Aus Bayreuther Truhen

 

Orfeo unterbricht seine Bayreuther Festspielserie mit Beethoven. Dessen 9. Sinfonie hat in Bayreuth stets eine ganz besondere Rolle gespielt. Richard Wagner führte sie bei der Grundsteinlegung des Festsspielhauses am 22. Mai 1872 im Markgräflichen Opernhaus auf, das er ursprünglich für seinen Ring des Nibelungen in Erwägung gezogen hatte. 1933, nach dem Nachtantritt der Nationalsozialisten, hatte Richard Strauss an diese Tradition angeknüpft. Die nächste Aufführung gab er erst wieder 1951, zur Eröffnung der Nachkriegfestspiele, die einen Neubeginn markierten. Dafür kehrte Wilhelm Furtwängler nach Bayreuth zurück. Er kam noch einmal 1954, in seinem Todesjahr wieder, um die Sinfonie zu leiten. 1953 hatte der dirigierende Komponist Paul Hindemith diese Aufgabe übernommen. Dann war Pause bis 1963 – einem Wagnerjahr. Gedacht wurde des 150. Geburtstags und des 80. Todestages. Mit Karl Böhm, der sich in der vorangegangenen Saison als gefeierter Tristan-Dirigent in Bayreuth eingeführt hatte, kam zugleich ein ausgewiesener Beethoven-Kenner. In Gundula Janowitz, Grace Bumbry, Jess Thomas und George London stand ihm ein erfahrendes Solistenquartett zur Verfügung. Für die beiden Damen war es der Abschied von Bayreuth. Sie waren nur für dieses Konzert angereist und kehrten nicht wieder zurück. Thomas kam im selben Jahr noch als Parsifal und Walther von Stolzing zum Zuge, London als Amfortas.

Der bei Orfeo herausgekommene Mitschnitt stammt vom 23. Juli 1963 (C 935 171 B). Peter Emmerich, der den Bereich Presse, Kommunikation und Marketing leitet, hat sich im Archiv umgetan und beachtliche Zahlen und Fakten zusammengetragen. Demnach hatten auf der Bühne 150 Musiker des Festspielorchesters Platz genommen. Der Chor war um 90 Laien-Sänger auf 217 Mitglieder verstärkt worden – „einige Berichte steigerten überwältigt vom grandiosen Anblick die Zahlen sogar auf über 300 Chormitglieder oder schrieben von insgesamt 500 Mitwirkenden“. Seine Einmaligkeit bezieht das Konzert allerdings aus der Fassung der Sinfonie, wie sie Wagner selbst für seine Aufführungen eingerichtet hatte – „mit mehreren instrumentalen Retuschen“. Emmerich nennt vierfach besetzte Holzbläser und die Verdoppelung der Hörner. „So gab es einige ungewohnte Akzentuierungen im melodischen Gefüge.“ Nicht ohne Einfluss auf das Gesamtbild schien auch die Akustik des Hauses geblieben zu sein. Emmerich zitiert Kritikerstimmen, denen die eine oder andere Stelle merkwürdig „wagnerisiert“ geklungen habe. „Der klassische Beethoven … eignet sich halt nicht für eine solche Breitwandaufführung“, vermerkte die „Frankfurter Neue Presse“. Nach den Recherchen von Emmerich „waren sich schließlich dennoch ausnahmslos alle Kritiker in ihrem enthusiastischen Gesamturteil einig“. Es versteht sich, dass der Dirigent daran den größten Anteil hatte. Böhm kam bei der Kritik auch deshalb so gut weg, weil er ein „hohes Maß an klassischer Zucht“ zeigte, „das kein romantisches Abgleiten zuließ. Er habe das „Formbild des Werkes in vollendeter Schönheit“ gegeben. Das Erlebnis sei von Böhm ausgegangen. Lässt der Mitschnitt auf CD diesen Schluss auch nach mehr als fünfzig Jahren zu? Für mich schon. Insofern war es eine gute Idee der Herausgeber, die Eindrücke von damals ziemlich ausführlichen wiederzugeben, damit sich die Hörer von heute ihr eigenes Urteil bilden können. Ein durch und durch phantastisches Klangbild wird dabei behilflich sein. Es gibt trotz der erweiterten Besetzung keine Übersteuerungen, Solisten und Chor sind sehr präsent und immer gut zu verstehen.

 

Mit dem „Lohengrin“ unter der Leitung von Rudolf Kempe hat Orfeo auch dieses Werk zweifach im Bestand.

