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Drei Jahre nach der Uraufführung von Charles Tournemires Tristan-Oper brachte das Theater Ulm den Mitschnitt der Premiere vom Dezember 2022 in einer schmalen Pappbox heraus (2 CD 0660042024367), die neben den beiden CDs ein deutschsprachiges Booklet mit ausführlicher Tracklist, Handlung und einem Aufsatz über den bislang kaum bekannten Komponisten enthält. Mittlerweile hatten GMD Felix Bender und der Regie führende Intendant Kay Metzger im Mai 2025 sogar noch eine weitere Tournemire-Uraufführung gestemmt und mit der 1939 kurz vor Tournemires Tod vollendeten Franziskus-Oper Le petit pauve de Assise einen Sensationserfolg verzeichnet.
Die Tristan-CDs bestätigen den früheren Live-Eindruck von einer dezenten, konzentrierten, manchmal etwas in sich gekehrten spröden Musik mit filigran gesponnenen Gesangslinien, einerseits einzigartig und originell, andererseits voll von Einflüssen und Strömungen. Felix Bender und das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm nehmen sich der vielfältig inspirierten Musik mit Vorsicht an, finden langsam zu Momenten verhaltener Leidenschaft und Innigkeit mit vielen sorgfältigen solistischen Momenten in den Interludes und garantieren der Aufnahme mehr als nur dokumentarischen Wert. Schade, dass die Ausgabe auf ein Libretto verzichtet. (Aber im Einzelfall gibt es sicher noch das Programmheft als pdf vom Theater/ G. H.)
Die Sänger klingen vielfach etwas entrückt, sind in das Bühnengeschehen und den Orchesterklang eingebettet. Als Liebespaar bestätigen An de Ridder und Markus Franck den vorteilhaften Eindruck von der Aufführung, I Chiao Shins Brangien wirkt etwas schartig, Dae-Hee Shihs Roi Marc ist kompetent und bemüht, Joshua Spink bleibt als intriganter Zwerg Frocin, der dem König Isoldes und Tristans Verrat steckt, etwas blass. Chor und Extrachor tragen zur spirituellen Aura des Werkes bei (Foto oben: Tournemire „La Legende de Tristan“/Szene/ 2022 Theater Ulm/Foto Jochen Klenk). Rolf Fath
