Goldene Zeiten

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Überaus emsig ist das Münchner Rundfunkorchester unter seinem Dirigenten Ivan Repušiċ und erfreut noch kurz vor Weihnachten seine Fans mit einer CD mit dem Titel Golden Age, womit das Zeitalter gemeint ist, in dem Komponisten die Grenzen der menschlichen Stimme ausloteten und Sänger zu Höchstleistungen herausforderten. Auf der CD vereinen der Koloratursopran Erin Morley und der Tenor Lawrence Brownlee ihre Stimmen in Duetten, singen aber auch hochvirtuose Arien. Dabei fällt auf, dass man zwar die  populären Stücke nicht generell meidet, aber auch solche ausgewählt hat, die nicht weniger reizvoll, aber weniger bekannt sind. So fehlt die mit Spitzentönen prunkende Arie des Tonio aus Donizettis Regimentstochter, nicht aber ein weniger spektakuläres Duett, kann man von Bizet aus dessen kaum bekannter Oper La jolie fille de Perth ein reizvolles  Duett, aber auch die berühmte Arie des Nadir aus den Perlenfischern hören.

Es beginnt mit dem bereits erwähnten Duett aus La fille du régiment, in dem der Sopran eine schnippisch-kess klingende Stimme hören lässt, sich aber auch lyrisch mädchenhaft geben kann, während der Tenor durchaus Leichtigkeit und Geschmeidigkeit der Stimme vermittelt, aber stellenweise auch etwas belegt klingt.  Besonders gut scheint ihm Rossini zu liegen, wie das Duett aus Le comte Ory verrät, in dem der Sopran sehr viel wissender, reifer klingt als zuvor, ironisch-zynische Lichter aufsetzt. Das dritte Duett ist das aus der bereits erwähnten Fille de Perth, die von den Schwierigkeiten eines jungen Paars handelt, sich gegenüber den Begierden der tieferen Stimmen zu behaupten, auch vorübergehender Wahnsinn des Soprans bedient einen beliebten Handlungsschlenker. Die des Smith ist eine Alfredo-Kraus-Partie, der Sopran erfreut mit schöner Innigkeit. Aus Delibes‘ Lakmé folgt nicht das berühmte Blütenduett, sondern logischerweise das zwischen Sopran und Tenor C’est le Dieux de la jeunesse, in dem sich am Schluss die beiden Stimmen harmonisch miteinander vereinen. Das letzte Duett stammt aus Don Pasquale, Tornami a dir che m’ami“, und liefert den Beweis dafür, dass die beiden Stimmen sehr gut zueinander passen.

Bei den Arien wird es generell populärer, da möchte jeder seinem künstlerischen Affen Zucker geben, was Brownlee mit der Arie des Nadir in schöner Ebenmäßigkeit gelingt, während er mit der Tenor-Arie aus Marino Faliero ein hoch virtuoses Stück gewählt hat, in dem er seine Höhensicherheit eindrucksvoll unter Beweis stellen kann. Der Sopran verlässt sich ebenfalls mit Gildas Caro Nome aufs Hochpopuläre, mit Lakmés Glöckchenarie aufs Hochvirtuose und kommt mit beidem gut zurecht.

Natürlich ist das Münchner Rundfunkorchester unter Ivan Repušiċ ein erfahrener und die Sänger perfekt unterstützender Begleiter (Pentatone PTC5187 400). Ingrid Wanja