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Rückkehr nach Dresden

  Wenn ein Dresdner Stück auf die Bühne der Semperoper zurückkehrt, ist das ein besonderes Ereignis. 1925 wurde Ferruccio Busonis Dichtung für Musik in zwei Vorspielen, einem Zwischenspiel und drei Hauptbildern Doktor Faust in der Elbmetropole uraufgeführt und ist dort seither nicht gezeigt worden. Nach über 90 Jahren wurde nun Regisseur Keith Warner für eine […]

KLEINFORMATIG

  Das Publikum in Paris musste nach dem grandiosen Erfolg von Les Huguenots 1836 mehr als dreizehn Jahre auf ein neues Meyerbeer-Spektakel warten. Die dementsprechend großen Erwartungen wurden dann auch nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern ebenso durch noch nie gesehene Show-Effekte (Schlittschuhläufer-Ballett, „Prophetensonne“) mehr als erfüllt. So wurde die Uraufführung von Le Prophète am […]

Luxusbesetzung

  Zu spät stellten wir fest, dass es ja im April 2017 im Straßburger Palais de la Musique et des Congrès, Salle Erasme, ein Konzert der absoluten Sonderklasse gegeben hat: Berlioz-Fachmann John Nelson dirigierte zweimal Les Troyens mit den Solisten Michael Spyres, Marie-Nicole Lemieux und Joyce DiDonato in den Hauptrollen. Dazu kam eine weitgehend nationalsprachige […]

Potemkinsche Kulissen

  La Traviata ist ja nicht gerade unbekannt, würde mein operalounge-Chefredakteur Geerd Heinsen sagen, aber seit Mariusz Treliński auch bei uns, zuletzt mit dem anschließend auch an die Met gereisten Tristan in Baden-Baden, Aufmerksamkeit findet, war man gespannt zu sehen, wie es bei ihm zuhause aussieht. Am Teatr Wielki in Warschau, wo Treliński künstlerischer Leiter der Opera […]

Missverständnis

  Mitte des 18. Jahrhunderts malte der Mode-Porträtist Jean-Marc Nattier eine schöne Dame, die den Betrachter etwas rätselhaft anschaut, während sie in einem Notendruck blättert (Foto oben:Die Herzogin von Trémoille von Jean Marc Nattier, 1741/ Wiki). Aufgeschlagen ist Armides Arie „Armide est encore plus aimable“ aus dem ersten Akt der Oper von Jean-Baptiste Lully. Das […]

Das Leben ein Traum

  Beim ersten wuchtigen Akkord des Orchesters schreckt die Kaiserin in ihrem Krankenbett aus einem Albtraum auf. Offenbar bedarf sie medizinischer Versorgung, denn der Geisterbote als Arzt im weißen Kittel, ihr Gatte (der Kaiser) und die Amme in weißer Schürze als Wärterin umringen die Bettstatt. Ein nüchterner Raum mit einem imitierten braunen Holzfurnier (Ausstattung: Christian […]

Grandioser Tschajkovskij

  Tschajkovskij besitzt als Komponist von Opern wie von Instrumentalmusik einen Personalstil, der ihn so leicht wiedererkennbar macht wie etwa Verdi. Das kann darüber hinwegtäuschen, dass jede seiner Opern eine ausgeprägte eigene Dramaturgie besitzt, beinahe könnte man schon von verschiedenen Genres sprechen. Seine Orleanskaja Deva (Die Jungfrau von Orléans), die als Gemeinschaftsprojekt des Orchestre de la […]

Mehrfüssiges

  Mahler getanzt. Das Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg zählt zu den renommierten Compagnien der deutschen Tanzszene – begrüßenswert und verdienstvoll deshalb die Initiative des Staatsballett Berlin, das Ensemble zu einem mehrtägigen Gastspiel einzuladen. Gezeigt wurde eine Kreation seines Künstlerischen Direktors und Chefchoreographen Martin Schläpfer mit dem Titel 7, wohinter sich eine tänzerische Version von […]

Ende mit Giftspritze

  Diesem Auge entging nichts. Überdimensional und plakativ hatte Philipp Himmelmann die Tosca einst auf die Bregenzer Seebühne gewuchtet, wo ihm Johannes Leiacker eine komplizierte Spielfläche in Form eines fünfzig Meter breiten Auges als Chiffre des Überwachungsstaates entworfen hatte. So eindrucksvoll, dass selbst die „James Bond“-Macher den Agenten der Königin durch Puccinis Rom jagen ließen. […]

Liebe in Zeiten des Faschismus

  Giulietta e Romèo des in Wagners Todesjahr 1883 geborenen Komponisten Riccardo Zandonai ist eine sehr freie Bearbeitung des alten tragischen Stoffes von  Liebesleid und Liebesglück. Frei „nach Shakespeare“ steht denn auch auf dem Titelblatt der Partitur. Der Librettist Arturo Rossato hat in drei Akten Figuren und Szenen Shakespeares grosszügig weggelassen und hinzuerfunden. Gleich geblieben […]

Schweinereien

  Seinen Jahrmarkt von Sorotschinzi nach Gogol hat Musorgskij unvollendet hinterlassen. Vergleicht man mit dem Szenenentwurf von Mai 1877, hat er 12 von 20 Szenen im Wesentlichen komponiert hinterlassen, wenn auch größtenteils unorchestriert (wobei die Szenenlängen enorm divergieren). Gegenüber den Vervollständigungen des Weggefährten César Cui (1917) und von Nikolaj Tscherepnin (1923; nicht von dessen Sohn […]

BERLIN: REPERTOIRE, CONCERTS & FRINGE

  In der Bar und im Zelt: Zur Uraufführung ihres neuen Programms Alles sitzt hatte die Berliner Band  Tonträger am 4. 4. 2017 in die Bar jeder Vernunft eingeladen. Die vier Musiker und Sänger Johannes Wolff (Klavier, Gitarre), Jonathan Richter (Bass), Lennart Schilgen (Gitarre, Klavier) und Daniel Bombei (Schlagzeug) sind Virtuosen an ihren Instrumenten, die […]

Auf der Couch

  (…) Was Alvis Hermanis mit dem neuen Parsifal auf die Bühne stellte war nicht nur vom Zugang her falsch, sondern auch handwerklich nahezu unbewältigt. Interessant in diesem Zusammenhang was Hermanis in der ORF-Sendung „Kulturmontag“ (ORF 2, 27.3.2017) sagte:“Als ich gefragt wurde, ob ich in Wien „Parsifal“ machen würde, habe ich zunächst im Internet nachgesehen, wer […]

Nimm dich in acht vor blonden Frau‘n

  Die Fischer in Santa Lucia sind bestens informiert. „Wie das Sprichwort sagt: Neapel sehen und sterben“, wissen sie frohgelaunt. Die Händler bieten Austern an, Straßenhändler ihre Waren, junge Frauen singen ein Liebeslied. Ein Stimmengewirr, das dem in Süden Siziliens geborenen Pierantonio Tasca offenbar so vertraut war, dass er es bequem auf Neapel übertragen konnte. […]

Nur ein Traum von Liebe

  Adriana Lecouvreur ist in den stärksten Momenten eine Oper zum Dahinschmelzen. Sänger schwelgen schokoladig in Schönklang, etwas bittersüß Genußvolles, lieblich und liebend, aber vergeblich und vergänglich, erklingt in den Melodien. Die Oper von Francesco Cilea wurde am 6. November 1902 in Mailand uraufgeführt und gilt als Paradestück für Primadonnen und bedeutende Tenöre, Enrico Caruso […]