Oper Frankfurt

Investigatives

  Frankfurt ist eine Janáček-Stadt. Allein die tollen Jenufa-Aufführungen, die ich hier gesehen habe: in den späten 1970er Jahren unter Gielen mit Card, Mastilovic und Cervena, Mitte der 90er dann mit Häggander, Silja und Mastilovic auf dem Altenteil und schließlich zehn Jahre später mit Backlund, Secunde und inzwischen Card als alte Burya in Inszenierungen von […]

LUFT VON ANDEREN PLANETEN

  Fast fünf Stunden Aufführungsdauer (inkl. zweier Pausen) – eine geglückte Grand Opéra in fünf Akten ist immer auch Überwältigung durch schiere Masse und effektgeladene Theatralik: Epische Längen und dramatische Zuspitzungen, Spektakuläres neben Intimen, große Tableaus neben Seelenbildern. Meyerbeers Musik galt einst bei seinen Gegnern als „Schaubudenlärm„, seine Opern als „Jahrmarktsfarce„, „wie ein Varietéprogramm zusammengesetzt […]

Beschwingt

  Von Rossinis Gazza Ladra über den Ring bis zu Reimanns Medea reichen die CDs oder gar DVDs, mit denen die Oper Frankfurt ihre künstlerische Arbeit dokumentiert. Als erste Operette gibt es nun die Aufzeichnung der konzertanten Aufführung von Léhars Der Graf von Luxemburg vom Jahreswechsel von 2015 zu 2016. Erstaunlich ist, dass es das […]

Troja am Main

  Berlioz´ grandioses opus summum, Les Troyens an der Oper Frankfurt – zum zweiten Male möchte man sagen, hat man doch noch die kontroverse Produktion von Ruth Berghaus im Kopf. Unter dem eminenten Berlioz-Dirigenten John Nelson (dessen Genfer und Londoner Leitung des Werkes legendär ist) wagte sich das Opernhaus nun in der Regie von Eva–Maria Höckmayr erneut an die […]

Frühes Barock aus Frankfurt

  Schon eine Tradition ist die Zusammenarbeit der Oper Frankfurt mit OEHMS CLASSICS, verschiedene Produktionen des Hauses als Live-Mitschnitte auf CD zu veröffentlichen. Oft  handelt es sich dabei um Neuschöpfungen, Ausgrabungen oder Raritäten. Aktuelles Beispiel ist die Oper L’Orontea des 1623 in Arezzo geborenen Komponisten Antonio Cesti, die 1656 in Innsbruck am Hof des Erzherzogs […]

La Grande Elena Zilio

  Noch sehe ich sie vor mir, wie sie 1986 auf der Bühne der Mailänder Scala im dortigen Eugen Onegin neben Mirella Frenis Tatjana als Olga auf der Schaukel saß. Nun tapert sie als alte Filipjewna, schwer geplagt, immer eine Hand auf dem schmerzenden Bein, durch die Reihen von metallenen Arbeitstischen, auf denen die Arbeiter […]

Bei Mennoniten

  Stiffelio ist eine Oper aus Verdis mittlerem Opernschaffen, die aber erst seit Herausgabe einer Neuausgabe in den neunziger Jahren wieder, selten genug, öfter aufgeführt wird. Dabei hatte sie Verdi 1850, seinem vielleicht fruchtbarsten Jahr mit Rigoletto, Trovatore und Traviata, konzipiert. Und die Musik klingt sehr danach, mit einer dem Ambiente der evangelikalischen Religionsgemeinschaft angemessenen […]

Heldengeschichte aus der Nazi-Zeit

  Ein Bauer begründet die Dynastie der Romanows. Klar, dass die historische Figur in den folgenden Jahrhunderten in Russland und dann der Sowjetunion eine unterschiedliche Beurteilung erlebte, wie die Zaren aus der Geschichtsschreibung getilgt oder zum Nationalhelden stilisiert wurde. Ein ähnliches Schicksal erfuhr die erste Oper von Michail Iwanowitsch Glinka Iwan Sussanin, die er auf […]

Diebisches Paar

  Nicht die elektronische Steuererklärung verursacht im Melodramma La gazza ladra die Turbulenzen, welche die arme Ninetta an den Rand des Schafotts führen, sondern der Vogel, der sich besonders von glänzenden Gegenständen angezogen zeigt, eine Eigenschaft, die Rossini in eben jener „Diebischen Elster“ sozusagen als Hobby-Ornithologe auf die Bühnenbühne brachte. Die Elster musste Federn lassen, […]

Heiligenlegende

Was verbindet Ildebrando Pizzettis 1958 an der Mailänder Scala uraufgeführte tragedia musicale Assassinio nella cattedrale und Andrew Lloyd Webbers Musical Cats von 1981? Beide gehen auf Vorlagen von T. S. Eliot, also Thomas Stearns Eliot, zurück, des bedeutenden englischsprachigen Lyrikers und Dramatikers und Nobelpreisträgers von 1948. Die italienische Oper auf sein Versdrama Murder in the Cathedral von […]

Das Beste sind die Chöre

Der konzertante Mitschnitt des Fliegenden Holländer aus Amsterdam entstand am 24. und 26. Mai 2013 und ist nun bei dem hauseigenen Label des Royal Concertgebouw Orchestras erschienen (RCO 14004 im Vertrieb von Naxos). Andris Nelsons, der von 2010 bis 2014 in Bayreuth den Lohengrin leitete, kann seine Wagner-Kompetenz am Pult des  konzentriert aufspielenden Concertgebouw Orchestra durchaus […]

Zerbinetta ist der Clou

An guten Aufnahmen der Strauss-Oper Ariadne auf Naxos herrscht kein Mangel. Trotzdem hat der bei Oehms Classics (OC 947) erschienene Live-Mitschnitt aus der Frankfurter Oper vom Oktober 2013 (eine Inszenierung von Brigitte Fassbaender) durchaus seine Berechtigung. Denn erstens ist er ein weiterer Baustein in der (mit fast zwanzig Opern) inzwischen schon recht umfangreich vorliegenden Dokumentation […]

Deutlicher geht es nicht

Ein Vorzug von manchen Opernmitschnitten besteht für mich darin, dass ich die Inszenierung nicht sehen muss. Im Falle des Lohengrin aus Frankfurt, der jetzt bei Oehms (OC 946/3 CDs) erschienen ist, reiße ich mich auch nicht um die Szene. Die Fotos im Booklet reichen aus, um mir Eindrücke von einer Inszenierung (Jens-Daniel Herzog) zu machen, […]