Die alte Weise

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Der „neue“ alte Vox-Querschnitt von Richard Wagners Tristan und Isolde  – nun nur-digital bei Vox/Naxos – ist insofern von Bedeutung, weil dies erst der dritte „offizielle“ Tristan der Plattengeschichte ist (wenn auch „nur“ Auszüge). 1962 in Innsbruck aufgenommen, gehen ihm der antike unter Karl Elmendorf von 1928 bei His Master´s Voice/EMI (zudem stark gekürzt) auf vielen Schellacks und natürlich der bahnbrechende unter Wilhelm Furtwängler bei derselben Firma von 1952 voraus. Wenn man bedenkt, wie unerhört teuer die letztere Ausgabe war (ich erinnere Editionen dieser Aufnahme zu mehr als 100.- D-Mark in der luxuriösen LP-Box mit dto. umfangreichem Beiheft), dann ist der große Querschnitt aus Tristan und Isolde bei Vox ebenfalls eine kleine Sensation, und dies nicht nur damals „gewesen“, wenngleich in Deutschland so gut wie unbemerkt.

Die Vox-LPs waren mehr als erschwinglich, allerdings meist nur als Importe aus den USA zu haben. Sie waren eine wohlfeile Einführung in den damals recht selten gespielten Tristan, namentlich für die amerikanische Provinz, aber auch für uns Europäer. Ich erinnere mich genau an die Kartons aus New York, wenn ich als Student mit Freunden zusammen vom Zoll die stets etwas nach Keller riechenden Pakete abholte. Darin lag dann eben auch dieser Tristan-Querschnitt, den Naxos (die die Firma Vox 2018 aufkaufte) nun als Nur-Digital-„CD“ über die üblichen Streamingdienste anbietet und als Wave-Download verkauft. Ohne alles. Und in dieser Falle suboptimaler Akustik.

Wir haben ja oft genug die popelige Ausstattung dieser Digital-Ausgaben beklagt, da ändert eine Wiederholung des Maulens offenbar nichts. Zudem scheint keine Linie in den wenigen Informationen zu den Veröffentlichungen zu liegen. Manchmal gibt es wenigstens die Vornamen der Mitwirkenden, meistens – wie nun hier – diese aber nicht einmal, nur die Initialen, da kann man nur wieder den Kopf schütteln (allerdings boten auch die alten Cover nur die Nachnamen der Sänger, die Rückseiten jedoch/s. unten Vor– und Nachnamen, liest das niemand bei Vox oder Naxos?). Sogar im Internet/Google. Wer ist F. Lelgemann? Und wer singt nun was? Also begeben wir uns mal wieder auf Spurensuche. Bei Vox-digital ist man das ja schon gewöhnt. Spannend!

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Das wenig zum Werk beitragende Cover (wer macht bei Vox/Naxos bloß das anonyme Artwork?) nennt vier Namen, von denen dem „normalen“ Sammler zumindest L. (Lorenz) Fehenberger doch ein Begriff ist – er war einer der führenden deutschen lyrischen Tenöre der Nachkriegszeit, verewigt in zahllosen Aufnahmen, meistens vom Radio, wenige offiziell. Dass er den Tristan hier singt ist doch schon erstaunlich, denn die Partie ist recht umfangreich für seine Stimme. Aber er singt ja „nur“ Ausschnitte (Duett A2 und sein Solo A3, dazu kurze Auszüge aus A1) vor dem Mikrophon und nicht auf der Bühne, aber eben – zumindest für mich – erstaunlich. Erstaunlich schön und schlank gesungen, man merkt ihm seine Lehár- und Strauß-Repertoire an. Aber immerhin sang er auch den Radames (unter von Karajan in Wien) und Don José.

Lorenz Fehenberger singt den Tristan vor dem Mikrophon von Vox, hier als Lohengrin dokumentiert bei Classical Music

