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Rondos for Adriana, das heißt Arien in Rondo-Form, die einst die berühmte Sängerin Adriana Ferrarese sang und die nun von Adriana Gonzáles wieder interpretiert werden. Um zwei Adrianas nämlich oder besser eine doppelte Adriana geht es bei der jüngst vom Label Audax Records auf den Markt gebrachten CD : um die Sopranistin, für die Mozart seine Fiordiligi komponierte, und um Adriana Gonzáles, die nicht nur, aber vor allem mit Mozart auf den Opernbühnen glänzt. Das Vorhaben dokumentiert sich auf dem Cover, das die Amerikanerin in doppelter Ausführung, einmal in Schwarz und einmal in Weiß gewandet zeigt, was natürlich viele Interpretationsmöglichkeiten nahelegt, Verbundenheit und Unterschiedlichkeit gleichermaßen dokumentiert. Begleitet wird die Sängerin vom rennomierten Ensemble Diderot, das für diese CD vom Dirigenten Inaki Encina Oyon geleitet wird und nicht nur der Solistin sekundiert, sondern auch mit zwei mozartschen Rondos für Violine und Orchester präsent ist. Besonders interessant wird die CD auch durch das weit über Mozart hinausgehende Programm auf das Repertoire der Ferrarese, das Werke von Marton y Soler, Tarchi, , Anfossi und Bertoni, Giordani und Weigl umfasste. Adriana Ferrarese erlangte Ruhm und Erfolg vor allem wegen ihrer auch in der Tiefe höchst beachtlichen Sopranstimme, den sicheren Höhen und der atemberaubenden Verzierungen, die sie wohl mühelos bewältigte. Bemängelt wurde aber immer auch ihre plumpe Figur, ihre Unfähigkeit, leidenschaftliche Charaktere glaubwürdig zu verkörpern. Das kann man Adriana Gonzáles nicht vorwerfen, wie das bereits erwähnte Cover unter Beweis stellt.
Es beginnt mit der Arie der Diana aus Vincent Martin i Solers Oper L’arbore di Diana, durchaus noch auf heutigen Bühnen zu erleben, in der sich eine Sopranstimme noblen Timbres, gut bewältigten Vibratos und Geschmeidigkeit wie Rundung dokumentiert, die hörbar aus den anfänglichen Soubrettenrollen einer Zerlina oder Susanna hinausgewachsen ist, über eine cremige Mittellage und kristalline Höhe verfügt und unverwechselbar erscheint, eine heute nicht selbstverständliche Tugend. Auch die bei ihrer Namensvetterin gerühmte Tiefe hat die Stimme der Amerikanerin aufzuweisen. Aus Angelo Tarchis Il Conte di Saldangna erklingt die Arie der Diana, von der das Libretto zu berichten weiß, dass die Ferrarese diese, allerdings innerhalb des Arbore di Diana einst sang, und in der die Gonzáles de- und wehmütiger klingt als im ersten Track. Zum Aufhorchen zwingt di Arie der Susanna, aber nicht die Rosenarie, sondern deren Alternative, „Al desio di chi t’adora“, bei der man das klug gestaltete Rezitativ ebenso bewundern kann wie erstaunen lässt, dass die Komposition auf eine Anregung der Sängerin hin komponiert wurde. Gonzáles‘ Sopran ist allerdings der Susanna bereits entwachsen, die Koloraturen werden beherrscht, aber das dunkle Timbre ist eher das der Contessa, die ebenfalls zu Wort kommt. Diese trauert den „Bei momenti“ nach und entwickelt dabei eine schöne Melancholie.
Einen Ausflug ins Oratorium gibt es mit Ferdinando Gasparo Bertonis Rondoncino (ja, das gibt es) „Mater cara“ aus Balthassar, innig gesungen, ehe Giuseppe Giordani mit seiner Oper Erifile zu Wort kommt. Auch hier wird akribisch nachgewiesen, dass und wann und wo die Ferrarese diese Arie gesungen hat, oft als eine Art Kofferarie in einem anderen Werk. Es geht um die Arie der Iphigenie, um den Abschied von der Freundin und erfreut durch den noblen Klang der Stimme. Griechisch-Römisch-Karthagisches lässt weiterhin grüßen mit der Arie der Didone aus Pasquale Anfossis Oper Sedecias, die mit schmerzgetränkten Klängen berührt. Von der verspielten Seite zeigt sich der Sopran in Joseph Weigls Arie „Giusti numi, amor pietoso“ nach einem kecken Rezitativ mit bukolischem Orchesterklang, der die Stimme anmutig umspielt. Schließlich gibt es noch Fiordiligis zweite Arie „Per mio, pietà, ben perdona“ voller Melancholie, die aber jede Form von Larmoyanz meidet.
Der Dirigent Inaki Encina Oyón bekundet seine in früheren Aufnahmen gewonnene Vertrautheit mit der Kunst der Solistin, das von Johannes Pramsohler gegründete Orchester Ensemble Diderot begleitet stilsicher, angeführt von der Violine seines Schöpfers (Audax ADX 11215). Ingrid Wanja
