Bewegend

 

Eine flammende stehende Ovation würdigte am Sonntag, dem 5. März 2017 im Auditorium Rainier III von Monaco, eine konzertante Aufführung von Simon Boccanegra von Giuseppe Verdi.

Die untadelige musikalische Leitung von Pinchas Steinberg überrascht uns nicht. Wir haben sein unzweifelhaftes Talent schon in früheren Produktionen im Fürstentum kennen gelernt, ob es sich um die „Florentinische Tragödie“ und „Bajazzo“ im Februar 2015 handelte oder um das “ Mädchen aus dem goldenen Westen“ im November 2012. Wie von unsichtbaren Kräften getrieben, bewegt die eher schmale Silhouette von Pinchas Steinberg  seinen Dirigentenstab wie in  einem heftigen Fieber und erreicht so Attacken, wie mit dem Skalpell ziseliert. Er öffnet plötzlich die Arme kreuzförmig, um an Ende des Prologs ein orchestrales Tutti von einer kaum dagewesenen Kraft zu erreichen und im Gegensatz dazu gestaltet er eine Verringerung der Intensität, um die Kostbarkeit einer Stimme hervortreten zu lassen. Das philharmonische Orchester von Monte-Carlo antwortet mit einer untadeligen instrumentalen Zeichnung und erlaubt uns gleichermaßen dichte und raffinierte, ätherische und glänzende Klänge zu genießen. (…)

Der Bariton Ludovic Tézier, der hier schon als Graf Anckarström im „Maskenball“ im Jänner 2010 zu hören war, dann für seinen König von Spanien in „Ernani“ im April 2014 gefeiert wurde, hat uns in der Titelrolle buchstäblich  durch seine gesangliche Linie begeistert, bei der er vor allem diese so charakteristische und den Ohren so schmeichelnde Verbindung der Noten bewahrt hat. Außer dieser Genauigkeit im Ton in Entsprechung mit den verschiedenen Situationen bleibt das Timbre äußerst harmonisch im Forte, alle mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit verbunden, ein Beweis einer ebenso beherrschten wie untadeligen Technik: Die geradezu delirische Ovation, die er am Ende der Vorstellung erhielt, war sehr vorhersehbar.

Maria Boccanegra wurde von Sondra Radvanovsky gesungen, deren Kupfertimbre – vor allem in den hohen Noten – fähig ist, das Gefühl eines leuchtenden Schleiers zu schaffen, akzentuiert diesen Kontrast zwischen der Fragilität einer ungewissen Herkunft und ihrer Liebe zu Gabriele Adorno. (…)

Und nun auch einmal ein Foto unserer tapferen und stets arbeitswilligen Übersetzerin Ingrid Englitsch aus Wien – Danke!

Der ukrainisch-schweizerische Bass Vitalj Kowaljow, der den erkrankten Andrea Mastroni ersetzt hat und dessen fabelhafte Leistung als Hohepriester Zaccaria kürzlich in „Nabucco“ bejubelt wurde, gab einen großartigen Jacopo Fiesco: Seine Auftrittsarie „Prega per me“ bringt gleichermaßen sichere wie unvergleichlich profunde Tiefen. Sein Duett mit Gabriele “Vieni a me“,dann das Schlussduett mit Simon Boccanegra geben diese berührende Sensibilität einer stimmlichen Gewalt, die auch schon bei seinem Wotan bei den Salzburger Osterfestspielen 2010 festgestellt wurde.

Ramon Vargas, der ebenfalls nach seiner großen Arie ebenso wie nach seinem Terzett mit Simone et Amelia  im 2. Akt heftig bejubelt wurde, verkörpert einen Gabriele Adorno, der Amelia mit ungeheurer Leidenschaft liebt. Eine emotionale Vielfalt mit der uns bekannten unauslöschlichen Tragfähigkeit, wenn wir uns an sein Benefiz-Konzert 2 hervorzuheben. Der Bariton Fabio Bonavita (Pietro),  der Tenor Vincenzo di Nocera (Ein Kapitän) und der Mezzo Paola Scaltriti (Eine Dienerin) vervollständigen diese bemerkenswerte Produktion. (Monaco, 6. März 2017) Jean-Luc Vannier/ den Artikel entnahmen wir mit Dank dem Blog Musicologie.org/ Ingrid Englitsch besorgte die Übersetzung und ließ auf unseren Wunsch auch die semantischen Unterschiede der beiden Sprachen Französisch und Deutsch stehen. G. H.