Giuseppe Verdi

Ferngesteuert

    Das war eine Premiere der besonderen Art, der schon allein durch die Tatsache, dass der Regisseur Kirill Serebrennikov seit August 2017 in Moskau unter Hausarrest steht und seine Inszenierung von Verdis Nabucco an der Hamburgischen Staatsoper nur mittels Videobotschaften realisieren konnte, mediale Aufmerksamkeit gesichert war. Die Regieanweisungen von Serebrennikov, der auch das Bühnenbild […]

Vom Winde verweht

  Wie Scarlett O’Hara verzehrt sich die Südstaaten-Beauty im weiten Reifrockkleid nach ihrem Geliebten. Da stimmt was nicht. Die schwarze Sopranistin Michelle Bradley kann unmöglich Scarlett sein. Praktischerweise stellt ihr Tobias Kratzer in einem Film das korrekte type-casting an der Rückwand gegenüber. Die weiße Schauspielerin Laura Tashina spielt darin die Tochter des Hauses, die schwarze […]

Würdige Saisoneröffnung

  Erstmals wurde eine Saison der Scala mit Verdis Attila eröffnet, zugleich erst die neunte Produktion des Stücks an diesem Haus – von 1867 bis 1975 war es vom Spielplan gänzlich abwesend gewesen. Die Neuproduktion zeichnet sich dafür (wie die letzten drei seit 1975) durch eine handverlesen erstklassige Besetzung aus – an der Première wie […]

Mehr geht nicht

  Auch zwei Regisseure, Moshe Leiser und Patrice Caurier,  reichen nicht aus, um aus Verdis Giovanna d’Arco ein stimmiges, mitreißendes Operndrama zu machen, dazu ist das Libretto einfach zu dümmlich. Zwar ist es bereits Friedrich von Schiller anzulasten, dass er, obwohl Geschichtsprofessor, der es besser wusste, die historische Wahrheit, den zweifelsfrei überlieferten Schluss, nämlich das […]

Il postino di Venezia

  Der Sturm kracht, wütet, tobt. Das Orchester entfaltet in voller Raserei die Elemente und ruft die Titanen herbei. Wir sind in München, an der Bayerischen Staatsoper, bei Giuseppe Verdi und Otello. Ganz klar. Was sehen wir? Auf jeden Fall schon mal keine von der Windmaschine synchron geschleuderten Mäntel und Frisuren und keine bemüht gebückten Chormassen… […]

Alagna & Gattin

  Verdis Oper Luisa Miller, sein melodramma tragico in drei Akten nach einem Werk von F. von Schiller „Luisa Miller“, das in sechs Wochen komponiert und am 8. Dezember 1849 am Teatro San Carlo Neapel uraufgeführt wurde – Österreich hat dieses von Mailand und Venedig „übernommen“ –  und das am Samstag, dem 15. Dezember 2018 […]

Star war der Dirigent

  Die Eröffnungspremiere der Stagione di Carnevale-Quaresima in Venedigs traditionsreichem Opernhaus La Fenice ist alljährlich ein Ereignis und hat Kultstatus. Die Schönen und/oder die Reichen geben sich ein Stelldichein. Und nicht selten hat man aus diesem Anlass spektakuläre Produktionen erlebt. In diesem Jahr durfte man auf Verdis Melodramma Macbeth gespannt sein, zumal kein Geringerer als […]

Dicht gearbeitete Inszenierung

  Die Aufführung von Don Carlo am Theater St. Gallen am 6.11. 2018 hatte für mich einen gewissen  biographischen Bezug: Meinen allerersten Don Carlo habe ich im selben Theater gesehen, vor fast genau 20 Jahren. Was für andere sicher irrelevant ist, aber es erinnerte mich wieder daran, dass wir uns in keine Vorstellung völlig ohne Voreinstellungen (wenn ich […]

Überfrachtet

  Ob die beiden die Titelfigur umwieselnden Tänzerinnen Kunst oder Kitsch sind, darüber lässt sich streiten, nicht aber darüber, dass die in immer schneller werdendem Tempo zwischen ihre Schlussarie eingestreuten Aufnahmen von Flüchtlingskindern übelster Agitprop sind, der mit dem Werk absolut nichts zu tun hat. Schon Verdi ist mit Schillers Die Jungfrau von Orleans rücksichtslos […]

Festival Verdi Parma 2018

  Vor dem Palazzo Pallavicino tanzt die jugendliche Balletttruppe zu Musik aus La traviata und Otello. Der örtliche Fanfarenzug bezieht auf der Piazza Verdi Stellung. Es ist wieder Festspielzeit, wenn Busseto, das sich unter dem Motto Verdi l’italiano bereits seit Monaten um den Komponisten, Dichter und Patrioten gekümmert hatte, wie es das denn rund ums […]

Klimawandel in Spanien

  Leise rieselt der Schnee- aber nicht aufs Café Momus oder die Vorbereitungen zum Duell Onegin-Lenski, sondern auf Manrico und Azucena, die dem nahenden Tod ins Auge sehen. Mit einem Übermaß an Requisiten ist in der Londoner Trovatore–Produktion die Bühne zugemüllt, als habe ein Blinder und zudem Opernunkundiger in den Sack mit Ingredienzien für Regietheater […]

Verdi im Boxring

  Verdis 1855 uraufgeführte Vêpres siciliennes waren eine schwierige Geburt. Der Komponist, der sich nach Jérusalem (1847) große Hoffnung auf seine zweite Oper für Paris gemacht hatte, war mit dem Libretto unzufrieden, fühlte sich von Eugène Scribe (bzw. seinen nègres) schlecht behandelt und schimpfte nicht wenig über die Arbeitsbedingungen, zumal er schnell schreiben musste. Dann […]

Grandiose Umsetzung

  Verdi und Shakespeare – das ist eine Geschichte, die wohl schon Ende der 1830er-Jahre begann, als die erste vollständige  Übersetzung dessen theatralischer Werke in Padua erschien, und die den Komponisten nie losließ. Denn neben den beiden sein Œuvre  abschließenden Alterswerken Otello und Falstaff beschäftigte er sich auch einige Jahre lang mit  King Lear. Dass […]