Glyndebourne Festival

Staubiges aus Glyndebournes Archiven

  Naja, ich hatte mehr erwartet. Klanglich vor allem. Nimbus ist ja berühmt für seine (nicht immer unangezweifelte) Technik der Hörbarmachung antiker Schellacks, und viele vergrabene Schätze kamen durch ihre Groß-Trichter-Behandlung ohrenschmeichelnd  wieder zu Tage. Aber vielleicht war mit dem BBC-Band von 1954 des Don Giovanni unter Georg Solti aus Glyndebourne nicht mehr herauszuholen. Die Stimmen […]

Ein Fall für den Psychoanalytiker

  Die Uhr läuft. Um 8:30 Uhr steigt die Marschallin im hinteren, durch Schiebetüren vom Schlafzimmer abgetrennten Bad in den Zuber und lässt den Schwamm silbrig über ihren nackten Körper gleiten. Die stürmische Musik der Liebesszene des Rosenkavalier ließ Richard Jones bei seiner Inszenierung der „Comic opera“ für das Glyndebourne Festival im vorigen Sommer (2014) […]

Picknick-Kost

Zwei vergnügliche Abende kann man sich mit dem Doppelpack von Donizetti-Buffe aus Glyndebourne bereiten, wo 2009 L’Elisir d’Amore und 2013 Don Pasquale aufgeführt wurden. Nach dem bewährten Glyndebourne-Rezept, keine übertriebenen Regieexperimente zuzulassen und gute, aber nicht zur Starelite zählende Sänger zu verpflichten, ist man auch in diesen beiden Fällen vorgegangen und hat ansehnliche, wenn auch […]

Rollende Augen, finstere Blicke

Die bereits seit Jahren, erst als VHS-Video, später als DVD kursierende Macbeth-Aufführung von 1972 aus Glyndebourne ist kürzlich bei Arthaus (102316) neu wieder herausgekommen. Auf den ersten Blick verwundert das, hat eine über vierzig Jahre alte Opern-Inszenierung heute doch schon fast steinzeitlichen Charakter. Alles, wirklich alles hat sich inzwischen in der Opernszene verändert. Eine so […]

Fidelio, mal wieder klassisch

Ach, wie schön ist es, wieder mal einen Fidelio zu sehen, ohne knallorange Guantanamo-Kleidung, ohne Gaza-Streifen-Aktualisierungen, auch nicht als Aufarbeitung des Holocaust und nicht aufgezeichnet in einem realen Gefängnis. Fast ist man versucht zu sagen, ja, das gab es einmal: Joseph Sonnleitners schwächelndes Libretto als persönliches Befreiungsdrama der napoleonischen Zeit, den idealistischen Gedanken von Humanität […]