Zandonais "Giulietta e Romeo" in Erfurt

Liebe in Zeiten des Faschismus

  Giulietta e Romèo des in Wagners Todesjahr 1883 geborenen Komponisten Riccardo Zandonai ist eine sehr freie Bearbeitung des alten tragischen Stoffes von  Liebesleid und Liebesglück. Frei „nach Shakespeare“ steht denn auch auf dem Titelblatt der Partitur. Der Librettist Arturo Rossato hat in drei Akten Figuren und Szenen Shakespeares grosszügig weggelassen und hinzuerfunden. Gleich geblieben […]

Zum Tod voin Kathleen Casello

An American Girl abroad

  Mit Bedauern hören wir vom Tod Kathleen Casellos, in den Neunzigern eine der Three Sopranos zusammen mit Cynthia Lawrence und Kallen Esperian, die zusammen auf der Woge der renommierteren männlichen Kollegen durch die Konzertsäle tourten. Katleen Casello starb mit 59 Jahren am 12. April 2017 in München. Im Nachfolgenden eine Biographie (in Englisch) der verdienstviollen […]

"Der Jahrmarkt von Sorotschinzi" an der Komischen Oper Berlin

Schweinereien

  Seinen Jahrmarkt von Sorotschinzi nach Gogol hat Musorgskij unvollendet hinterlassen. Vergleicht man mit dem Szenenentwurf von Mai 1877, hat er 12 von 20 Szenen im Wesentlichen komponiert hinterlassen, wenn auch größtenteils unorchestriert (wobei die Szenenlängen enorm divergieren). Gegenüber den Vervollständigungen des Weggefährten César Cui (1917) und von Nikolaj Tscherepnin (1923; nicht von dessen Sohn […]

Zum Tode von Rita Orlandi-Malaspina

Una vera italiana

  Am 8. April 2017 starb die italienische Sopranistin Rita Orlandi-Malaspina, in den sechziger bis achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine vor allem in Italien außerordentlich geschätzte Sängerin des Spinto-Fachs mit einer enormen Bandbreite an Partien (sogar Wagners Elsa). Ihre reife und eben sehr italienische Stimme besaß nicht so viel bemerkenswertes Timbre, aber reichlichen Aplomb, ohne wirklich […]

MUSIKALISCHES IN DER HAUPTSTADT

BERLIN: REPERTOIRE, CONCERTS & FRINGE

  In der Bar und im Zelt: Zur Uraufführung ihres neuen Programms Alles sitzt hatte die Berliner Band  Tonträger am 4. 4. 2017 in die Bar jeder Vernunft eingeladen. Die vier Musiker und Sänger Johannes Wolff (Klavier, Gitarre), Jonathan Richter (Bass), Lennart Schilgen (Gitarre, Klavier) und Daniel Bombei (Schlagzeug) sind Virtuosen an ihren Instrumenten, die […]

"Zaide" (Signum Classics), "La Clemenza di Tito"(cpo) und "Requiem" (Pragadigitals)

Ungewohnter Mozart

  Nicht nur Teodor Currentzis und Yannick Nézet-Séguin stehen aktuell für Mozart-Zyklen. Auch der britische Dirigent Ian Page setzt bei Signum Classics seine Opernreihe fort. Mozarts Singspiel Zaide ist Fragment geblieben, Zaide war kein Auftragswerk, der Komponist legte die Gelegenheitskomposition beiseite, als er den Auftrag für Idomeneo erhielt; den Titel erhielt das Werk erst im […]

Benjamin Appl mit seiner ersten Sony-CD

Auf der Suche nach Heimat

  Ein junger Mann, 1982 in Regenburg geboren, inzwischen vornehmlich in London lebend, ist auf der Suche nach Heimat. Was ist Heimat für einen, der noch ein Kind war, als der Eiserne Vorhang in Europa fiel, der sich immer völlig frei bewegen konnte, heute hier, morgen dort. Der nie etwas anderes gekannt hat als diese […]

"Mission Musik": Herbert Blomstedt spricht mit Julia Spinola im Henschel Verlag

Gegen das Vergessen

  „Mission Musik“  nennt sich das gerade erschienene Buch, das Gespräche des schwedischen Dirigenten Herbert Blomstedt mit Julia Spinola wiedergibt, ergänzt durch ein Vorwort und eine Einleitung sowie durch einen umfangreichen Anhang. Mutet der Begriff „Mission“ zunächst in Verbindung mit „Musik“ etwas befremdlich an, so wird dem Leser zunehmend klarer, dass das, was dem Vater […]

"Parsifal“ an der Wiener Staatsoper

Auf der Couch

  (…) Was Alvis Hermanis mit dem neuen Parsifal auf die Bühne stellte war nicht nur vom Zugang her falsch, sondern auch handwerklich nahezu unbewältigt. Interessant in diesem Zusammenhang was Hermanis in der ORF-Sendung „Kulturmontag“ (ORF 2, 27.3.2017) sagte:“Als ich gefragt wurde, ob ich in Wien „Parsifal“ machen würde, habe ich zunächst im Internet nachgesehen, wer […]

Julia Lezhneva mit Arien von Graun bei Decca

Im Gesangsolymp

  Erscheint am 14. April: In einer konzertanten Aufführung von Porporas Germanico Re di Germania im Januar dieses Jahres in Krakau sorgte Julia Lezhneva mit ans Unwirkliche grenzender Virtuosität für einen sensationellen Auftritt. Nun legt die Sopranistin bei DECCA ihr drittes Soloalbum vor, welches die Eindrücke vom Konzert in Polen bestätigt (483 1518). Das Programm […]

In Dessau: Mascagnis "Cavalleria Rusticana" und Tascas "A Santa Lucia"

Nimm dich in acht vor blonden Frau‘n

  Die Fischer in Santa Lucia sind bestens informiert. „Wie das Sprichwort sagt: Neapel sehen und sterben“, wissen sie frohgelaunt. Die Händler bieten Austern an, Straßenhändler ihre Waren, junge Frauen singen ein Liebeslied. Ein Stimmengewirr, das dem in Süden Siziliens geborenen Pierantonio Tasca offenbar so vertraut war, dass er es bequem auf Neapel übertragen konnte. […]

Cileas "Adriana Lecouvreur" in Karlsruhe

Nur ein Traum von Liebe

  Adriana Lecouvreur ist in den stärksten Momenten eine Oper zum Dahinschmelzen. Sänger schwelgen schokoladig in Schönklang, etwas bittersüß Genußvolles, lieblich und liebend, aber vergeblich und vergänglich, erklingt in den Melodien. Die Oper von Francesco Cilea wurde am 6. November 1902 in Mailand uraufgeführt und gilt als Paradestück für Primadonnen und bedeutende Tenöre, Enrico Caruso […]