung für Kantoreien und Kirchenchöre“], worin er diese Tradition festschreibt, was Anfang der 1850er-Jahre dazu führt, dass er zusammen mit Niedermeyer eine Kirchenmusikschule gründet. Die Pariser Kritiker würdigen die Meisterschaft des Komponisten des Vaisseau fantômeDie „Revue et gazette musicale“ vom 13. November 1842 notiert, dass „die Musik von Herrn Dietsch von Gelehrsamkeit und Fachkenntnis geprägt ist; sie hat den Duft der Vornehmheit, des guten Geschmacks, der Anmut und es fehlt ihr nicht an kräftig angerührten Farben. Die melancholischen und duftigen Kantilenen vermischen sich mit kraftvollen Chören.“ „Le Ménestrel“ findet seinerseits, dass „Herr Dietsch […] sich seiner Aufgabe mit Talent entledigt und sein musikalisches Fachgebiet nicht verfehlt hat. Die Instrumentation ist umfangreich und seine Melodien haben eine leichte religiöse Färbung, was den ernsten Situationen des Librettos entspricht.“
Wenn einige Zeitgenossen Dietschs einen „gräulichen“ Ton bemängeln, der das ganze Werk durchzieht – das alles in allem nur eine Stunde und 40 Minuten dauert, denn es sollte einem „großen romantischen Ballett“ vorangestellt werden –, so wird der heutige Zuhörer gerade den einheitlichen Ton zu schätzen wissen, den man sonst so selten in der französischen Oper findet. Man sollte also den damaligen „Meyerbeerismus“ nicht unterschätzen, der Kontraste forderte und der Liebesduette und Trinklieder oder beunruhigende Vorspiele und ländliche Tanzszenen nebeneinanderstellte. Ohne zu übertreiben, aber in der Art Donizettis, konstruierte Dietsch den Großteil der Musik als abgeschlossene Nummern, Konzertstücke, in denen lebhafte Cabaletten auf gemessene Cantabiles folgten [besonders die Duette der Minna mit Magnus und Troïl]. Der Höhepunkt dieser italienischen Machart ist in der Arie der Minna [Gebet und Polonaise] erreicht, wo die typisch französischen Harfenklänge im Cantabile mit den flinken Rhythmen der Stretta kontrastieren. Der poetische Höhepunkt ist ohne Zweifel der Beginn des zweiten Aktes, wo Troïl seine Not in einem musikalischen Stil ausdrückt, der schon den frühen Verdi ankündigt.

Der Misserfolg des Werks [es wurde zwischen November 1842 und Januar 1843 elfmal aufgeführt, was durchaus ehrenvoll ist] ist zweifellos eher der armseligen Inszenierung zu verdanken: eine Sparsamkeit der Mittel, die sowohl dem üblichen Prunk der Opéra wie auch den Erwartungen des Publikums widerspricht, das mit der Ankündigung einer „phantastischen Oper“ und eines Schiffs angelockt worden war. Die Oper von Dietsch beendet ihre Bühnenkarriere bereits im Januar 1843 und exakt der 2. Januar ist der Tag, an dem Wagners Oper im Königlich Sächsischen Hoftheater uraufgeführt wird. Alexandre Dratwicki (Übersetzung Daniel Hasuser)

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Das Théâtre Italien zur Zeit von Dietsch/HeiB

