Bongiovanni

Sonnenaufgang über Livorno

  Zumindest die von den Faschisten misbrauchte Chornummer „ L‘Inno al Sole“ und die Tenorarie „April la tua finestra“ haben, wenn auch weniger in deutschen Landen, aus Mascagnis Oper Iris in Wunschkonzerten überlebt, während andere Opern des Livornesen gänzlich dem Vergessen anheimgefallen sind. Aus seiner Geburtsstadt Livorno stammt die Aufnahme aus dem Jahr 2017, deren […]

Flügellahme Motte

  Soll man sich mehr darüber freuen, dass Bongiovanni die konzertante Aufführung einer sonst nie zu hörenden Oper aufgezeichnet und veröffentlicht hat, oder muss man deprimiert darüber sein, wie aufgeraut und brüchig mittlerweilen der Sopran von Denia Mazzola Gavazzeni ist, die die Titelpartie von Antonio Smareglias dreiaktiger Oper La Falena (Der Nachtfalter) singt? Zumindest den berühmten Namen trägt die […]

Stimmakrobatik

  Einen gutgelaunten Herrn mit dem Rasiermesser im Anschlag sieht man neben einem weit weniger amüsierten Individuum mit eingeseifter unterer Gesichtsregion auf dem Cover von Nicola Alaimos Bongiovanni-CD mit dem Titel Largo al factotum und begreift sofort: Hier geht es um einen Sänger, der zwar nicht gleichzeitig, aber doch in einem überschaubaren Zeitraum unterschiedliche Rollen aus […]

Veristisches nach Maeterlinck

  Ein Gang durch Oberitaliens kleine Städte wie Lucca oder Savona bringt in Architektur und Kunst vor allem die Jahrhundertwende um 1900 zu Bewusstsein. Die eleganten Promenaden, die herrlichen Cafés im Jugendstil, die lichtdurchfluteten Passagen voller großbürgerlicher Geschäfte mit ihren farbenfrohen Auslagen, die schmiedeeisernen Dekorationen an den Häusern, der Bögen und Portale der frivolen Karyatiden […]

Eine italienische „Entführung“ von 1838

  Meisterwerke zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie eigentlich unantastbar sind. Wird z.B. ein Buch oder ein Musikstück in diesen Kanon der Unsterblichkeit aufgenommen, ist es meist mehr als schwierig, Verkrustungen (z.B. in Form von Zusätzen oder Kürzungen), die durch die Tradition entstehen, zu entfernen. Gegen die Trägheit der Praxis scheitert meistens auch die […]

Opernhaft-Seltenes

Wie wenige kennen heute noch Musik von Saverio Mercadante (1795-1870). Als Konzertkomponist hat nur das Flötenkonzert in e-Moll eine gewisse Popularität behalten. Mit seinen Opern (ca 60 finden sich im Werkverzeichnis) war Mercadante zu seiner Zeit schnell erfolgreich, seine 1821 in der Mailänder Scala aufgeführte Oper Elisa e Claudio kam innerhalb eines Jahres 58 mal […]

Eine katholische Oper

Laut Arturo Toscanini hätte Licinio Refice (1883-1954) der größte Opernkomponist seiner Zeit sein können, wenn er nicht den Talar gewählt hätte: «Refice sarebbe il più grande operista del nostro tempo se non fosse per quella tonaca», schreibt er, der sich sehr für die Komponisten seiner Zeit einsetzte. Der Priester Don Refice bewies seine musikalischen Fähigkeiten […]

Jugend übt sich

Im 18. Jahrhundert war die Olympiade noch nicht wieder zum Sportereignis geworden, sondern erlebte auf der Opernbühne ihre Rückkehr. Pietro Metastasios berühmtes Opernlibretto soll ca. 60 mal vertont worden sein, zuerst 1733 von Caldera, in der Folge u.a. von Vivaldi (1734), Pergolesi (1735), Hasse (1756), Jommelli (1761), Cimarosa (1784), sogar Donizetti erwog 1817 noch eine […]

Frühe Meisterwerke

Francesco Cavalli – der bedeutendste venezianische Komponist in der Mitte des 17. Jahrhunderts und Schüler Monteverdis – schuf ca. 30 seiner 42 Opern für Venedig. Die seit 1637 bestehende venezianische Oper – das Teatro San Cassiano – war nicht höfisch, sondern kommerziell. Jedermann konnte gegen Eintrittsgeld das Spektakel besuchen. Es ging ums Geld – das […]

Belcanto-Panorama

Nicht gedacht hätte man, dass es das noch gibt: eine Möchtegernprimadonna (denn die Stimme ist eher, was der Italiener mediocre nennt), die mit allen pathetischen Gesten der Verzweiflung, der Wut, des Hasses und der Leidenschaft, die vielleicht in einem Handbuch für Opernsänger vor mehr als hundert Jahren, falls es ein solches gab, als bühnen- und […]

Leidenschaften am Rhein

Im November (29.) 2014 gab es – wohlverdient, wenngleich vielleicht als Werk etwas wenig schwungvoll und zudem natürlich nicht erstmals in der Moderne vorgeführt, sondern bereits 1984 in Oberhausen gehört/gesehen – im Münchner Prinzregententheater Die Loreley von Max Bruch, Mendelssohn-verhaftet und spätromantisch-deutsch. Die Aufführung in der Übertragung vom Bayerischen Rundfunk wird auf CD herauskommen. Das […]

Denkmal für einen Patrioten

Mit Nationalhymnen ist es so eine Sache. Sports- und Fußballfans werden manche dieser Melodien von bedeutenden Meisterschaften her kennen, aber kaum wissen, wer die Texte verfasst hat. Das dürfte auch für Italiens „Fratelli d’ Italia“, auch „Inno di Mameli“ genannt,  gelten. Musikfreunde können nun mit Wissen punkten, wenn sie Ruggero Leoncavallos Oper Mameli, die gerade […]

Robust und werkgerecht

Im Katalog von Bongiovanni, dem italienischen Label, das sich seit jeher auf Mitschnitte seltenen Opernrepertoires spezialisiert hat, gibt es einen Einakter des Mascagni-Schülers und -Protegés Primo Riccitelli (1875-1941) zu entdecken: I Compagnacci (Bongiovanni GB 2273-2). Riccitelli, dessen Ruhm zeitlich beschränkt war und dessen Leben zwischen „Armut und Hoffnung“, wie es im informativen Booklettext heißt, stellvertretend […]

Eine italienische Sopranistin von Format

  Nicht eben zahlreich sind die Tondokumente von Donizettis Gemma di Vergy, deren Titelpartie in den 1970er Jahren ein cavallo di battaglia von Montserrat Caballé war. Alle drei existierenden Live-Aufnahmen dieser tragedia lirica sind mit der katalanischen Sopranistin besetzt (um nicht zu sagen: okkupiert), die diese Partie im Schwierigkeitsgrad noch über die Norma stellte. Nun […]