Dazu ein Beitrag aus „Forgotten Opera Singers“: Er studierte Gesang bei Elisabeth Wolff in München und gab 1939 sein Debüt am Stadttheater in Graz in R. Strauss’ „Rosenkavalier“. In den Spielzeiten 1941–1945 war er an der Staatsoper in Dresden engagiert und wechselte 1946 an die Bayerische Staatsoper in München. Am 9. August 1949 sang er bei den Salzburger Festspielen die Rolle des Haemon bei der Uraufführung der Oper „Antigonae“ von Carl Orff. Hier trat er als Solist in G. Rossinis „Stabat Mater“ (1949/1962) auf. Er kehrte für die „Schöpfung“ von J. Haydn (1951) zurück und sang zwei Jahre später auch in „Judas Makkabaeus“ von G. F. Händel. 1964 gastierte er in „Christus am Ölberge“ von L. van Beethoven, 1967 in W. A. Mozarts „Requiem“ und übernahm 1949 eine kleine Rolle in Aufführungen der „Zauberflöte“. Gastauftritte führten ihn an die berühmten Opernhäuser Italiens, Österreichs, Belgiens, der Niederlande und der Schweiz sowie in die skandinavischen Länder und nach Südamerika (Teatro Colón, Buenos Aires, 1951). Am Teatro del Maggio Musicale Fiorentino sang er 1951 die Rolle des Golo in „Genoveva“ von R. Schumann (die italienische Uraufführung dieser Oper). In der Spielzeit 1951–1952 trat er in verschiedenen Rollen an der Arena di Verona auf. 1953 trat er am Covent Garden unter anderem als Apollo in der dortigen Erstaufführung der Oper „Die Liebe der Danaë“ von R. Strauss auf. Noch 1976 sang er an der Staatsoper in München in der Uraufführung der Oper „Die Versuchung“ von Josef Tal. 1977 trat er zum letzten Mal in München in „Der Rosenkavalier“ auf. Zu seinem Repertoire gehörten Radames in „Aida“, José in „Carmen“, Lohengrin, der Herzog in „Rigoletto“, Walther von Stolzing in „Die Meistersinger“, Alvaro in „La Forza del Destino“, Pinkerton in „Madama Butterfly“ und Cavaradossi in „Tosca“.

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Mina Bolotine singt die Isolde bei Vox/Isoldes Liebestod

Fehenberger (* 24. August 1912 in Oberweidach, Oberbayern; † 29. Juli 1984 in München) ist die bekannte Größe hier, Mina Bolotine nicht (wir hielten den Namen damals für Fake, weil im Zuge der Plünderung der Radio-Archive durch vor allem die amerikanischen und russischen Soldaten in den USA (und auch in der Sowjetunion) manches unter falschem Namen auftauchte, was dem Kenner sich als Erna Berger oder auch Lorenz Fehenberger entpuppte. Aber Mina Bolotine gab es natürlich wirklich. Sie singt die Isolde, namentlich den Liebestod kraftvoll, gut gestaltend und mit undeutlicher Diktion (was auch an der nicht wirklich guten Aufnahmequalität zu liegen scheint – andere aus der Zeit sind namentlich bei Vox sehr präsenter, da hätte man für die Wiederveröffentlichung dran arbeiten können). Man merkt der Bolotine eine gute Ausbildung und die kraftvolle Beherrschung ihres Fachs an. Heute wäre sie ein Weltstar.

Die inzwischen verblichene, unendlich verdienstvolle website Isoldes Liebestod hat eine kurze Biographie der belgische Sängerin: Bolotine, Mina, Mezzosopran/Sopran, * 20.4.1904 Antwerpen, † 13.9.1973 Antwerpen; der eigentliche Name der Sängerin war Wilhelmina Verhoeven. Sie studierte am Konservatorium von Antwerpen bei Aaltje Noordewier-Reddingius und ergänzte diese Ausbildung durch Studien bei Scolari in Italien und bei Roentgen in Deutschland. 1927 debütierte sie an der Königlichen Oper von Antwerpen als Reinhilde in »De Herbergprinses« von Jan Blockx. Bis 1937 blieb sie Mitglied dieses Hauses. Danach sang sie 1937-54 als erste dramatische Sopranistin am Théâtre de la Monnaie Brüssel, wo sie noch bis 1958 als Gast auftrat. Hier gestaltete sie 1952 in der französischsprachigen Erstaufführung von Strawinskys »The Rake’s Progress« die Partie der Türkenbab, 1951 in der von Menottis »The Consul« die der Mutter. In den Spielzeiten 1956-57 und 1958-59 war sie als Gast am Staatstheater Hannover verpflichtet. Bei den Bayreuther Festspielen gastierte sie 1954-55 als dritte Norn im Nibelungenring. Sie war auch zu Gast an der Staatsoper Berlin, in Holland, Spanien und in der Schweiz. Auch im Konzertfach kam sie zu einer großen Karriere. Auf der Bühne sang sie Partien aus dem dramatischen Sopran- wie aus dem Mezzosopranfach: die Venus im »Tannhäuser«, die Isolde im »Tristan«, die Kundry im »Parsifal«, die Brünnhilde im Ring- Zyklus, die Titelfiguren in »Alceste« von Gluck, im »Orpheus« vom gleichen Meister und in »Carmen« von Bizet, die Eboli in Verdis »Don Carlos«, die Charlotte im »Werther« von Massenet, die Margared in »Le Roi d’Ys« von Lalo und die Klytämnestra in »Elektra« von Richard Strauss. In den Jahren 1959-61 leitete sie als Direktorin die Oper von Antwerpen und war dann als Professorin am Konservatorium von Brüssel tätig. Zu ihren Schülern gehörte der Bariton Jef Vermeersch. Schallplatten: Vox (Ausschnitte aus »Tristan und Isolde«).