Das Théâtre Italien zur Zeit von Dietsch/Wikipedia

Der Komponist Pier-Louis Dietsch. Wer die Biografien der beiden Hauptjubilare des Jahres 2013, Richard Wagner und Giuseppe Verdi, aufmerksam liest, wird beide Male dem Namen Louis Dietsch begegnen. Beide waren unzufrieden mit ihm, der als Chorleiter der Opéra ausgerechnet die Vorstellungen des Tannhäuser und der Vêpres siciliennes dirigierte – jeweils sehr zum Missfallen der Komponisten. Der Konflikt mit Verdi führte letztlich sogar zu seiner Entlassung. Noch aus zwei anderen Gründen ist er in die Musikgeschichte eingegangen. Er gab als Kirchenmusiker ein „Ave Maria von Arcadelt“ heraus, das lange Zeit für eine Fälschung, also eine Komposition von ihm selbst, gehalten wurde. Und zum Zweiten kreuzte sich sein Weg schon lange vor dem Tannhäuser mit dem Richard Wagners, als er nämlich von der Opéra den Auftrag erhielt, das Libretto, das aus Wagners Holländer-Szenario geschmiedet worden war, zu komponieren. Das Ergebnis, Le Vaisseau fantôme, kam sogar noch vor Wagners Fliegendem Holländer zur Uraufführung, versank aber nach wenigen Aufführungen in der Vergessenheit und gelangt erst jetzt durch das Konzert der Deutschen Oper Berlin zur Deutschen Erstaufführung. Die vollständige Abfolge der Vornamen von Dietsch lautet Pierre-Louis-Philippe. Der Nachname ist auch in anderen Schreibweisen überliefert, darunter am häufigsten Dietz. So war auch vermutlich der Name seines Vaters, eines Strumpffabrikanten in Dijon, dessen Vorfahren aus Apolda stammten. Geboren am 17. März 1808, erhielt er ersten musikalischen Unterricht als Chorknabe in der Kathedrale von Dijon. Den 14-jährigen entdeckte dort der berühmte Musikpädagoge Alexandre-Étienne Choron bei einem Gastspiel. Er lud ihn ein, an der von ihm 1817 in Paris gegründeten „Institution royale de musique classique et religieuse“ zu studieren, der nachmaligen „École Niedermeyer“, benannt nach Chorons Schüler und künstlerischen Erben Louis Niedermeyer [wo Dietsch später auch unterrichtete]. Nach der Juli-Revolution 1830 trat Dietsch in das Conservatoire ein, wo er bei Anton Rejcha Kontrapunkt studierte und ein Diplom mit Auszeichnung als Kontrabassist erlangte. Er spielte einige Jahre im Orchester des Théâtre-Italien und wirkte gleichzeitig als Organist und Chorleiter in verschiedenen Pariser Kirchen. Seine wichtigste Funktion war die eines Kapellmeisters an der traditionsreichen Pfarrkirche Saint-Eustache. Dort kam 1838 eine Meyerbeer gewidmete Messe für vier Solisten, Chor und Orchester zur Uraufführung, die von Hector Berlioz und anderen Kritikern hoch gelobt wurde. 1840 wurde er auf Empfehlung von Rossini – der Grauen Eminenz des Théâtre-Italien – Chorleiter an der Opéra. Daneben aber widmete er sich weiter der Kirchenmusik: Er gab ab 1841 in drei Bänden ein „Répertoire des maîtrises et chapelles depuis Palestrina jusqu’à nos jours“ [„Musiksammlung für Kirchenchöre und -kapellen von Palestrina bis heute“] heraus. 1850 wechselte er von Saint-Eustache an die Pfarrkirche La Madeleine an der Place de la Concorde, die seit 1846 eine der bedeutendsten [und von Traditionalisten zunächst wütend bekämpften] Orgeln von Aristide Cavaillé-Coll beherbergte. 1860 stieg er an der Opéra zum „premier chef d’orchestre auf und dirigierte einige Repertoirewerke u. a. von Rossini und Bellini, ehe er das Pech hatte mit dem Tannhäuser und den Vêpres siciliennes.
Das Scheitern des Vaisseau fantôme, das sicher mehr an der lieblosen Besetzung und düsteren szenischen Umsetzung lag als an der Musik, führte dazu, dass er nie wieder eine Oper komponierte. Messen [insgesamt wurden es 25] und andere Kirchenmusik jedoch verfasste er bis zu seinem frühen Tod am 20. Februar 1865. Dietsch erhielt zahlreiche Ehrungen, unter anderem auch vom preußischen König. 1927 erst wurde der Nachweis erbracht, dass das „Ave Maria“ auf der [weltlichen] Melodie „Nous voyons que les hommes“ des flämischen Renaissance-Komponisten Jakob Arcadelt basiert. Curt A. Roesler

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Alexandre Dratwicki ist Musikwissenschaftler und Initiator/Künstlerischer Herausgeber des vom Plazetto Bru Zane angeschobenen Projekts zur Förderung und Verbreitung der französischen Musik sowohl als Konzerte/Aufführungen an verschiedenen locations wie auch auf CD, letzere erscheinen ber diversen Labels (naive, Naxos, Glossa etc) wie auch auf dem eigenen der Ediciones Singolares, über die bereits berichtet wurde. Sowohl die Oper von Dietsch wie auch Wagners Holländer von 1841 unter Marc Minkowski, in Wien im Sommer aufgenommen, kommen bei naive  noch 2013 heraus.