Indessen hat Orfeo seiner Festspielreihe den zweiten Lohengrin hinzugefügt. Auf den Mitschnitt von 1959 folgt nun eine Aufnahme vom 30. Juli 1967 (C 850 113D). Warum diese und keine andere? Nicht immer ist die Auswahl, die Orfeo trifft, nachvollziehbar. Den glanzvollen Höhepunkt der musikalischen Auseinandersetzung mit dem Lohengrin markiert für mich das Jahr 1972. Unter der Leitung von Silvio Varviso sangen Hannelore Bode die Elsa, Ursula Schröder-Feinen die Ortrud, René Kollo den Lohengrin, Donald McIntyre den Telramund und Karl Ridderbusch den König. Prachtvoller hat Wagner selten geklungen wie damals. Die Inszenierung war dieselbe wie 1967, als sie erstmals über die Bühne ging. Mit der Neuinszenierung von Wolfgang Wagner begann diese schwierige Saison. Wieland lebte nicht mehr. Er war am 17. Oktober 1966 gestorben. Sein Bruder musste die Last des berühmtesten deutschen Festivals fortan allein tragen. Bei dem Mitschnitt handelt es sich nicht um die Eröffnungspremiere. Orfeo entschied sich mit seiner Ausgabe für die Wiederholung eine Woche später, bei der James King Sandor Konya in der Titelrolle abgelöst hatte. Das sollte nicht der einzige Wechsel der Saison bleiben. In den weiteren Vorstellungen sangen noch Jess Thomas und Hermin Esser, der ursprünglich nur als einer der vier brabantischen Edlen besetzt war. Es ist der erste Lohengrin Kings, der auf Tonträgern überliefert ist.

King war kein Neuling in Bayreuth. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er als Siegmund auf sich aufmerksam gemacht, eine Rolle, die ihm mehr lag als der lyrische Lohengrin. Sein Schwanenritter lässt technisch keine Schwierigkeiten erkennen. King ist sehr sicher und professionell – und bestens zu verstehen. Der Auftritt wie aus einer anderen Welt. Metallisches Timbre ist sein unverkennbares Markenzeichen. Defizite offenbaren sich in der Gestaltung, die zu eindimensional und zu distanziert bleibt und die durchaus magische Stimmung bei der Ankunft nicht zu steigern vermag. Was sich schon Anfang der 1960er Jahre abgezeichnet hatte, tritt jetzt noch deutlicher hervor. Mit diesem Lohengrin wurden die Besetzungen bei den Festspielen noch internationaler. King, Grace Hoffman (Ortrud) und Thomas Tipton (Heerrufer) kamen aus den USA, Heather Harper (Elsa) aus Großbritannien und Donald McIntyre (Telramund) aus Neuseeland. Einzig Karl Ridderbusch (König Heinrich), die Edlen und die Edelknaben waren deutscher Zunge. Zu spüren ist das nicht. Nur wer genau hinhört und das Werk aus dem Effeff kennt, dem fallen die Petitessen bei der Aussprache auf – eine falsche Betonung, eine verschluckte Endung, ein verwischter Konsonant. Viel mehr nicht. Was ausnahmslos alle Solisten leisten, um dieses Werk als die romantischste aller deutschen Opern zum Klingen zu bringen, stellt sich auch heute noch als beachtlich dar.

Für Heather Harper war die Elsa nur ein kurzes Gastspiel bei den Festspielen. Sie kehrte in der Rolle 1968 nur noch einmal zurück. Bleibenden Eindruck sollte sie nicht hinterlassen. Kritiken, die im Booklet zitiert werden, rühmen ihren „leidenschaftlichen Ausdruck“. Sie habe „eine sehr edle, sehr mädchenhaft empfindungsreiche und stimmlich beseelte Elsa“ voller „Reinheit und Süße“ gegeben. Fünfzig Jahre danach klingt der Mitschnitt anders. Obwohl erst siebenunddreißig Jahre alt, fehlt es ihr nach meinem Eindruck gerade an jugendlichem Ausdruck. Sie wirkt sehr bemüht und etwas zugeknöpft. Unter historischen Gesichtspunkten sind diese zeitgenössischen Kritikermeinungen dennoch höchst interessant. Einige Urteile haben über die zeitliche Distanz nicht gehalten. Wahrnehmungen wandeln sich genauso wie der Vortragsstil. Und dass Grace Hoffmann die Ortrud „fast zu schön“ gesungen haben soll, dürfte zudem nur aus der Tatsache zu erklären sein, dass Astrid Varnay als ihre Vorgängerin besonders scharfe Akzente gesetzt hatte. Schön klingt anders. Schön hat die Rolle Christa Ludwig gesungen, die damit leider nicht in Bayreuth aufgetreten ist. Die Hoffman ist mir zu farblos. Bayreuth-Debütant McIntyre wirkt auf mich stilistisch am modernsten. Er stand am Beginn seiner Wagner-Karriere, in deren Verlauf er als Holländer, Wotan, Holländer, Kurwenal und Amfortas starke Akzente setzte. Tipton erweist sich für den Heerrufer als wenig geeignet, weil er seine Verlautbarungen streckenweise wie Arien vorträgt. Allseits perfekt agiert Karl Ridderbusch als milder, ja sanfter und nachdenklicher König, dem das Schicksal Elsas nahe zu gehen scheint. Zumindest klingt es so. Er ist vom Erscheinen Lohengrins selbst tief ergriffen. Rasch wird er aber erkennen, dass Gott nicht nur Elsa, sondern auch ihm selbst den Retter in der Not geschickt hat, um die aufmüpfigen Ungarn mit Waffengewalt in die Schranken weisen zu können.

