Naxos

Starr und höflich

  Johann Simon Mayr gilt als wichtiger Reformer der Operngeschichte – er war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten um 1800. In letzter Zeit wird er wiederentdeckt – beim Label Naxos ist seine allererste Oper Saffo erschienen (im Mitschnitt der Aufführung in Neuburg 2014, so auch die Rezension dazu). Mayr war wie sein berühmtester Schüler Donizetti ein Vielschreiber, und ich habe nicht das […]

Lieder-Schwemme

  Die Konkurrenz schläft nicht. Der Lied-Sektor ist umkämpft. Christian Immler singt Schumanns neunteiligen Liederkreis op. 24, James Gilchrist neben op. 24 auch den Liederkreis op. 39 und Dichterliebe op. 48, Sebastian Noack ebenfalls den Liederkreis op. 24 und die Dichterliebe op. 48 nach Abschnitten aus Heines Buch der Lieder, dazu Belsazar op. 57 und […]

Neujahrsbotschaft

    Als Weltersteinspielung legt Naxos Francisco António de Almeidas Il Trionfo d’Amore von 1729 vor (8.573380-81, 2 CD). Das Scherzo pastorale a sei voci des portugiesischen Komponisten ist eine festliche Serenata mit reichlich Trompetenglanz, aufgeführt im Palacete Ribeiro Lissabon zu Ehren von König Joao V anlässlich seines Namenstages. Nach der dreisätzigen Introduzione beginnt das […]

Diebisches Paar

  Nicht die elektronische Steuererklärung verursacht im Melodramma La gazza ladra die Turbulenzen, welche die arme Ninetta an den Rand des Schafotts führen, sondern der Vogel, der sich besonders von glänzenden Gegenständen angezogen zeigt, eine Eigenschaft, die Rossini in eben jener „Diebischen Elster“ sozusagen als Hobby-Ornithologe auf die Bühnenbühne brachte. Die Elster musste Federn lassen, […]

Römische Nachklänge

Bizet hat in seinen 37 Lebensjahren nicht allzu viele Kompositionen hinterlassen, vieles ist Fragment geblieben, und die Orchesterwerke würden auf rund 3 CDs passen. Sucht man da die wenig gespielten aus, ist man auch schnell beim Bodensatz des Gesamtwerkes angelangt, das heißt bei den Werken, die eigentlich unter der Grenze des Gelungenen liegen. Also ob […]

Rossini in Paris

Fast seit Anbeginn hat sich Rossini in Wildbad nicht nur um die Bespielung des kaum 10.000 Einwohner-Ortes im Nordschwarzwald, der kurz zuvor noch schlicht Wildbad hieß, gekümmert, sondern sich aller nie geahnten Lücken in unseren Plattenregalen angenommen. Neben Rossinis Opern fanden auch Werke von Mayr, Pavesi, Vaccaj sowie Meyerbeer und Mercadante – von jenen die herrliche Semiramide […]

Un viaggio in Italia

So schlecht sollte es um den Liedgesang nicht bestellt sein. Die große Zahl an Veröffentlichungen gaukelt uns ein üppig bestelltes Feld vor. Nur wenige Lieder hat sich die kolumbianische Mezzosopranistin Adriana Bastidas-Gamboa in ihr Reisegepäck gesteckt, um Un viaggio in Italia zu unternehmen (Crescendoaudio cra 035). Seit 2008 an der Kölner Oper verpflichtet, wo sie […]

Heimweh

Tschaikowskys Sechste aus dem Jahr 1893 und die Sechste von Dmitri Schostakowitsch sind dem lettischen Dirigenten Mariss Jansons seit seiner Lehrzeit bei Jewgeni Mrawinski, der mehrere Sinfonien seines Freundes Schostakowitsch uraufführte, und 1939 eben auch die Sechste, bestens vertraut; Mrawinkis Tschaikowsky-Aufnahmen sind nicht minder legendär. Mariss Jansons präsentiert uns sozusagen einen Schostakowitsch aus erster Hand, […]

Italienische Instrumentalmusik

Giacomo Fuga am Konzertflügel und Mario Ancillotti am Cello präsentieren mit reichlich Schwung und klanglicher Süffisanz Werke der oft sperrigen italienischen Avantgarde der 1930er Jahre. Gerade Goffredo Petrassis „Preludio, Aria e Finale“ für Cello und Klavier von 1933 gehen sie mit einer rhythmischen Kraft an, die mit robusten Cellostrichen und klar akzentuierten Klavierakkorden in das […]

Licia Albanese

  Die langjährige Sopransäule der Metropolitan Opera New York, Licia Albanese (eigentlich Felicia Albanese), starb am 15. August 2014 in New York/Manhattan im Alter von 105 Jahren. Sie wurde am 22. Juli 1909 in Bari geboren und bei Giuseppina Baldassare-Tedeschgi ausgebildet.  Sie verließ 1939 Italien nach ihrem Bühnendebüt als Madama Butterfly am Teatro Lirico Mailand […]

Der Komponist als sein eigener Dichter

Der Dichter-Komponist Peter Cornelius ist heute eigentlich nur noch durch seine heitere Oper Der Barbier von Bagdad bekannt, aber auch diese beginnt von den Spielplänen zu verschwinden. Das umfangreiche Liedschaffen des von Liszt und Wagner beeinflussten Komponisten ist dagegen weitgehend unbekannt. Einzelne Zyklen wurden sogar erst posthum veröffentlicht. Cornelius schrieb sich seine Liedtexte größtenteils selbst […]