Curt A. Roesler ist langjähriger Dramaturg an der Deutschen Oper Berlin und Autor vieler Artikel und Beiträge in diversen Veröffentlichungen.

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Mein Dank geht an die Deutsche Oper Berlin für die Erlaubnis zum Nachdruck der vorstehenden Texte aus dem Programmheft zu den konzertanten Aufführungen der Opern von Dietsch und Wagner am 27. 5. und 4. 6., wobei mein persönlicher Eindruck die Berliner Dietsch-Aufführung ganz unbedingt gegenüber der Wiener kurz davor favorisiert. (s dazu auch die Kritik in Szene/Festivals). G. H.

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Wie schade, wiederhole ich, dass die konzertante Berliner Aufführung des Vaisseau fantôme von Pierre Louis Dietsch vom Beginn dieses Jahres (2013) nicht auf die CD gelangte: Die neue und erstmalige Einspielung bei naive als Beipack für den Fliegenden Holländer 1841 unter Marc Minkowski weist nicht diese Verve, diese erstklassige Besetzung und auch nicht diesen Chor- und Orchesterapparat (DOB) auf. Es ist mir unverständlich, dass diese Vorstellung nicht einmal ins Radio kam, so also bleibt nur ein – wenngleich erstklassiger – Inhouse-Mitschnitt, der meine Vorbehalte gegen die Neuaufnahme bestätigt. Alles ist dort schmissiger, lyrischer, besser gesungen und gespielt, und Marc Minkowski bleibt mit mit seinen orchestralen und vokalen Kräften weniger überzeugend. Bei ihm wirkt die Oper langweiliger, schleppender, die Italianismen nicht prägnant genug herausgearbeitet, das Ganze zwar „interessant“, aber eher lässlich, wie man sicher woanders lesen wird.

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Über die Genesis der Oper ist hier in Operalounge.de bereits geschrieben worden (s.  die Artikel der Herren Dratwicki und Roessler im Programmheft zur Aufführung in Berlin): über den Abkauf von Wagners Plot in seinem Pariser Exil durch den Intendanten Pillet, über den Komponisten Dietsch (Foto oben/naive/Bibl. de l` Opéra), der das Unglück hatte, den Tannhäuser dirigieren zu müssen und der doch ein sehr beachtlicher Komponist und Chordirigent war, über die Besetzung mit der bezaubernden Julie Dorus-Gras und ersten Kräften der Opéra und auch über den beträchtlichen Erfolg des Werkes, das dann in tiefe Vergessenheit fiel, bis es der Palazetto Bru Zane und Marc Minkowski wieder ausbuddelten und es auf seiner Tournee durch Europas Städte von Grenoble (dem Aufnahmeort 2013) über Wien bis Barcelona bekannt machten. Dass die Oper ihre Meriten hat, steht ja außer Frage, und dass sie mit Wagner absolut nichts und mit Donizetti und Rossini sowie den leichteren Franzosen der Zeit viel zu hat (La Dame blanche z. B.) auch. Also sollte man sie auch getrennt betrachten – als Beipack, Aufwärmer für den Fliegenden Holländer an nur einem Abend ist sie so wenig geeignet wie die Cassandra Gnecchis als Warm-up für die Elektra an der Deutschen Oper Berlin (noch eine Harms-Altlast) oder in einer Box zusammen mit Wagner.

wagner holländer minkowskiAls Opern-Fan begrüße ich jedes unbekannte Werk, auch auf CD. Und deshalb bin ich froh, diese Oper nun konserviert zu hören. Russell Braun ist ein sehr solider Troil/Holländer, sonor und fest im Ton. Bernard Richter, Ugo Rabec, Eric Cutler und Mika Kares entledigen sich ihrer Rollen mit Anstand, ohne wirklich ein Gesicht auf ihre Partien zu bekommen (Magnus, Barlow, Eric und Scriften); man hört, sie sparen für den nachfolgenden Holländer, zumal Le Francais doch auch eher allgemein klingt, nicht wirklich so richtig idiomatisch. Und mit Sally Matthews hat man eine absolute Fehlbesetzung als Minna (die französische Senta), denn ihr zu dunkler Ton klingt mir mulschig, unkonturiert, viel zu dramatisch und der Originalbesetzung diametral entgegen (wenn man sich am hochgelegenen Repertoire der Dorus-Gras orientiert) – hier singt eben eine Senta, kein soprano léger, wie verlangt. Vielleicht wollte das sonst keine singen?

