Komische Oper Berlin

Starke Gesichtserker

  Im Berliner Premieren-Marathon setzte die Komische Oper mit Barrie Koskys Inszenierung von Schostakowitschs Oper Die Nase den von ihr bekannt knalligen Akzent. Nach der Premiere in London und einer Aufführungsserie in Sydney wird die Produktion im Berliner Haus in der deutschen Textfassung von Ulrich W. Lenz gezeigt, der einige Modernismen (HNO-Arzt, Fake News u.a.) in […]

Aus der Asche

  Als Rückblende erzählt Barrie Kosky das Schicksal der Semele, das Händel in seinem Oratorium von 1744 in Musik gesetzt hat. Die Komische Oper bringt es in einer Inszenierung des Intendanten, der diese kurzfristig von der erkrankten Regisseurin Laura Scozzi übernommen hatte. Die Einheitsbühne von Natacha Le Guen de Kerneizon zeigt einen vormals herrschaftlichen, doch […]

Missglückte Felsenstein-Hommage

  Um Liebe und Tod geht es in fast allen Werken der Opernliteratur – auch Offenbachs Opéra bouffe Barbe-bleue handelt davon. Warum aber mussten Regisseur Stefan Herheim und sein Dramaturg Alexander Meier-Dörzenbach sowie der (ursprünglich vorgesehene) Dirigent Clemens Flick bei ihrer Neuinszenierung an der Komischen Oper Berlin mit dem Titel Blaubart deshalb eine Rahmenhandlung um Eros […]

Und wieder mal die Schwulen

  Franz Schrekers 1918 in Frankfurt/M. uraufgeführte Oper in drei Akten Die Gezeichneten ist ein Psychodrama menschlicher Abgründe, ein seelischer Horrortrip, der die Protagonisten am Ende ins Verderben stürzt. Es ist verdienstvoll, dass die Komische Oper das Stück nun als ein weiteres Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts in ihr Repertoire aufgenommen hat. Ob die Verpflichtung des […]

Spritziges zum Jahresende

    Eine schöne Tradition in der Komischen Oper Berlin ist die alljährliche Aufführung einer Operettenrarität in der Weihnachtszeit und vor Silvester – meist in semikonzertanter Form, wie auch in diesem Jahr bei Paul Abrahams Märchen im Grand-Hotel. 1934 wurde diese Lustspieloperette in Wien uraufgeführt. Musikalisch bietet sie eine Mischung aus Walzern, Tangos, jazzigen Einlagen […]

Grosse Emotionen zum 70.

  Unvergessen ist Walter Felsensteins legendäre Inszenierung von Jerry Bocks Musical Der Fiedler auf dem Dach 1971 an der Komischen Oper, die über 500 Aufführungen erlebte. Aus Anlass des 70. Jahrestages des Hauses hat Chefregisseur Barrie Kosky das Stück unter dem in Deutschland geläufigen Titel Anatevka neu inszeniert und mit dem sensationellen Premierenerfolg am 3. […]

Tanzperformance mit Gesang

  Ihrem Sensationserfolg Pelléas et Mélisande ließ die Komische Oper ein nicht minder eigenwilliges und verrätseltes Stück folgen – und das sogar als Berliner Erstaufführung: Philip Glass’ 1980 in Rotterdam uraufgeführte Oper Satyagraha. Sie trägt den Untertitel M. K. Ghandi in Südafrika, womit der Handlungsverlauf des dreiaktigen Werkes umrissen ist. Auf diesem Kontinent beginnt in […]

Wenn sich Nachbarn streiten…

  Der Ehrgeiz der Komischen Oper Berlin, ihren Spielplan von der Operette und dem Musical über Klassiker des Repertoires bis zur zeitgenössischen Musik auszudehnen, ist anerkennenswert und verdienstvoll. In diesem Rahmen sich auch eine große französische Barockoper zu wagen, scheint allerdings vermessen angesichts des deprimierenden Ergebnisses. Opfer ist Rameaus tragédie lyrique Zoroastre, die den Kampf […]

Gnadenlos

  Als Berliner Erstaufführung präsentiert die Komische Oper Aribert Reimanns 2010 in Wien uraufgeführte Oper Medea in einer musikalisch glanzvollen Interpretation. Benedict Andrews’ Inszenierung auf der bis auf die schwarzen Brandmauern leere Bühne (Johannes Schütz) arbeitet mit den Mitteln des epischen Theaters, so dass die Aufführung zunächst kühl und unsinnlich wirkt. Die Sängerdarsteller aber stürzen […]

Schweinereien

  Seinen Jahrmarkt von Sorotschinzi nach Gogol hat Musorgskij unvollendet hinterlassen. Vergleicht man mit dem Szenenentwurf von Mai 1877, hat er 12 von 20 Szenen im Wesentlichen komponiert hinterlassen, wenn auch größtenteils unorchestriert (wobei die Szenenlängen enorm divergieren). Gegenüber den Vervollständigungen des Weggefährten César Cui (1917) und von Nikolaj Tscherepnin (1923; nicht von dessen Sohn […]

Animationszauber

  Die englische Theatergruppe „ 1927“  hat nach ihrer überaus erfolgreichen Zauberflöte an der Komischen Oper erneut einen Coup gelandet – diesmal mit einem Doppelabend höchst unterschiedlicher Werke, der mit Strawinskys Petruschka beginnt und mit Ravels L’Enfant et les Sortilèges endet. Die durch Ballettaufführungen bekannte Burlesque des russischen Komponisten wurde 1911 in Paris uraufgeführt und […]

Kálmán-Finale

  Eine schöne Tradition an der Berliner Behrenstraße ist die alljährliche konzertante Operettenaufführung vor Weihnachten – in diesem Jahr galt sie Emmerich Kálmáns letztem vollendetem Werk Marinka. Das Romantic Musical wurde 1945 am Broadway in Anwesenheit von Kálmáns Tochter Yvonne uraufgeführt – und die in Sachen ihres Vaters unermüdlich in der Welt umher Reisende war […]

Vom Tuntenball zur „Giselle“

  Ein Klassiker im Repertoire ist Rossinis Melodramma giocoso La Cenerentola, Massenets Vertonung von Perraults Aschenputtel-Märchen dagegen ein Außenseiter. Unter dem Titel Cendrillon kam die Conte de Fées 1899 an der Opéra-Comique in Paris zur Uraufführung. Die Komische Oper darf sich nun mit dem Verdienst schmücken, das Werk erstmals in Berlin vorgestellt zu haben. Damiano […]

Kalter Plänterwald

  „Wien ist überall“ sagt Michal Zadara und siedelt entsprechend dieser Behauptung seine Inszenierung von HK Grubers Geschichten aus dem Wiener Wald an der Komischen Oper in einer austauschbaren, anonymen Großstadtlandschaft an. Die Verweise auf die deutsche Hauptstadt sind freilich omnipräsent, vor allem in den Autos mit Berliner Kennzeichen, welche die Szene (Robert Rumas) dominieren […]