Jan Verbeeck dans le rôle-titre de Radames et Mina Bolotine dans celui d’Amneris, dans Aida à l’Opéra Royal Flamand, Anvers (Photo J.M. Mertens, Anvers Fonds musical de l’auteur)/Musica et Memoria

Und die belgische Online-Seite Musice et Memoria  schreibt zu ihr: Mina Bolotine (1904–1973), eine beeindruckende Mezzosopranistin und später Sopranistin, leitete nach einer glänzenden internationalen Karriere von 1958 bis 1961 meisterhaft die Königliche Flämische Oper in Antwerpen, um sich anschließend erfolgreich dem Gesangsunterricht zu widmen, zunächst am Königlichen Musikkonservatorium in Brüssel, später im Privatunterricht. Mit ihrer kraftvollen, orgelartigen Stimme wurde die Künstlerin oft mit der unvergesslichen norwegischen Sopranistin Kirsten Flagstad (1895–1962) verglichen. Obwohl ihre Stimmlage zu Beginn ihrer Karriere noch unsicher war, meisterte Mina Bolotine mit gleicher Bravour die Rollen der Mezzosopranistin, später des großen Falcon und der dramatischen Sopranistin und hinterließ den Eindruck von stimmlich und interpretatorisch packenden Darstellungen.

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Maura (oder Moira) Moreira (Brangäne) hat bei Vox die Wesendoncklieder aufgenommen, in dieser Kombination gab es von der verblichenen Firma Pilz eine Billigausgabe auf 2 CD, die mit eben den genannten Ausschnitten aus Wagners Tristan (der dann auf 1 CD) gekoppelt war. Später dann gab es eine weitere Resteverwertung der Adora Bella Musica (Tim Rahlau/Edition J. Rinschler) in Form einer 3-CD-Box mit weiteren orchestralen und chorischen Auszügen aus dem Lohengrin, Holländer und Tannhäuser unter den Dirigenten Heinrich Hollreiser, Nicoloe (?) Bobic, Curt Kremer und Joel Perlea (aus deren Orchester-Aufnahmen bei Vox zusammengesucht).

Maura/Moira Morera ist Brangäne auf der neu wieder herausgegeben Aufnahme von „Tristan und Isolde“ bei Vox/TGM

Auch Frau Moreira ist heute nicht mehr bekannt, daher wieder eine Anleihe bei Isoldes Liebestod: Moreira, Maura, Alt, * 2.2.1933 Belo Horizonte (Brasilien); erste Ausbildung am Conservatório Mineiro de Musica und bei Maximilian Hellmann. Nachdem sie einen nationalen Gesangwettbewerb in Brasilien gewonnen hatte, konnte sie mit Hilfe eines Stipendiums des brasilianischen Unterrichtsministeriums an der Wiener Musikakademie ihre Ausbildung fortsetzen. Noch während dieses Studiums debütierte sie 1959 am Stadttheater von Ulm als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Sie gewann dann den Verdi-Concours in Vercelli und gastierte jetzt in Westeuropa auf der Bühne wie im Konzertsaal. Neben ihrem Bühnenrepertoire spezialisierte sie sich auf das Oratorium und auf den Liedvortrag. Dabei kam sie zu bedeutenden Erfolgen in den Zentren des deutschen Musiklebens, in Österreich, Holland, Belgien, Spanien, Portugal und in der Schweiz. Zu ihren großen Bühnenpartien zählten die Amneris in »Aida«, die Eboli im »Don Carlos« von Verdi, die Azucena im »Troubadour« und die Venus im »Tannhäuser«. Sie war auch eine bedeutende Interpretin zeitgenössischer Musik. Sie blieb bis 1985 Mitglied des Opernhauses von Köln. Hier wirkte sie u.a. am 15.2.1965 in der Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von Bernd Alois Zimmermann mit.

