Gemischtwaren

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Als ihre zweite Heimat sieht die norwegische Sopranistin Lise Davidsen die New Yorker MET an und akzeptierte deswegen 2023 gern das Angebot von General Manager Peter Gelb von einem Soloabend gemeinsam mit dem Pianisten James Baillieu, der nun von DECCA auf den Markt gebracht worden ist. Die Sängerin ist dem New Yorker Publikum vor allem als Wagner- und Strauss-Sängerin bekannt, hat aber auch das italienische Repertoire und Tschaikowsky hier gesungen, wird von vielen Opernfreunden als eine Nachfolgerin von Birgit Nilsson und Kirsten Flagstad wegen ihrer skandinawischen Herkunft und wegen ihres Repertoires angesehen. Auch bei ihrem Konzert musste das Publikum sich auf Deutsches und Italienisches einstellen, dazu noch auf Liedgut in Finnlandschwedisch (Sibelius) und Norwegisch (Grieg). Allein ein auch besonders heftig akklamierter Titel war in der Muttersprache der Zuhörer: Elizas „I could have danced all night“ aus My Fair Lady. Dass die Sängerin da auch noch eins ihrer berühmten hohen Cs einschob, rief natürlich besondere Begeisterungsstürme hervor.

Begonnen hatte Lise Davidsen mit Toscas „Vissi d’arte“ in weicher, runder Mittellage, viel Metall in der Höhe einem schneidenden B als verzweifeltem Aufschrei, Amelias „Morrò ma prima.“.profitiert von der reichen Mittellage, ist eher ein Fordern als ein Flehen mit schöner Fermate, weit gespannten Bogen, und nur ein Quäntchen mehr dolcezza würde man sich wünschen. Wie auch bei den anderen Opernarien fällt die Zurückhaltung des Klaviers auf, das weit davon entfernt ist, ein Orchester annähernd zu ersetzen.

Auch für die Lieder von Richard Strauss hätte man sich als Begleitung für eine so reiche Stimme ein Orchester gewünscht. In Zueignung imponiert deren schönes Schimmern, in Allerseelen ihr sehnsuchtsvolles, abwechslungsreiches „wie einst im Mai“, und manchmal triumphiert die Opernsängerin über die Liedgestalterin. Strahlend scheint die Sonne in Morgen, fein verharrend im Piano und in schöner Schlichtheit.

Von Franz Schubert singt die Norwegerin Gretchen am Spinnrad und weiß dem Hörer das Schicksal der Verlassenen nahe zu bringen, verharrend in schöner Schlichtheit und ganz ohne Opernallüren. Allerseelen ist erfüllt von erhabener Feierlichkeit.

Ohne Text bleibt natürlich Sibelius‘ Liedschaffen ein auf die Freude an perfekter Stimmbeherrschung und Reichtum an Nuancen beschränktes Vergnügen. Das gilt auch für Grieg, der ganz am Schluss steht und auch die Zugabe beiträgt.

Davor gibt es noch drei Highlights mit „Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland“ aus Kálmáns Csárdásfürstin, das das Publikum zum rhythmischen Klatschen animiert, genussvoll „Ungarisches“ ausmalend und doch eine Spur zu kühl bleibend. Ein zusätzliches hohes C wird der Fair Lady in „I could have danced all night“ zugestanden, das Wallegewand der Solistin passt allerdings eher zur Elisabeth, deren Hallenarie mit mädchenhafter Wärme und kraftvollen Höhen gesungen das Publikum besonders begeistert.

Klarheit und Reinheit zeichnen die Darbietung von Griegs Liedern, die am Schluss stehen und auch die Zugabe liefern, aus.

Ein schönes Sängerportrait, das beweist, dass in einer gestandenen Wagnersängerin noch viele andere Gestaltungsmöglichkeiten verborgen sein können (DECCA 487 0691). Ingrid Wanja