Giuseppe Verdi

Klimawandel in Spanien

  Leise rieselt der Schnee- aber nicht aufs Café Momus oder die Vorbereitungen zum Duell Onegin-Lenski, sondern auf Manrico und Azucena, die dem nahenden Tod ins Auge sehen. Mit einem Übermaß an Requisiten ist in der Londoner Trovatore–Produktion die Bühne zugemüllt, als habe ein Blinder und zudem Opernunkundiger in den Sack mit Ingredienzien für Regietheater […]

Verdi im Boxring

  Verdis 1855 uraufgeführte Vêpres siciliennes waren eine schwierige Geburt. Der Komponist, der sich nach Jérusalem (1847) große Hoffnung auf seine zweite Oper für Paris gemacht hatte, war mit dem Libretto unzufrieden, fühlte sich von Eugène Scribe (bzw. seinen nègres) schlecht behandelt und schimpfte nicht wenig über die Arbeitsbedingungen, zumal er schnell schreiben musste. Dann […]

Grandiose Umsetzung

  Verdi und Shakespeare – das ist eine Geschichte, die wohl schon Ende der 1830er-Jahre begann, als die erste vollständige  Übersetzung dessen theatralischer Werke in Padua erschien, und die den Komponisten nie losließ. Denn neben den beiden sein Œuvre  abschließenden Alterswerken Otello und Falstaff beschäftigte er sich auch einige Jahre lang mit  King Lear. Dass […]

Tolle Lady, müder König

  In der genialen, unvergesslichen Peter-Mussbach-Inszenierung von Verdis Macbeth aus dem Jahre 2000 hatte Plácido Domingo 2015 im Schiller Theater bereits die Titelrolle gesungen und sich danach kritisch über diese Produktion geäußert. Nun ließ die Staatsoper im Hause Unter den Linden das Werk von Regie-Altmeister Harry Kupfer für die Sängerlegende neu inszenieren. Die Premiere am 17. […]

Im Zickzack

  Der vielbekrittelten Verzetteltheit von Zeit und Ort der Handlung in La forza del destino ist das Team der neuen Zürcher Produktion beherzt zu Leibe gerückt. Die Bühne von Hartmut Meyer bietet nicht lediglich ein Einheitsbühnenbild, sondern auch einen einheitlichen, abstrakten Spielort. Bilder und Akte können so nahtlos ineinander übergehen, was der inszenierende Intendant Andreas […]

Stimmungsvoll

  Simon Boccanegra am Théâtre Municipal de Lausanne fängt gut an. Ich sehe im Hintergrund das Meer, den Himmel, davor Schienen und auf den Seiten je einen von vorn nach hinten verlaufenden Steg vor Mauern mit Durchgängen. Von diesen Mauern können andere Stege parallel zum Bühnenrand wie Zugbrücken auf den Schienenboden heruntergelassen werden.  Zur Hafenstadt Genova passt das doch, sieht […]

Virile Sinnlichkeit

  Mit großer Spannung war das Rollendebüt von Jonas Kaufmann als Titelheld in Verdis Otello erwartet worden. Der Startenor hatte für diesen wichtigen Schritt in seiner Karriere das Royal Opera House Covent Garden gewählt  – wegen Antonio Pappano, wie er in einem Interview, das als Bonus der DVD-Ausgabe von Sony beigefügt ist, selbst bekundet. Der […]

Toll dirigiert

  Luisa Miller aus München: Völlig zu Unrecht eine der weniger bekannten Opern Giuseppe Verdis ist Luisa Miller nach Schillers Kabale und Liebe, dank der österreichischen Zensur aus einem deutschen Fürstentum in die Tiroler Berge verlegt und aus dem Musikus Miller einen alten Soldaten und aus der Fürstenmaitresse Lady Milford die respektable Witwe Federica machend. […]

Zwischen Politik und Vaterliebe

  „I due Foscari“ heißt das Hotel im Verdi-Städtchen Busseto, direkt neben dem Teatro Verdi und der markanten Statue des Komponisten gelegen, heute im Besitz von Marco Bergonzi. Als wir vor ein paar Jahren  im dazugehörigen Restaurant einkehrten, lebte sein Vater Carlo noch, nach dem heute die vor dem Hotel liegende Piazza benannt ist. In […]

Zombie-Fasching aus der Mülltüte

  Ja, auch die größten Künstler haben ihre laufenden Rechnungen zu begleichen; und bei Giuseppe Verdi kam Ende 1853 der lukrative Auftrag der „Grande Boutique“, wie der Maestro die Pariser Opéra gerne süffisant betitelt hat, für eine neue abendfüllende Oper zur Aufbesserung der Haushaltskasse gerade recht. Ein Zweckbündnis, der Schornstein musste rauchen und der Lappen hochgehen. Als Libretto […]

Mutter immer dabei

  Verdis Simon Boccanegra hat Philipp Himmelmann an der Opéra de Dijon fein inszeniert, in modernen Kostümen, aber sonst sehr eng am Libretto mit ein paar klugen Zusätzen: So ist Amelia/Marias Mutter, Fiescos Tochter, nicht einfach gestorben, sondern hat sich aufgehängt – zu Beginn und zum Schlussbild sieht man sie im Hintergrund, dazwischen immer wieder […]

Huren, Müll und feine Leute

  Die diesjährige Neuproduktion der Staatsoper Unter den Linden im Rahmen ihrer Oster-Festtage war dem renommierten italienischen Regisseur Mario Martone anvertraut worden, der zuletzt mit seiner Inszenierung des Andrea Chénier zur Scala-Eröffnung hervorgetreten war. In Berlin widmete er sich Verdis Alterswerk Falstaff und erzielte mit seiner munteren Lesart beim Premierenpublikum am 25. 3. 2018 einen […]

Voilà un vrai festival!

  Ich muss – gewiss zur Entrüstung der meisten Verdi- oder gar Opernliebhaber/-innen – zugeben, dass ich immer schon meine Schwierigkeiten mit Macbeth hatte. Wäre ich ein polemischer Mensch, könnte ich mich zur Behauptung versteigen, die erste Fassung werde Shakespeare, die zweite Verdi nicht gerecht. Die heute meist gespielte zweite fällt für mein Empfinden stilistisch […]

Frauenpower

  Seit 2010 bereichert die Berliner Operngruppe e.V. einmal jährlich das Musikleben der Hauptstadt um die halbszenische Aufführung einer Opernrarität – zumeist aus dem Belcanto-Repertoire oder dem Komplex der Frühwerke Verdis. Der Gründer und künstlerische Leiter des Unternehmens Felix Krieger garantiert seit Jahren ein hohes Besetzungsniveau, was Berlins Opernfreunde mit wachem Interesse und begeisterter Zustimmung […]

Die Alten lassen nicht los

  Mit dem Chorruf „Si ridesti il leon di Castiglia“ wollte Verdi an den Erfolg der Chornummern im Nabucco und den Lombardi anknüpfen, gleichzeitig einen Gruß des purpurfarbenen Löwen der Könige von Kastilien an den Markuslöwen, das Wahrzeichen Venedigs, senden. Für seine fünfte Oper verließ Verdi erstmals die Mailänder Scala, die ihn bisher so gut […]