Ihre dunkel glänzende, zu leidenschaftlicher Dramatik fähige Stimme ist auf mehreren Schallplattenmarken zu hören. Auf Fono-Vox singt sie die Alt-Rhapsodie von J. Brahms, die Wesendonck-Lieder von R. Wagner, Werke von J.S. Bach, J. Haydn und Gustav Mahler, dazu die Brangäne in einem Querschnitt durch »Tristan«, auf Wergo die integrale moderne Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann. so Isoldes Liebestod

Und noch einmal Maura Morera, hier im heimatlichen Fernsehauftritt/Instagram

Moreiras Brangäne hat durchaus Klasse, ist vielleicht in der Diktion nicht auf dem Niveau einer Christa Ludwig oder Margarete Klose, aber ihr schön geführter Mezzo ist eine warme Folie für die Kollegin Bolotine und ein Gewinn.

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Das größere Interesse des Sammlers richtet sich jedoch auf den mir bis dahin absolut unbekannten Bariton und hier Sänger des Kurwenal (und im Einwurf auch des Melot!): F. Lelgemann. Wer? Da half ein Blick in die KI von Google, die nicht nur seine Lebensdaten und ein paar Stationen seiner Künstlerlaufbahn aufzeigte (4. 8. 1926 – 26.10.1972 Berlin), sondern auch den Weg zu einem Eintrag im Online-Tamino-Forum wies,  dort schrieb das Mitglied Carlo: „Die (..) zwei CDs mit Ausschnitten aus „Tristan und Isolde“ habe ich von der berühmt-berüchtigten Firma ‚Pilz‘ (160.329/30) aus dem Jahre 1992. Es werden keine Sänger genannt, sondern nur ‚das Symphonie-Orchester Innsbruck unter Robert Wagner und Solisten‘. Die (…) oben genannte Box der Firma ‚Adora Bella Musica‘ ist eine Wiederauflage dieser CDs von 2001. In Wirklichkeit handelt es sich um Überspielungen von drei Schallplatten der englischen Firma ‚VOX‘ (Mono: OPBX 123 / Stereo: STOPBX 50123) aus dem Jahre 1964. Die Sänger sind Mina Bolotine (Isolde), Maura Moreira (Brangäne), Lorenz Fehenberger (Tristan) und Friedrich Lelgemann (Kurwenal und Melot – Lelgemann war Mitglied der Städtischen Bühnen in Münster/Westfalen); es singt der Chor des Tiroler Landestheaters!“

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Der Vergleich der alten Vox-LP (STLP 515.160, also nur 1 LP!) mit der auf 2 CD gestreckten Pilz-Ausgabe lässt Bewunderung ob der randvollen ersteren aufkommen. Auf der VOX-Langspielplatte sind die einzelnen Nummern nicht so auseinander gestreckt, mit jeweils 26.16 bzw. 28.41 Minuten pro Seite finden sich größere Blocks aus den jeweiligen Akten, 6 insgesamt. Vox/Naxos hat nun für die digitale Ausgabe 18 Nummern erstellt (VOX-NX-2899).

