Bernard Haitink

 

Der am 4. März 1929 in Amsterdam als Sohn eines Beamten geborene Bernard Haitink studierte zunächst Violine und Dirigieren bei Felix Hupka am Amsterdamer Konservatorium. Dirigierkurse unter Ferdinand Leitner in den Jahren 1954 und 1955 schlossen sich danach an. Sein professionelles Dirigentendebüt erfolgte am 19. Juli 1954 mit dem Orchester der Niederländischen Radio-Union (dem heutigen Radio Filharmonisch Orkest). Von da an ging es Schlag auf Schlag. 1955 wurde Haitink Zweiter Dirigent dieses Orchesters, schon 1957 übernahm er es als Leiter. Bereits am 7. November 1956 debütierte er beim Concertgebouw-Orchester als Einspringer für Carlo Maria Giulini. Der unerwartete Tod von Eduards van Beinum ließ ihn 1959 zum Ersten Dirigenten und 1961 schließlich zum Chefdirigenten des renommiertesten niederländischen Klangkörpers avancieren. Den Chefdirigentenposten teilte er sich bis 1963 mit dem fast dreißig Jahre älteren und in aller Welt bekannten Eugen Jochum. Die Schallplattenkarriere Haitinks nahm in diesen Jahren ihren Anfang, zunächst für das Philips-Label, später auch für Decca und EMI. Zahlreiche Tourneen führten das Concertgebouw-Orchester in seiner langen Ära durch die Welt. In den frühen 1980er Jahren konnte er unter Androhung seines Rücktritts empfindliche finanzielle Kürzungen verhindern und beschloss seine Amtszeit ordentlich anlässlich des 100. Jubiläums des Orchesters, das sich von da an Königliches Concertgebouw-Orchester nennen durfte, im Jahre 1988. Elf Jahre später berief ihn eben dieses zum Ehrendirigenten. Neben seiner Amsterdamer Tätigkeit wurde besonders England zu Haitinks Schwerpunkt, wo er zwischen 1967 und 1979 auch dem London Philharmonic Orchestra vorstand und ab 1978 für ein Jahrzehnt als musikalischer Direktor des Glyndebourne Festival fungierte. Seinen Ruf als Operndirigent unterstrich Haitink in seiner 15-jährigen Amtszeit als Musikdirektor des Royal Opera House, Covent Garden, in London. Eine weitere Tätigkeit als Chefdirigent führte ihn an die Elbe nach Dresden, wo er 2002 die Sächsische Staatskapelle übernahm, den bis 2006 geplanten Kontrakt infolge von Meinungsverschiedenheiten mit dem dortigen Intendanten Gerd Uecker allerdings schon 2004 auflöste. Seinen finalen Posten als Orchesterchef übernahm Haitink (erst etwas widerwillig) überraschend im Herbst 2006, als er nach sensationellen Konzerterfolgen mit dem Chicago Symphony Orchestra zum Chefdirigenten ernannt wurde; den traditionellen Titel des Musikdirektors lehnte er aus Altersgründen ab. Auf dieser Position blieb er bis 2010. Ferner war Haitink, ebenfalls in Amerika, zwischen 1995 und 2004 Erster Gastdirigent des Boston Symphony Orchestra, hernach auch dort Ehrendirigent. Als Gastdirigent war er besonders bei den Berliner und Wiener Philharmonikern, beim London Symphony Orchestra sowie beim Orchestre National de France eine konstante und zuverlässige Stütze. Seine allerletzten Konzertauftritte absolvierte er, gesundheitlich bereits merklich angeschlagen, im Jahre 2019, wo er sich schließlich mit den Wiener Philharmonikern bei den Proms in London (3. September) und beim Lucerne Festival (6. September) vom Podium verabschiedete. Am 21. Oktober 2021 ist Bernard Haitink im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in London verstorben (Foto Arte TV). Daniel Hauser