Daniel Barenboim

Keine Scheu vor Pathos

  Genau im Jahre 1900 wurde Sir Edward Elgars berühmtestes Oratorium The Dream of Gerontius uraufgeführt. Seither zählt es nicht nur zu den wichtigsten Werken dieses Komponisten, sondern auch zu den populärsten englischen Oratorien überhaupt. Die Erstaufführung war indes alles andere als ein Erfolg, doch setzte der Siegeszug des über 90-minütigen Vokalwerkes bereits bald danach ein. […]

Betrogener Betrüger

  Bei der Premiere während der Berliner Festtage des Jahres 2015 konnte man bis zum Schluss des 1. Akts noch guten Mutes sein, einem interessanten, aber auch schlüssigen Abend beizuwohnen. Zwar versucht Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov das Unmögliche, nämlich die Säkularisierung der Handlung, die er ganz brav, weil weitgehend zutreffend, im Programmheft darstellt, und […]

Staatsopern-Festtage 2016

  Überraschend fiel die Wahl der diesjährigen Festtagsproduktion an der Berliner Staatsoper (zum 20. Jubiläum der Festtage) auf Glucks Azione teatrale per musica Orfeo ed Euridice – ähnlich Alte Musik hat Daniel Barenboim mit der Staatskapelle Berlin bisher noch nicht dirigiert. Man hört, dass dieser klassizistische Stil für ihn neues und ungewohntes Terrain darstellt – […]

Aufpolierter „Figaro“

  Live in der (echten!) Staatsoper Unter den Linden war sie mir immer recht trübe und dröge vorgekommen, die Produktion von Mozarts Le Nozze di Figaro in der Inszenierung von Thomas Langhoff von 1999, was aber nicht an diesem, sondern an der Bühne von Herbert Kapplmüller lag. Vorwiegend dunkles Braun, eine schwergewichtig erscheinende Verbindungsbrücke von […]

Daniel, Bryn und 2x Anna

  Die Übertragung der Scala-Spielzeiteröffnung vom 7. Dezember 2011 mit Mozarts Don Giovanni, allerdings ohne die Buhs für Regieteam und Dirigenten, hat die DG auf den Markt gebracht, und da in der Königsloge Staatspräsident und Il Presidente del Consiglio Napoletano und Monti anwesend sind, beginnt die Vorstellung nicht mit der Sinfonia, sondern mit der italienischen […]

Macht der Medien

  „Ätsch, so hättet ihrs wohl gern, aber es kommt ganz anders“, mag sich der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov gedacht haben, als er zu Beginn von Rimski-Korsakovs Oper Die Zarenbraut in der Berliner Staatsoper ein hochromantisches Genrebild aus dem alten Russland minutenlang auf die Zuschauer wirken ließ, ehe es sich als Szene in einem hochmodernen Fernsehstudio […]

Die Götter plantschen im Wasser

Mit seltener Einmütigkeit reagierte das internationale Feuilleton, auf die von 2010 bis 2013 parallel für die Mailänder Scala und die Berliner Staatsoper produzierte Neudeutung von Wagners Ring des Nibelungen. Der junge belgische Regisseur und Bühnenbildner Guy Cassiers sah sich herber Kritik ausgesetzt. Die nun als DVD vorliegende Rheingold-Aufführung der Mailänder Scala von 2010 (Arthaus Musik 101 […]

Eindimensional und langweilig

Was hat Joseph Conrads 1899 erschienene Erzählung Herz der Finsternis mit Wagners Götterdämmerung zu tun?  Als Hilfestellung kann ein Brief Conrads herhalten, der vermutlich auch Wagner gefallen hätte, „Der Mensch ist ein bösartiges Tier. Seine Bösartigkeit muss organisiert werden. Das Verbrechen ist eine notwendige Bedingung der organisierten Existenz. Die Gesellschaft ist ihrem Wesen nach kriminell, […]

Orchestraler und Sopran-Glanz

Wie bereits für seine Vorgänger Das Rheingold und Die Walküre gilt für die Video-Aufzeichnung von Siegfried aus der Mailänder Scala, dass sie weitaus besser wirkt, als das Live-Erlebnis (in der Berliner Staatsoper) es vermochte. Das liegt wieder daran, dass die Sänger vor der ewig flirrenden, flimmernden, schimmernden, wogenden und wabernden Video-Wand nicht verschwinden, sondern von […]

Kein großer Wurf

Nun ist die Neuinszenierung des Rheingold, mit dem der Ring des Nibelungen an der Mailänder Scala 2010 eröffnet wurde, auch als Blu-ray Disc erschienen. In Zusammenarbeit mit der Eastman Ballet Company Antwerpen zeichnet der Belgier Guy Cassiers für Regie und Bühnenbild verantwortlich, ohne ein überzeugendes Konzept erkennen zu lassen; alles bleibt irgendwie unentschieden und zwiespältig. […]

Der TV-Regisseur ist der Held der Aufnahme

Dankeshymnen anstimmen können Sänger und DVD-Besitzer der Scala-Aufführung von Wagners Walküre dem TV-Director, denn er hat die Ersteren vor einem Schattendasein vor flimmernden Videowänden und die Letzteren vor dem Erregen von Schwindelanfällen beim Stieren auf dieselben oder die alberne Diskokugel bewahrt. Sogar die kümmerlichen Rotlichtlampen mit Tropfeffekt, die Brünnhilde vor feigem Zugriff schützen sollen, gewinnen […]