Kontraste

 

Das beiden Einaktern gemeinsame Thema lässt das Programm schlüssig,  die besonders durch den Dirigenten interessante Ausführung lässt die DVD aus dem Teatro Real von Madrid, woher in letzter Zeit bereits viele bedeutende Produktionen zu erleben waren, als wertvollen Beitrag zum Opernerleben erscheinen. In Tschaikowskis Oper Iolanta geht es um eine blinde Prinzessin, der nach dem Willen des Vaters vorenthalten werden soll, dass sie anders ist als ihre Mitmenschen. Erst das traurige Wissen darum aber macht den Weg zur Heilung frei.  In Strawinskys Perséphone um die Tochter der Göttin Demeter, die das Reich des Lichts verlässt, um den in ewiger Dunkelheit weilenden Toten nahe zu sein. Der Weg, den beide Frauen gehen, könnte also unterschiedlicher nicht sein, so wie es auch die Musik ist.

Der junge griechische, aber in Russland ausgebildete Dirigent Teodor Currentzis wird sowohl der hochromantischen Musik Tschaikowskis wie der strengeren, herberen Strawinskys in höchstem Maße gerecht, was der Regie von Peter Sellars weit weniger gelingt, der allerdings schon einmal durch die Einheitsbühne von George Tsypin gehandicapt ist, der einige Torbögen, auf denen den Gesetzen der Schwerkraft trotzende Tierköpfe (?) mit leeren Augenhöhlen thronen, auf die Bühne gestellt hat, während die Lichtregie von James F. Ingalis die Bühne gern in tiefes Blau taucht, aber je nach Stimmung auch in eine der anderen Grundfarben. Die Kostüme von Martin Pakledinaz sind für Chor und Träger der kleineren Rollen schwarz, selten weiß, für die beiden Protagonistinnen blau und in zeitlosem Stil.

Natürlich passt die streng stilisierte Bühne weit besser zum zweiten der beiden Werke, bildet zur Musik des ersten eher einen Kontrast und unterstützt so die Mitwirkenden in ihrem Streben danach, dem Zuhörer das Geschehen nahe zu bringen, nicht. Dabei hätten die sich jede Unterstützung verdient. Ekaterina Scherbachenko ist eine optisch mehr als ansprechende, mit einem geschmeidigen, silbrig klingenden, fein schimmernden  Sopran ausgestattete Titelfigur, Dmitry Ulianov spielt den Vater anrührend und singt ihn mit profundem Bass. Die beiden Freunde Robert und Vaudémont sind optisch ideal besetzt mit Alexej Markov mit hellem Lenski-Tenor und Pavel Cernoch mit hoch kultiviertem Bariton. Etwas zu dröhnend gibt Willard White den Allah anrufenden heilenden Arzt, was die restlichen Anwesenden aber nicht daran hindert, schließlich dem Christengott nach geglückter Kur ausdauernd Dankgesänge gen Himmel zu schicken. Ekaterina Semenchuk muss sich mit der kleineren Partie der Amme begnügen.

In Strawinskys Werk gibt es nur einen Sänger, der mit Paul Groves gleich mehrere Rollen ausfüllt. Die Titelfigur ist mit der Schauspielerin Dominique Blanc besetzt, die bereits etwas zu reif für die Rolle ist. Sie wird von einer Tänzerin gedoubelt, so wie alle anderen Figuren durch sehr anmutige, grazile Kambodschanerinnen tanzend verkörpert werden, die in all ihrer Lieblichkeit und frohen Farbigkeit nicht recht zur Musik zu passen scheinen. Am eindrucksvollsten sind hier die Chöre, auch die von Kindern, für die Andrés Máspero verantwortlich zeichnet (Euroarts 2084828). Ingrid Wanja