.Als „strahlend“, „funkelnd“ und „silbrig“ wird der Sopran der Schwedin Malin Byström bezeichnet, was ihn natürlich für Richard Strauss prädestinieren würde, weniger Erwartungen weckt ihre CD mit dem Titel German Opera Scenes and Arias, wenn man sie auch für eine „singende Schauspielerin“ hält- das abschätzen zu können, bedürfe es der Optik, die der Tonträger erwartungsgemäß vorenthält. Auf jeden Fall ist das Programm schon einmal ein strausslastiges mit der Szene der Helena, auch als „Zweite Brautnacht“ bekannt, aus Die ägyptische Helena“, der Schlusszene von Capriccio mit der großen Szene der Madeleine und zum Abschluss derjenigen von Salome. Dazu kommen Webers Agathe, Beethovens Leonore und Korngolds Marietta und beweisen zusätzlich, wie weit sich die vormals als lyrischer Sopran geschätzte Künstlerin ins dramatische Fach vorgewagt, wie sehr sie „die Sehnsucht nach Dramatischem“ angetrieben hat. Immerhin hat sie bereits 2018 für ihre Salome den Internationalen Opera Award errungen und ist zudem Schwedische Hofsängerin. Das Cover der neun CD allerdings zeigt sie noch elfengleich zart und mädchenhaft und damit den inzwischen abgelegten Partien verbunden.
Besonders interessant ist natürlich die Szene aus der selten gespielten Ägyptischen Helena, für die sich das für seine Vorliebe für Raritäten bekannte Opernhaus von Cagliari eingesetzt hat, die aber auch an der Deutschen Oper Berlin aufgeführt wurde. Malin Byström hat das Glück, dass die CD mit ihrer Begleitung durch das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter Thomas Søndergård für ein ausgewogenes Klangbild sorgt, das Orchester zwar straussgemäß üppig wogen darf, sie aber nie zudeckt, so dass man ihre Beherrschung der Intervallsprünge bewundern darf, ebenso wie die Kaskade von Spitzentönen am Schluss und den hörbaren Wandel zwischen dem durch Zauber erlangten jungfräulichen Zustand und dem Bekenntnis zu Reife und Schuld. Natürlich ist auch für diese Sängerin die Textverständlichkeit bei den hohen Strauss-Stimmen ein Problem. Einen fein aristokratisch versnobten Anstrich gibt die Sängerin ihrer Interpretation der Capriccio-Gräfin und macht es möglich, dass der Hörer zwischen zitierter Poesie und Selbstdarstellung zu unterscheiden vermag. Die schöne Nachdenklichkeit der Atmosphäre vermag sie perfekt zu vermitteln. Weit gespannt ist der Bogen zwischen Zärtlichkeit, so auf „Jochanaan“, Plauderton und Ekstase, zwischen Sprechgesang und Kantilene für Salome, für die sie auch Schärfen einsetzt, für die sie unerfahren jung wie seherinnenhaft erscheint, ihren Gesang mit einem sehr schönen „Und das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes“ krönt.
Kraftvolle Intervallsprünge, eine reife, farbige Mittellage und weitgespannte Bögen zeichnen die Leonore der Byström aus. Nun zeigt sich auch die gute Diktion, mit er sie die Partie ausstatteten, die sie hörbar machen kann, wenn die Begleitung es gestattet. Lyrischer ist natürlich die Agathe angelegt, mit einem schönen, zarten Schwellton auf „ihn“ oder „schöne“, tragfähigem Piano und sanftem, den Stimmungsumschwung andeutendem Wechsel in den Stimmfarben. Viel Aufmerksamkeit finden die kleinen Notenwerte und Verzierungen im Lied der Marietta aus Die tote Stadt, über dem ein feiner Schimmer liegt. Das Debüt auf der Bühne stand zur Zeit der Aufnahme noch bevor, der Wechsel in ein neues Fach scheint der Sängerin gelungen zu sein (BIS 2775). Ingrid Wanja
