„The Man Who Mistook His Wife for a Hat“

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Sanfte Heiterkeit in The Man Who Mistook His Wife for a Hat von Michel Nyman, der 1944 geboren wurde, im gleichen Jahr, in dem Smith starb. Seine Chamber Opera von 1986 basiert auf dem gleichnamigen Buch des britischen, im Vorjahr verstorbenen Neurologe Oliver Sacks, der dem Leser in seinem Bestseller eine unterhaltsame, fast heitere Einführung in die moderne Neurowissenschaft liefert und 20 Fallbeispiele aus seiner Praxis schildert. Auch in der Titelgeschichte beschreibt Sacks eine wahre Begebenheit aus seinem Alltag, schildert einen Mann, der zwar Formen optisch erkennen, sie aber nicht mehr inhaltlich zuordnen kann – eben seine Frau für einen Hut hält. Von Michael Nyman habe ich in den 2000er Jahren einige Uraufführung in Karlsruhe gesehen, gut gemachte, zumeist kammermusikalisch konzipierte Oper, bei denen sich seine Minimal Music geschmeidig mit den clever gewählten Stoffen verband : Facing Goya, Love Counts, Man and Boy: DaDa.

Nymans Bestseller ist vermutlich The Man Who Mistook His Wife for a Hat, bereits ein Jahr nach dem Buch 1986 im Institute of Contempory Arts London uraufgeführt: Dr. S empfängt in seiner Praxis den von seinem Augenarzt wegen eines Sehfehlers an den Neurologen überwiesenen Sänger Dr. P. und seine Frau Mrs. P. Weder Mrs. P noch der Arzt können Auffälligkeiten an Dr. P. entdecken. Erst, als Dr. P. beim Gehen statt nach seinem Hut nach dem Kopf seiner Frau greift, merkt der Arzt, dass etwas nicht stimmt. Das nächste Zusammentreffen findet im Haus des Patienten statt, der, von seiner Frau begleitet, Schumanns sich wie ein Leitmotiv durch die Oper schlängelndes „Ich grolle nicht“ singt. Allmählich erkennt der Arzt, dass P. an einer visuellen Agnosie leidet und sich mit der Musik behilft, um durch den Alltag zu kommen. Dreißig Jahre nach der seinerzeit von CBS verewigten Uraufführung reiste Naxos nun nach Tennessee und nahm das Werk an der Nashville Opera unter ihrem Music Director Dean Williams neu auf (Naxos CD 8.660398). Die Aufnahme mit dem Tenor Ryan MacPherson als Arzt, dem Bass Matthew Trevino als Dr. P und Rebecca Sjöwall als seine Gattin benötigt für das knapp einstündige Werk eine Minute länger als die von Nyman dirigierte Uraufführungs-Produktion, ist spannend, dicht; wie stets gelingt es Nymans Musik den Hörer mit der Sogkraft eines Malstroms in das Geschehen ziehen. Rolf Fath

Eine vollständige Auflistung der bisherigen Beiträge findet sich auf dieser Serie hier.