Instrumentales

Zwei Vergessene

  Zu den zahlreichen in Vergessenheit geratenen, zu Lebzeiten aber höchst erfolgreichen Komponisten der Spätromantik wird man den Wiener Julius Bittner (1874-1939) zählen müssen. Selbst Kennern der klassischen Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dürfte er kaum mehr etwas sagen. Tatsächlich war Bittner in erster Linie Jurist, bis 1920 als Richter in Wolkersdorf im […]

Sündhaft verführerisch

  In seinem Paris-Buch „Lutetia“, in dem er „Berichte über Politik, Kunst und Volksleben“ sammelte, nahm sich Heinrich Heine auch eigengehend, kenntnisreich und überaus lesenswert, nicht ohne garstige Sottisen des Musiklebens der Metropole an. Unter dem Datum 1. Mai 1844 schrieb er über Halévy, Meyerbeer und Spontini, die Tenöre Duprez und Mario, die Viardot und […]

Enttäuschendes zum Geburtstag

  Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich Christian Thielemann, nunmehr bereits im siebten Jahr Chefdirigent der Staatskapelle Dresden, dem großen Zwickauer Robert Schumann neuerlich widmen würde. Für die „Wunderharfe aus Elbflorenz“ ja beinahe schon eine Pflicht, sich des in Sachsen geborenen, wenn auch im Rheinischen verstorbenen Schumann anzunehmen. Wieso neuerlich, mag […]

Genre-Torsi

  Franz Liszt und Oper, Das ist eigentlich ein schnell abgehandeltes Kapitel. In allen anderen musikalischen Genres ist Liszt bedeutender hervorgetreten, besonders freilich bei Klavier- und Orchesterwerken. Bis dato galt das für Paris komponierte Jugendwerk Don Sanche, ou le Château de l’Amour von 1824/25 als einziger Beitrag Liszts in Sachen Oper (die alte Hungaroton-Aufnahme unter […]

Ein glanzvoller Rückblick

  Das 1918 gegründete und in Genf ansässige Orchestre de la Suisse Romande (OSR) ist untrennbar mit dem Namen des schweizerischen Dirigenten Ernest Ansermet verbunden, der es nicht nur ins Leben rief, sondern diesem Klangkörper auch beinahe ein halbes Jahrhundert lang vorstand und somit der französischsprachigen Schweiz internationale Geltung innerhalb der klassischen Musikszene verschaffte. Damit […]

Russisches

  Auf Leopold Stokowski, Ferenc Fricsay und Hermann Scherchen verweist Gabriel Feltz, der Dirigent der vorliegenden Aufnahme von Glières Ilja Muromez (Dreyer Gaido CD 21112), in seinem informativen Vorwort, in welchem er nur schwer seine Begeisterung für das eingespielte Werk, die monumentale dritte Sinfonie in h-Moll „Ilja Muromez“ des in Kiew geborenen Komponisten mit deutschen Wurzeln […]

Vielsaitiges und Mehrstimmiges

  Endlich. Vor nicht allzu langer Zeit konnte man noch zurecht die heutzutage schon auffällige Missachtung des französischen Komponisten François-Adrien Boieldieu (1775-1834) durch die Schallplattenfirmen beklagen. Von André Grétry (1741-1813) kurz vor seinem Tode zu seinem würdigen Nachfolger auf dem Musiktheater erklärt, prägte der in Rouen geborene Boieldieu das Genre der Opéra-comique zur Zeit des […]

Glanzvolles Neujahrskonzert 2019

  Wenige Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker waren bereits im Vorfeld so heiß umstritten wie das heurige, welches vom gebürtigen Berliner Christian Thielemann geleitet wurde. Eigentlich hatte man dessen Engagement bereits seit einigen Jahren erwartet, gilt der Chefdirigent der Staatskapelle Dresden doch als Liebling der beileibe nicht uneitlen Wiener Philharmoniker. Vermutlich waren es Thielemanns eigene Verpflichtungen […]

Schroffe Kontraste

  Der Concentus Musicus Wien ist untrennbar mit dem Namen Nikolaus Harnoncourt verbunden. 1953 von diesem als Ensemble für Alte Musik gegründet, stand er diesem bis Ende 2015, kurz vor seinem Tode, als künstlerischer Leiter vor. Das Schicksal des Orchesters war danach alles andere als gewiss. Glücklicherweise erwies sich die Kür von Harnoncourts langjährigem Assistenten […]

Mehr „Gebeth“ statt „Ständchen“

  Bei den Dresdener Sammlungen von Profil Edition Günter Hänssler gleichen manche Booklets kleinen handlichen Büchern, die man am liebsten gesondert ins Regal stellen würde, weil sie zum Nachschlagen taugen. Nach manchen Informationen, die mehrsprachig auf feines Papier gedruckt sind, müsste man lange suchen. Ein Beispiel. Wo kann man denn nur so schnell den Brief nachlesen, […]

Frankophiles Bekenntnis

  Robin Ticciati hat seit seinem Amtsantritt als Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin Akzente gesetzt, die sich vom gängigen Repertoire deutlich abheben. Dazu gehören auch Werke französischer Komponisten. Mit L’enfance du Christ und Roméo et Juliette führte er gleich zwei große Schöpfungen von Hector Berlioz auf. Ein dankbares Publikum fand auch die Musik von Claude […]

Ohne Happy End

  Unbestritten: Schwanensee ist das Ballett der Ballette. Auch unter den drei großen Gattungsvertretern, die Pjotr Iljitsch Tschaikowski komponiert hat, überragt es die beiden anderen, Dornröschen und den Nussknacker, zumindest in seiner Ballettfassung (bei den berühmten Suiten wäre Der Nussknacker wohl indes der Sieger). An bedeutenden Einspielungen besteht wahrlich kein Mangel, sowohl bei genuin russischen […]

Zagend, rauschhaft, ungestüm

  Wiewohl Franz Schreker (1878-1934), der in Monaco geborene österreichische Komponist, der zeitweise populärer gewesen sein soll als Richard Strauss, den NS-Terror nur mehr in seinen Anfängen erleben musste, litt sein Werk doch nachhaltig darunter. Denkt man heute an Schreker, so wohl hauptsächlich an seine Oper Die Gezeichneten, vielleicht noch an Der ferne Klang und […]

Drei und Sechs  und ein Fake

  Wurde der Dirigent Hans Knappertsbusch (1888-1965) lange Jahre primär als großer Wagner-Interpret angesehen und galt insbesondere als der Experte für das Bühnenweihfestspiel Parsifal, so trat sein umfangreiches Wirken auch als Konzertdirigent demgegenüber beinahe schon ungebührlich in den Schatten. Vor allem im deutschen Repertoire war der Kna zu Hause, gewissermaßen bei den drei großen Komponisten […]