Rudolf Kempe dirigierte 1967 seinen ersten Lohengrin in Bayreuth. Den viel beachteten Einstand hatte er 1960 mit dem Ring des Nibelungen gegeben. Im Booklet zitiert Peter Emmerich, Leiter des Pressebüros, auch die „Nürnberger Nachrichten“, die zu dem Schluss gelangen, dass Kempe nunmehr „mit dem Festspielorchester weit substanzieller“ umgehe, „als man das von ihm bisher auf dem grünen Hügel gewohnt war. Da ist Kraft, Farbe und Wohllaut“. Er habe die Partitur ganz von ihren „lyrischen Seite“ genommen. „Dabei blieb Kempe stets in den Grenzen einer sozusagen symphonischen Kammermusikalität, besorgt um durchsichtige Struktur, um die klare Scheidung des tonalen Grundkolorits der Gralsklänge und der finsteren Welt Ortruds…“. Durchgehend finde ich diese Einschätzung – so wie bei den Wertungen der Stimmen – nicht bestätigt. Vielmehr weist der Mitschnitt Kempe als Dramatiker aus, der es auch schon mal kräftig krachen lässt.

 

Mit dem „Ring des Nibelungen“ von 1961 ist der Vierteiler, für den Wagner das Festspielhaus errichten ließ, nun dreimal im Orfeo-Katalog (C 928 613 Y).

Noch ein Ring aus Bayreuth gefällig? Der wievielte eigentlich? Ich habe sie nicht gezählt. Schon auf die Gefahr hin, am Ende einen vergessen zu haben. Nach Keilberth, Knappertsbusch, Krauss, Böhm, Boulez, Barenboim, Thielemann nun auch Rudolf Kempe. Seit er für die EMI einen Querschnitt durch das Rheingold mit angepassten Übergleitungen zwischen den einzelnen Szenen (1959), die Meistersinger-Gesamtaufnahmen (1951 in Dresden und 1956 EMI) und einen kompletten Lohengrin (1963 EMI), dem 1951 die Münchner Rundfunkproduktion bei BASF vorausgegangen war, vorgelegt hatte, war sein Name mit Wagner unauflöslich verbunden. Insofern war es nur logisch, dass er auch nach Bayreuth gerufen wurde. Dort dirigierte er den Ring des Nibelungen zwischen 1960 und 1963. Bei Orfeo ist zuletzt der Mitschnitt von 1961 herausgekommen (C 928 613 Y). In Mono, dafür aber wie immer sorgfältig aufgefrischt. Seinen hohen Ansprüchen an den Klang bleibt das Label auch mit dieser Neuerscheinung treu. Aus den Lautsprechern soll möglichst viel von dem herüber kommen, was das Publikum einst im Festspielhaus gehört hat. Alle in der Reihe erschienen Aufnahmen – den neuen Lohengrin einbezogen – dokumentieren also nicht nur Sänger, Orchester und Dirigenten – sie dokumentieren auch die Akustik, die Atmosphäre, die Stimmung einschließlich aller möglichen Bühnengeräusche und Befindlichkeiten der Atemwege des Parketts, die sich in befreiendem Husten äußern. Als würde Luft in Gläsern konserviert. So etwas grenzt an Wunder. Das Unmögliche gelingt. Auf CD kamen auch diesmal die jeweiligen Abende. Nachträglich wurde nicht herumgeschnippelt, um aus verschiedenen Bändern eine astreine Vorstellung zusammenzubasteln. Beifall darf auch sein, weil der damals in Bayreuth meist zustimmend gewesen ist. Vorstellungen endeten nicht in einem Buh-Orkan, der sich in der Regel gegen die Regie richtete. LIVE ist im Logo der Bayreuther Festspielserie von Orfeo nicht ganz zufällig in Gold, Versalien und in herausragender Schriftgröße verankert. Live bedeutet Programm, Versprechen und Anspruch. Live ist, was wirklich geschah.

