Hildegard Hillebrecht

 

Operngängern in München, aber auch in Stuttgart und vor allem in Berlin erinnern sich natürlich an Hildegard Hillebrecht (-Stöhr 1927 – 2018) mit zahllosen Rollen und Einspringern wie Ariadne, Küsterin, Kaiserin oder sogar Donna Anna. Gerade an der Deutschen Oper Berlin ist sie ein häufiger Gast gewesen und hat manche Vorstellung gerettet – auch mit unterschiedlichen Reaktionen, zumal man oft in den späteren Jahren Tüchtigkeit vor Klangschönheit konstatieren musste. Aber aus der deutschen Opernlandschaft der sechziger und siebziger Jahre war sie nicht wegzudenken, und ihre zahllosen Dokumente, offzielle wie live, belegen ihre stets verfügbare Präsenz im Opernleben jener Jahre. Am 7. Oktober 2018 starb sie – bemerkenswerter Weise fast im Geheimen und ohne öffentliche Beachtung. Beigesetzt wurde sie auf dem Friedhof in München-Vaterstetten, wie die karge Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 19. 10. 2018 belegt. Offenbar stand sie der Petrigemeinde Baldham in Vaterstetten nahe.

 

Recht lakonisch und auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper auch nicht auffindbar (die Rubrik Biographie öffnete sich nicht) hier erst einmal ein lapidarer Nachruf (nebst einigen Rollenfotos) der Bayerischen Staatsoper als Eintrag auf deren offiziellen Facebook-Seite. Wir trauern um die Bayerische Kammersängerin Hildegard Hillebrecht-Stöhr. Sie verstarb am 7. Oktober 2018. Die Sopranistin verkörperte eine Vielzahl an Rollen an der Bayerischen Staatsoper und in der ganzen Welt. Hildegard Hillebrecht-Stöhr wurde am 26. November 1927 in Hannover geboren. Sie studierte zunächst Medizin, widmete sich dann aber der Gesangskarriere.

 

Da greift man doch lieber auf den wie stets sehr ausführlichen Kutsch/Riemens zurück: Hillebrecht, Hildegard, Sopran, * 26.11.1927 Hannover; sie studierte zuerst Medizin, dann wechselte sie zur Gesangausbildung. Sie war hier Schülerin von Margarethe von Winterfeldt, von Franziska Martienssen-Lohmann und von Paul Lohmann. Debüt 1951 in Freiburg i. Br. als Leonore im »Troubadour«. Sie war dann 1951-54 am Opernhaus von Zürich engagiert; hier sang sie am 20.6.1952 in der Uraufführung der Neufassung von Hindemiths »Cardillac«. Dann sang sie 1954-59 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, 1956-61 am Opernhaus von Köln. Seit 1961 hatte sie eine große Karriere an der Staatsoper von München; regelmäßig gastierte sie an den Staatsopern von Wien und Hamburg. Seit 1972 wieder Mitglied des Opernhauses von Zürich. Ebenfalls seit 1954 langjähriges Mitglied der Städtischen Oper Berlin (seit 1961 Deutsches Opernhaus Berlin), deren Ehrenmitglied sie wurde. Hier sang sie u.a. am 29.9.1968 in der Uraufführung der Oper »Ulisse« von Luigi Dallapiccola. 1962 übernahm sie bei den Festspielen von Bayreuth die Elsa im »Lohengrin«. Man hörte sie bei den Festspielen von Salzburg (1956 Ilia in »Idomeneo« von Mozart, 1964-65 Chrysothemis in »Elektra« und Titelheldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss) und München, beim Holland Festival, an der Covent Garden Oper London (1967 als Kaise rin in der »Frau ohne Schatten« von Richard Strauss), an der Berliner Staatsoper, in Rio de Janeiro, Tunis, Paris und Rom. In der Spielzeit 1968-69 trat sie an der Metropolitan Oper New York auf. Weitere Gastspiele am Teatro Colón Buenos Aires, an den Opern von San Francisco, Bordeaux und Nizza, bei den Festspielen von Edinburgh, in Kopenhagen, Amsterdam, Venedig, Barcelona, am Théâtre de la Monnaie Brüssel, in Dresden und Prag. Auch als Konzertsolistin hatte sie eine internationale Karriere. – Schön gebildete, ausdrucksvolle Stimme von ungewöhnlicher Tonfülle, vor allem in Opern von Verdi, Puccini (»Tosca«), Mozart, Wagner und Richard Strauss bewundert.