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Weiter die KI von Google: Bei „F. Lelgemann“ handelt es sich um den klassischen Bariton Friedrich Lelgemann. Er wirkte in der Mitte des 20. Jahrhunderts als Opernsänger und wirkte unter anderem als Solist bei Rundfunk- und Plattenaufnahmen von Richard-Wagner-Werken (wie beispielsweise Tristan und Isolde). Künstlerischer Werdegang/Theaterstation: Der Bariton Friedrich Lelgemann war in den 1960er Jahren ein festes Ensemblemitglied am Theater Münster (damals Städtische Bühnen Münster). In dieser Zeit wirkte er in zahlreichen Musiktheater-Produktionen des Hauses mit, darunter Hoffmanns Erzählungen, Arabella, Troubador, Frau Diavolo, Falstaff und Die verkaufte Braut.  (Für 1965 ist ein Gastspiel des Theater Münster mit Arabella in Amsterdam mit Lelgemann als Graf Dominik und Edeltraut Blanke als Arabella erwähnt. Auch eine „Mucke“ mit Edeltraut Blanke im NRW-Ort Wolbeck ist in dieser Zeit belegt/Chronik Wolbeck/G. H.).   Historische Aufzeichnungen und Kritiken zu Friedrich Lelgemann konzentrieren sich vor allem auf seine Zeit als festes Ensemblemitglied an den Städtischen Bühnen Münster) in den 1960er Jahren sowie auf seine überregionalen Opernaufnahmen. Bekannte Aufnahmen: Im Jahr 1964 wirkte er bei einer bekannten, unter Musikliebhabern diskutierten Aufnahme von Richard Wagners Oper Tristan und Isolde mit. Unter der Leitung von Robert Wagner und mit dem Innsbrucker Symphonieorchester übernahm er dort die Doppelrolle als Kurwenal und Melot. Diese historische Einspielung ist bis heute auf Streaming-Plattformen wie Spotify oder Amazon Music abrufbar.  Neben der Opernbühne trat er regelmäßig in Liederabenden und Konzerten auf, beispielsweise 1967 zusammen mit der Sopranistin Edeltraud Blanke. So ein Eintrag in der Wolbecker Chronik.  In seinen späten Lebensjahren wechselte er in die akademische Lehre nach Berlin. Ab 19171 unterrichtete er Gesang und wurde dort 1971 zum Professor ernannt (an einer Vorläuferinstitution der heutigen Universität der Künste Berlin). (TheaterEncyclopedie)

Sein Kurwenal kann sich durchaus mit solchen Kollegen wie Siegfried Nimsgern messen, wie denn die ganze Aufnahme ein schönes und befriedigendes Abbild der sängerischen Nachkriegsszene abgibt.  Und eben: Man kann die Vox und ihren Firmenchef Mendelsohn nicht genug loben, mit diesen Ausschnitten aus Wagner Tristan aber auch mit den vielen anderen Programmen der Vox auf wohlfeilen LPs so etwas wie „Kultur unters Volk“ gebracht zu haben. Wir haben ja bereits beim ersten Naxos-Wiederveröffentlichungs-Schub darauf hingewiesen: eine Monteverdische Poppea oder den Ritorno di Ulisse gab es vorher nicht, die vielen Oratorien und Messen kaum woanders, und die Verpflichtung von damals jungen Künstlern wie Alfred Brendel oder Arturo Janigro auf dem Wege zum Weltruhm belegen das Gespür und den künstlerischen Auftrag der Firma. Denn viele Aufnahmen aus dem Hause des Firmengründers George Mendelsohn vereinen die besten der europäischen, deutschen und österreichischen Künstler jener Jahre. („The present-day Vox label is unrelated to the German venture. It was launched in New York in 1946 by George Mendelssohn’s Vox Productions, Inc., as a classical label, and remains in production today (after several changes in ownership) as part of the Naxos Music Group.“), und zur spannenden Geschichte der beiden Vox-Unternehmungen vergl. mainspringpress.org).Heute – in der Sattheit unendlicher Veröffentlichungen – sind wir kaum noch in der Lage, diese Verdienste zu sehen und anzuerkennen. Aber wir Älteren erinnern uns noch an die mageren Jahre jener Zeit, als LPs unendlich viel Geld kosteten (meine Berliner Miete war in etwa soviel wie der Preis für Furtwänglers Tristan!) und Operngesamtaufnahmen rar waren, die internationalen oft zudem aus den USA importiert wurden.

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Der Dirigent der „Tristan“-Aufnahme bei Vox, Robert Wagner in jungen Jahren, Fotos waren erstaunlicher Wiese schwer zu finden/Discogs

Robert Wagner war auch ein renommierter Dirigent in seiner Zeit und nicht zu verwechseln mit dem amerikanischen Schauspieler gleichen Namens. Zu Robert Wagner schreibt Wikipedia: Robert Wagner belegte von 1929 bis 1937 an der Wiener Musikakademie die Studienfächer Klavier bei Franz Schmidt, Komposition bei Joseph Marx sowie Dirigieren bei Felix Weingartner, zusätzlich absolvierte er ein Studium der Musikwissenschaft an der Universität Wien, das er 1938 mit der Promotion abschloss.

Nachdem er ab 1933 bereits als Pianist und Komponist öffentlich aufgetreten war, erfolgte Wagners Debüt als Dirigent 1936 in Wien. Von 1938 bis 1944 wirkte er als Dirigent an den Städtischen Bühnen in Graz. Am 7. Juni 1938 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Juni 1940 aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.644.003). 1945 ging Wagner als musikalischer Oberleiter der Oper an das Landestheater Salzburg, ein Jahr später wurde er zum künstlerischen Leiter des Mozarteumorchesters Salzburg bestellt. Darüber hinaus hatte er ab 1947 die Leitung der Dirigentenklasse und Opernschule am Mozarteum inne.