Die Sensation im „Tannhäuser“ aus dem Jahre 1961 war die Venus von Grace Bumbry (C 888143).

Dieser Ring des Nibelungen bewahrt auch die Patzer, die im Studio kein Aufnahmeleiter durchgehen ließe. Sie stören nicht, weil sie ein zutiefst menschlicher Faktor sind. Kempe war für die Neuinszenierung von Wolfgang Wagner engagiert worden. Sie löste die erste Nachkriegsdeutung seines Bruders Wieland ab und wurde anfangs kritisch beäugt. Im zweiten Jahr, in dem aufgezeichnet wurde, legte sich die Skepsis. Zustimmung überwog. Mit dieser Arbeit hatte sich Wolfgang endgültig auch als Regisseur etabliert. Kempe ist nicht vom ersten Ton an voll da. Er steigert sich. Im Rheingold fallen noch Koordinierungsschwierigkeiten zwischen Orchester und Bühne auf, gegen Ende des Vorspiel zum zweiten Aufzug der Walküre gibt es ein undefinierbareres Gewirr und beim Walkürenritt sollte man auch nicht zu genau hinhören. Nach und nach klingt es immer prachtvoller und sicherer aus dem Graben herauf. Gar nicht so leicht und transparent, wie gelegentlich zu lesen ist. Kempe packt durchaus auch kräftig zu und dreht gewaltig auf. Manchmal sind die Stimmen zu vordergründig. Dadurch verschieben sich akustische Proportionen. Besonders auffällig wird das im ersten Aufzug der Walküre.

Régine Crespin und Fritz Uhl als Sieglinde und Siegmund fallen fast aus den Lautsprechern heraus. Ich war versucht, im Nebenzimmer nachzuschauen, ob sie sich dort aufhalten. So nahe sind sie. Wie kommt das? Sind die Mikrophone mit dieser Wirkung positioniert gewesen oder wurde beim Remastering vielleicht doch ein wenig zu stark an der Sängerschraube gedreht? Am meisten gewinnt dadurch die Wortverständlichkeit. Die Solisten, zu denen noch Gottlob Frick als auch stimmlich schwer bewaffneter Hunding tritt, sind ihre eigenen Textbücher. Angehende Sänger sollten sich das anhören. Sie würden sich – nicht zu ihrem Schaden – in einer Unterrichtsstunde für genaue Artikulation wiederfinden. Uhl ist zwar etwas deftig, singen aber kann er. Seine Reserven sind unbegrenzt. Eine Stimme, die nichts umhaut. Die Wälse-Rufe kommen aus voller Brust. Lyrik ist nicht seine Stärke. Die Crespin, holt aus ihrer Partie gestalterisch alles heraus, was ihr möglich ist. Die Rolle sitzt. Dennoch klingt sie etwas angestrengt, trocken und reserviert. Sechs Jahre später wird sie bei den ersten Salzburger Osterfestspielen die Brünnhilde in der Walküre singen. Was ihr erst bevorsteht, hat Astrid Varnay, ohne die das Nachkriegsbayreuth nicht vorstellbar ist, vernehmbar hinter sich. Nämlich ihre besten Tage als Brünnhilde. Sie singt die Rolle in der Walküre, in Siegfried und Götterdämmerung übernimmt Birgit Nilsson. Bei ihr sind für den besseren Sitz der Töne und die klaren Höhen Abstriche in der Ausdeutung die Figur hinzunehmen. Selten habe ich bei der Nilsson so wenig verstanden. Was die Varnay nur noch antippen kann, schleudert die Nilsson, ohne mit der Wimper zu zucken, heraus. Dabei sind beide gleichaltrig, geboren 1918 in Schweden.

Dramatik pur: Der gespenstische „Fliegende Holländer“ unter der musikalischen Leitung von Hans Knappertsbusch (C 692092).

