Lemberg, Paris, Neuseeland, Mailand

 

Der 1938 im damals polnischen Lemberg geborene Myroslav Skoryk wuchs in Sibirien auf, wohin seine Familie deportiert worden war, studierte in Lemberg, erhielt seinen letzten musikalischen Feinschliff am Moskauer Konservatorium bei Kabalewski, wirkte ab 1966 an den Konservatorien seiner Geburtsstadt sowie in Kiew und ließ sich 1996 in Australien nieder, wohin sein älterer Bruder bereits Ende des Zweiten Weltkriegs ausgewandert war. Seine Großtante war übrigens Solomiya Krushelnytska bzw. Saloméa Kruszelnicka, die u. a. 1904 die Chio-Cio-San in der endgültigen Fassung von Puccinis Madama Butterfly kreierte, und eine sehr bemerkenswerte Karriere vor allem in Italien (beispielsweise an der Scala als Salome unter Toscanini) und Südamerika hatte. 1939 kehrte sie in ihre Geburtsstadt zurück, deren Opernhaus heute nach ihr benannt ist und wo das Heim, in dem sie bis zu ihrem Tod 1952 wohnte und lehrte, als kleines Museum zugänglich ist. Das sollte man sich bei einem Besuch in Lemberg nicht entgehen lassen. Die beiden alten Damen, die sich über jeden Besucher freuen, legen auch gerne „Un bel di vedremo“ auf.

Salomea Kruszelnicka als Madama Butterfly/Wiki

Salomea Kruszelnicka als Madama Butterfly/Wiki

Die Musik des Großneffen ist allerdings ganz anders als die Opern, welche Salomea sang. Leicht folkloristisch angehaucht, wie sein Karpathisches Konzert für großes Orchester von 1972, ist Skoryks Musik nicht frei von einer vordergründigen und sowjetisch geprägten knalligen Moderne. Doch im 7. Violinkonzert und im Cellokonzert, die in der 2013 in Odessa entstandenen Naxos-Einspielung (8.873333) mit dem 1937 gegründeten Odessa Philharmonic Orchestra unter Hobart Earle von den Solisten Nazary Pilatyuk und Valery Kazakov interpretiert werden, zeigt er sich als sensibler und technisch versierter Neoklassiker. Anders dagegen die witzige und schwungvolle Caprice 19 aus den 24 Paganini Caprices, ein Beispiel für den jazzigen Skoryk, der in solchen Passagen einem Schostakowitsch in nichts nachsteht. Der in Venezuela geborene Amerikaner Earle hat das Odessa Philharmonc Orchestra, seit er 1991 dessen Leitung übernahm, zu einem respektablen, dunkel und schwer timbrierten, klangreichen Orchester geformt, welches dieser zwischen Spätromantik, Folklore und Moderne pendelnden Musik einen fundierten Rahmen gibt.

George Bizet roma naxosVon einem ähnlich exotischen Orchester – darf man das so sagen, ohne respektlos zu sein – wurden in Januar 2014 Werke von George Bizet eingespielt. In der Dubliner National Concert Hall nahm sich das RTÉ National Symphony Orchester, also das Orchester der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, das sich 1947 als sinfonisches Orchester aufgestellt hatte, unter Jean-Luc Tingaud einiger Werke von Bizet an (Naxos 8.573344), die innerhalb seines kompositorisch doch sehr schwankenden Oeuvres kaum zu seinen „Best of…“ gehören. Ebenfalls in Dublin hatte Tingaud zuvor eine schöne Auswahl von Werken von Paul Dukas dirigiert, bei der auch das Orchester einen besseren Eindruck hinterließ; und ebenfalls bei

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Naxos war Tingaud als selbstbewusster Gestalter von Le siège de Corinthe aufgefallen. Am interessantesten auf dieser Sammlung von Bizets Orchesterwerken mit der umfangreichen, nämlich auf rund 30 Minuten aufgeplusterten RomaSinfonie ist die originelle und farbenfrohe Petite Suite op. 22, deren Delikatesse Tingaud sehr gut herausarbeitete. Die Petite Suite ist eine Orchestrierung von fünf Orchesterminiaturen aus der Sammlung Jeux d‘ enfants für Klavier zu vier Händen, wobei der Marsch bereits den Aufzug der kleinen Soldaten in Carmen vorwegnimmt. Viele der anderen Stücke, darunter die Ouverture in A, Marche funèbre und die Ouvertüre Patrie, sind doch sehr lässlich.

Lyell Cresswell NaxosWirklich begeistern kann ich mich auch nicht für die Musik von Lyell Cresswell, „one of New Zealand’s most distinguished composers“, der bereits in den 1970er Jahren aus Neuseeland floh und sich in Schottland niederließ. Die Naxos-Auswahl (8.573199) entstand am anderen Ende der Welt, in Juni 2012 in Wellington, wo sich Hamish McKeich als ausgewiesener Anwalt neuseeländischer Musik mit dem New Zealand Symphony Orchestra für Cresswells Konzert für Klavier und Orchester, das Konzert für Orchester und Streichquartett sowie das Orchesterstück I paesaggi dell‘ anima/ landscapes of the soul einsetzten. Das Klavierkonzert mit Stephen De Pledge als Solist des tröpfelnd-plätschernden Klavierparts ist ein siebenteiliges wuchtiges, klangspielerisches Stück, dessen insistierender Grundzug nicht nachdrücklich in Erinnerung bleibt. Die schorfigen orchestralen Seelenlandschaften – die tatsächlich von Bildern des Italieners Maurizio Bottarelli inspiriert sind – lassen an musikalische Wartezimmerillustrationen denken, während in dem mit einem effektvollen Trompetensolo beginnenden Konzert für Orchester und Streichquartett die Solisten – das New Zealand String Quartet – in einen wirkungsvollen Dialog mit einander sowie mit dem Orchester treten.

 

Heute ein Unbekannter. Die Werke Giuseppe Martuccis (1856-1909) wurden von Toscanini und Mahler dirigiert, sein zweites Klavierkonzert war einst ein Hit, das auch Anton Rubinstein in sein Repertoire aufnahm. Welch virtuoser Pianist Martucci gewesen sein muss, lässt sich an diesem Werk erkennen, dessen Uraufführung er 1886 in Neapel selbst spielte. Martuccis Name taucht allenfalls noch im Zusammenhang mit der von ihm dirigierten italienischen Erstaufführung des Tristan 1888 in Bologna auf, die speziell auch für den Dirigenten zum Triumph wurde. 2014 hat Alberto Miodini in der Nähe von Monza diverse Klavierstücke Martuccis aufgenommen, darunter die sechs zwischen 1879 und 1881 entstandenen Stücke op. 44, die Novella op. 50 und die Fantasia op. 51 sowie die zwei Notturni op. 70, vom ersten Notturno schuf Martucci später eine Orchesterfassung, die mehrfach von Toscanini aufgeführt wurde. Die Stücke orientieren sich an der deutschen Romantik eines Schumann und Mendelssohn-Bartholdy sowie der Kunst Chopins, sind gefällige Piècen, die von Miodini mit perlender Lebhaftigkeit gespielt werden. Die größere Herausforderung stellt die Fantasia dar, durch deren gehaltvolle Wiedergabe Miodini zeigt, weshalb sie zu Martuccis erfolgreichsten Stücken zählte (Brillant Classics 94800). Rolf Fath