Oper

Diebisches Paar

  Nicht die elektronische Steuererklärung verursacht im Melodramma La gazza ladra die Turbulenzen, welche die arme Ninetta an den Rand des Schafotts führen, sondern der Vogel, der sich besonders von glänzenden Gegenständen angezogen zeigt, eine Eigenschaft, die Rossini in eben jener „Diebischen Elster“ sozusagen als Hobby-Ornithologe auf die Bühnenbühne brachte. Die Elster musste Federn lassen, […]

Gretchen auf Finnisch

  Seine erste Oper, Anna Liisa, hatte der finnische Komponist Veli-Matti Puumala im Auftrag des Festivals von Savonlinna geschrieben. Uraufgeführt wurde sie 2008 im Rahmen des Helsinki-Festivals. Das Libretto geht auf das in Finnland berühmte gleichnamige Drama von Minna Canth zurück, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte, stark von Leo Tolstoi beeinflusst […]

Leider nur akustisch

  Eine Herzensangelegenheit muss dem Festival della Valle d’Itria die Aufführung von Leonardo Leos Oper L’Ambizione delusa gewesen sein, denn es sprechen gleich zwei Gründe dafür: Einmal ist der Komponist ein Sohn des Landes, stammt aus Apulien, und zum anderen hat sich die Institution seit ihrem Bestehen um vergessene Werke verdient gemacht. 2013 wurde die […]

Genua liegt in Litauen

  Er liebe vor allem die Konzilszene, in der Simone den dramatischen Höhepunkt der Oper dominiere, schreibt Dmitri Hvorostovsky in der englischsprachigen Einführung (dazu ital./ engl. Libretto) eines neuen Simon Boccanegra bei Delos (DE 3457). Welcher Bariton tut das nicht? Doch gerade in diesem zentralen Moment im zweiten Akt, „Plebe!, Patrizi! Popolo!“, zeigt sich, dass […]

Sanfte Triller

  Metastasios Libretto Catone in Utica kennt der Opernfreund durch Vivaldis Vertonung, die in einer Einspielung mit Alan Curtis bei naïve vorliegt. Das Dramma per musica wurde 1737 am Teatro dell’Academica Filarmonica di Verona uraufgeführt. Neun Jahre früher erlebte die Version von Leonardo Vinci als Tragedia per musica in Rom ihre Premiere. Das Stück behandelt […]

Verpasste Gelegenheit

Ungewöhnlich dilettantisch kommen eine CD und eine DVD daher, die sich eigentlich einige Verdienste hätten erwerben können, denn ein Interview mit Simonetta Puccini, der einzigen Nachfahrin Giacomo Puccinis, sowie eine wenn auch konzertante Aufführung von des Komponisten erster Oper Le Villi sind ein verheißungsvolles Programm. Leider hapert es aber schon einmal an der technischen Ausführung, […]

Götterfrevel zum Zweiten

Spätestens seit Cecilia Bartolis mit viel Hype begleiteten Bemühungen um den Komponisten, Diplomaten und Bischof  Agostino Steffani, die sich 2012 in einem mehrteiligen Project bei Decca niederschlugen, steht der 1654 in Castelfranco Veneto geborene Italiener, der später in München und Hannover wirkte, wieder im Blickpunkt des musikalischen Interesses. Nach Bartolis Einspielungen von diversen Arien und seinem […]

Lohnt sich die Mühe?

Warum eigentlich diese luxuriös ausgestatteten Übernahmen ehemaliger DG-Ausgaben nun bei Pentatone? Vor ca. vierzig Jahren hatte die Deutsche Grammophon, obwohl es noch keine Abspielmöglichkeiten dafür gab, Mehrkanal-Aufnahmen herstellen lassen, die jetzt in einem komplizierten technischen Remastering-Prozess für moderne Abspielgeräte und für die mehrkanalige Super-Audio-CD bei Pentatone aufbereitet wurden. Aber reicht das? Zumindest ist eine der beiden […]

Rossini in Paris

Fast seit Anbeginn hat sich Rossini in Wildbad nicht nur um die Bespielung des kaum 10.000 Einwohner-Ortes im Nordschwarzwald, der kurz zuvor noch schlicht Wildbad hieß, gekümmert, sondern sich aller nie geahnten Lücken in unseren Plattenregalen angenommen. Neben Rossinis Opern fanden auch Werke von Mayr, Pavesi, Vaccaj sowie Meyerbeer und Mercadante – von jenen die herrliche Semiramide […]

Hommage an einen bedeutenden Sänger

  Mit der Reihe „autograph“ hat Warner Classics begonnen, eine jeweils umfangreiche Würdigung hochrangiger Künstler (weitgehend aus den alten, übernommenen EMI-Beständen) in Jubiläums-Boxen aufzulegen. Unter den ersten drei Ausgaben über José van Dam (Februar 2015 zum 75.Geburtstag, noch nicht erschienen), Thomas Hampson (März 2015 zum 60.Geburtstag) und Angela Gheorghiu (April 2015 zum 25-jährigen Bühnenjubiläum) ragt […]

Jugend übt sich

  Im 18. Jahrhundert war die Olympiade noch nicht wieder zum Sportereignis geworden, sondern erlebte auf der Opernbühne ihre Rückkehr. Pietro Metastasios berühmtes Opernlibretto soll ca. 60 mal vertont worden sein, zuerst 1733 von Caldera, in der Folge u.a. von Vivaldi (1734), Pergolesi (1735), Hasse (1756), Jommelli (1761), Cimarosa (1784), sogar Donizetti erwog 1817 noch […]

Frühe Meisterwerke

Francesco Cavalli – der bedeutendste venezianische Komponist in der Mitte des 17. Jahrhunderts und Schüler Monteverdis – schuf ca. 30 seiner 42 Opern für Venedig. Die seit 1637 bestehende venezianische Oper – das Teatro San Cassiano – war nicht höfisch, sondern kommerziell. Jedermann konnte gegen Eintrittsgeld das Spektakel besuchen. Es ging ums Geld – das […]

Sternstunde der französischen Oper

Weder Regen noch Kälte konnten den Eindruck verwischen, dass das Massenet-Festival von 1999 mit seiner Neuproduktion von Massenets Roi de Lahore eine Sternstunde der französischen Oper bot, wie man sie nicht mehr für möglich gehalten hatte. lch kann mich selbst heute kaum erinnern, eine vergleichbar dichte und rundherum befriedigende Aufführung in Frankreich gesehen zu haben […]