Wagner-Marathon und Beethovens Neunte bei Orfeo

Aus Bayreuther Truhen

  Orfeo unterbricht seine Bayreuther Festspielserie mit Beethoven. Dessen 9. Sinfonie hat in Bayreuth stets eine ganz besondere Rolle gespielt. Richard Wagner führte sie bei der Grundsteinlegung des Festsspielhauses am 22. Mai 1872 im Markgräflichen Opernhaus auf, das er ursprünglich für seinen Ring des Nibelungen in Erwägung gezogen hatte. 1933, nach dem Nachtantritt der Nationalsozialisten, […]

Der "Ring" zum Vierten: Wagners "Götterdämmerung" in Karlsruhe

Zotiger Unfug

  Vier Regisseure hat man in Karlsruhe für die vier Opern des Ring des Nibelungen engagiert, und man kann es als die größte Enttäuschung dieses Konzepts bewerten, dass bisher keiner der drei Regisseure seiner ganz isoliert betrachteten Einzeloper einen  bemerkenswerten Ansatz abgewann und eine neue Betrachtungsebene schuf. Die Selbstbeschränkung auf einzelne Atoll-Opern, die einerseits nicht […]

Der Dirigent Jewgeni Mrawinsky bei Hänssler Profil

Ein Genius in problematischer Edition

  Jewgeni Mrawinski (in englischer Transkription Yevgeny Mravinsky / 1903-1988) gilt als einer der größten russischen Dirigenten der Sowjetzeit. Ein halbes Jahrhundert lang, zwischen 1938 und 1988, stand er den Leningrader Philharmonikern vor und formte sie zu einem der besten Orchester der Welt, was auch vom „Klassenfeind“ im Westen anerkannt werden musste. Sein strenger, aristokratischer […]

Julie Davis mit Wagner, Schubert, Bellini und Liszt bei Capriccio

Italienischer Schubert und anderes

  In der Reihe Première Portraits von Capriccio ist eine CD mit Aufnahmen der amerikanischen Sopranistin Julie Davies erschienen mit fast ausschließlich Musik auf italienische Texte, ausgenommen die französischen Les Adieux de Marie Stuart von Richard Wagner. Die junge Sängerin war in Darmstadt im Festengagement und hier vor allem in Belcanto-Partien zu hören, aber auch […]

Lemoynes Oper „Phèdre“ beim Palazetto Festival in Paris 2017

Grosse Oper – klein verpackt

  Die Phädra-Vorlage des Eurypides hat neben Racine (den Schiller sogar ins Deutsche übersetzte) auch manche Komponisten inspiriert, so Simone Mayr oder Ildebrando Pizetti (nach D´Annunzio). Und auch Jean-Baptiste Lemoyne, ein Zeitgenosse Cherubinis (etwas jünger), der 1780 seine Phèdre auf die Bühne in Paris brachte. Und in Paris konnte man sie nun (nach Präsentationen am […]

Angela Gheorghiu bei Warner

„Eternamente“

  Als Diva im riskanten Pailettenkleid setzt sich Angela Gheorghiu auf dem Cover ihrer neuen CD bei Warner Classics  bemüht „verderbt“ in Szene (0190295780241), die den Titel Eternamente trägt und ganz dem Repertoire des Verismo gewidmet ist. Da finden sich Raritäten – wie Canzonen von Stefano Donaudy („O del mio amato ben“), Angelo Mascheroni („Eternamente“) […]

Reimanns neues Werk für Berlin

Der allgegenwärtige Tod

  Die Verbundenheit von Aribert Reimann mit der Deutschen Oper Berlin ist beeindruckend – bereits vier seiner mittlerweile neun Opern erlebten an diesem Hause ihre Uraufführung. Nun kehrt der 81jährige Komponist mit seiner neuesten Schöpfung nach Berlin zurück. L’Invisible heißt diese Trilogie lyrique nach Maurice Maeterlincks Dramen L’Intruse, Intérieur und La mort de Tintagiles, die der […]

"Les Troyens" in Dresden

Offenbachiade

  Im falschen Stück wähnt man sich bei Lydia Steiers Neuinszenierung von Berlioz’ Les Troyens an der Semperoper, wo das bunte Treiben der Menge im 1. Akt an jenes vor dem Café Momus in Puccinis La Bohème erinnert oder auch Offenbachs La vie parisienne zugeordnet werden könnte. Der Italiener Gianluca Falaschi entwarf bunte Kostüme im […]

Carlo Coccias "Caterina di Guisa" in Wilhelmsbad

Begeisternd

  Wie konnte es passieren, dass eine Oper, die [bei ihrer Premiere in der Scala di Milano, aber auch in späteren Aufführungen] mit leidenschaftlicher Begeisterung aufgenommen wurde, fast völlig von der Bildfläche verschwand? Diese Frage stellte Alexander Weatherson, der englische Musikwissenschaftler  und Vorsitzende der britischen Donizetti Society, am Schluss seines überaus informativen Beitrags  für das Programmheft der letzten bekannten […]

Siri Karoline Thornhill mit Grieg-Liedern bei Ars

Lieder aus dem Norden

  Zunächst an der Nase herumgeführt fühlt man sich, wenn man die CD von Siri Karoline Thornhill auflegt und dann Unverständliches zu hören bekommt, denn auf der Rückseite der Plattenhülle sind sämtliche Titel der „Songs“ von Edvard Grieg in deutscher Sprache aufgeführt, gesungen wird aber zu drei Vierteln in Norwegisch, und auch Solveigs Wiegenlied aus […]

"Norma"-Wiederaufnahme in Nürnberg

Inszenierung fand nicht statt

  Bellinis Norma gehört zu jenen Stücken im Opernrepertoire, die wegen des Librettos heutzutage schwer zu inszenieren sind. Man mag einwenden, dass diese Beobachtung auf die meisten Werke des 19. Jh. mit ihren absurden Plots zutrifft. Abgesehen davon, dass einige Textbücher durchaus schlüssig sind (man denke nur an Verdis Traviata), kann ein Regisseur meistens auf Abstrahierungen oder […]