Und Siegfried? „Der bläst so munter das Horn.“ Was Hagen – kein anderer als Frick – im ersten Aufzug der Götterdämmerung so treffend über den Helden bemerkt, liest sich wie eine Beschreibung der Leistungen von Hans Hopf. Obwohl schon 1951 als Walther von Stolzing in den Eröffnungs-Meistersingern unter Herbert von Karajan und als Solist bei der von Wilhelm Furtwängler geleiteten 9. Sinfonie von Beethoven mit dabei – Mitschnitte sind offiziell bei der EMI erschienen – sollten acht Jahre bis zu seiner Rückkehr auf den Grünen Hügel im Jahr 1960 verstreichen. Bis 1964 sang er durchgehend den Siegfried – mit unvergleichlichem Timbre – versiert, zuverlässig, robust. An die Stelle von Jugendlichkeit setzt er Erfahrung. Etwas knapp fällt hin und wieder die Höhe aus. Es gab in seiner Anwesenheit nie eine doppelte oder gar alternative Besetzung, geht aus den Annalen der Festspiele hervor. Hopf sagte auch nie ab. An seiner Unersetzbarkeit ließ er nicht den geringsten Zweifel. Dadurch erwies er sich als eine der Stützen dieser Produktion.

Ein Fall für sich ist Otakar Kraus als Alberich. Offenbar hat ihn Kempe aus London mitgebracht, wo er schon 1957 in der Produktion in Covent Garden der Alberich gewesen ist. Davon gibt es bei Testament einen Mitschnitt. Ursprünglich stammt Kraus aus Prag. Dort wurde er 1909 geboren. Internationale Berühmtheit erlangte er mit dem Nick Shadow in der Uraufführung von Stravinskys The Rake’s Progress 1951 in Venedig. Mit Robert Lloyd, Willard White, John Tomlinson und Gwynne Howell hatte er gleich vier Schüler, die später berühmt wurden. Ein Schönsänger war Kraus nicht. Bei ihm überwiegt das gestalterische Element. Mich stört, dass die Stimme zu sehr schwingt. Sein Fluch im Rheingold verflüchtigt sich rasch in Sprechgesang. Dann fehlt einem schon der Gustav Neidlinger, der in Bayreuth als Alberich von niemandem ausgestochen wurde. Gerhard Stolze wabert als Loge umher und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, sobald er den Mund aufmacht. Mime ist mit Herold Kraus grundsolide besetzt und produziert gelegentlich selbst Töne wie ein Heldentenor. Grenzen werden als darstellerischer Effekt gut verkauft. Kraus ist ein Profi allererster Güte, der heute Mime und morgen Pedrillo oder Jaquino sang.

Der erste „Lohengrin“, den Orfeo in seiner Festspielreihe veröffentlichte, stammt von 1959 (C 691063).

1961 war manches anders als in den Jahren zuvor. Es zeigte sich auch in Bayreuth, dass die Opernhäuser und mehr noch die Festivals zu Vorreitern der Globalisierung wurden. Mit Jerome Hines als Wotan und James Milligan als Wanderer teilten sich erstmals ein Amerikaner und ein Kanadier die Rolle des Chefgottes. Mit Ausnahme des Holländers Anton van Rooy, der den Wotan von 1897 an sang, dürfte bis in die 1960er Jahre kein anderer Ausländer besetzt gewesen sein. Nach dem ewigen Hans Hotter, der in mindestens sechs Spielzeiten hintereinander als Wotan Wurzeln geschlagen hatten, waren plötzlich neue Töne zu vernehmen. Der vierzigjährige Hines verbreitet Frische in Stimme und Erscheinung, versehen mit einem Schuss Beliebigkeit. Ohne Schaden zu nehmen, kommt er über die nicht enden wollenden Erzählungen im zweiten Aufzug der Walküre. Da hatte ihm Hotter, der mehr Geheimnis und Spannung hineinlegte, einiges voraus. Bei Hines dauern sie gefühlt noch etwas länger. Dennoch hört er sich sehr gut an. Milligan ist gerade mal dreiunddreißig. Ihm sollten nur noch wenige Monate bleiben. Er starb im November desselben Jahres bei einer Probe in Basel an den Folgen einer Herzkrankheit. Auf der Schwelle zur Weltkarriere. Um so einen ist es wirklich schade. Er hatte das Zeug für einen Heldenbariton mit einer tragfähigen und stabilen Mittellage, aus der er sich gewaltig steigern konnte. Davon weiß er vor allem in der Rätselszene im ersten Siegfried-Aufzug Gebrauch zu machen. Sein Deutsch ist nahezu perfekt. So auf den Punkt wie er singt heute kaum jemand mehr. Dem ersten Eindruck nach lässt die Stimme auf einen reiferen Sänger schließen. Ein derartiges Volumen und diese Kraft sind für sein Alter ungewöhnlich. Noch sind nicht alle Kanten und Ecken dieser Naturstimme abgeschliffen. Das wirkt zusätzlich reizvoll. Für mich ist James Milligan die eindrucksvollste Gestalt dieses Mitschnittes, mit dem ihm nun ein klingendes Denkmal gesetzt wird. Nur in wenigen anderen Aufnahmen hat er mitgewirkt. Einiges gibt es von Arthur Sullivan, aus Kanada hat sich ein Messiah erhalten und bei der EMI ein Glyndebourne-Idomeneo, in dem er den Arbace singt.

