Maria Kouba

 

Maria Kouba (geborene Strobl, gesch. Boshart, geb. 2. 2. 1922)  österreichische Sopranistin, verstarb an 15. Mai 2021 nach kurzer Krankheit im 100. Lebensjahr in Voitsberg. Aus ihrem umfassenden Repertoire bleibt sie vor allem mit ihrer Glanzpartie – der Salome von Richard Strauss in Erinnerung. Mit dieser Partie feierte sie ihr vielbeachtetes Bühnendebut 1957 an der Oper Graz sowie Erfolge an allen großen Bühnen von Wien bis New York. An die 400 Auftritte als Salome inklusive eigenem Schleiertanz sind selten in der Geschichte dieser Oper.

Als Maria Sofie Strobl am 2.2.1922 in Altenmarkt/Steiermark geboren, früh vom Vater im Geigen-, Cello und Saxophonspielen unterrichtet, schlug sich Maria und die Familie als Musikanten in der Kriegs- und Nachkriegszeit durch. Ihre spätere Gesangsausbildung bei Maria Salmar in Graz finanzierte Maria mit Ihrem Gehalt als Sekretärin der Krankenkassa Voitsberg. 1946 heiratete sie den tschechischen Dirigenten Stefan Kouba und lebte danach 8 Jahre lang hinter dem Eisernen Vorhang in der damaligen Tschechoslowakei, wo das Ehepaar an den Opernhäusern von Ostrava und Bratislava als Kapellmeister bzw. als Choristin tätig war.

1956 gelang dem Ehepaar die Rückkehr nach Österreich. 1957 erfolgte das überraschende Bühnendebut als Salome  in einer Neuproduktion der Oper Graz. Maria Kouba sprang kurzfristig während der Proben ein und feierte einen Sensationserfolg. Sie erhielt einen Vertrag der Grazer Oper, wo sie rasch zu einem Publikumsliebling wurde. In den folgenden drei Saisons sang sie an 133 Abenden 16 verschiedene Hauptrollen in 11 Premieren – am häufigsten die Saffi im „Zigeunerbaron“, gefolgt von Puccinis Butterfly und Verdis „Troubadour-Leonore“ sowie viele andere Partien. 1960 folgte sie dem Ruf an die Städtischen Bühnen Frankfurt, wo sie 23 Jahre lang Ensemblemitglied war und ein breites Repertoire pflegen konnte. Sie kehrte aber auch immer wieder gerne für Gastspiele an die Grazer Oper zurück.

Maria Kouba trat zudem an vielen großen Opernhäusern der Welt – von Wien, München, Berlin, London, Paris bis Sydney und New York auf. Nach ihrem Aufsehen erregendem Debut an der Metropolitan Opera New York 1965 als Salome (unter Karl Böhm) wurde sie in den USA und Kanada fortan als „Sexbombe der Opernbühne“ gehandelt. Sie verkörperte beinahe alle Sopranpartien von Verdi und Puccini – von der Traviata bis zur Tosca, von Mozarts Donna Anna bis Wagners Eva, Senta, Sieglinde und Ortrud – aber auch die „Fidelio“-Leonore, die Belcanto-Partie der „Maria Stuarda“ und Partien in zeitgenössischen Werken wie die Frau in Schönbergs „Erwartung“ oder die Renata in Prokofievs „Der Feurige Engel“. Ihre alles überstrahlende Glanzpartie war aber bis Mitte der 1970er Jahre die Salome!  Heute noch geraten Opernfreunde darüber ins Schwärmen.

In Maria Kouba begegnete man einer ästhetischen Bühnenerscheinung und Singschauspielerin ersten Ranges. TV-Produktionen von „Salome“, „Jenufa“ und „Cavalleria Rusticana“ sowie zahlreiche Rundfunkaufnahmen dokumentieren die Glanzzeit der Künstlerin in den 1960er Jahren. Unverständlich ist hingegen, dass es keine offiziellen Plattenaufnahmen dieser vielseitigen Sängerin gibt.

Maria Kouba arbeitete mit Dirigenten wie Karl Böhm, Georg Solti, Carlos Kleiber, Lovro von Matacic, Josef Keilberth, Heinrich Hollreiser, Peter Schneider und Regisseuren wie Rudolf Hartmann, Günter Rennert, Wieland Wagner und Otto Schenk um nur einige zu nennen.

Sie galt als eine der zuverlässigsten Sängerinnen – stets perfekt vorbereitet ist sie unzählige Male für Kolleginnen eingesprungen – selbst hat sie nie abgesagt. Trotz vieler Auszeichnungen und Preise – etwa dem ersten Preis des Gesangswettbewerbs des Österreichischen Rundfunks und des „Belcanto-Wettbewerbs“ in Brüssel – beide 1957 – sowie dem „Grand Prix des Nations“ 1963 in Paris als beste Sängerin aus 22 Nationen blieb sie stets bescheiden. Nach allem Unbill des Kriegs und der schwierigen Anfangsjahre war Maria Kouba immer dankbar ihren Lebenstraum als Sängerin erfüllt zu haben.

Nach ihrem Bühnenabschied 1982 übersiedelte sie mit ihrem zweiten Ehemann nach Kanada, kehrte aber 10 Jahre später alleine wieder in die steirische Heimat zurück. Die Familie war immer ihr Rückhalt. Die letzten Jahre verbrachte sie im Seniorenheim in Voitsberg stets liebevoll umsorgt von ihrem Neffen Reinhold Haring und seiner Familie. Am 15.05.2021 trat sie von der Bühne des Lebens ab. (Quelle Otto Krcal; Weiterführende Informationen und Foto oben www.mariakouba.at)

  1. Ekkehard Pluta

    Die TV-Produktion von „Salome“ (1960) mit Julius Patzak als Herodes, Hans Hotter als Jochanaan sowie Ludwig Weber und Hans Braun als Nazarenern ist komplett bei youtube zu besichtigen. Von „Cavalleria rusticana“ (mit Herbert Schachtschneider und Tom Krause) habe ich einen VHS-Mitschnitt, „Jenufa“ dagegen habe ich nirgends finden können. Drei interessante Dokumente der Fernseh-Opern-Kultur der 60er Jahre und auch der Sängerin, die auf Schallplatten sträflich vernachlässigt wurde.

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