Zum 150. von Hermann Hesse

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Als „Eine musikalische Hommage zum 150. Geburtstag von Hermann Hesse will Oliver Gruhn, Posaunist, aber auch mit anderen Instrumenten vertraut, vor allem aber Komponist seine CD mit von ihm zu verantwortender Musik auf Gedichte des von ihm verehrten Schriftstellers, aber auch anderer Dichter, dazu zwei Lieder von Richard Strauss, die noch nach den Vier letzten Liedern entstandenen Malven und ein unvollendet gebliebenes mit dem Titel Nacht auf einen Text von Hesse, verstanden wissen. Letzteres könnte leicht verwechselt werden mit dem gleichnamigen auf einen Text von Hermann von Gilm, beginnend mit der Zeile „Aus dem Walde tritt die Nacht“, während Hesses Werk mit den Worten „Mit Dämmerung und Amselschlageingeleitet wird. „Malven“ hingegen stammt von der Schweizer Schriftstellerin Betty Knobel, die auch weitere Texte auf der CD verfasst hat, auf der außerdem neben Hesse u.a. Otto Julius Bierbaum, Ricarda Huch und Christian Wagner vertreten sind. Malven komponierte Strauss kurz vor seinem Tod im Schweizer Exil und widmete das nur mit Klavierbegleitung vorgesehene Stück der von ihm verehrten Sängerin Maria Jeritza. Diese bewahrte das Lied 34 Jahre auf, ehe es seine Uraufführung erleben konnte.

Die CD Bezaubert von der Jeannedárt Stiftung umfasst vier Blöcke, zum einen die beiden von Oliver Gruhn teils komplettierten bzw. orchestrierten Strausslieder, danach den Zyklus Sommerliebe, in denen der Komponist außer einem Huch-Gedicht ausschließlich solche von Hesse vertont hat, danach Der König ohne Land mit ausschließlich Hesse-Texten und schließlich Brennendes Herz, wo Hesse nur zwei von acht Liedern zu verantworten hat. Die Vertonung erweckt durchaus den Eindruck, als sei sie zur gleichen Zeit wie die Gedichte entstanden, tonal, stimmfreundlich, hörbar von Richard Strauss und Zeitgenossen inspiriert, zwischen spätromantisch und impressionistisch sich bewegend, sehr angenehm und zum Träumen anregend. Die Musik ist hörbar von den Texten inspiriert und erweist sich damit als tatsächliche Hommage an den Dichter, von dem die meisten Texte stammen. Säger werden es lieben, diese Kompositionen aufzuführen.

Der König ohne Land wird von dem schwedischen Bassbariton Staffan Liljas gesungen, der in Die Blutbuche das Hauptgewicht auf „schwelgen“ legt, in August seine kraftvolle, farbige Stimme vom Orchester umschmeicheln lässt und für die Dunklen Augen Leidenschaft funkeln lässt.

Hermann Hesse/Wikipedia

Der deutsch-russischen Sopranistin Diana Schnürpel sind weitaus mehr Lieder anvertraut, beginnend mit denen von Strauss stammenden. Bereits in Malven zeigt sich die glückliche Verbindung eines leicht melancholischen Timbres mit einem feinen Leuchten der Stimme, allerdings auch eine wohl bei Strauss-Sopranen fast unvermeidliche Textunverständlichkeit. Schön umspielen die Symphoniker Hamburg unter dem erfahrenen Sebastian Lang-Lessing die Stimme, man meint ein weiteres der Vier letzten Lieder zu vernehmen. Von  Höhe des Sommers  bis zum Spätsommer reichen die Lieder unter dem Titel Sommerliebe, in denen der Sopran in Nelke zu orgiastischen Tönen findet, die Schmetterlinge im Spätsommer vom sehr Zarten zum Überschwänglichen finden, Ricarda Huch zu Intervallsprüngen animiert. Sinnlich in Klängen schwelgen lassen Ricarda Huch und der Komponist die Sängerin in Begierde, auch die zweite dichtende Dame, Betty Knobel, spürt „die zitternde Unruh“ in sich, und der Sopran weiß sie eindrucksvoll an den Hörer zu vermitteln, so wie die Kompositionen den Zeitgeist, aus dem die Dichtungen entstanden sind und der sie prägte (Jeannedart Stiftung EAN: 4020796501723/Abbildung oben/ Hermann Hesse/Aquarell/ Ausschnitt/ aboutcities.de). Ingrid Wanja