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Mit Thomas Stewart als Donner und Gunther tritt noch ein Amerikaner in Erscheinung, der die kommenden zehn Jahre in Bayreuth maßgeblich mit prägen sollte – dann aber als Holländer, Wotan und Amfortas. Erst am Ende seiner Zeit bei den Festspielen gönnte er sich 1972 nochmals einen Gunther, der als eine der undankbarsten Rollen im ganzen Ring gilt. Als Episode erweist sich der Fasolt des Schotten David Ward, der sich in anderen Häusern als Wotan oder Holländer einen Namen gemacht hatte. Seien Bruder Fasolt, der im Siegfried als Wurm wiederkehrt, ist mit Peter Roth-Ehrang untadelig besetzt. Nur einmal kam der Amerikaner David Thaw als Froh bei den Festspielen vorbei. Sein Auftritt bleibt blass. Damit wurde eine Chance vertan, die Bedeutung der kleinen Rolle gebührend herauszustellen. Froh weist nach dem Gewitter im Rheingold der Regebogenbrücke den Weg nach Walhall. Für mich gehört diese Szene zu den allerschönsten Erfindungen von Wagner. Ich würde sie mit einem Tenor besetzen, der den Zuschauern durch Schöngesang den Atem verschlägt. Thaw aber verschlägt nichts.

Im "Parsifal" von 1964 unter der Leitung von Hans Knappertsbusch singt Jon Vickers die Titelrolle (C 690074 L).

Im „Parsifal“ von 1964 sang Jon Vickers die Titelrolle. Zum letzten Mal leitete Hans Knappertsbusch das Werk. Damit ging eine Ära zu Ende (C 690074).

Regina Resnik, die noch als Sopran bereits 1953 als Sieglinde und dritte Norn Erfahrungen in Bayreuth gesammelt hatte, kam 1961 für nur ein Jahr als Fricka wieder, um Wagner mit einer veristischen Oper zu verwechseln. Ihre amerikanische Landsmännin Grace Hoffman, die 1961 als Waltraute, Siegrune und zweite Norn beschäftigt war, blieb in diversen Rollen bis 1970. Nicht unerwähnt soll Ingeborg Felderer bleiben, die 1961 als Woglinde, Helmwige und Waldvogel debütierte. Sie brachte es bis an die Met und trat auch unter dem Namen Ina Delcampo auf. Als Chefin des italienischen Labels Melodram versorgte sie später den Markt mit vielen Bayreuth-Mitschnitten, die allerdings nicht den Segen der Festspielleitung fanden, den Ruhm des Festivals und seiner exklusiven Besetzungen aber in alle Welt trugen. Nur einen Sommer sangen Wilma Schmidt als glücklose Freia, Gutrune und Ortlinde, sowie Elisabeth Steiner als Wellgunde und Grimgerde. Kein anderes Festival ist so gut dokumentiert wie die Bayreuther Festspiele – in Schrift, Bild, Film und Musik. Schon in der Nazizeit wurden komplette Werke aufgenommen, die später auf Tonträger gelangten. Tannhäuser in der Pariser Fassung von 1930 ist leider nicht komplett überliefert. Der Wiederbeginn 1951 klingt in mehreren offiziellen Aufnahmen nach, die zwar auf Mitschnitten beruhten, nachträglich aber fast schon zu Studioproduktionen veredelt wurden. EMI, Teldec, Philips und Deutsche Grammophon stiegen sukzessive in dieses Geschäft ein. Bis heute sind diese Produkte zu haben. Decca schnitt bereits 1955 erstmal einen Ring in Stereo mit, versenkte die Bänder aber im Archiv, um der eigenen ersten Studioproduktion unter Georg Solti in London keine Konkurrenz zu machen. Erst als Testament 2006 damit auf den Markt kam, entpuppte sich dieses Unterfangen als eines der spannendsten Kapitel der Veröffentlichungsgeschichte. Echte Live-Atmosphäre hatten zunächst nur die Piraten-Labels verbreitet. Sie brachten die Mitschnitte vieler Rundfunkübertragungen, die zum alljährlichen Ritual wurden, als Plattenboxen heraus. Orfeo ist ziemlich spät auf diesen Zug aufgesprungen.

 

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Bayreuth Orfeo Tristan Karajan

Mit „Tristan und Isolde“ von 1952, dirigiert von Herbert von Karajan, startete Orfeo seine Live-Serie von den Bayreuther Festspielen (C 603033.)