1951 wechselte er in der Nachfolge von Heinz Dressel als Generalmusikdirektor und Leiter des Symphonieorchesters nach Münster. Zusätzlich übernahm Wagner, nachdem der Intendant der Städtischen Bühnen Bruno von Niessen seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben konnte, 1957 interimistisch die Intendanz dieses Theaters, gemeinsam mit Wilhelm Vernekohl, dem Kulturdezernenten der Stadt. 1961 kehrte Wagner auf eigenen Wunsch nach Österreich zurück und folgte Kurt Rapf als Musikdirektor des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck nach. 1965 folgte er einem Ruf an die Akademie für Musik und darstellende Kunst „Mozarteum“ in Salzburg, wo er eine ordentliche Professur sowie bis 1971 die Präsidentenstelle innehatte. Zu Beginn der 1970er-Jahre trat Wagner die Stelle eines ständigen Dirigenten und Generalmusikdirektors an der Staatsoper in Istanbul an. Robert Wagner, dessen kompositorisches Werk Orchesterstücke, Konzerte, Bühnenmusik sowie Kammermusik umfasst, erhielt am 21. November 1995 die Goldene Ehrenmedaille der Universität Mozarteum Salzburg verliehen.

Wagners „Tristan“-Auszüge bei Vox/Rückseite der alten (einen) Vox-LP 1962

Dazu auch die KI bei Google (cum grano salis wie stets): Robert Wagner (1915–2008) war ein österreichischer Dirigent und Komponist. Er leitete als Generalmusikdirektor von 1951 bis 1961 das städtische Symphonieorchester Münster und von 1960 bis 1966 das Symphonieorchester Innsbruck. Vorher war er künstlerischer Leiter des Mozarteumorchesters in Salzburg. Er studierte in Wien Klavier, Komposition und Dirigieren bei Felix Weingartner und promovierte in Musikwissenschaft. Stationen waren: Kapellmeister in Graz (1938–1944), künstlerischer Leiter am Mozarteum Salzburg (1945–1951), sowie Generalmusikdirektor in Münster (1951–1961). Neben dem Dirigieren unterrichtete er an der Dirigentenklasse und der Opernschule des Mozarteums.

Robert Wagner spielte einen Großteil seiner Diskografie während seiner Zeit als Chefdirigent des Sinfonieorchesters Innsbruck (meist in den 1960er Jahren) für Labels wie Vox, Turnabout oder Orbis ein. Dabei trat er vor allem als sensibler Begleiter namhafter Solisten auf.

Zu seinen Aufnahmen zählen Schumanns „Requiem für Mignon“: Diese Einspielung von 1963 (unter anderem mit der jungen Sopranistin Edith Mathis) genoss Seltenheitswert, da das Werk damals kaum auf Schallplatte verfügbar war und heute, nach merhfachen Wiederauflagen auf verschiedenen Labels nun wieder bei Vox digital zu haben ist. . Zu erwähnen ist auch der Querschnitt von Wagners „Tristan und Isolde“ bei Vox digital. Beliebt waren seine Kooperationen mit Solisten wie Susanne Lautenbacher (z. B. Brahms‘ Violinkonzert), Peter Frankl oder David Glazer (u. a. Einspielungen von Klarinettenkonzerten wie von Carl Stamitz).

Obwohl er primär als Dirigent und Musikpädagoge wirkte, trat Robert Wagner bereits ab 1933 in Wien als Pianist und Komponist an die Öffentlichkeit. Zu seinen eigenen Werken zählen: Verschiedene Stücke für kleinere Besetzungen, oft geprägt von der Wiener Tradition seine Vertonungen für Gesang und Klavier. Kleinere symphonische Arbeiten, die er im Laufe seiner frühen Karriere komponierte (dazu auch Wikipedia)

Sein Fokus verschob sich nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings fast vollständig auf das Dirigieren und die Ausbildung von Kapellmeistern am Mozarteum Salzburg. (Foto oben: die ersten Sänger von Tristan und Isolde: Ludwig und Malvina Schnorr von Carolsfeld
München 1865/Wikipedia/ Redaktion und Anmerkungen Geerd Heinsen)