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Aus zweierlei Gründen ist die bei hänssler classic herausgekommene CD außer durch den titelgebenden Thomas Hampson interessant: Es geht um die Orchestrierung von eigentlich für Klavierbegleitung komponierte Lieder bedeutender Komponisten durch ebensolche Tondichter und um ein höchst interessantes, weil von staatlichen Subventionen freies, privates Mäzenatentum interessantem Programm ermöglichtes Orchester. Mit dem Namen Würth verbindet man gemeinhin Schrauben aller Art, es gibt aber auch ein gleichnamiges Orchester, das, nicht nur, aber auch im Reinhold Würth Saal des Carmen Würth Forums in Künzelsau auftritt, wo auch die vorliegende CD entstand.
Das Programm beinhaltet die Orchestrierung von Schubert-Liedern durch Johannes Brahms, Variationen Brahms‘ auf ein Thema von Josef Haydn, von dem man allerdings nicht hundertprozentig sicher weiß, ob es auch von diesem stammt, und die Orchestrierung von Brahms‘ Vier ernsten Gesängen durch Detlev Glanert, denen jeweils ein Präludium vorangestellt ist und ein Postludium folgt. Die Variationen gelten als Übungsstücke vor dem Komponieren der ersten Sinfonie von Brahms, eine Art Bonus stellt Mendelssohn-Bartholdys Konzertouvertüre Die Hebriden dar.
Die CD ist die inzwischen dritte Publikation der 2017 gegründeten Würth Philharmoniker mit ihrem Dirigenten Claudio Vandelli.
Johannes Brahms nahm sich der Lieder Schuberts auf Texte von Schiller und Goethe an, dazu von Mayrhofer Memnon, die ersten drei balladenhaftmit Themen aus der griechischen Sagenwelt, die insbesondere nun mit Orchesterbegleitung eine recht dramatische Stimme erfordern, die der nunmehr siebzigjährige Thomas Hampson durchaus zur Verfügung stellen kann, dazu eine beispielhaft deutliche, völlig akzentfreie Diktion, eine exakt fokussierte farbige Bassbaritonstimme, die die wechselhaften Stimmungen der Gedichte und der Musik, schließlich ist das letzte über des „Liebchens Äugel“ ein höchst neckisches, einzufangen wie widerzugeben weiß, besonders schön den „Duft der Träume“ im Rückert-Gedicht vernehmbar machend.
Hörbar mit Lust und Können beider Sache ist das Orchester bei den das Vivace bevorzugenden Variationen von Brahms über ein Haydn-Thema bei der Sache, wirkt mal verspielt, mal feierlich auftrumpfend und ist überaus unterhaltsam.
Nicht fürchten müssen sich Brahms-Verehrer vor der Bearbeitung und Erweiterung der Vier ernsten Gesänge durch Detlev Glanert, deren Grundcharakter bewahrt bleibt, die die Stimme stets im Vordergrund dominieren lässt, das Orchester vor allem in den Präludien schillernd auf die ernsten Texte einstimmt und mit einem wundervollen Diminuendo am Schluss entzückt. Sänger und Orchester ergänzen einander in bewundernswerter Weise.
Auch in der abschließenden Hebriden-Ouvertüre kann das Orchester unter Claudio Vandelli unter Beweis stellen, zu welch beachtlichem Klangkörper es sich entwickelt hat (HC24021). Ingrid Wanja