Mit dem Tristan von 1951, der ebenfalls schon auf dem grauen Markt die Runde als LP und sogar CD gemacht hatte, wurde 2003 ein neues Kapitel aufgeschlagen (C 603033 D). Im Grußwort der Box deutete Wolfgang Wagner an, das dazu manche Vorbehalte und „gewisse Zweifel“ zu überwinden waren. Angeblich soll sich der Bayerische Rundfunk geweigert haben, seine Bänder zur Verfügung zu stellen. Wie dem auch sei. Das Ergebnis zählt. Es stellte alles in den Schatten, was bis dahin kursierte. Nach mehr als fünfzig Jahren konnte Bayreuth endlich eins zu eins nachgehört werden. Für mich war das ein unvergesslicher Moment, der mir noch heute den Atem verschlägt. Kein Buch, kein Zeitungskritik, kein Bild – nichts konnte ersetzten, was da plötzlich aus den Lautsprechern kam. Endlich war begriffen worden, dass dieses Festival in seiner Bedeutung nur dann richtig erfasst werden kann, wenn es auch klingend bewahrt bleibt. Schlag auf Schlag folgten bei Orfeo die anderen Werke des so genannten Bayreuther Kanons, also jene Opern, die dort aufgeführt werden: Tannhäuser 1955 (C643043) und 1961 (C 888143), Holländer 1955 (C 692092), Lohengrin 1959 (C 691063) und nun auch 1967, Parsifal 1964 (C 690074). Zweifach wurden die Meistersinger veröffentlicht und zwar von 1960 (C 917154) und von 1968 (C 753084). Mit dem neuen Ring des Nibelungen ist der Vierteiler, für den Wagner das Festspielhaus errichten ließ, sogar dreimal im Katalog: 1953 (C 809 113), 1956 (C 660 513) und nun 1961. Es darf so weitergehen. Rüdiger Winter

