Bizarr und Schicksalhaft

Fidelio in Athen. Das Odeon des Herodes Atticus am Fuße des Akropolis-Felsens dürfte eine der stimmungsvollsten Kulissen für eine Aufführung dieser Oper 1958 gewesen sein. Erst wenige Jahre zuvor war das antike Theater nach römischem Vorbild, auf dessen weit ausladenden Rängen 5000 Zuschauer Platz finden, restauriert worden. Es gilt als einer der beliebtesten Veranstaltungsorte nicht nur in Griechenland. Star der Aufführung im Rahmen des Athen-Festivals war Martha Mödl als Leonore , ihr zur Seite Giuseppe Zampieri als Florestan. Er war im selben Jahr in der Rolle unter Herbert von Karajan bei den Salzburger Festspielen aufgetreten. Dezsö Ernster ist der Rocco, die übrigen Rollen sind mit griechischen Sängern besetzt, die viel Mühe auf die deutschen Dialoge verwenden. Eingedenk der schwierigen akustischen Bedingungen in einem Freilichttheater und ihres Alters kann sich die bei Walhall erschienene Aufnahme (WLCD 0352) noch immer hören lassen. Ein interessantes Sammlerstück ist sie allemal – nicht zuletzt wegen Jascha Horenstein, der das Festival-Orchester leitet. Horenstein, jüdischer Herkunft, hatte eine schicksalhafte Beziehung zu Fidelio. Die Oper war das letzte Werk, das er 1933 in Düsseldorf – bedrängt von de SA-Bütteln – dirigiert hatte, bevor er in die Emigration getrieben wurde. Noch immer hat er weltweit eine große Gemeinde, die ihn ganz oben sieht im Ranking der bedeutendsten Dirigenten. In Berliner Ortsteil Wilmersdorf ist sogar ein Schallplatten-Antiquariats-Café nach Jascha Horenstein benannt (Café Horenstein). Das Foto (aus dem Nachlass Mödl/Vetter) stammt von der Probe, Martha Mödl und der Dirigent Horenstein in der Mitte umrahmt von Deszö Ernster, Zoe Vlachopoulos und Aristo Padazinakos).

B. R.