Wiener Staatsoper

Dünn gestrickte Touristen-Aufführung

  Die Enttäuschung war ebenso groß wie die Erwartungen: Für die Premiere der letzten Oper Bellinis, I Puritani (in der Wiederaufnahme der Produktion von 2015, vergl. den Neuen Merker online) am 4. Jänner 2017 an der Wiener Staatsoper wollte man sich  eine Aufführung erhoffen, die einem Opernhaus von internationalem Ruf würdig ist. Und die als […]

Wasserspiele

  Psycho-Thriller, Dreiecksgeschichte, Eifersuchtsdrama all das ist Claude Debussys Vertonung von Pelléas und Mélisande. Regisseur Marco Arturo Marelli hat mit seiner ansehnlichen Bühne – ein Schloss im Wassergraben – beste Voraussetzungen geschaffen. Die werden jedoch nicht genützt. Die Geschichte ist einfach und wird dennoch für rätselhaft gehalten: Ein Prinz findet eine Fremde im Wald, nimmt […]

Stalin als stummer Zeuge

  Mit einigem Recht gilt Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk (Libretto: Arkadi Preis) als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts. Die abgründige und hocherotische Thematik machte den Sowjets bereits die literarische Vorlage von Nikolai Leskow (1865) verdächtig. Der Typus einer selbstbewussten Frau, die sich nicht mehr abfinden will mit ihrem langweiligen Dasein als […]

Auf der Couch

  (…) Was Alvis Hermanis mit dem neuen Parsifal auf die Bühne stellte war nicht nur vom Zugang her falsch, sondern auch handwerklich nahezu unbewältigt. Interessant in diesem Zusammenhang was Hermanis in der ORF-Sendung „Kulturmontag“ (ORF 2, 27.3.2017) sagte:“Als ich gefragt wurde, ob ich in Wien „Parsifal“ machen würde, habe ich zunächst im Internet nachgesehen, wer […]

Traditionell und praktisch

  Verdis Oper Il Trovatore hat seit der Wiedereröffnung des Hauses am Ring eine wechselvolle Geschichte. Die Übernahmevorstellung des Werkes aus dem Theater an der Wien vom 4.2.1956 war jener Moment, der, was die Unzufriedenheit des Stammpublikums mit der Direktion Karl Böhms betrifft, das Fass zum Überlaufen gebracht hat und nach einer respektlosen Äußerung Böhms […]

„Ah, si la liberté…“

  In Fortsetzung seines Zyklus von Opern aus der Zeit vor Mozart stellt Direktor Meyer nach Händels Alcina (2010) und Glucks Alceste (2012) nun neuerlich eine Gluck-Oper, nämlich Armide, zur Diskussion. Ich habe es schon anlässlich meiner Anmerkungen zum Spielplan dieser Saison festgehalten, dass ich nicht ganz verstehe, warum man sich wieder für ein Werk […]

Unverkennbar vom ersten Ton an

Die Karriere vor der Karriere ist für mich das spannendste Kapitel in der künstlerischen Biographie von Christa Ludwig, die sich über fast ein halbes Jahrhundert erstreckt. Noch vor ihrem Engagement an das Mutterhaus des Gesangs, die Wiener Staatsoper, ließ sie in Frankfurt, Darmstadt und Hannover aufhorchen, so dass sie für etliche Operneinspielungen beim Rundfunk herangezogen […]

Vom Volksgesang zu Wagner

Großgewachsen ist sie, blond und schön – beim ersten Treffen auf der Geburtstagsfeier von Freunden in Berlin fallen einem sofort diese Merkmale von Edith Haller auf, auch ihre interessante, erotisch-dunkle Sprechstimme, das ansteckende Lachen, die bewegliche Mimik und natürlich die Hände in der Luft. Aber angesichts von Statur und blonden Haaren denke nicht nur ich […]