Neuer Stern am Counter-Himmel

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Seit ein paar Jahren sorgt der französische Countertenor Paul-Antoine Bénos-Djian mit seinen Auftritten für Schlagzeilen in den Medien. Berliner Opernfreunde erinnern sich an seine fulminante Mitwirkung in der konzertanten Aufführung von Domènech Terradellas´ Barockoper Merope in der Staatsoper 2025, im selben Jahr sang er den Farnace in Mozarts Mitridate bei den Salzburger Festspielen.

Nun erschien beim Label ALPHA-CLASSICS seine CD mit dem Titel Masques, welche Musik von Vivaldi präsentiert in einer reizvollen und abwechslungsreichen Mischung aus Vokal- und Instrumentalwerken. Für letztere ist – neben der Begleitung des Gesangssolisten – das Ensemble Café Zimmermann unter seinem Gründer, dem Geiger Pablo Valetti, zuständig. Es eröffnet das Programm mit der dreisätzigen Sinfonia in F-Dur aus Bajazet und interpretiert später noch einige Concerti (für Violine, Flöte und zwei Hörner). Das solistisch besetzte Ensemble musiziert so kultiviert wie temperamentvoll und Affekt betont.

Paul-Antoine Bénos-Djian/ Foto Laurent Laurent/Bach Kantatas

Der Solist beginnt mit der Arie des Melindo „I lacci tende più forti“ aus La verità in cimento, uraufgeführt 1720 in Venedig, in welcher der osmanische Prinz befürchtet, dass seine Geliebte seinen Halbbruder heiraten könnte, um in den adeligen Rang zu gelangen. Die Stimme ist nobel  timbriert, ausgeglichen und rund bis in die hohe Lage. Bénos-Djian stellt später noch eine Ersatzarie für diesen Titel vor („Mi vuoi tradir“). Stürmisch bewegt, steht sie für einen erregten Zustand der Figur. Die folgende Arie, „Sol da te“, stammt aus Orlando furioso (Venedig, 1727) und ist eine Liebeserklärung Ruggieros an die Zauberin Alcina. In seinem elegischen Charakter und der makellosen legato-Kultur des Interpreten ist dieser Titel ein Höhepunkt des Programms. Später erklingt noch Ruggieros Solo „Piangerò sin che l´onda“, auch diese  stellt in ihrem getragenen Duktus die Schönheit der Stimme imponierend aus. Aus den 1720er Jahren stammt die geistliche Arie „Longe mala, umbrae, terores“, welche als Introduzione zu einer Solo-Motette bestimmt war. Hier wartet der Sänger mit energischem Vortrag und stupenden Glockentönen auf. Einen effektvollen Ausklang bietet er mit der Bravourarie der aztekischen Königin Mitrena, „S´impugni la soada“, aus dem unvollständig erhaltenen Motezuma. Vivaldis Lieblingssängerin Anna Girò kreierte die Nummer 1733 in Venedig. Mit Koloraturen gespickt und von zwei Hörnern begleitet, ist sie für den Sänger ein cavallo di battaglia, und Bénos-Djian beweist das mit seinem bravourösen Feuerwerk. Die Platte wurde 2025 im belgischen Namur produziert und ist ein Vivaldi-Album der Extra-Klasse (ALPHA 1196/ 28. 05. 26)). Bernd Hoppe