Michel Trempont

 

Einige der bedeutendsten Sänger des französischen Repertoires stammen aus Belgien. Rita Gorr und José van Dam sind da besonders zu nennen, aber auch der Bariton Michel Trempont, der am 30. Januar im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Ausgebildet wurde er in Brüssel bei dem russischen Tenor Joseph Rogatchevsky und debütierte 1952 in Liège als Valentin in „Faust“. 1955 wurde er ans Théâtre de La Monnaie in Brüssel engagiert, wo sein Lehrer Operndirektor war. Hier sang er im Laufe seiner Karriere 140 Rollen. Seit 1962 trat er regelmäßig an den Pariser Opernhäusern auf und begann eine internationale Gastspielkarriere, die ihn nach London, Barcelona, Lissabon, Neapel, Venedig, Mailand sowie in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, Mexico, Brasilien und Japan führte.

Zu seinen weltweit gefragten Glanzrollen zählten die Figaros von Rossini und Mozart, Sancho Pansa in Massenets „Don Quichotte“ und Gianni Schicchi. In San Francisco sang er neben seinem französischen und italienischen Repertoire auch Beckmesser (Spielzeit 1986/87). In reiferen Jahren übernahm er mehr und mehr Partien des Charakter- und Bassbuffo-Fachs, in denen er wegen seines komödiantischen Talents große Erfolge hatte: Als Rossinis Dr. Bartolo und Donizettis Mamma Agata, vor allem aber als Sulpice in „La fille du régiment“, mit dem er 1995 ein spätes Debut an der Metropolitan Opera gab. In dieser Rolle stand er sechs Jahre später auch neben dem jungen Juan Diego Flórez in Gran Canaria auf der Bühne. Noch 2005 trat er in Orange in „La Bohème“ neben Roberto Alagna und Angela Gheorghiu auf. Wie sein im vergangenen Jahr verstorbener französischer Kollege Gabriel Bacquier war er bis ins Greisenalter aktiv: Nach der Bühnenkarriere als Pädagoge in Brüssel und Mons und als Juror bei Gesangswettbewerben. Erst 2015, mit immerhin 87 Jahren, setzte er sich endgültig zur Ruhe.

 

Seine Diskographie ist ansehnlich und vor allem mit den Operetten Jacques Offenbachs verbunden, darunter einige Referenzaufnahmen: „La belle Hélène“ mit Jane Rhodes unter Alain Lombard (Calchas), „Orphée aux enfers“ und „La vie Parisienne“ unter Michel Plasson (als Jupiter respektive Bobinet), „Mesdames de la Halle“ unter Manuel Rosenthal (Madou) und „Les Brigands“ unter John Eliot Gardiner (Pietro). Unter Gardiners Leitung sang er auch Maître André in Messagers „Fortunio“. Auch in Gesamteinspielungen von Grétrys „Richard Cœur de Lion“ und Aubers „Fra Diavolo“ (mit Nicolai Gedda) hat er mitgewirkt. „Opera Nostalgia““ hat aus Anlaß seines Todes auf youtube den Mitschnitt eines Konzerts in Mons veröffentlicht, in dem der 71jährige in prachtvoller stimmlicher Verfassung die Figaro-Arien Mozarts und Rossinis singt, aber auch für so gegensätzliche Figuren wie Almaviva und Don Magnifico noch die nötige stimmliche Flexibilität zeigt. Einige wenige Video-Ausschnitte finden sich im Netz, die seine schauspielerische Präsenz dokumentieren und seine Beliebtheit beim Publikum erklärbar machen (Foto oben: Michel Trempont als Bantison in „Monsieur Beaucaire“, Monnaie, Bruxelles, 1956 Fonds musical Perna, Bruxelles musimern.com) Ekkehard Pluta