Giuseppe Verdi

Virile Sinnlichkeit

  Mit großer Spannung war das Rollendebüt von Jonas Kaufmann als Titelheld in Verdis Otello erwartet worden. Der Startenor hatte für diesen wichtigen Schritt in seiner Karriere das Royal Opera House Covent Garden gewählt  – wegen Antonio Pappano, wie er in einem Interview, das als Bonus der DVD-Ausgabe von Sony beigefügt ist, selbst bekundet. Der […]

Toll dirigiert

  Luisa Miller aus München: Völlig zu Unrecht eine der weniger bekannten Opern Giuseppe Verdis ist Luisa Miller nach Schillers Kabale und Liebe, dank der österreichischen Zensur aus einem deutschen Fürstentum in die Tiroler Berge verlegt und aus dem Musikus Miller einen alten Soldaten und aus der Fürstenmaitresse Lady Milford die respektable Witwe Federica machend. […]

Zwischen Politik und Vaterliebe

  „I due Foscari“ heißt das Hotel im Verdi-Städtchen Busseto, direkt neben dem Teatro Verdi und der markanten Statue des Komponisten gelegen, heute im Besitz von Marco Bergonzi. Als wir vor ein paar Jahren  im dazugehörigen Restaurant einkehrten, lebte sein Vater Carlo noch, nach dem heute die vor dem Hotel liegende Piazza benannt ist. In […]

Zombie-Fasching aus der Mülltüte

  Ja, auch die größten Künstler haben ihre laufenden Rechnungen zu begleichen; und bei Giuseppe Verdi kam Ende 1853 der lukrative Auftrag der „Grande Boutique“, wie der Maestro die Pariser Opéra gerne süffisant betitelt hat, für eine neue abendfüllende Oper zur Aufbesserung der Haushaltskasse gerade recht. Ein Zweckbündnis, der Schornstein musste rauchen und der Lappen hochgehen. Als Libretto […]

Mutter immer dabei

  Verdis Simon Boccanegra hat Philipp Himmelmann an der Opéra de Dijon fein inszeniert, in modernen Kostümen, aber sonst sehr eng am Libretto mit ein paar klugen Zusätzen: So ist Amelia/Marias Mutter, Fiescos Tochter, nicht einfach gestorben, sondern hat sich aufgehängt – zu Beginn und zum Schlussbild sieht man sie im Hintergrund, dazwischen immer wieder […]

Huren, Müll und feine Leute

  Die diesjährige Neuproduktion der Staatsoper Unter den Linden im Rahmen ihrer Oster-Festtage war dem renommierten italienischen Regisseur Mario Martone anvertraut worden, der zuletzt mit seiner Inszenierung des Andrea Chénier zur Scala-Eröffnung hervorgetreten war. In Berlin widmete er sich Verdis Alterswerk Falstaff und erzielte mit seiner munteren Lesart beim Premierenpublikum am 25. 3. 2018 einen […]

Voilà un vrai festival!

  Ich muss – gewiss zur Entrüstung der meisten Verdi- oder gar Opernliebhaber/-innen – zugeben, dass ich immer schon meine Schwierigkeiten mit Macbeth hatte. Wäre ich ein polemischer Mensch, könnte ich mich zur Behauptung versteigen, die erste Fassung werde Shakespeare, die zweite Verdi nicht gerecht. Die heute meist gespielte zweite fällt für mein Empfinden stilistisch […]

Frauenpower

  Seit 2010 bereichert die Berliner Operngruppe e.V. einmal jährlich das Musikleben der Hauptstadt um die halbszenische Aufführung einer Opernrarität – zumeist aus dem Belcanto-Repertoire oder dem Komplex der Frühwerke Verdis. Der Gründer und künstlerische Leiter des Unternehmens Felix Krieger garantiert seit Jahren ein hohes Besetzungsniveau, was Berlins Opernfreunde mit wachem Interesse und begeisterter Zustimmung […]

Die Alten lassen nicht los

  Mit dem Chorruf „Si ridesti il leon di Castiglia“ wollte Verdi an den Erfolg der Chornummern im Nabucco und den Lombardi anknüpfen, gleichzeitig einen Gruß des purpurfarbenen Löwen der Könige von Kastilien an den Markuslöwen, das Wahrzeichen Venedigs, senden. Für seine fünfte Oper verließ Verdi erstmals die Mailänder Scala, die ihn bisher so gut […]

Gefeierter Ludovic Tézier

  Kürzlich war er – Bariton Ludovic Tézier – in Paris der aufopferungsvolle Freund des Enkels Carlos, auf der Arthaus-DVD von 2014 aus Monte-Carlo ist er der Großvater selbst: Karl V. in dessen Reich die Sonne nicht unterging, in Verdis Frühwerk Ernani und unbestrittener Publikumsliebling im kleinen Saal, obwohl Szenenbeifall offensichtlich der Aufnahme wegen untersagt […]

Zu Pferd und zu Fuss

  Wohl ein großer auch Publikumserfolg muss Mozarts Davide Penitente mit Pferdeballett in der Felsenreitschule gewesen sein, so dass man 2017 gleich eine Neuauflage mit des Komponisten Requiem, wieder aufgeführt von Marc Minkowski und  Les Musiciens du Louvre sowie der Académie équestre nationale du domaine de Versailles, wagte und damit des Dirigenten doppelter Leidenschaft, nämlich […]

Blutstränen

  Sein Rollendebüt als Tenorheld in Verdis Oper Un ballo in maschera gab Piotr Beczala 2008 an der Berliner Staatsoper – ein wohl zu früher Zeitpunkt für diese fordernde Aufgabe. Eine deutliche Steigerung in seiner Interpretation der Partie konnte man 2016 an der Wiener Staatsoper und an der Bayerischen Staatsoper München wahrnehmen (auch auf DVD nachzuhören). […]