Eugen d’Alberts „Golem“

.

Das könnte eine ganze Reihe von Einspielungen aus dem Bonner Opernhaus geben. Aktuell spielt die Oper Bonn Der Traum ein Leben von Braunfels, davor gab es die drei Hindemith-Einakter. Wäre alles schön. Bei Dabringhaus und Grimm, die bereits die Bonner Aufführung von Schrekers Irrelohe konservierten, kam nun Eugen d’Alberts Golem als Mitschnitt der Aufführungen vom Januar 2010 heraus. In dem im übrigen sehr ordentlichen dreisprachigen Beiheft  mit dem kompletten Text, Bios usw. werden moderne Aufführungen von d‘ Alberts Oper 1983 in Saarbrücken und 1997 in Bielefeld vermerkt, wobei ich mich noch (dunkel) an eine Aufführung 1988 in Ulm mit Ruth Gross (späteren Floeren) erinnern kann. Häufig wurde d‘ Alberts Musikdrama in drei Akten auch nach seiner Uraufführung 1926 in Frankfurt nicht aufgeführt, was am Stoff lag, dem alten jüdischen Mythos um den Golem. Neben Zuhilfenahme eines Dramas von Arthur Holitscher stützten sich d‘ Albert und sein Librettist Ferdinand Lion, der auch Hindemiths Cardillac schrieb, auf die Prager Ghetto-Legende um Rabbi Loew, der den Golem angeblich aus dem Lehm des Moldauufers geschaffen und zum Leben erweckt hat. In ihrer Fassung entwickelt der Golem menschliche Gefühle, lernt sprechen und verliebt sich in Lea, die Ziehtochter des Rabbi. Der Rabbi will und kann die Menschwerdung nicht zulassen. Magie, Alchemismus, Naturwissenschaften und geheimes Wissen. Das Prag zur Zeit Kaiser Rudolf II. ist der gespenstische Ort, wo es um die Beseelung von unbeseelter Natur geht, die Grenzen der Schöpfung, den künstlichen Menschen.

Anders als der kräftige deutsche Versimo in frühen Tiefland (1903) dominiert im Golem neben einem biederen späten Wagnerismus in der mal farbig filigranen, mal kernig fordernden Orchestertextur vor allem der Einfluss Schrekers und Strauss‘, hinzu kommt ein Wechsel aus braver Deklamation und ariosen Passagen, die bei Lea zu korngoldscher Üppigkeit auswuchern. Insgesamt ein Gemisch, das – im Gegensatz zur geformten Lehmmasse – kein eigenes Leben annimmt, aber von Stefan Blunier und dem Beethoven Orchester mit inbrünstiger Spätromantik geradezu beseelt wird. Im Gegensatz zur Regie, die mit dem Text und dessen Deutung sowie diesen holzschnittartigen Figuren fertig werden muss, hat es die CD leichter: Alfred Reiter ist als Rabbi Loew, den er mit ruhigem, gut fokussiertem Gurnemanz-Bass singt, überzeugend (Die Zeit ist dunkel….), Mark Morouse ist hinreichend massiv und nachdrücklich als Golem, und Ingeborg Greiner, die sich mit mehreren Partien zu einer Schreker-Spezialistin entwickelt, gibt der Lea sowohl zarte mädchenhafte Töne wie jugendlich-dramatische Sopranherrlichkeit. Rolf Fath

 

Eugen d’Albert: Der Golem mit Mark Morouse (Der Golem), Alfred Reiter (Rabbi Loew), Tansel Akzeybek (sein Jünger), Ingeborg Greiner (Lea), Giorgos Kanaris (Kaiser Rudolf II.), Mark Rosenthal/ Sven Bakin (1. und 2. Jude); Chor des Theater Bonn; Beethoven Orchester Bonn; Leitung: Stefan Blunier; 2 CD MDG 937 1637-6

Eine vollständige Auflistung der bisherigen Beiträge findet sich auf dieser Serie hier.