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Von Jean-Baptiste Lullys Atys gibt es mehrere hochrangige Dokumente auf Tonträgern. Pionier war 1987 William Christie am Pult seines Ensembles Les Arts Florissants bei harmonia mundi france, gefolgt von Hugo Reyne und seiner Simphonie du Marais 2016.
Bei Château de VERSAILLES gab es 2022 eine besonders aufwändige Ausgabe im CD- und DVD-Format aus der Opéra de Versailles mit Leonardo García-Alarcón am Pult der Cappella Mediterranea. Ihm folgte ein Jahr später am selben Ort Christophe Rousset mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques.
Die Tragédie en musique aus dem Jahr 1676 erzählt von der Liebe der Göttin Cybèle zum Jüngling Atys, der die Nymphe Sangaride liebt. Deren Hochzeit mit dem phrygischen König Célénus, einem Freund von Atys, steht bevor. Atys unterbricht die Hochzeitsfeier und flieht mit Sangaride. Cybèle ruft aus Rache die Furie Alecton herbei, die Atys verhext. In Wahn hält er Sangaride für ein Ungeheuer und tötet sie. Wieder bei Sinnen, nimmt er sich das Leben und wird von Cybèle in eine Pinie verwandelt.
Die Neuaufnahme bei ALPHA (1193, 3 CDs) entstand im März 2024 in Paris und fußt auf der überarbeiteten Partitur von Nicolas Sceaux für das Centre de musique baroque de Versailles. Zu hören sind als Chor Les Pages et les Chantres du Centre de musique baroque de Versailles und als Orchester Les Ambassadeurs – La Grande Écurie unter Leitung von Alexis Kossenko. Der französische Dirigent fächert die gravitätische Strenge der Musik, aber auch ihren tänzerischen Übermut hinreißend auf. Eine illustre Besetzung wird angeführt von Véronique Gens als Cybèle. Frankreichs Grand Dame der Alten Musik hatte schon in ihrem Recital Passion bei ALPHA 2020 Ausschnitte aus dem Werk interpretiert – die Göttin Cybèle ist eine ihrer Glanzrollen, in der sie regelmäßig mit Erfolg auftritt. Sie zeichnet ein Porträt von kolossaler Dimension, von übermenschlicher Kraft. Auch Mathias Vidal als Titelheld ist ein renommierter Interpret im französischen Barock, wie auch Sandrine Piau als Sangaride. Er überzeugt gleichermaßen durch Intensität wie Raffinement, kreiert einen heroischen Charakter, wie man ihn so in anderen Aufnahmen nicht findet. Sie ist ideal in ihrer Rolle, wunderbar delikat und zart-verletzlich.
Neben diesem Protagonisten-Trio komplettieren die Besetzung niveauvoll in mehreren Rollen Èleonore Pancrazi, David Witzak, Antoin Rondepierre und Reinoud van Mechelen, der in der Einspielung von Christophe Rousset selbst die Titelrolle wahrgenommen hatte.
Unter den bereits existierenden Dokumenten nimmt diese Neuaufnahme einen bedeutenden Platz ein (17.06.26). Bernd Hoppe
