Salzburger Festspiele

Send in the Clowns

  „Rien“ malt die Leuchtschrift über die nahezu leere Bühne des Salzburger Festspielhauses. Mehrere Papierstöße und eine Handvoll Raben befinden sich auf der kleinen Kreisfläche in der Mitte. Und ein schwarzer Lehnsessel, aus dem sich, komplett im schwarzen Ganzkörperanzug wie ein tapsiger Tanzbär, nur mit weißer, altertümlich mittelalterlicher Halskrause angetan, der glatzköpfige Faust herauswindet und […]

Salzburger „Brettl“

  Arnold Schönberg ist die Klammer, die zwei Salzburger Konzerte verbindet. Sie sind in der Festspielreihe bei Orfeo erschienen. Zwanzig Jahre liegen dazwischen. Es wurde sich nicht eben gerissen um den Österreicher Schönberg in Salzburg. Mit einer gewissen Regelmäßigkeit taucht er aber in den Programmen auf. Auch der nach ihm benannte Chor, der 1972 gegründet […]

Ein langes Leben in der Kunst

  Am 13. Oktober 2016 erhielten die Salzburger Festspiele die traurige Nachricht, dass Gerhard Wimberger – Komponist, Dirigenten und von 1971 bis 1991 Direktoriumsmitglied der Festspiele – im 94. Lebensjahr verstorben ist. „Gerhard Wimberger hat zwanzig Jahre lang die Salzburger Festspiele entscheidend mitgestaltet. Vor allem durch seinen Einsatz für die zeitgenössische Musik in der Karajan-Zeit hat […]

Stallgeruch im Boudoir

  Gesetzt den Fall, ich hätte nicht gewusst, wer den Rosenkavalier bei den Salzburger Festspielen 2014 inszeniert hätte. Spätestens fünf Minuten nach Beginn wäre ich darauf gekommen. Dann sitzen nämlich Marschallin und Octavian das erste Mal auf dem Fußboden. Ein unverkennbares Markenzeichen des Regisseurs Harry Kupfer, bei dem alles was Füße hat auf der Opernbühne, […]

Zeitenchaos

In unterschiedlichen zeitlichen Schichten ließ Damiano Michieletto 2013 bei den Salzburger Festspielen Verdis Falstaff  spielen: zum einen in der Gegenwart in der Casa di Riposo Verdi in Mailand unter alten, der Unterstützung bedürftigen Künstlern, von denen einer ein Mittagsschläfchen dem gemeinsamen Mahl vorzieht; zudem in der Entstehungszeit der Oper, deren Figuren in damaliger Gewandung (Kostüme […]

Aus dem Vollen geschöpft

Wer, bitte, ist Tannenhäuser? Der Grafiker, der die Box mit den Opernmitschnitten unter Wilhelm Furtwängler gestaltete, muss ein Verehrer von Ludwig Tieck sein. In dessen Geschichte vom „Getreuen Eckhard“ kommt ursprünglich jemand dieses Namens vor – inzwischen aber längst der Schreibweise angepasst, wie sie auch Richard Wagner für seinen aufmüpfigen Minnesänger wählte – Tannhäuser. Dieser […]

Jonas Kaufmann im Leopardenfell

Immer wieder gibt es Versuche, die Urfassung der Ariadne auf Naxos  von Richard Strauss aus dem Jahr 1912 zu rekonstruieren und sie der späteren, ungleich erfolgreicheren Version von 1916 gegenüberzustellen. Dabei wird gerne vergessen, dass jene erste Aufführung am Stuttgarter Hoftheater ein krachender Misserfolg war, den auch ein Ensemble aus hochkarätigen Stars nicht verhindern konnte. Der Versuch, […]

Königin und Sarastro im Ringkampf

Mozart in Salzburg, die Zauberflöte in Salzburg, das gehört zusammen wie Wien und der Walzer oder München und Richard Strauss. Entsprechend hoch gespannt sind zumeist die Erwartungen, wenn an der Salzach eine neue Zauberflöte vorgestellt wird. Im Jahr 2012 war es wieder so weit, in der Felsenreitschule präsentierte der Theater-Regisseur Jens Daniel Herzog seine Interpretation […]

Die Musik triumphiert über die Szene

Was ich am 23. März 1969 im Münchner Nationaltheater zu hören und zu sehen bekam, stellte meinen bis dahin auf Wagners Musikdramen und italienischen Belcanto begrenzten Opernkosmos nachhaltig auf den Kopf. Bernd Alois Zimmermanns Komposition und Textbearbeitung der Lenz’schen Soldaten habe ich in der Münchner Erstaufführung in Anwesenheit des Komponisten damals bestimmt nicht auf Anhieb […]

Aus Florenz, Salzburg und Glyndebourne

Aus dem Teatro Comunale Firenze von 2007 kommt eine Forza del destino als Produktion des Opernhauses Zürich in  der klassischen Ausstattung von Ezio Frigerio/Bühne und Franca Squarciapino/Kostüme. Regisseur Nicolas Joël verlegt die Handlung in die Entstehungszeit des Werkes, bleibt aber sonst dicht am Geschehen und stellt die Massenszenen lebendig und geschmackvoll. Zubin Mehta dirigiert Orchester und […]