Opernhaus Zürich

Menschen im Hotel

  Lichthof als Empfangshalle, um den herum sich auf mehr Etagen, als die Bühne sehen lässt,  die Zimmer abgehen. Robert Carsen lässt die ganze Geschichte der Arabella sich hier abspielen. Menschen im Hotel mit Musik. Den eleganten rotbraunen Raum im Stil der Zwischenkriegszeit hat Gideon Davy geschaffen, ebenso die bildschönen, dem Entstehungsjahr 1933 entsprechenden Kostüme. […]

Ärger mit der Erbschaft

  Die Sache Makropoulos ist bekanntlich ein verwickelter Erbschaftsprozess, der sich über mehrere Generationen hinzieht. Am Ende stellt sich heraus, dass die Operndiva Emilia Marty die Prozessgegner Albert Gregor und Jaroslav Prus beide manipuliert hat, weil sie sich brennend für einen Umschlag interessiert, der zu dem strittigen Erbgut gehört – denn der enthält ein Rezept […]

Klinische Kühle

  Sieben Jahre nach dem großartigen Fernen Klang zeigt das Opernhaus Zürich nun Franz Schrekers zweites Meisterwerk, Die Gezeichneten. Kaum zu glauben, dass die schreckliche und faszinierende, im Genua der Renaissance angesiedelte Geschichte die erste Schreker-Oper ist, die Vladimir Jurowski dirigiert. Selten hört man eine solche Verbindung von opulentem Klangbild und Durchhörbarkeit der Details. Er […]

Packend

  Elizabeth I. und Mary Stuart. Zwei Königinnen, zwei Bühnenheldinnen (die ihr Zusammentreffen Schiller verdanken, in der Realität hat es nie stattgefunden), zwei monstres sacrés. Für die man sich zwei ebenbürtige Sängerinnen und Darstellerinnen wünscht. Um es kurz zu machen: Dieser Wunsch geht in der neuen Zürcher Maria Stuarda in Erfüllung; noch dazu singen und […]

Konzentration und Legato

  Mit Interesse liest man im Programmheft, was das Produktionsteam nach einem Gang zu den Quellen – Handschriften, frühe Klavierauszüge, aber auch Dokumente zu den ersten Interpret/-innen – bei dieser Norma anders als in der Aufführungstradition der letzten Jahrzehnte zu machen beschlossen hat. Originaler. Und wie klingt das nun? Meinem Erlebnis nach – großartig! Einiges […]

Im Dauereinsatz

Schüchtern stolpert José vor Carmen, die ihn verhöhnt, als er zum Appell in die Kaserne zurück will, und fällt über seine eigenen Beine. Brillenträger José ist ein verklemmter Spießer, der seine Butterstulle auspackt und an einem Kettchen nestelt und Carmen nur verschämt beachtet, bevor sie ihm die verhängnisvolle Blume zuwirft. Ein Bruder des rührend schlichten […]

Ungewöhnlich: Kasarova & Kaufmann

Alles noch viel schlimmer, als es ohnehin schon ist in Bizets Carmen, lässt es die Regie von Matthias Hartmann im Opernhaus Zürich 2008 erscheinen, wenn der trotz allem bedauernswerte Zuniga nicht nur vorübergehend kampfunfähig gemacht wird, sondern man ihm gleich die Kehle durchschneidet, wenn die Soldaten nicht nur recht zudringlich sind, sondern Micaela gleich das […]

Stimmungsvolle Optik

Eine glückliche Hand hatte Regisseur Gilbert Deflo bei der Inszenierung von Verdis Rigoletto 2008 im Zürcher Opernhaus, als er die Handlung in einer großbürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts spielen ließ, die im ersten Akt ein üppiges Renaissance-Fest feiert. So braucht der Zuschauer nicht auf prachtvolle historische Kostüme (William Orlandi), barbusige Damen und ein skurriles Ballett […]