  1. Philipp Schwarz

    Kempe-RING – nach London nun auch aus Bayreuth
    Es gab ja bereits einen respektablen RING-Mitschnitt, den Rudolf Kempe 1957 in London dirigiert hat – in etwas anderer Besetzung zwar, aber immerhin ist die Lesart der RING-Partitur durch diesen Orchesterleiter bereits deutlich geworden – und damit auch die vielleicht überraschende Erkenntnis, dass die Unterschiede zu anderen Bayreuther RING-Dirigenten aus dieser Zeit nicht so erheblich sind wie man das gern heraushören möchte. Fragen der Rollenbesetzung kritisch zu hinterfragen ist immer ein schwieriges Unterfangen, wenn es sich um einen Live-RING-Zyklus handelt. Wenn zwischen dem 26. und dem 30. Juli 1961 allabendlich bis zu 4 Stunden hochdramatischer Musik dargeboten wurden, dann musste man eigentlich schon froh sein, dass man 14 Stunden Kontinuität beim Orchester und beim Dirigenten erwarten durfte. Diese Einheit der Besetzung auch von den Sängern zu verlangen, wäre dann wohl doch zu optimistisch gedacht gewesen… So muss man sich also von einem Tag zum anderen mit einigen Umbesetzungen arrangieren, einerseits sicherlich irritierend, andererseits aber auch die gesangliche Vielfalt vermehrend. Im RHEINGOLD glänzt Jerome Hines mit vorzüglicher Diktion als Wotan. Gerhard Stolze singt an diesem Abend nicht den Mime, sondern den Loge – als Mime ist Herold Kraus besetzt, sehr charakteristisch und mehr als rollendeckend. Regina Resnik, wie ihr Kollege Jerome Hines von der MET in New York kommend, orgelt eine wunderbar resolute Fricka, Otokar Kraus gefällt mir als Alberich, Marga Höffgen gibt eine bodenständige Erda und David Ward hat die nötige Bassschwärze für den Fasolt. Den ersten Akt der WALKÜRE eröffnen Fritz Uhl (unauffällig, aber solide wie immer), Regine Crespin (sehr schön in der Mittellage mit konzentriertem Ton, in der Höhe aber gespreizt und faserig) und Gottlob Frick (bassgewaltig wie gewohnt, aber mit störendem grässlich-schwäbelndem Dialekt). Jerome Hines ist gottlob als Wotan erhalten geblieben und liefert an diesem 2. RING-Abend sein Meisterstück ab – klar in der Diktion, präsent in der Gestaltung, mit mächtiger Stimme (wobei die innigen Momente leider etwas vernachlässigt werden). Dennoch: die Schlusspassage „Wer meines Speeres Spitze fürchtet…“ habe ich noch nie so gewaltig, so niederschmetternd, so triumphal gehört. Auch Regina Resnik in der Rolle der Fricka begegnet man wieder – und das ist gut so! Astrid Varnay überzeugt mit ihrer wenig heroischen Version des Brünnhilden-Auftritts noch nicht, findet aber im Verlauf des Abends sowohl die auftrumpfenden als auch die subtilen Töne für die Partie und gestaltet den Charakter sehr intelligent. Ingeborg Felderer ist zu schmalstimmig für die Helmwige. Auch mit der Stimme des Waldvogels im SIEGFRIED hat sie einige Probleme. Jerome Hines ist leider abhanden gekommen und durch James Milligan ersetzt worden – nicht die schlechteste Wahl… Herold Kraus charakterisiert den Mime weiterhin ganz vorzüglich, und auch die Höffgen ist erhalten geblieben. Hans Hopf steigt als Siegfried neu in den RING ein und auch Birgit Nilsson als Brünnhilde – beide mit frischem Ton und jugendlich-schlanker Stimmführung, Hopf wirkt unbekümmert und unverkrampft, gerade richtig für den Siegfried, und auch die Nilsson hat noch nicht die statuarische Brillanz der späteren Jahre. In der GÖTTERDÄMMERUNG kämpft Hans Hopf mit stimmlichen Ermüdungserscheinungen, Thomas Stewart singt einen langweiligen Gunther (wie soll man den auch sonst singen?), Otokar Kraus ist nach wie vor solide als Alberich, Frick näselt sich jetzt durch die Partie des Hagen, gewaltig auftrumpfend und stimmlich beeindruckend, während die Nilsson erst jetzt zu ihrer imposanten Form findet – mit edler Stimme und einem überwältigenden Schlussgesang. Besonders hervorzuheben ist Grace Hoffmann, die neben der 2. Norn eine ganz herausragende Waltraute singt und deklamiert. Das einzigartige und musikalisch sehr vielschichtige Nachspiel hat Kempe leider teilweise verschenkt – da haben Keilberth und vor allem Knappertsbusch mehr daraus gemacht! Das Booklet ist reichlich bebildert und dreisprachig (dt., engl., franz.) betextet, es enthält allerdings nicht das Libretto. Abschließend noch eine Anmerkung zur Verpackung: die Firma ORFEO hat jede der 13 CDs aufwendig einzeln verpackt – in einen quadratischen Mini-Umschlag, der zu allem Überfluss auch noch mit einer selbstklebenden Folie verschlossen ist. Wie kann man auf eine so unpraktische Idee kommen? Insgesamt steht dieser RING-Zyklus für mich gleichrangig neben anderen Bayreuther Aufnahmen der 50-er und 60-er Jahre (Clemens Krauss, Keilberth, Knappertsbusch, Böhm…). Solide, aber nicht herausragend.

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  2. Konstantin Mann

    Zitat: „Mit Jerome Hines als Wotan und James Milligan als Wanderer teilten sich erstmals ein Amerikaner und ein Kandier die Rolle des Chefgottes. Mit Ausnahme des Holländers Anton van Rooy, der den Wotan von 1897 an sang, dürfte bis in die 1960er Jahre kein anderer Ausländer besetzt gewesen sein.“
    Sie vergessen leider den Schweden Sigurd Björling, im Jahre 1951 der erste Sänger des Wotan/ Wanderers nach dem Zweiten Weltkrieg. Nachhören kann man ihn in einem Mitschnitt des Dritten Aufzugs der „Walküre“ unter der Leitung von Herbert von Karajan. Früher einmal bei EMI erhältlich.

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    1. Rüdiger Winter Artikelautor

      Sehr geehrter Herr Mann, Ihr Hinweis auf Sigurd Björling als Wotan und Wanderer 1951 in Bayreuth ist mehr als angebracht. Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie meinen Beitrag um diesen wichtigen Fakt ergänzt haben. Björling ist mir schlicht durchgerutscht. Dabei schätze ich ihn auch wegen seines sehr individuellen Timbres sehr. Die von Ihnen erwähnte EMI-Aufnahme des dritten Aufzuges der „Walküre“ kenne ich auch. Bei Myto sind sogar „Rheingold“ und „Siegfried“ komplett herausgekommen. Nach wie vor ranken sich Legenden und Vermutungen um diesen ersten „Ring“ der Nachkriegsfestspiele. Es wäre zu wünschen, dass er eines Tages komplett vorliegt. Auch in Erinnerung an den schwedischen Heldenbariton Sigurd Björling. Mit besten Grüßen und Wünschen für Sie verbleibt Rüdiger Winter

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