Erato

Oh beaux Pays…

  Diana Damrau schreibt im Booklet der Erato-Ausgabe: Meyerbeer – ein wahrhaftiger Europäer. Warum ein reines Meyerbeer-Album? Während meines Studiums in Würzburg wurde ich vom dortigen Universitätsorchester eingeladen, Meyerbeers Kantate Gli amori di Teolinda für Sopran, Klarinette und Orchester zu singen. Bis dato kannte ich nur Dinorahs Arie „Ombre légère“, ein Muss für jeden Koloratursopran. […]

Mozart nach Racine

  In Racines Alexandriner muss man sich erst mal einlesen. Eine Truppe von Schauspielern und Sängern hat sich in ein Theater geflüchtet. In Mänteln und Pullovern. Leicht heruntergekommen, gezeichnet von den Kriegsjahren. Draußen herrschen Verwüstung und Kriegszerstörung. Auf der Bühne finden sie eine Theatersituation vor, davor mehrere Reihen mit Theatersesseln, Stühle und Tische. Beim Lesen […]

Luxusbesetzung

  Zu spät stellten wir fest, dass es ja im April 2017 im Straßburger Palais de la Musique et des Congrès, Salle Erasme, ein Konzert der absoluten Sonderklasse gegeben hat: Berlioz-Fachmann John Nelson dirigierte zweimal Les Troyens mit den Solisten Michael Spyres, Marie-Nicole Lemieux und Joyce DiDonato in den Hauptrollen. Dazu kam eine weitgehend nationalsprachige […]

Grandioser Kitsch

  Charles Gounod kennt man heute vor allem als Opernkomponisten – aber er hat sein Leben lang auch geistliche Musik geschrieben. Beim Label Erato ist nun eine seiner wichtigsten geistlichen Kompostionen wiedererschienen – unter der Leitung von Michel Plasson. Mors et Vita ist Gounods zentrales Spätwerk, seine letzte große abendfüllende Komposition überhaupt. Gounod, einerseits ein […]

Glaube und Eifersucht

  Georg Friedrich Händels spätes Oratorium Theodora steht in der Tradition einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Christenverfolgung im römischen Reich, ähnliche Geschichten erzählen auch Donizettis Oper „Poliuto“ oder der Hollywood-Monumentalfilm „Quo vadis?“ nach dem Roman von Henryk Sienkiewic. Das Oratorium spielt zu Beginn des 4. Jahrhunderts, der Stadthalter Valens befiehlt Opfergaben zum kaiserlichen Geburtstag, die […]

Zurück wie neu

  Händel komponierte das Oratorium La Resurrezione 1708 in Rom für ein ausgesuchtes und anspruchsvolles Publikum seines Mäzens Fürst Ruspoli. Bei Erato ist nun die 1990 entstandene Einspielung von Ton Koopman und The Amsterdam Baroque Orchestra wieder erschienen und besteht auch fast drei Jahrzehnte nach der Aufnahme den qualitativen Test der Zeit. Maßgebliche Konkurrenz existiert von […]

„Ah, che muso…“

  „Sì, sì, sì, sì!“ singt Tisbe in der Introduzione von Rossinis Melodramma giocoso La Cenerentola – und so lautet auch der Titel eines neuen Albums von Marie-Nicole Lemieux bei Erato/Warner, das ganz dem Komponisten aus Pesaro gewidmet ist (0190295953263). Leider ist Angelinas berühmtes Schlussrondo aus dieser Oper nicht im Programm enthalten, dafür viele andere […]

Glanzvolles Dokument

  Nicht gerade Begeisterung hatte sich im Jahr 2004 in Italien breit gemacht, als bekannt wurde, Riccardo Muti würde die sehnlichst erwartete Wiedereröffnung der Scala nach jahrelanger Renovierung nicht mit Verdi oder Puccini, sondern mit Antonio Salieris bis dahin unbekannter Oper Europa Riconosciuta feiern. Und nicht fröhlicher wurde man wahrscheinlich beim Blick auf die fast kahle […]

Tsunami d’amour

  Wo besser als in Indien oder Ceylon und damit in Bizets Les Pȇcheurs de Perles bietet sich für Regie die Möglichkeit, archaische Bräuche, religiöse Verstiegenheit und moderne Technik unter einen konzeptionellen Hut zu bringen, und so kombiniert denn auch Regisseurin Penny Woolcock unbekümmert, aber durchaus nicht werkentstellend einen zottelhaarigen guruhaften Hindupriester mit einem laptopbedienenden […]

Très Mignonne

  Sollte etwa Marianne Crebassa ihre schönen langen Haare zugunsten einer jungenhaften Kurzhaarfrisur nur wegen des Covers ihrer CD haben abschneiden lassen? Das wäre jammerschade und zudem noch überflüssig gewesen, denn auch ohne dieselbe und ohne schwarze Fliege zum weißen Hemd hätte sie allein durch ihren Gesang überzeugt und hätte alle die schwärmerischen Jünglinge, denen […]

Zwischen Zeiten und Stilen

  Christina Pluhar hat mit ihrem 2000 gegründeten Ensemble L’Arpeggiata einige bemerkenswerte Einspielungen mit frühbarocker Musik vorgelegt, die österreichische Lautenistin und Harfenistin ist nun auch als Komponistin aktiv geworden. Mit Orfeo Chamán (Orfeo, der Schamane) wählte Pluhar ein Libretto des kolumbianischen Dichters Hugo Chaparro Valderrama. Europäische und lateinamerikanische Mythologie treffen hier aufeinander. Erzählt wird die […]

Raserei und Sanftmut

  Einen besonderen Titel hat Joyce DiDonato für ihre neue CD bei Erato (0190295928469) gewählt, der neugierig macht auf das Programm: In War and Peace / Harmony through Music. Diesem Motto entsprechend fasst sie in zwei Abteilungen 15 Arien zusammen, unterteilt sie je nach ihrem Charakter und Inhalt in die beiden Gruppen, beginnend mit dem […]

Auf der Suche nach Bach

  Philipp Jaroussky ist immer auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern. Seine Vielseitigkeit scheint auch auf Neugierde zu beruhen. Obwohl er sehr oft in Deutschland aufgetreten ist und gut Deutsch spricht, hat er als Sänger um diese Sprache bei seinen Aufnahmen bisher einen Bogen gemacht. Aus gutem Grund. Wir Deutschen lieben bekanntlich den französischen Akzent, […]