Es grämt mich wirklich, nichts Enthusiastisches über diese Aufführung aus Grenoble sagen zu können, ich hätt´s gerne getan. Aber auch das Klangbild ist nicht so toll, und eben: Das Bessere ist des Guten Feind, leider. Immerhin, es gibt das Libretto in deutsch übersetzt. Wie sagt doch der Volksmund? „Nicht immer hält das rote Licht, was es dem Wandersmann verspricht.“ – Ich hätte mir mehr erhofft… Dennoch – nun ganz schnell die Kurve zum Lob -, dass es diese bislang absolut unbekannte Oper überhaupt auf CD gibt und im Ganzen eben sehr ordentlich ausgeführt (und den Vergleich mit der Berliner Aufführung haben ja auch nicht viele), ist schon ein Grund zur Freude. Geerd Heinsen

Pierre-Louis Dietsch: Le vaisseau fantôme mit Russsell Braun/Troil, Sally Matthews/Minna, Bernard Richter/Magnus, Ugo Rabec/Barlow, Eric cutler/Eric, Mika Kares/Scriften; Eesti Filhamoonia Kammerkoor/Hell Jürgensen; Les Musiciens Du Louvre; Dirigent: Marc Minkowski, naive V5349 (gekoppelt mit Wagner: Der fliegende Holländer, 4 CD)

Eine vollständige Auflistung der bisherigen Beiträge findet sich auf dieser Serie hier.

Celibidache: frühe Jahre in Berlin

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Als Dirigent prägte Sergiu Celibidache das Musikleben der vom Krieg gezeichneten Metropole Berlin wie kaum ein anderer. Die überwiegend bislang unveröffentlichten Tondokumente dieser Edition zeichnen erstmals ein umfassendes Bild des Dirigenten aus den Jahren 1945 bis 1957. Intensive  Recherche förderte diese Zeitdokumente, die neue Eindrücke des legendären Dirigenten vermitteln, zu Tage. Anders als in Celibidaches späten elegisch-lyrischen Interpretationen zeigt er in diesen Aufnahmen eine jugendlich-ungestüme Seite. Aber auch seine weitere Entwicklung ist bereits hörbar angelegt, wie die Chopin-Aufnahme mit Raoul Koczalsky beispielhaft zeigt. Das Stampfen und Singen des Dirigenten in der unvollständigen Studioaufnahme von Beethovens Siebter hingegen belegt überdeutlich sein feurig-stürmisches Temperament. Diese Aufnahme liegt als Bonus-CD bei.

Die audite-Edition beruht ausschließlich auf zertifizierten Tondokumenten, d.h. Originalbändern, die heute im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und dem Deutschen Rundfunkarchiv Babelsberg (DRA) aufbewahrt werden. Nicht berücksichtigt wurden Fragmente und Bänder, deren technischer Zustand  keine Veröffentlichung zulässt, sowie nicht-lizensierte on-air-Kopien des Grauen Marktes (z.B. Schostakowitsch 7. Sinfonie). Ausführliche editorische Hinweise, auch zu teilweise fehlenden Takt- oder Satzteilen auf den Originalbändern, finden sich im Booklettext.

