Arlene Saunders

 

Mit Bedauerrn hörten wir vom Tod der Sopranistin Arlene Saunders, lange Jahre erste Sängerin an der Hamburgischen Staatsoper, später in Paris und an internationalen Häusern. Sie  stammte aus Cleveland im US-Bundesstaat Ohio. Dort wurde sie am 5. Oktober 1935 geboren. Ihre Ausbildung absolvierte sie am Baldwin-Wallace-College in North Carolina, wo sie 1958 bei der dort ansässigen unabhängigen National Opera Company als Rosalinde in der Fledermaus debütierte. Rüstzeug für das italienische Fach erwarb sie sich anschließend in Italien, wo sie am Mailänder Teatro Nuovo die Mimi in La Bohéme sang. Zurück in den USA, wurde sie 1961 an die New Yorker City Opera engagiert. Die Antrittsrolle war die Giorgetta in Puccinis Tabarro. Bevor die Sängerin 1963 an die Hamburgische Staatsoper verpflichtet wurde, war sie in ihrer Heimat in verschiedenen Ensembles als Marschallin im Rosenkavalier, Micaela in Carmen, oder Minnie in Fanciulla del West zu hören. Ihre Vielseitigkeit war früh angelegt. Zunächst hatte sie ein Angebot aus Köln. Sie entschied sich aber für Hamburg, weil sie dort Landsleute traf. Mit Jeanette Scovotti, Tatiana Troyanos und Richard Cassilly schloss sie Freundschaft.

Die deutsche Hansestadt mit ihrem reichhaltigen Spielplan wurde zu einem Zentrum ihres Wirkens, das aber auch weiterhin durch eine intensive Reisetätigkeit geprägt gewesen ist. Eine Station war die Metropolitan Opera, wo sie dreimal die Eva in Wagners Meistersingern von Nürnberg sang. Wie die Sängerin in einem Interview bekannte, war Wagner ihr Lieblingskomponist. Deutsch hatte sie schnell gelernt. In Hamburg blieb sie zunächst für drei Jahre und verlängerte dann noch einmal für denselben Zeitraum, blieb dem Haus aber als Gast verbunden und wurde 1985 zur Kammersängerin ernannt. Als Marschallin nahm sie am Teatro Colón Abschied von der Bühne. Sie lebte fortan in New York und war dem Psychiater Raymond Raskin, dem Witwer der Sängerin Judith Raskin, verheiratet. Zu deren Gedenken veranstaltete sie jährlich Liederabende.

Kenner schätzten ihre unmanierierte Stimme. Gleich mehrere Opernfilme – die meisten sind bei Arthaus auf DVD veröffentlicht worden – haben das etwas distanziertes Spiel der Saunders festgehalten. Diese Produktionen fallen alle in die Zeit, in der Rolf Liebermann Intendant der Hamburgischen Staatsoper gewesen ist. Im Einzelnen handelt es sich um Figaros Hochzeit, Freischütz, die Meistersinger von Nürnberg und Arabella. Der Freischütz wird auch wegen der Mitwirkung von Ernst Kozub als Max und Gottlob Frick als Kaspar geschätzt. In Menottis Hilfe, Hilfe! Die Globolinks! vollbrachte sie als überkandidelte Madame Euterpova eine komödiantische Meisterleistung. Darüber hinaus gibt es nur ganz wenige offizielle Schallplattenaufnahmen – darunter Mendelssohns Sommernachtstraum unter Erich Leinsdorf bei RCA – mit ihr. Am 17. April 2020 ist Arlene Saunders gestorben. Carl Meffert/RW

  1. Carl Meffert

    Nicht zu vergessen: Arlene Saunders sang Hauptrollen in vier Opern-Uraufführungen: „Jacobowsky und der Oberst“ (Giselher Klebe / Hamburg, 2. 11. 1965), „Hilfe, Hilfe, die Globolinks!“ (Gian-Carlo Menotti / Hamburg, 21. 12. 1968), „Ein Stern geht auf aus Jakoob“ (Paul Burkhard / Hamburg, 6. 12. 1970) und „Beatrix Cenci“ (Alberto Ginastera / Eröffnung des ‚J. F. Kennedy Centers of the Performing Arts‘ in Washington, DC, am 10. 9. 1971 – in spanischer Sprache)!

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