Vincenzo Bellini

Steifes Sizilien

  Mit verspiegelten Seitenwänden, Projektionen auf die Rückwand und einer in verschiedene Richtungen bewegbaren Decke gibt Daniel Bianco Il Pirata (9.7. 2018) an der Mailänder Scala einen ansprechenden optischen Rahmen. Dass man z.B. bei Ernestos Auftritt auf der Rückwand von oben auf einen mit Schilden und Holzkreuzen gespickten Strand sieht, passt zu seinem Sieg über die […]

Mafioso in Seenot

  Nach La Sonnambula 2010 und der prachtvollen Norma 2016 hat sich das Stadttheater St. Gallen erfreulicherweise erneut einer Bellini-Oper angenommen. Diesmal (am 10. Juni 2018) das Werk, das dem jungen Komponisten zum Durchbruch verhalf: Il Pirata. Eine Oper, die heute äußerst selten auf den Spielplänen steht. Die letzte und einzige Produktion, die ich je […]

Arme Elvira!

  Will man seine Erfahrungen verallgemeinern, so bevorzugt das Publikum in schlechten Zeiten die heitere Kunst, geht es ihm gut, geben sich die Künstler gern miesepetrig und servieren ihm Übles jeder Art, so auch auf der Opernbühne. Als Beispiel, wenn auch der milderen Ausführung, mag die Inszenierung von Bellinis I Puritani an der Nederlandse Opera […]

DornröschenHecke aus Kruzifixen

  Man nehme eine allseits beliebte und bekannte Oper (diesmal Norma), entwerfe ein spektakuläres Bühnenbild, versetze die ohnehin bereits unwahrscheinliche Handlung in eine (modernere) Zeit, in der sie geradezu absurd wirkt, füge mehr Sex und Crime hinzu, als Opern, allerdings als Liebe und Verrat, ohnehin enthalten, stecke die Sänger in möglichst moderne und damit eher […]

Ovationen

  Begeisterter Applaus, der mehr als einmal die Vorstellung unterbrach, diese konzertante Aufführung von I Puritani von Vincenzo Bellini,deren Premiere am Sonntag, den 3. Dezember im Auditorium Rainier III von Monte-Carlo stattfand, wird die Opernliebhaber prägen. Nichts fehlte der gelungenen Interpretation dieses melodramma serio in drei Akten, dem letzten Werk des italienischen Komponisten, das acht […]

Inszenierung fand nicht statt

  Bellinis Norma gehört zu jenen Stücken im Opernrepertoire, die wegen des Librettos heutzutage schwer zu inszenieren sind. Man mag einwenden, dass diese Beobachtung auf die meisten Werke des 19. Jh. mit ihren absurden Plots zutrifft. Abgesehen davon, dass einige Textbücher durchaus schlüssig sind (man denke nur an Verdis Traviata), kann ein Regisseur meistens auf Abstrahierungen oder […]

Bellinis Opernerstling

  Bei Naxos erschien der SWR-Mitschnitt der Bellini-Oper Bianca e Gernando (das G- in Gernando ist wichtig in der Unterscheidung zur Zweitfassung der Oper als Bianca e Fernando) von 2016 – wieder eine der wirklichen Überraschungen von „Rossini in Wildbad“, dem deutschen Festival, das seit Jahren mit hoher Qualität nicht nur bei Rossini-Aufführungen (und Mitschnitten) […]

Frühes im Studio

  Wer Bellinis Erstling Adelson e Salvini von 1825 hören will, musste bislang auf die zweiaktige Fassung einer Live-Aufnahme von 1992 aus dem Teatro Bellini Catania zurückgreifen (oder auf die noch ältere von 1985 mit dem Drottningholms Barockensemble). Nun legt Opera Rara eine Neueinspielung vor, die in den Londoner  BBC Maida Vale Studios im Mai […]

Mal wieder Mafiöses

  Hat man sich damit abgefunden, dass heutige Regisseure das geistige Vermögen des Publikums als so geringfügig einschätzen, dass es nicht in der Lage ist zu erkennen, was sich aus den Geschehnissen der Vergangenheit mit welchem Profit für das eigene Leben herausfiltern lässt, dann kann man sich mit Christof Loys Lesart von Bellinis I Capuleti […]

Ein akustisches Fest für Vincenzo

  Klingt zwar seltsam, aber irgendeine geheimnisvolle Verbindung scheint es doch zu geben zwischen den druidischen Wäldern der Norma und den Hochöfen und Fördertürmen des Ruhrgebietes… Jedenfalls hat das gallische Superweib offenbar Konjunktur im Revier; nach der Wiederaufnahme in Duisburg letztes Jahr und der Neuinszenierung in Gelsenkirchen dieses Frühjahr wurden nun auch in Essen die […]

Solides aus Barcelona

  Eine ansehnliche Norma gibt es auf Blu-ray aus dem Liceu aus Barcelona, die Regisseur Kevin Newbury traditionell, unaufgeregt und sängerdienlich inszeniert und R.B. Schlather aufgefrischt hat im Einheitsbühnenbild von David Korins, das sich nur durch das Öffnen und Schließen des riesigen, klobigen Scheunentors verändern lässt, Stierköpfe und ein Pferdegerüst außer Steinquadern und viel Holz, […]

Was hat sie sich nur gedacht…

  Die Gelsenkirchener Oper heißt eben nicht „Opernhaus“ oder „Städtische Bühnen“ oder etwas in der Richtung, sie heißt Musiktheater im Revier. Ein Name, der kein Zufall ist, sondern Programm, ein künstlerisches Statement und zugleich eine Versprechung. In der Tat nimmt der Intendant Michael Schulz, ebenso wie seine Vorgänger, den Begriff sehr ernst und läßt risikolos-langweilige […]

Neue Transparenz

  Im so umfangreichen wie informativen Booklet zur Doppel-CD zu Bellinis Oper I Capuleti e i Montecchi bei Glossa, live aufgenommen 2014 in Rieti,  beklagt Dirigent Fabio Biondi, dass nicht auch für den romantischen Belcanto wie für das barocke und klassische (womit hier Verdi gemeint ist) Repertoire nach dem authentischen Klang, wie er zu den Ohren […]

Konzentration und Legato

  Mit Interesse liest man im Programmheft, was das Produktionsteam nach einem Gang zu den Quellen – Handschriften, frühe Klavierauszüge, aber auch Dokumente zu den ersten Interpret/-innen – bei dieser Norma anders als in der Aufführungstradition der letzten Jahrzehnte zu machen beschlossen hat. Originaler. Und wie klingt das nun? Meinem Erlebnis nach – großartig! Einiges […]