Opus Arte

Lust auf Lieder und Loewe-Balladen

  „Meister Oluf, der Schmied von Helgoland, verlässt den Ambos um Mitternacht.“ Mit diesen Worten beginnt Carl Loewes Ballade Odins Meeresritt. Der Bassbariton David Jerusalem hat sie an den Beginn seiner CD In Erlkönigs Reich gesetzt, die bei hänssler Classic erschienen ist (HC 17012). Besser konnte der Einstieg nicht gewählt sein. Raumgreifend zieht der Sänger seine […]

Zu selten aufgeführt

  Nicht aus dem Sichwundern heraus kommt man beim Genuss der Aufführung von Berlioz‘ Opéra Comique Béatrice et Bénédict von Glyndebourner Festival 2016, dem Staunen darüber, dass dieses zauberhafte Werk nicht öfter aufgeführt wird. Seine Verehrung für Shakespeare brachte der Komponist, verheiratet mit einer berühmten Shakespeare-Schauspielerin, dazu, als Libretto das Lustspiel Much Ado about nothing […]

Tempi passati

  Beinahe noch nachträglich traurig stimmt die Erinnerung an das Galakonzert zum fünfzigjährigen Berliner Bühnenjubiläum von Plácido Domingo kürzlich in der Staatsoper/Schiller Theater, vergleicht man seine angestrengte Leistung mit der des unbeschwert aus dem Vollen schöpfenden jungen Tenors, der 1975 an Covent Garden einen in jeder Hinsicht strahlenden Riccardo in Verdis Ballo in Maschera an […]

Royale Schnipsel

  Zwei Veröffentlichungen aus den 1990er Jahren legt OPUS ARTE wieder auf und fasst sie in einem Schuber mit dem Titel Gala Performances zusammen (OA 1229 BD, 2 DVD). Die erste stammt von 1993 und hieß im Original Gala Tribute to Tchaikovsky, fand der Abend in Londons führendem Opernhaus doch aus Anlass des 100. Todestages […]

Fast lupenreiner Verismo

  Sehr geschickt verbindet und verzahnt Damiano Michieletto in seiner Inszenierung der Opernzwillinge Cavalleria/Pagliacci an Covent Garden die beiden Werke miteinander, indem das Personal nicht jeweils nur in einem derselben auftritt. So kann man Nedda beim Plakatekleben in der Cavalleria, Silvio als Bäckerburschen, der bereits bei Mascagni Kontakt mit ihr aufnimmt, Santuzza im Zwischenspiel von […]

Barocker Prunk

  Von einem Oratorium erwartet man nicht gerade ein Fest für die Augen durch eine Orgie von Ausstattung und den Einsatz einer raffinierten Bühnentechnik. Barrie Kosky allerdings „enttäuschte“ in dieser Hinsicht mit seiner Inszenierung von Händels Saul aufs angenehmste und bietet visuell so Raffinertes wie Ivor Bolton mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment […]

Mal wieder Domingo

  Als hielte die Gattung Oper, zumindest die Seria, nicht schon in ihrer ursprünglichen Form genug Tote und vielfältige Arten des Zutodekommens bereit, lassen sich moderne Regisseure gern weitere Opfer und vielfältigere Formen des Ablebens einfallen, als fürchteten sie, das Publikum könne sonst den heimischen Fernseher mit seinem Angebot an Mord und Totschlag dem Opernbesuch […]

Solides Spanien

  „No sex please, we’re British“, gilt ganz bestimmt nicht für die Produktion von Bizets Carmen an Covent Garden, allerdings gehen Röckeheben, Beinespreizen und Hüfteschwenken doch sehr auf Kosten einer subtileren Erotik, die der recht ältlichen, blässlichen, zudem der Mercedes zum Verwechseln ähnlichen Titelheldin von Christine Rice leider abgeht. Ihr Mezzo is leicht und hell, […]

Schichten der Seele

    Man mag sie als des Euripides Tragödie mit hinzugefügtem happy end, als Nietzsches Kampf des apollinischen mit dem dionysischen Prinzip oder Freuds Konstrukt des Ego als Summe von Über-Ich, Ich und Es sehen, Szymanowskis Oper Krol Roger benutzt auf jeden Fall die Geschichte des sizilianischen Normannenkönigs Roger II. aus dem 12. Jahrhundert nur […]

Gruseliges und Heiteres

  Nur gut, dass Graham Vick und sein Bühnenbildner Stuart Nunn für ihre Inszenierung von Rossinis Mosé in Egitto einen Großteil des eigentlich den Zuschauern zugedachten Auditoriums in Pesaro für ihre Produktion beanspruchten, denn bei einem zahlreicheren Publikum hätte vielleicht der Einsatz der Polizei nach Premierenschluss nicht ausgereicht, die empörten Gemüter zu beruhigen. Und damit […]

Ein Fall für den Psychoanalytiker

  Die Uhr läuft. Um 8:30 Uhr steigt die Marschallin im hinteren, durch Schiebetüren vom Schlafzimmer abgetrennten Bad in den Zuber und lässt den Schwamm silbrig über ihren nackten Körper gleiten. Die stürmische Musik der Liebesszene des Rosenkavalier ließ Richard Jones bei seiner Inszenierung der „Comic opera“ für das Glyndebourne Festival im vorigen Sommer (2014) […]