Schallplatten der Sängerin bei Electrola (Querschnitt »Don Giovanni«), Eurodisc (Santuzza in vollständiger »Cavalleria rusticana«, Querschnitte »Don Carlos«, »Maskenball« und »La forza del destino« von Verdi, komplette Aufnahme »Rosenkavalier« von R. Strauss), DGG (»Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, »Don Giovanni«, »Doktor Faust« von Busoni, »Zauberflöte«) sowie ein »Tannhäuser«-Querschnitt auf Opera.

[Nachtrag] Hillebrecht, Hildegard; sie war 1954-62 an der Deutschen Oper am Rhein, 1959-63 am Opernhaus von Köln engagiert. Sie blieb seit 1961  ein gefeiertes Mitglied der Münchner Staatsoper. Durch Gastverträge war sie lange Jahre hindurch mit der Staatsoper Stuttgart, seit 1972 auch mit dem Opernhaus von Zürich verbunden. 1959-61 und 1965-76 war sie dazu an der Städtischen Oper Berlin verpflichtet. 1977 verabschiedete sie sich in München als 2. Norn in der »Götterdämmerung« von der Bühne. Aus der Vielzahl ihrer Gastspiele sind zu nennen: Metropolitan Oper New York (1968-69, 1970-71 als Sieglinde, Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss und Leonore im »Fidelio«), Covent Garden Oper London (1967 und 1969 als Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, eine ihrer großen Partien), Teatro Colón Buenos Aires (1964 als Ariadne auf Naxos von R. Strauss, 1966 als Fidelio und Chrysothemis), San Francisco Opera (1965 Elsa und Ariadne), Staatsoper Wien (1960-85 u.a. als Elisabetta im »Don Carlos« von Verdi und als Donna Anna im »Don Giovanni«), Oper von Rio de Janeiro (1954 als Eva in den »Meistersingern«), Osterfestspiele Salzburg (1967 Sieglinde), Staatsoper Dresden (1967), Holland Festival (1958), Teatro Liceo Barcelona (1962), Königliche Oper Kopenhagen, Nationaltheater Prag, Teatro Fenice Venedig (1969 als Chrysothemis), Oper von Rom (1968), Oper von Bordeaux, Staatsoper Berlin, Festspiele Edinburgh (1966 als Elsa im »Lohengrin«), Opernhäuser von Straßburg (1962 als Sieglinde), Los Angeles (1964), Helsinki und Genf. Auf der Bühne trug sie ein sehr umfangreiches Repertoire vor. Daraus seien genannt: die Abigaille in Verdis »Nabuccco«, die Elena in der »Sizilianischen Vesper« vom gleichen Komponisten, die Amelia im »Maskenball«, die Leonore in der »Macht des Schicksals«, die Aida, die Desdemona im »Othello« und die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Agathe im »Freischütz«, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Isolde im »Tristan«, die Gutrune in der »Götterdämmerung«, die Kundry im »Parsifal«, die Arabella in der Oper gleichen Namens von R. Strauss, die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Gräfin im »Capriccio« von R. Strauss, die Jenufa (eine ihrer erfolgreichsten Kreationen), die Katja Kabanowa und die Emilia Marty in »Die Sache Makropoulos« von Janáček, die Rosalinde in der »Fledermaus«, die Ursula in »Mathis der Maler« von Hindemith, die Maria in »Der Friedenstag« von R. Strauss, die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«, die Ninabella in »Die Zaubergeige« von W. Egk und die Elisabeth in »Elisabeth Tudor« von W. Fortner. [Lexikon: Hillebrecht, Hildegard. Großes Sängerlexikon, S. 10858; (vgl. Sängerlex. Bd. 6, S. 375-376) (c) Verlag K.G. Saur] mit Dank!