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Der fanatische Opernfreund besaß sie natürlich längst, die Don-Carlo-Aufnahme aus der Wiener Staatsoper aus den Siebzigern, damals u. a. auf den Markt gebracht von dem Mailänder Label Myto. Nun ist sie remastered von Urania vorgestellt und natürlich technisch auf einem weit höheren Niveau. Horst Stein stand damals am Dirigentenpult und beginnt mit getragenen Tempi, zaubert verführerische Farben zum Beginn des Parkbilds und hat es eilig damit, das Autodafé zu überstehen. Unübertrefflich sind Wohlklang und Spannung, was die Wiener betrifft und von ganz unterschiedlicher Qualität das auch damals schon international aufgestellte Sängerensemble.
Das weist auch für die winzigsten Partien Stars oder Sänger, die es einmal werden sollten, auf. So ist Edita Gruberova der Page Tebaldo, der sich an der Canzone di Velo beteiligen und den Marquis Posa ankündigen darf. Als Voce dal cielo verkündet Judith Blegen Tröstliches mit ungetrübtem Schöngesang.
Der einzige Italiener im Ensemble ist der Carlo von Franco Corelli, den man erst einmal dunkler in Erinnerung hat, was an der Tessitura seiner Partie liegen mag. Der Tenor zielt eindeutig auf eine Überwältigung des Publikums, nicht nur durch strahlende Höhen, sondern auch durch extrem ausgekostete Fermaten, viel lacrima nella voce, aber auch durch eine beachtliche Textverständlichkeit. Ab und zu wechselt der Tenor von einem angemessenen canto elegiaco in einen der Rolle weniger angemessenen canto eroico, aber auch dieser ist schon für sich genommen überaus hörenswert. (Und warum nicht er auf dem Cover abgebildet ist, bleibt ein fragwürdige Enbtscheidung).
Einen unangenehmen Kontrast zur strahlenden Tenorstimme bildet der Bariton von Eberhard Wächter in der Rolle des Rodrigo. Die Stimme klingt für mich hier dumpf, stumpf und verquollen, der Sänger scheint streckenweise eher zu bellen als zu singen, die Phrasierung ist nicht großzügig. Erst in der Todesszene strömt der Bariton freier und weckt Interesse für das Schicksal des nun oder auch nicht mehr Duca.
Gleich drei gestandene Bässe erfordert das Werk und drei Ausnahmestimmen kann die Staatsoper damals aufbieten. Sehr dunkel und durchaus den verstorbenen Imperator in sich vermuten lassend ist die Stimme von Tugomir Franc für den Frate. Über ihn würde man sich auch als Filippo freuen können. Der Finne Martti Talvela singt den Gran Inquisitore mit leicht aufgerautem Prachtbass düster dräuend. Nicolai Ghiaurov wird in seiner großen Szene wunderbar vom Cellisten begrüßt, lässt seinen Ausnahmebass unangefochten strömen und weiß mit ihm doch auch seine, des Königs, Verletzbarkeit auszudrücken.
Auch einmal, nämlich in den Gärten der Königin, sich als dem Verismo nicht abgeneigte Megäre beweisen darf sich die Eboli von Shirley Verrett, nachdem sie eine berückend schöne Canzone di Velo gesungen hat, raffiniert die kleinsten Notenwerte zu ihrem Recht kommen lassend, verführerische Tongespinste ausbreitend und schließlich im Don fatale in eine sanfte Klage nach Schrillheit nicht scheuendem Beginn zu münden.
In dieser Zusammenstellung ist die Besetzung der Elisabetta mit Gundula Janowitz ein Wagnis, denn das Soprantimbre kann, was pure, üppige Schönheit betrifft, nicht mit den Kollegen mithalten, so sehr auch feine Differenzierungen, auf Verinnerlichung setzender Gesang zu schätzen sind. Der Abschied von der Aremberg zeigt, zu welch schönen Pianogespinsten die Sängerin fähig ist, wie gut die Diminuendi gelingen, Zurücktreten hinter die Figur eines der Ziele des Soprans ist. Steife Höhen und einige Schärfen scheinen aber das Publikum damals nicht gestört zu haben, denn der Applaus nach Tu che le vanità ist gewaltig und soll vielleicht honorieren, dass anstelle auf vokale Prachtentfaltung auf eine feine Pastellmalerei bei der Darstellung der Figur gesetzt wurde.
Egal, ob man das Ausstellen edlen Ausnahmematerials oder auf intime Rollengestaltung setzt: für den Hörer ist diese CD immer ein Gewinn (Urania Records/Note 1). Ingrid Wanja
