Un baritano per caso

 

Wenige Schritte vom Teatro Filarmonico di Verona entfernt gibt es eine kleine Buchhandlung, in der das totale Chaos schon in den beiden Schaufenstern zu herrschen scheint, während sich drinnen Bücherstapel ohne ein ersichtliches Ordnungsprinzip bis zur Decke türmen. Eines der Fenster ist stets der Oper gewidmet, und man kann sicher sein, alles was es auf dem Gebiet an Neuerscheinungen gibt, hier zu finden. Verlangt man im Laden das gewünschte Buch, verschwindet eine Komponente des alten, dort waltenden Ehepaars für eine gewisse Zeit im Keller, um wenig später unfehlbar mit dem Werk zurückzukehren. Gibt der Kunde seine Liebe zur Oper im allgemeinen und zur Arena im besonderen zu erkennen, wird der Preis auch einmal herunter gesetzt. Seiner langen, über die 70 Jahre hinaus andauernden Karriere würdig erweist sich das attraktive Buch, das dem italienischen Bariton Leo Nucci gewidmet ist und das in dieser Saison im Zentrum der vetrina ausgestellt ist. Leo Nucci – baritono per caso nennt es sich, und wie so gern in Italien sind die Autoren gleichermaßen Musikologen wie Fans und Freunde des Dargestellten. Extravagant, wie ebenfalls in Italien gebräuchlich, ist der Umgang mit Namen, so dass der Leser einem Volfango Goethe, einer Grace Bambri und einem Dirigenten namens Sciolti begegnet. Eine CD gibt das Konzert aus Lodi aus dem Jahre 1995 mit Arien und Canzonen wieder. Nach der Lektüre des Buches, dem Betrachten der Fotos und dem Hören der CD wird man dem nächsten Auftritt des Sängers mit noch mehr Freude und Spannung entgegen sehen (ISBN 978 88 88252 48 3).

Lothar Herbst

  1. Ingrid Wanja

    In diesem Sommer die böse Überraschung: Die alten Leute haben aufgegeben, jetzt befindet sich in dem Laden eine sauber aufgeräumte Buchhandlung, deren Verkäufer von Oper keine Ahnung haben und die nur die gängigsten Titel – und das ist nicht Oper – führen.

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