Zweimal Kurt Weill

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Fast zeitgleich auf dem Markt erschienen sind zwei CDs mit Aufnahmen von Songs von Kurt Weill aus seiner Berliner, der Pariser und schließlich der New Yorker Schaffensperiode. Bei Chandos hat die Mezzosopranistin Katie Bray unter dem Titel In Search of Youkali mit einem Ensemble aus Akkordeon, Bass und Klavier zusammengearbeitet, schlicht Kurt Weill nennt sich die bei Brillant Classics erschienen CD, auf der der Sopran Eleni Lydia Stamellou mit Pianobegleitung zu vernehmen ist.

Beide Damen widmen sich dem Tango Youkali, die CD von Bray bringt immer wieder rein orchestrale Zwischenspiele , die das Thema aufgreifen und abwandeln, ehe am Schluss der Titel von der Sängerin dargeboten wird. Aber auch die zweite CD setzt Youkali an den Schluss. Der helle, aber immerhin ein Mezzoaopran passt etwas besser zu den einzelnen Stücken, die zu einem großen Teil von enttäuschenden Lebenserfahrungen und enttäuschten Hoffnungen handeln, auch die Begleitung bietet einen stärker Atmosphäre schaffenden Hintergrund und Partner als das manchmal sich hart in den Vordergrund drängende Piano von Alexandra Listova.  Murray Grainger, Marianne Schofield und Wiliam Vann hingegen schaffen ein die Intentionen der Sängerin unterstützendes akustisches Umfeld.

Katie Bray singt eine kindlich verruchte Polly mit dem Barbara Song, mit einem schön geplärrten „Nein“, mit vielen Facetten, mal gehetzt, mal übermäßig getragen klingend. Für Berlin im Licht findet sie den richtigen Diseusensound, ist aber auch gern einmal deftige Rotzgöre. Von Strophe zu Strophe steigern kann sie sich für den Surabaya Johnny. Die Seine klagt und die unglücklich Liebende wechselt zwischen Sprech- und Singstimme auf Französisch eindrucksvoll und sich steigernd in einer Mischung aus Trotz und Trauer, ganz bewusst wohl einen „altmodischen“ Sound anstrebend. Als zärtliche Beschwörung entpuppt sich Speak low aus Lady in the Dark, ehe mit dem bereits erwähnten Tangolied Abschied genommen wird.

Eine Kinderstimme mit rauchigem Hauch setzt Eleni Lydia Stamellou für den Moon of Alabama ein, kindliche Naivität für das für Lotte Lenya komponierte Je ne l’aime pas, und hintergründiger könnte das in niedlichem Plauderton gehaltene Le roi d’Aquitaine sein. Schön aufblühen lässt die Sängerin ihren Sopran in Le train du ciel, fein Hingetupftes gelingt im September Song, und Bargeflüster scheint Johnny’s Song zu sein. Nanna’s lied erscheint lieblich belanglos, verhuscht der Salomon-Song, schön lasziv kommt schließlich Youkali nach einem wie Und was bekam des Soldaten Weib in anfechtbarem Deutsch gesungenen  Zu Potsdam unter den Eichen daher (Chan 20359/ Brillant Classics 97704). Ingrid Wanja