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Im Klosterhof

  Sommerzeit ist ja allenthalben Festspielzeit. Auch das Stadttheater St. Gallen richtet nun bereits zum 13. Mal seine Sommerfestspiele aus, deren zentrales Projekt jeweils die Oper vor der Klosterfassade ist (heuer vom 29.06. bis 13.07.) Und einmal mehr ist es dem Ostschweizer Theater zu verdanken, dass wir einer Rarität, gar einer Schweizer Première beiwohnen konnten: […]

Mehrfüssiges

  44. Hamburger Ballett-Tage: Uraufführung und Gala-Glanz. Traditionell  werden die Ballett-Tage mit einer Neuproduktion eröffnet – zumeist vom Intendanten des Ensembles John Neumeier selbst. So auch in diesem Jahr, als sich der Choreograf mit einem Beethoven-Projekt betitelten Ballett dem großen deutschen Komponisten widmete. Das Stück ist dreiteilig und verwendet zu Beginn Fragmente des Komponisten, u. […]

Zwiespältig

  Zum Saisonabschluss gab’s an der Vlaamse Opera in Antwerpen ein Wiederhören mit dem früheren GMD Dmitrij Jurovskij, natürlich mit einem russischen Stück, Prokofjevs Der Spieler (russisch Igrok, flämisch De speler). Dirigent und Orchester enfalteten ein wuchtiges, aber transparentes Klangbild, in dem Prokofjevs abwechslungsreiche Instrumentalfarben plastisch hervortraten. Ein Garant für energie- und spannungsreiche Interpretationen war Jurovskij immer gewesen, in den letzten Jahren hat er aber (zumindest nach […]

MOZARTS GOTHIC OPERA

  Tobias Kratzer ist eine große Regie-Entdeckung der letzten Jahre, seine Inszenierungen kombinieren scharfsinnig moderne Entsprechungen mit einfallsreichen Umsetzungen und sind hochgradig diskutabel, man kann sich über sie aufregen und/oder begeistern – Langeweile stellt sich sehr selten ein. 2019 wird der Regisseur in Bayreuth Tannhäuser in Szene setzen. Regisseur Kratzer analysierte seinen Ausgangspunkt für Lucio Silla: […]

Il ne chante pas (Lohengrin)!

  Mit dürren Worten kündigte Katharina Wagner an, dass Roberto Alagna, heißersehnter Tenor für den neuen Lohengrin in Bayreuth Ende Juli 2018, die Rolle zurückgegeben hat. Was Fans und Sachverständige schon vorher raunten:  Er hat sich verkalkuliert. Eine lange Strecke von Samson und anderen Partien (zudem Filmaufnahmen für einen Otello) zuvor ließ nicht gerade auf eine ausreichend […]

Verdi im Boxring

  Verdis 1855 uraufgeführte Vêpres siciliennes waren eine schwierige Geburt. Der Komponist, der sich nach Jérusalem (1847) große Hoffnung auf seine zweite Oper für Paris gemacht hatte, war mit dem Libretto unzufrieden, fühlte sich von Eugène Scribe (bzw. seinen nègres) schlecht behandelt und schimpfte nicht wenig über die Arbeitsbedingungen, zumal er schnell schreiben musste. Dann […]

Berlin: Repertoire, Concerts & Fringe

  Geliebte Pappe: Wer wissen möchte, wie schön einst Oper war und wie schön sie immer noch sein könnte, der sollte in Amilcare Ponchiellis La Gioconda in der Deutschen Oper gehen, wo alle paar Spielzeiten die Produktion aus dem Jahre 1974 aufgeführt wird und damals schon etwas Besonderes war, weil sie zeigte, wie man zur Zeit […]

Galantes Europa

  Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci mit ihrer einzigartigen Verbindung von Musik, Kunst, Architektur und Landschaft wurden seit 28 Jahren von der Künstlerischen Leiterin Andrea Palent geprägt, die mit ihren originellen Konzepten, ihrem hohen Anspruch, ihrer Leidenschaft und Energie das Festival weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt und zu einem bedeutenden Ereignis im internationalen Festspielreigen […]

Grandiose Umsetzung

  Verdi und Shakespeare – das ist eine Geschichte, die wohl schon Ende der 1830er-Jahre begann, als die erste vollständige  Übersetzung dessen theatralischer Werke in Padua erschien, und die den Komponisten nie losließ. Denn neben den beiden sein Œuvre  abschließenden Alterswerken Otello und Falstaff beschäftigte er sich auch einige Jahre lang mit  King Lear. Dass […]

Tolle Lady, müder König

  In der genialen, unvergesslichen Peter-Mussbach-Inszenierung von Verdis Macbeth aus dem Jahre 2000 hatte Plácido Domingo 2015 im Schiller Theater bereits die Titelrolle gesungen und sich danach kritisch über diese Produktion geäußert. Nun ließ die Staatsoper im Hause Unter den Linden das Werk von Regie-Altmeister Harry Kupfer für die Sängerlegende neu inszenieren. Die Premiere am 17. […]

Und wieder mal Krankenbetten

  Mittlerweile ist es keine sonderlich originelle Idee mehr, die Handlung eines Stückes in ein Krankenhaus, eine psychiatrische Anstalt, ein Pflegeheim oder gar ein Sterbehospiz zu verlegen. Derlei Beispiel gab es in Berlins Opernhäusern in den letzten Jahren zur Genüge – man denke nur an Falstaff, Cendrillon, Tristan und Isolde, Die Frau ohne Schatten oder […]

Die weiße Frau aus Böhmen

  2018 jährt sich der Geburtstag von Charles Gounod zum 200. Mal – Grund für den Palazetto, im Juni  drei  seiner Opern aufführen und zwei mitschneiden zu lassen: Le tribut de Zamora (aus München im Januar 2018 für die Eddiciones Singulares), Faust in der Erstversion als Opéra-comique/mit Dialogen  und La Nonne Sanglante (die es ja bereits 2008 in Osnabrück gegeben hat und bei cpo  777 388-2 in guter […]

Im Zickzack

  Der vielbekrittelten Verzetteltheit von Zeit und Ort der Handlung in La forza del destino ist das Team der neuen Zürcher Produktion beherzt zu Leibe gerückt. Die Bühne von Hartmut Meyer bietet nicht lediglich ein Einheitsbühnenbild, sondern auch einen einheitlichen, abstrakten Spielort. Bilder und Akte können so nahtlos ineinander übergehen, was der inszenierende Intendant Andreas […]