Zur Entstehungsgeschichte von Celibidaches frühen Berliner Rundfunkaufnahmen

Archiv Berliner Philharmoniker

Archiv Berliner Philharmoniker

Sergiu Celibidache hat in seinen Berliner Jahren bis 1954 mit drei Berliner Orchestern konzertiert und mit ihnen Studioproduktionen eingespielt. Die Geschichte der Entstehung dieser Aufnahmen und ihrer Überlieferung ist nicht ohne die politischen Wirren der Nachkriegsjahre denkbar. Während Celibidaches Zeit bei den Berliner Philharmonikern dank akribischer Recherchen gut dokumentiert ist, liegt sein Wirken im Ost-Berliner Sektor 1945 bis 1948 mangels zugänglicher Dokumente noch weitgehend im Dunkeln. Celibidache und das RIAS-Symphonie-Orchester bzw. Radio-Symphonie-Orchester Berlin Am übersichtlichsten ist der Blick auf Celibidaches Zusammenarbeit mit dem RIAS Symphonie-Orchester, das ab Mitte 1956 als Radio-Symphonie-Orchester Berlin neu  gegründet wurde und seit 1993 den Namen Deutsches Symphonie-Orchester Berlin trägt. Nur drei Konzertprogramme hat er mit diesem Orchester realisiert. Das erste Konzert vom 17., 18. und 20. Oktober 1948, ein reines GershwinProgramm, wurde vom RIAS übertragen. Der Mitschnitt der  Rhapsody in Blue ist erhalten [audite 21.406]. Vom zweiten Konzert im März 1949, ebenfalls vom RIAS gesendet, wurden die Bänder schon bald darauf gelöscht. Doch das dritte Konzert, das Festkonzert zu Heinz Tiessens 70. Geburtstag am 7.10.1957, wurde sowohl vom RIAS als auch vom Sender Freies Berlin (SFB) übertragen. Die drei Werke von Tiessen sind ebenfalls in der erwähnten audite-Edition veröffentlicht, ein Sonderfall hingegen ist der Mitschnitt von Beethovens Siebter Symphonie. Celibidaches überdeutliches Mitsingen, Stampfen und Schreien haben sicherlich dazu geführt, dass das Originalband des RIAS in den 1960er Jahren gelöscht wurde. (Was uns heute unverständlich erscheinen mag, sollte nicht zu streng beurteilt werden, denn damals spielte der dokumentarische Aspekt einer solchen Aufnahme keine große Rolle, im Gegensatz zum Gebrauchswert für den täglichen Sende einsatz). Zum Glück ist aber ein Fragment des SFB-Bandes überliefert, welches hier zum ersten Mal veröffentlicht wird.Celibidache und das Rundfs Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin war damals (bis Anfang der 1950er Jahre) beheimatet im Haus des Rundfunks in der Charlottenburger Masurenallee, dem Standort des Berliner Rundfunks. Der unter der Kontrolle der sowjetischen Militäradministration stehende Sender wurde 1949 der erste Radiosender der DDR. Erst im Herbst 1952 zog er in den neu errichteten Standort in der Nalepastraße im Ost-Berliner Stadtteil Oberschöneweide. Etwa ein Dutzend Aufnahmen Celibi daches mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin haben die Zeiten überdauert, neun davon sind in dieser Edition enthalten. Bei dem Rest handelt es sich um einzelne Sätze aus größeren Werken, bzw. um Aufnahmen, die wegen mangelnder technischer Qualität nicht für eine Veröffentlichung geeignet erschienen. Nicht alle Bänder sind datiert, doch ist zu vermuten, dass es sich durchweg um Produktionen im Haus des Rundfunks handelt, die zwischen Juli und Oktober 1945 entstanden sind. Nur das zweite Klavierkonzert von Chopin mit Raoul Koczalski ist drei Jahre später eingespielt worden.

Nach der Wende wurde der gesamte Bestand an Tondokumenten der DDR-Rundfunkanstalten, darunter auch diese Produktionen Celibidaches mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Teil des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA) mit Sitz in Babels berg. Für eine mehrteilige Sendereihe Anfang  der 1990er Jahre kamen Kopien dieser Bänder zum SFB, die im heutigen rbb aufbewahrt werden. (Für diese Edition wurde immer auf die Originalbänder des DRA zurückgegriffen).

Celibidache und die Berliner Philharmoniker

Ab Ende August 1945 leitete Celibidache Konzerte der Berliner Philharmoniker und wurde bereits am 1. Dezember des Jahres zum Künstlerischen Leiter des Orchesters berufen. In den darauffolgenden Jahren, insbesondere 1946 und 1947, stand er in den allermeisten Konzerten der Berliner Philharmoniker am Pult. Viele der damaligen Konzertprogramme wurden mindestens zwei Mal gespielt, einmal im Westsektor der Stadt, zum Beispiel im Steglitzer Titania-Palast, und tags darauf im Ostsektor, häufi g im Haus des Rundfunks oder im Admiralspalast. Da der (Westberliner) Sender RIAS einen eigenen Klangkörper aufbaute, das RIAS-Symphonie-Orchester, konnte der (Ost-)Berliner Rundfunk die Berliner Philharmoniker zu Produktionen im Haus des Rundfunks verpfl ichten. Praktisch alle Aufnahmen der Berliner Philharmoniker in dieser Edition, die bis zum Sommer 1947 realisiert wurden, sind als Studioproduk tionen im Haus des Rundfunks entstanden. Das Ziel war die Bildung eines Programmvermögens für Sendezwecke.

