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So sehr einander ähnlich wie eineiige Zwillinge und wie es uns das Cover zur CD nahelegen will, sind die Zwei Witwen (Dvě vdovy), um die es in Bedřich Smetanas gleichnamiger Oper geht nicht, im Gegenteil: Während die eine in froher Selbstbestimmtheit weiterhin ehelos bleibt, findet die Andere in einer neuen Liebe ihr Glück. Dabei kommt es natürlich, ehe eine böhmische Polka das gute Ende feiert, zu allerlei Missverständnissen.
Das Libretto stammt von Emanuel Züngel und hat als Vorlage einen Einakter von Félicien Mallefille, wurde ins Deutsche übersetzt und erst von dort ins Tschechische, erlebte unter dem Dirigat des Komponisten 1874 in Prag seine nicht erfolgreiche Uraufführung, so dass, nachdem bereits aus dem Ein- ein Zweiakter geworden war, zusätzlich noch die Dialoge zu Rezitativen umgearbeitet und ein Buffopaar hinzugefügt wurde, das allerdings nur am Schluss der Oper zu Wort und Gesang kommt. 1878 wurde die Neufassung mit großem Erfolg aufgeführt, 1958 hatte Kurt Homolka mit der deutschen Übersetzung einen besonders großen Erfolg, bereits 1893 hatten Bote &Bock das Werk verlegt, aber Smetana war nicht gut auf „die Deutschen“ zu sprechen, weil diese von ihm weitere Änderungen verlangt hatten. Auch die Verlegung ins französische Rokoko stand zeitweise zur Debatte.
Nach 1945 wurden in SBZ bzw. DDR und in anderen „sozialistischen Bruderländern“ Aufführungen aus denselben zum Gebot der Stunde, aber im Gegensatz zu vielen ungeliebten Pflichtaufführungen handelt es sich bei den Zwei Witwen um ein der Verkauften Braut an musikalischem Einfallsreichtum, an Frische und Originalität in keiner Weise unterlegenen Stück. Vom ersten bis zum letzten Takt ist auch die Nähe zur böhmischen Volksmusik unüberhörbar und ein Garant für Originalität.
Das Personal besteht aus vier dankbaren Haupt-und zwei sparsam ausgestatteten Buffopartien und ist durchweg sehr gut besetzt. Einen wahren Star kann man mit Pavol Breslik aufbieten, der den empfindsamen Ladislav mit einem strahlenden lyrischen Tenor, mit viel Emphase und sicherer Höhe ausstattet, der auch den volksliedhaften Ton einer seiner Arien gut zu treffen weiß und durchaus eine wenn auch slawische „lacrima nella voce“ hat. Nur eine hässliche Lache spricht gegen den Bassbariton Adam Plachetka, der den zuverlässigen Hausfreund Mumlal vollmundig-bärbeißig, aber auch mit bestrickender Wärme singt. Einen Buffotenor setzt Petr Nekoranec für den Tonik ein.
Diesem zugesellt ist mit Soubrettenstimmchen Jana Sibera als Lidunka. Ein winzige Prise slawischer Schärfe, gerade genug, um sie über Soubrettenniveau hinauszuheben, ist den sehr lyrischen Stimmen der beiden Witwen beigemischt und lässt beide, sowohl die elegische Anezka wie die energische Karolina, charaktervoll erscheinen. Fröhlich, neckisch, selbstbewusst und mit genügend corpo verteidigt Adelina Kučerová ihre Stellung als Gutsherrin, während Katerina Knežiková in ihrer großen Arie im zweiten Akt apart ihrer Sehnsucht Ausdruck verleiht.
Pure Lebensfreude verbreiten der Chor des Prager Nationaltheaters und das Prager Radio Symphony Orchestra unter Robert Jindra, mitreißend, gefühlvoll, wo es angebracht ist, den Hörer auf einer Woge der guten Laune mitreißend. Dieses Werk hätte es verdient, die Eintönigkeit der Opernspielpläne etwas aufzulockern (Naxos 8.660609-10). Ingrid Wanja
