Oper

Spätherbstliches

  Gleich könnte Scottie Ferguson, der Mann mit der Höhenangst, um die Ecke kommen. Bei Bernard Herrmann klingt es im Herrenhaus auf dem Hochmoor von Yorkshire so wie auf den Dächern von San Francisco, wo Hitchcocks Vertigo spielt. Immerhin war Herrmann, der von Citizen Cane für Orson Welles bis Taxi Driver für Martin Scorses, für die Hautevolee von Hollywoods Regisseuren arbeitete, so etwas wie […]

Aus den Archiven

  Zwei Bühnenwerke von Rimsky-Korsakov in großartigen Interpretationen hat Melodiya aus dem Archiv hervorgezaubert. 1962 dirigierte Evgeny Svetlanovdas 1892 komponierte, mit farbenprächtiger, üppiger Musik nur so wuchernde Ballett-Oper Mlada. Langweilig wird es bei dieser opulenten, mit viel bunter Folklore und Tanz angereicherten gruseligen Liebesgeschichte nie, und das alles toll gesungen von einem ausnahmslos vorzüglichen Ensemble, vorneweg Vladimir Makhov als Jaromir mit einem Tenor voller Saft und […]

Mercadantes Windmühlenflügel

  Saverio Mercadante wird im Opernbetrieb gesellschaftsfähig. Jüngstes Beispiel der Einakter Don Chisciotte alla Nozze di Gamaccio, der die Camacho-Episode aus dem Don Quichotte Roman zum Inhalt hat. Er enthält acht umfangreich angelegte Musiknummern, die durch ihre originellen, rhythmisch mitreißenden Melodien und viel spanisches Kolorit packen. In Bad Wildbad wurde das melodramma giocoso, das Mercadante 1830 während seines Aufenthalts in Spanien und Portugal komponierte, […]

Iphigenie tanzt

  Ein moderner mitteleuropäischer Hörer erwartet von einer Oper, die Iphigenie gewidmet ist, eine schwerblütige Tragödie. Der spanische Komponist José de Nebra (1702-1768) machte aus der Geschichte der Priesterin Iphigenia in Tracia, die in Tauris ihren eigenen Bruder Orestes opfern soll und ihn hingegen befreit, eine fetzige Zarzuela, deren Uraufführung im Januar 1747 in Madrid stattfand (es ist eine von nur drei überlieferten Opern […]

Polnische Nationaloper

  Halka (von 1859/Warschau) ist die polnische Nationaloper schlechthin, ist Klassenkampf und Leidensdokument, ist Sozialdrama und Opferbereitschaft – das ewig leidende polnische Volk gegen die fiesen ausländischen Grußgrundbesitzer, die die armen Mädels schwängern und sie sitzen lassen. Halka hat auch (wie die Muette de Portici) diesen fabelhaften Schluss des Freitods statt der Rache, der unerwiderten […]

Wagner aufbrausend

  Orfeo hat Richard Wagners Oper Der fliegende Holländer von den 1955 im Rahmen der Bayreuther Festspielserie neun herausgebracht. Vor Jahren gab es diesen Mitschnitt schon auf dem grauen Jahr. Diesmal wurde auf die Originalbänder des Bayerischen Rundfunks zurückgegriffen, was sich als akustischer Glücksfall erweist. Mit dem ersten musikalischen Aufbrausen der Ouvertüre wird vom Dirigenten Hans […]

Arbeiter-Oper mit Flecken

  Lortzings Oper Regina ist ein Zwitter zwischen dem üblichen Lortzing-Idiom und einem ambitionierten Sozialdrama – in gesetzten Arien und aufbrausenden Chören (namentlich der Einleitung, die mehr verspricht, als die Oper halten kann) verbreiten sich Solisten und Massen, Lortzing-Style, wenig überzeugend, aber doch spannend zu erleben, wie der Komponist der eher gutmütigen Erfindungen sich der […]

Schwungvolles Jugendwerk

  Nach einigen Seufzern über die Besetzungspolitik der Opera Rara in jüngerer Zeit freut sich der Rossini-Fan über den neuen Aureliano in Palmira (wenngleich auch dieser wieder mal eine der üblichen Doubletten bereits bestehender weiterer Aufnahmen des Repertoires darstellt). Kenneth Tarver in der Titelrolle singt mit rauchig-interessantem Timbre und der nötigen geläufigen Gurgel, Catriona Smith jubelt sich durch die […]

Donizettis „Duca d´Alba“/ II

  Eine spannende Vorgeschichte hat die neue Aufnahme des Donizettianischen Duca d´Alba, der jüngst an der Vlaamse Opera erstmals im originalen Französisch (ergänzt/neukomponiert von Battistelli) aufgeführt wurde. Eigentlich war der für das Radio- Festival Montpellier 2007 geplant, aber die Edition wurde nicht fertig, und da schwenkte man kurzentschlossen auf die bekanntere italienische Version von Salvi um, wie sie bereits Maria […]

Foronis „Cristina“

. 2007 fand im schwedischen Vadstena, stets für Überraschungen gut, die Opernsensation für Belcantofreunde statt – Jacopo Foronis Schwedenepos Cristina Regina di Svezia. Hat irgendwer schon einmal den Namen des Komponisten gehört? Es gibt unter den Dokumenten eine Sinfonie und eine Ouvertüre von ihm, die unter Toscanini aufgeführt wurden und die seinen Namen in Italien lebendig gehalten haben, aber sonst? Die erste moderne Einspielung der […]