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Verharren in Dekadenz

  Am Theater Erfurt gibt es wieder einmal das Besondere: Riccardo Zandonais Verona-Oper Giulietta e Romeo hat dort am 8. April 2017 Premiere, m. W. seit dem Gastspiel des Teatro Comunale Verona in Wiesbaden 1983 das erste Mal wieder in Deutschland szenisch. Ich mag mich irren, aber Zandonai gehört eh in unserem Land zu den […]

Finalement: Le Ballet

  Wie nicht zuletzt Anselm Gerhard in seinem Standardwerk  „Die Verstädterung der Oper“ (Stuttgart 1992) umfassend ausgeführt hat, war Paris  in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (und darüber hinaus) die zentrale Opernstadt Europas, deren Spielstätten wie das Théâtre Italien oder die Opéra Le Peletier Schauplatz zahlreicher Premieren und Sängerfeste waren. Wer sich als Opernkomponist einen […]

BERLIN: REPERTOIRE, CONCERTS & FRINGE

  Piotr Beczala im Konzerthaus – beglückender Liederabend. Der Auftritt des polnischen Weltklassetenors im gut besuchten Großen Saal des Konzerthauses am 21. 3. war ein denkwürdiges Ereignis, erlebte das Publikum den Sänger doch in stimmlicher Bestform und dazu mit einem interessanten, vielfältigen Programm. Piotr Beczala sang in vier Sprachen, beginnend mit der Dichterliebe von Schumann […]

Geräuschkulisse

  Die Arbeit des flämischen Regisseurs Guy Cassiers ist durch eine enge Beziehung zur Literatur gekennzeichnet. Es liebt es, sich mit großen literarischen Fresken auseinanderzusetzen, die er für die Bühne adaptiert: Tolstoï, Proust, Musil oder Littell, um nur einige zu nennen. Für Trompe-la-Mort (Der Unsterbliche) an der Pariser Oper nun führt er, ausgehend von der Idee, dass […]

Für Nachgeborene

  Das diesjährige Frühlingsfestival an der Opéra National de Lyon stand unter dem Motto „Mémoires“ und zeigte epochale Inszenierungen der letzten Jahrzehnte, zur Wiederbesichtigung für einen Teil des Publikums, zum nachträglichen Kennenlernen für andere wie etwa den Rezensenten – Ruth Berghaus‘ Elektra hatte ihre ursprüngliche Premiere 1986 in Dresden, fünf Jahre vor meinem allerersten Opernbesuch, und war auch als […]

Tod eines Pädophilen?

  Aschenbach ist schon tot, bevor die Handlung überhaupt einsetzt. Vor einem Hintergrund, der die optischen Anleihen bei einer Trauerhalle nicht verleugnet, versammeln sich Teile des Personals. An einer Seite riesige violette Blumen, die fatal an Rotkohlköpfe erinnern, zu einem Berg getürmt, der später auch als Handlungsebene für die jugendlichen Akteure herangezogen wird. Aus dieser […]

Satirische Weltflucht

  Seit Generalintendant Joachim Klement und Operndirektor Philipp Kochheim beim Staatstheater das Sagen haben, gab und gibt es in Braunschweig immer wieder Ausgrabungen unbekannter und fast vergessener Opern, wie neben der kleinen Reihe amerikanischen Musiktheaters (Hexenjagd von Robert Ward, Mansfield Park von Jonathan Dove, Argentos Reise des Edgar Allan Poe u.a.) Falena von Antonio Smareglia, […]

Vokaler Glanz in szenischer Öde

  Eine Königin, die in Komplizenschaft mit einem notorischen Erzschurken ihren Gemahl ermordet, um selbst den Thron zu besteigen, eine ob der Freveltat aus den Fugen geratene gesellschaftliche Ordnung, beherrscht von Schuld, Angst und Gewalt, und ein ersehnter Rächer in in Gestalt des überlebenden Sohnes, auf dessen Erscheinen alle warten… Ja klar, hatten wir doch […]

In der ideologischen Falle

  Als sich der Vorhang nach der deutschen Erstaufführung von Kurt Atterbergs Oper »Aladin« 1941 am Theater Chemnitz schloss, kannte der Jubel keine Grenzen mehr und der sichtlich hocherfreute Intendant Dr. Schaffner telegrafierte umgehend: »Schon nach der Ouvertüre starker Beifall, der sich von Bild zu Bild steigerte und zum Schluss zu lebhaften Ovationen anwuchs. Glaube […]

Hochwasser im Klassenzimmer

  Ein Bonmot der Theaterwelt besagt, dass ein echter Klassiker jene Oper oder jenes Theaterstück ist, die man trotz der Regiearbeit wieder erkennt. Manchmal muss man sich aber anstrengen: Regisseurin Lydia Steier ließ in ihrer Inszenierung aus der vorigen Saison, die jetzt in Heidelberg wieder aufgenommen wurde, den Fliegenden Holländer im Theater Heidelberg in einer amerikanischen Militärakademie […]

Auf der Flucht

  Berlioz´ grandioses opus summum, Les Troyens an der Oper Frankfurt – zum zweiten Male möchte man sagen, hat man doch noch die kontroverse Produktion von Ruth Berghaus im Kopf. Unter dem eminenten Berlioz-Dirigenten John Nelson (dessen Genfer Leitung des Werkes legendär ist) wagt sich das Opernhaus nun in der Regie von Eva-Maria Höckmayr erneut an die großformatige Grand […]

Bewegend

  Eine flammende stehende Ovation würdigte am Sonntag, dem 5. März 2017 im Auditorium Rainier III von Monaco, eine konzertante Aufführung von Simon Boccanegra von Giuseppe Verdi. Die untadelige musikalische Leitung von Pinchas Steinberg überrascht uns nicht. Wir haben sein unzweifelhaftes Talent schon in früheren Produktionen im Fürstentum kennen gelernt, ob es sich um die „Florentinische Tragödie“ und […]

Wasserspiele

  Nicht weniger als die österreichische Erstaufführung der erhaltenen Fragmente von Undina, der zweiten Oper von Peter Iljitsch Tschaikowski von 1869, fand am 6. und 7. März 2017 im Goldenen Musikvereinssaal zu Wien statt. Die Originalpartitur wurde 1875 oder 1876 durch Tschaikowskis eigenes Zutun ein Raub der Flammen, wie der Komponist seiner Gönnerin Nadeschda von Meck […]

„Never give up“

  Knapp vier Stunden Händel am Stück mit jeder Menge Da-capo-Arien, da müssen sich die Akteure szenisch wie musikalisch heute schon etwas einfallen lassen, um das Publikum im Opernhaus bis zum Finale bei der Stange zu halten. Wenn bei der, von wenigen Buhs mal abgesehen, begeistert aufgenommenen Ariodante-Premiere in der Stuttgarter Oper am 5.März ein […]

Adrenalin-Rausch

   Es gibt Opernabende – auch wenn sie wie hier am Nachmittag stattfinden (26.2.2017) –, an denen es einen nach dem letzten Takt innerlich fast zerreißt; die Begeisterung, das Adrenalin kochen und wollen raus, sich in einem Bravo-Schrei entladen… (…) Gerade erst an der heimatlichen Staatsoper genossen, ging es diesen Monat mit der bereits aus […]