Diese Situation änderte sich grundlegend im folgenden Jahr 1948. Die Spannung zwischen den politischen Blöcken eskalierte und führte zur Berlin-Blockade, mit der am 24. Juni 1948 der Westteil der Stadt abgeriegelt und von den amerikanischen Verbündeten über die Luftbrücke versorgt wurde. Den Berliner Philharmonikern wurde von der amerikanischen Militärregierung fortan untersagt, in Veranstaltungen des Berliner Rundfunks mitzuwirken und im Ostsektor der Stadt aufzutreten. Die Konzerte der Berliner Philharmoniker wurden nun vom RIAS übertragen (die Celibidache-Einspielungen der RIAS-Edition [audite 21.406] beginnen im Oktober 1948). Zusätzlich zum RIAS war im August 1946 am Heidelberger Platz in Berlin-Wilmersdorf der NWDR Berlin auf Sendung gegangen. Der NWDR, der später in die zwei Landesrundfunkanstalten WDR und NDR aufgeteilt wurde, nutzte das Berliner Studio für Berichte aus Berlin und aus der ‘Zone’. Mindestens einmal noch ging Celibidache nach Ostberlin für die Produktion von Chopins zweitem Klavierkonzert mit Raoul Koczalski und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin am 25. September 1948. Sämtliche erhaltenen und in vorliegender Edition dokumentierten Aufnahmen Celibidaches mit den Berliner Philharmonikern aus den Jahren 1948 bis 1950 sind Studioproduktionen des NWDR Berlin aus der Dahlemer Jesus-Christus-Kirche. Zum Teil wurden komplette Konzertprogramme nachproduziert, etwa das amerikanische Programm vom 4.4.1950 (Barber, Copland, Diamond und Piston) oder das Konzert vom 7.12.1950 (Chávez, Genzmer und Raphael). Aus heutiger (und aus ökonomischer) Sicht höchst erstaunlich ist die Tatsache, dass das Konzertprogramm vom 7. Dezember einen Tag später, am 8. Dezember in der Jesus-Christus-Kirche vom NWDR produziert wurde, und noch einmal am 9. Dezember vom RIAS, wiederum in der Jesus-Christus-Kirche!In den Jahren 1951 und 1953 ging der NWDR für Produktionen mit seinem Aufnahmestab in den Gemeindesaal Thielallee in Berlin-Zehlendorf, vielleicht weil der RIAS und die Deutsche Grammophon sich die Produktionstermine in der JesusChristus-Kirche teilten, und der NWDR sich daher einen Ausweichort suchen musste. Ende 1954 wurde der NWDR Berlin eingestellt und in den neu gegründeten SFB, den Sender Freies Berlin, überführt. Nach 1953 haben die Berliner Philharmoniker, auf Initiative ihres neuen Chefdirigenten Herbert von Karajan, nur noch Schallplatten und CDs eingespielt, aber – mit ganz wenigen Ausnahmen – keine Rundfunkproduktionen mehr. (Live-Konzerte der Berliner Philharmoniker werden bis heute im Rundfunk übertragen). (Mit Dank an Sabine Wiedemann/audite, die auch die seltenen Fotos aus dem Bestand der Berliner Philharmoniker ermöglichte)

Celibidache: The Berlin Recordings (1945 – 1947) – Berliner Philharmoniker, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Radio-Symphonie-Orchester Berlin, Sergiu Celibidache, Dirigent
(12 CD-Box + Bonus-CD  aud. 21423)

Archiv Berliner Philharmoniker

Archiv Berliner Philharmoniker

Vielleicht ist dies der geeignete Ort, an eine DVD von „Celi“ zu erinnern, die kürzlich bei Arthaus herauskam: Celibidache dirigiert Bruckners Messe in f-Moll in St. Florian mit seinem späteren Stammorchester, den Münchner Philharmonikern. Es singen zudem Margaret Price und Doris Soffel, Peter Straka, Matthias Hölle und Hans Sotin neben dem Münchner Philharmonischen Chor – das Ganze von 1993. Angehängt ist als Bonus ein Kuriosum: Celibidaches Besuch in Moskau anlässlich einer Staatsbesuches mit den Müncher Philharmonikern, ein seltenes Dokument. Bruckner ist ein Film von Jan Schmidt-Garé für das Fernsehen. (101678) G. H.

