Opernhaus Zürich

Meine Kultoper

  Zugegeben, die Oper Eugen Onegin  in Zürich ist für mich etwas Besonderes. Mit diesem Stück und in diesem Haus hat 1991 mein Operngängertum begonnen. Die vielbeschworene, wohl ohnedies illusorische Objektivität dürfte da noch angeschlagener sein als üblich. Die traditionelle, atmosphärisch dichte, sorgfältige Everding-Inszenierung von damals ist längst schon abgelöst worden. Bei „meiner“ dritten Zürcher […]

Nix deutscher Wald

  Herbert Fritschs Bühnenwelten sind etwas anders als die andern. Farbenfroher und schneller als die meisten. Doch nicht weniger konsequent als etwa jene von Robert Wilson, um einen Antipodenkandidaten als Beispiel zu nehmen. Dass sich Zustimmung und Ablehnung bei seiner Inszenierung des Freischütz am Opernhaus Zürich gleichermaßen profiliert manifestieren würden, war eigentlich vorhersehbar. Ich gehöre zu den […]

Musikalisch sensationell

  Als Festspielpremière gab’s am Opernhaus Zürich wie letzte Saison Bellini – nach den Capuleti nun die Puritani in wirklich puritanischer Optik. Fast die ganze Bühne (Henrik Ahr) nimmt ein Tubus ein, der sich beinahe unaufhörlich dreht; gelegentlich öffnet er sich auf den Innenraum mit abblätternden weißen Wänden und Stühlen, in dem man realistische Szenen […]

Kurhotel Marthaler

  Großes Foyer eines recht modernen Kurhotels. Man sieht durch schiebbare Glaswände in andere Bereiche – Konferenzräume, ein Schwimmbecken, ein Flur mit nummerierten Zimmertüren (Ausstattung: Anna Viebrock). Hier hält sich die Reisegesellschaft zum  Viaggio a Reims auf, von hier aus gelingt der Aufbruch nach eben Reims nicht. Der historische Anlass, die Krönung des französischen Königs […]

Konzentration und Legato

  Mit Interesse liest man im Programmheft, was das Produktionsteam nach einem Gang zu den Quellen – Handschriften, frühe Klavierauszüge, aber auch Dokumente zu den ersten Interpret/-innen – bei dieser Norma anders als in der Aufführungstradition der letzten Jahrzehnte zu machen beschlossen hat. Originaler. Und wie klingt das nun? Meinem Erlebnis nach – großartig! Einiges […]

Im Dauereinsatz

Schüchtern stolpert José vor Carmen, die ihn verhöhnt, als er zum Appell in die Kaserne zurück will, und fällt über seine eigenen Beine. Brillenträger José ist ein verklemmter Spießer, der seine Butterstulle auspackt und an einem Kettchen nestelt und Carmen nur verschämt beachtet, bevor sie ihm die verhängnisvolle Blume zuwirft. Ein Bruder des rührend schlichten […]

Ungewöhnlich: Kasarova & Kaufmann

Alles noch viel schlimmer, als es ohnehin schon ist in Bizets Carmen, lässt es die Regie von Matthias Hartmann im Opernhaus Zürich 2008 erscheinen, wenn der trotz allem bedauernswerte Zuniga nicht nur vorübergehend kampfunfähig gemacht wird, sondern man ihm gleich die Kehle durchschneidet, wenn die Soldaten nicht nur recht zudringlich sind, sondern Micaela gleich das […]

Stimmungsvolle Optik

Eine glückliche Hand hatte Regisseur Gilbert Deflo bei der Inszenierung von Verdis Rigoletto 2008 im Zürcher Opernhaus, als er die Handlung in einer großbürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts spielen ließ, die im ersten Akt ein üppiges Renaissance-Fest feiert. So braucht der Zuschauer nicht auf prachtvolle historische Kostüme (William Orlandi), barbusige Damen und ein skurriles Ballett […]