Oper

La voce del melodramma

Ebenso wie über die Callas, die Schwarzkopf oder die Gencer ist über die unvergleichliche  und kürzlich (am 8. September 2014) verstorbene Magda Olivero absolut alles gesagt. Sie ist die letzte Zeugin einer langen und aufregenden Epoche, sie wurde vom Komponisten Cilea selbst (angeblich) aus ihrer Zurückgezogenheit wieder ins Bühnenleben zurückgeholt und premierte sein bedeutendstes Werk, […]

Mozart neu und antik

Vergleicht man Mozart-Einspielungen unterschiedlicher Jahrzehnte, oder gar durch ein halbes Jahrhundert Abstand der Aufnahmedaten getrennte Interpretationen, so lassen sich gänzlich gegenläufige Entwicklungen beobachten. Kann man bei Werktreue und editorischer Sorgfalt deutliche Fortschritte beobachten, so ist andererseits die Qualität des Mozart-Gesanges auf ein erschütterndes Allzeit-Tief gesunken. Ersteres ist mit Sicherheit den Innovationen wie das Spiel auf […]

Französische Rundfunkarchiv-Funde

Da scheint das Institut national de l’audiovisuel, kurz INA, dieses Mal aber besonders tief in den Archiven gesucht zu haben. So tief, dass auf der Francis Poulenc gewidmeten Doppel-CD mit Rundfunkaufnahmen in einem Fall Interpreten und Aufnahmedaten nicht überliefert und auch nicht mehr rekonstruierbar sind. Vier Uraufführungen (Stabat Mater, Sonate pour flûte et piano, La […]

Ernstes Seelendrama

Der Dirigent Teodor Currentzis bringt es auf den Punkt: „Innerhalb eines einzigen Tages stolpern Leute, die für ihre Geliebten sterben würden, durch eine lächerliche Maskerade und heiraten am Ende ihnen sehr vertraute wildfremde Menschen.“ Keine schlechte Charakterisierung von Mozarts Oper Così fan tutte, vor allem genau das, was Teodor Currentzis in seiner nach dem Figaro […]

Dingsbums-Prinzessinnen

„Ich weiß, überhaupt nicht, was ich machen soll“, klagt das Mädchen. Es ist bei seiner Cousine „in Kairo mit den großen Pyramiden“ zu Besuch. Gestern verkleideten sie sich als Prinzessinnen, Cousine Amneris als ägyptische Prinzessin, sie selbst als Prinzessin, kaum kann sie das Wort aussprechen, aus Äthiopien, legten dann Ketten um die Haare, so wie, […]

Offenbach historisch-kritisch

Das ist wirklich eine „fantasioistische“ Geschichte: rund 140 Jahre nach ihrer Uraufführung wurde im Dezember 2013 Jacques Offenbachs opéra-comique Fantasio in der Londoner Henry-Wood-Hall erstmals wieder in authentischer Form geboten (konzertant), nachdem in den Jahren zuvor verlässliches Notenmaterial aus teilweise obskuren Quellen und Adressen zusammengetragen werden konnte.  Spiritus Rector bei diesem Unternehmen ist der Offenbach-Forscher […]

Opern nach Claudel

Zwei Opern nach Texten von Paul Claudel. Bemerkenswerter Zufall. Claudel hat neben einigen christlich fundierten und symbolistischen Bühnenwerken, darunter das unbegreifbar umfangreiche, fast nur von Festspielen zu bewältigende Stück Der seidene Schuh, auch die Basis zu einigen Opern geliefert. Am bekanntesten ist wahrscheinlich sein Text zu Honeggers dramatischem Oratorium Jeanne d‘ Arc au bûcher; daneben […]

Erotische Verwirrungen

Im Gegensatz zu seiner Calisto ist Francesco Cavallis 1659 in Venedig uraufgeführte Elena eine Rarität auf unseren Bühnen – umso verdienstvoller die Initiative des Festivals von Aix-en-Provence, 2013 das Dramma per musica in einer Inszenierung von Jean-Yves Ruf und der Ausstattung von Laure Pichat/Bühne sowie Claudia Jenatsch/Kostüme gezeigt zu haben. Ricercar hat die Produktion nun […]

Werbewirksam

 „E la solita storia del pastore“: Jeder Opernfreund kennt das Lamento des Federico aus dem Opern-Drama L’Arlesiana von Francesco Cilea, das bei der Uraufführung 1897 von Enrico Caruso gesungen wurde. Aber es gibt noch eine weitere Tenorarie, die bei der Premiere erklang, die Romanze „Una mattina“. Sie fiel den zahlreichen Umarbeitungen, die Cilea vornehmen musste, […]

Aus dem Vollen geschöpft

Wer, bitte, ist Tannenhäuser? Der Grafiker, der die Box mit den Opernmitschnitten unter Wilhelm Furtwängler gestaltete, muss ein Verehrer von Ludwig Tieck sein. In dessen Geschichte vom „Getreuen Eckhard“ kommt ursprünglich jemand dieses Namens vor – inzwischen aber längst der Schreibweise angepasst, wie sie auch Richard Wagner für seinen aufmüpfigen Minnesänger wählte – Tannhäuser. Dieser […]

Tiefer Griff in die Archive

Früher war alles besser! Wirklich? Drei Wiederveröffentlichungen aus dem historischen Bereich geben Anlass, sich auch einmal kritisch mit der guten (noch gar nicht so) alten Zeit auseinanderzusetzen. Da ist zum einen Rossinis L’Italiana in Algeri (Urania Records WS 121.235) aus dem Jahr 1963, ursprünglich bei der Decca erschienen. Auf den ersten Blick ist hier geradezu […]

Titanen-Ausgabe

Wilhelm Furtwängler (1886 – 1954) gilt als der bedeutendste deutsche Dirigent des 20. Jahrhunderts. Seine Aufnahmen haben Maßstäbe gesetzt. Doch die Arbeit in den Studios hat ihm vor allem wegen der Unterbrechungen für Korrekturen nie behagt. Umso wertvoller sind deshalb die Live-Mitschnitte von Konzerten und insbesondere von Opern. Die hier vorgelegte Kollektion unternimmt erstmals den Versuch, […]