Noch ein Opernmagazin?

Hallo und guten Tag,

„Noch ein Opernmagazin? Und dann noch online – nee, wirklich!“ Ich hör’s richtig, wie es in Kollegen- und Leserkreisen raunt. Warum also ein weiteres neues? Ah – da liegt der ganze Unterschied (um die Marschallin zu zitieren). Operalounge.de soll Lust machen und Lust vermitteln. Operalounge.de will Spaß machen, will anregen, will Wissenswertes neben Individuellem, Originelles neben Seriösem bieten, will verstärkt das Gewicht auf das Historische legen ohne altbacken zu sein. Operalounge.de will erklärtermaßen auch ein Anwalt des Vergessenen sein, will den Blick auf die heutige Musikszene durch Vergleich mit dem Vergangenem schärfen und sternschnuppenartigen Events etwas Bleibendes (und auch Bewährtes) entgegensetzen, ohne in tümelnden Konservativismus zu verfallen.

Operalounge.de ist nicht an Werbung gebunden, weil es eben ein Magazin ohne finanzielle Absichten ist. Bei Operalounge.de finden Sie die hochpersönliche Meinung von vielen verschiedenen Autoren, die Oper und Musik als ihren Lebensinhalt betrachten und damit (aber nicht davon) leben.

Entstanden ist der Gedanke an ein professionelles „anderes“ kritisches, auch verrücktes, bizarres, ungewöhnliches Magazin, als ich mich nach jahrzehntelanger Tätigkeit als Chefredakteur der Ende 2012 eingestellten Musikzeitschrift orpheus fragte, ob ich nun den noch beträchtlichen Rest meines Lebens in Partnerschaft Marmelade rühren sollte (dieses Jahr waren’s Aprikosen)? Oder ob ich noch einmal – aber nicht unter den drückenden kommerziellen Zwängen – meiner Liebe zu Sängern, Oper, Büchern und eben Musik folgen und andere an meinen Leidenschaften/Interessen/Erlebnissen/Erfahrungen teilhaben lassen sollte/wollte?

Die vielen eindrücklichen Begegnungen mit herausragenden Sängerpersönlichkeiten, die wunderbaren und im Nachhinein fast mythischen Aufführungen, die ich erleben konnte (ich vergesse nie den Beginn der Rossini-Renaissance in Pesaro 1985/86 oder die französischen Serien in Paris unter Bogianchino) haben doch so tiefe Spuren hinterlassen, dass ich die Lust, die ich empfand und empfing, weitergeben möchte, eben Menschen weiterhin begeistern will, sie anstoßen möchte, mit mir und meiner wunderbaren Crew noch einmal auf eine Reise in dieses magische Land der akustisch-optischen Genüsse mitzukommen.

Und einen wirklich fabelhaften Redaktions-Kollegen vom Fach habe ich mit Rüdiger Winter (ebenfalls Journalist und ehemals von der Berliner Morgenpost) gewonnen; dazu den in Sachen Korrektur und Übersicht unersetzlichen (ehemaligen und nun neuen) Kollegen Bernd Hoppe. Den professionellen Anspruch garantieren optisch die kreativen vier jungen Webdesigner, die uns diese Website gebaut haben – Raoul, Jens, Jonathan und Olaf aus der Ritterstrasse in Kreuzberg (Verein der Gestaltung e. V), die von uns älteren Herren vielleicht anfangs etwas amüsiert  waren und dann mit vollem Elan das in die gegenwärtige Erscheinungsform übersetzt haben, was uns nur vage im Kopf herumschwirrte. Der Umgang mit ihnen hat mir und uns eine ganz neue Welt der Ästhetik und Kommunikation geöffnet, und ich danke ihnen für ihre Güte und Geduld. Zudem gilt mein Dank Kevin Clarke – ohne seinen Enthusiasmus und seine Kentnisse wären wir über die Anfänge nicht hinausgekommen. Mit dabei sind nun auch meine bewährten „Säulen“ Ingrid Wanja, Julia Poser, Rolf Fath sowie manche andere. Es sollen weitere dazu kommen, wir sind ja erst am Anfang.

Mit Operalounge.de setze ich auch meinen Eltern ein kleines Denkmal, meiner wunderbaren, klugen Mutter und meinem großzügigen, liebevollen Stiefvater, ohne die ich wohl nie dahin gekommen wäre, wo ich heute bin. Sie beide würden mir – lebten sie noch – liebevoll und aufmunternd zulächeln. Ohne sie wär´s nix, da bin ich mir sicher!

Nach diesem kleinen sentimentalen Ausflug freuen wir uns als Macher, Sie zu unterhalten, zu fordern, zu testen, anzuregen, zu irritieren (ganz gewiss) und zu informieren. Machen Sie mit – Operalounge.de kostet nichts und macht ganz sicher Spaß, uns zumindest sehr und jetzt schon. Schreiben Sie uns – wir zählen auf Sie! Auch auf Ihre Meinung!

Geerd Heinsen

Berlin, im September 2013

Was für eine tolle Stimme

 

Vor allem den Besuchern des Rossini Festivals in Bad Wildbad ist der amerikanische Tenor Michael Spyres kein Unbekannter. Seine Auftritte dort in La gazzetta, Le siège de Corinthe, Otello wurden von Naxos auch live mitgeschnitten (wie auch der neue Guillaume Tell von 2013) und geben allen Opernfreunden Gelegenheit, die charmante und leistungsfähige Stimme zu hören. Nun hat der Sänger beim Label Delos ein Recital (DE 3414) vorgelegt, das zwar den etwas seltsamen Titel A Fool For Love trägt, aber durch die Programmauswahl verblüfft.

Der Tenor singt in nicht weniger als fünf Sprachen und bewegt sich dabei auf unterschiedlichem stilistischem Terrain.

Von den hohen, koloraturgespickten Belcantoarien Rossinis und Donizettis über Mozarts Don Ottavio und Strauss’ Italienischem Sänger aus dem Rosenkavalier reicht der Bogen bis zum französischen Repertoire (Nadir aus den Pêcheurs de perles und Werther), einem Ausflug ins russische Fach und klassischen italienischen Rollen (Duca/ Rigoletto, Rodolfo/La bohème). Mit dem Lamento des Federico aus Cileas L’Arlesiana wird sogar der Verismo gestreift, mit dem Tom Rakewell aus Stravinskys The Rake’s Progress ein Beispiel aus der neoklassischen Periode des Komponisten vorgestellt und mit der Zugabe – „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Lehárs Das Land des Lächelns – noch ein Operettenbonbon serviert.

Diese weite Spanne ist natürlich verblüffend, aber noch mehr in Erstaunen und Bewunderung versetzt den Zuhörer der Umstand, dass der Solist sich in seinen Interpretationen auf allen Gebieten absolut kompetent bewegt.

Verglichen mit der Stimme seines Konkurrenten Juan Diego Flórez (zumindest was das Belcanto-Repertoire betrifft), ist die seine weniger metallisch, dafür weicher, runder, sinnlicher und in der Mittellage farbiger. Dennoch sind seine Spitzentöne bei Tonios „Ah! mes amis“ aus Donizettis Fille du régiment und Almavivas (oft gestrichener) dritter Arie „Cessa di più resistere“ aus dem Barbiere nicht weniger effektvoll als die seines peruanischen Kollegen. Was aber die idiomatische Sicherheit bei Mozart, Tschaikowsky und den Franzosen betrifft, so ist er diesem weit überlegen. Und seine reicheren stimmlichen Möglichkeiten in der Mittellage ermöglichen ihm eben auch Puccinis Rodolfo oder Massenets Werther. Dies ist ein wirklich bemerkenswertes Porträt, das auf die weitere Entwicklung des Sängers gespannt macht. Zuverlässig begleitet wird er vom Moscow Chamber Orchestra of the Pavel Slobodkin Center for the Arts unter Leitung von Constantin Obelian.
Bernd Hoppe